Sanierung Landtag Rheinland-Pfalz (Deutschhaus)

  • Sanierung Landtag Rheinland-Pfalz (Deutschhaus)

    Der rheinland-pfälzische Landtag soll saniert werden und einen neuen Anbau erhalten. Die Entwürfe, die das baunetz dieser Tage zeigt, wirken elegant und stehen dem Gebäude meiner Meinung nach gut zu Gesicht. Ein Highlight wäre es nun noch, wenn man das ganze Schloss/Regierungsviertel umkrempeln würde, um einen ansprechenden öffentlichen Raum zu schaffen, statt der an Brachen ähnelnden "Park"-Landschaft (im doppelten Sinne).


    Mein Vorschlag: Die Werkstätten des Römisch-Germanischen-Zentralmuseums abreißen (nach dem Neubau derer in der Südstadt), den dahinterliegenden Parkplatz in eine Tiefgarage verlegen (und die oberirdischen Parkplätze vor dem Landtag verschwinden lassen) und einen zusammenhängenden gar nicht so kleinen Park mitten in der Stadt mit sinnvoller Wegführung schaffen. Das wäre doch was!

  • Und am besten noch den Bereich zwischen Petersplatz und Rheinallee verkehrsberuhigen. Das hätte schon Potential - und dass das Gebiet zwischen Schloss/Landtag und Peterskirche/Abgeordnetenhaus eine Aufwertung mehr als nötig hat, dürfte unstrittig sein.


    Der Entwurf für den Landtag wäre ein sehr gelungener Anfang dafür!

  • Die innere Neuplanung des Landtags gefällt mir ebenfalls gut, danke auch für den link zu baunetz mit den zahlreichen Visualisierungen! Die AZ hatte das Thema letztens auch, allerdings nur mit unbrauchbaren Minibildchen. Was ich schade fände ist, wenn der historische Seitenflügel vom Landtag Richtung Große Bleiche durch einen modernen Anbau ersetzt würde.


    Sehe ich auch so, dass der gesamte öffentlich Bereich von Landtag über Große Bleiche und Ernst-Ludwig-Platz bis zum Parkplatz vor dem Haus am Schloss dringend neu gestaltet werden müsste. Zufällig bin ich da über das "Forum Regierungsviertel" der Stadt Mainz von 10/2008 gestolpert, wo die Geschichte, Probleme und Lösungsansätze des Gebiets erläutert werden. Mit 75 Seiten ziemlich umfangreich, aber dafür auch mit einigen interessanten historischen und aktuellen Aufnahmen: Klick! Ganz furchtbar finde ich neben den schon genannten Defiziten übrigens diesen Betonschalenbrunnen auf dem Ernst-Ludwig-Platz, der wohl "Jubiläumsbrunnen" heißt. Und dass der unsäglich hässliche Parkplatz zwischen Gericht, Schloss und Haus am Schloss ernsthaft noch Schlossplatz heißt, ist ja fast grotesk.

  • Zum Landtag: Ja, mein Eindruck war auch, dass die Seitenflügel hinter einer modernen Fassade verschwinden sollen. Mir scheint es, als solle sie vorgebaut werden, also kein Ersatz: Siehe hier


    Dennoch halte ich dies für völlig unangemessen, da die historische (wenn auch "nur" wiederaufgebaute) Fassade bzw. das Gesamtensemble in seinem Bild massiv beeinträchtigt wird. Hier kann ich nicht verstehen, dass der Denkmalschutz nicht einschreitet. Wenn ich überlege, dass beim Rathaus keine massiven Veränderungen erlaubt werden sollen und hier das harmonische Gesamtbild völlig zerstört werden darf, kommen mir da doch Zweifel, ob da mit gleichem Maß gemessen wird.
    Wie auf diesem Bild zu sehen.

  • Ich bin noch neu hier. Wollte mich aber trotzdem kurz einbringen.


    War selbst in der Ausstellung und Führung zum Wettbewerb Landtag dabei und hatte es so verstanden, dass der kleine Seitenflügel zur Großen Bleiche, in dem aktuell die Kantine ist, überwiegend abgerissen werden soll und durch den Neu-/Anbau ersetzt werden soll. Lediglich die Fassade zum Rhein hin würde bleiben.

  • Willkommen im Forum! :) Nun, das wäre echt unverständlich, wenn abgesehen von der Fassade zum Rhein hin der Flügel abgerissen werden soll. Es ist ja nicht so, dass Mainz vor allem in der nördlichen Altstadt vor historischen oder meintewegen historisierenden Fassaden strotzt. Und zum Rathaus: Nachdem ich da letztes Jahr mal eine Führung mitgemacht habe, musste ich zu dem Schluss kommen, dass das Gebäude von innen noch wesentlich schlimmer ist, als von außen. Seltsame Zuschnitte, dunkel, klaustrophobisch enge Treppenhäuser...

  • Zum Umbau des Landtags: Ich habe mal ein wenig recherchiert und bin auf folgende Broschüren des Landes RLP gestoßen:


    hier und hier, in denen der Landtag auch mit den Kriegszerstörungen zu sehen ist.
    Die Mauern der Anbauten am Hauptgebäude wurden stadtseitig wiederhergestellt und waren rheinseitig erhalten geblieben (zumindest links, wo es auf den Fotos zu erkennen ist).


    Die Argumentation des Denkmalschutzes wird dann wahrscheinlich sein, dass es sich eh nur um eine rekonstruierte Mauer handelt und damit keinen Denkmalstatus genießt.
    Ich bin der Meinung, dass der Landtag in seinen barocken äußeren (teils rekonstruierten) Formen insgesamt schützenswert ist, da das historische Gesamtbild so wiederhergestellt wurde (In Warschau wurde bspw. die gesamte Altstadt wiederaufgebaut und dann später von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt! So viel zur Wertschätzung rekonstruierter Stadbilder an anderen Orten.).


    Außerdem bin ich auch der Meinung, dass in einer Stadt wie Mainz, in der durch die massiven Zerstörungen des Krieges und den Abrisswahn der Nachkriegszeit nun wirklich kein Mangel an modernen Formen und Fassaden herrscht, jede historische Mauer einen ganz besonderen Wert hat und nicht einfach einem modernen Nachfolger weichen darf.


    Ich finde es absurd, dass beim Rathaus schon fast wahnhaft jede optische Veränderung abgeblockt wird, während hier einem historischen Stadtbild Missachtung entgegengebracht wird.


    Ich will es nicht akzeptieren, dass sich das wiederholt, was sich in unserer Stadt nach dem Krieg abgespielt hat. Ich gehe durch die Stadt und ärgere mich, dass "die Mainzer" es zugelassen haben, dass zum Beispiel das Bischofspalais (das noch bis in die 70er als Ruine da stand) abgerissen und durch das wunderschöne "Hertie"Parkhaus ersetzt wurde anstelle eines Wiederaufbaus. Ich bin frustriert, dass z.B. das Ende der Weißliliengasse nur gebaut werden konnte, weil dort ganz massiv erhaltene Altstadtteile abgerissen wurden. Ich frage mich, wie die Mainzer das zulassen konnten. Beispiele gibts leider noch viele andere :nono:


    Übrigens ganz passend gibt in der AZ heute einen Artikel, in dem von Außen ein Blick auf Mainz geworfen wird.
    Interessant finde ich folgenden Teil:
    Aber die Dominanz der römerzeitlichen Wurzeln in der Wahrnehmung der kulturellen Identität der Stadt erscheint mir unverhältnismäßig angesichts der Geschichte der Stadt Mainz, die ihre größte Machtentfaltung und Bedeutung sicher in der Barockzeit hatte. Dass nur mehr einige wenige der ursprünglich 50 Adelspalais erhalten sind, erschwert das sinnliche Nacherleben der Bedeutung dieser Zeit natürlich erheblich. Die Ausstellungen und Veranstaltungen der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, die sich auf den Barockschwerpunkt des heurigen Kultursommers beziehen, sind ein Schritt in Richtung einer stärkeren Wahrnehmung jener Epoche, als der Kurfürst von Mainz der Reichserzkanzler und nach dem Kaiser der zweite Mann des Reiches war.


    Hier sieht eine Kunsthistorikerin aus Wien den Wert des Mainzer Barock (der offensichtlich auch von der Generaldirektion Kulturelles Erbe erkannt wurde), sie sieht eben aber auch die riesigen Verluste, die wir in unserem Stadtbild haben. Da frage ich mich, wie viel ist die Moderne am Landtag wirklich wert, wenn der nur noch in wenigen Beispielen vorhandene Mainzer Barock fahrlässig und unnötig dafür weiter zerstört wird?

  • Volle Zustimmung, frodoNtour, vielleicht solltest du das so oder wenigstens so ähnlich mal an die Denkmalschutzbehörde und/oder die Generaldirektion Kulturelles Erbe schicken? Vielleicht auch als Leserbrief an die AZ?

  • Am 23.01.2013 haben die Fraktionen des Landtags von Rheinland-Pfalz die Sanierung des Gebäudes beschlossen, am vergangenen Mittwoch, 24.09.2014, wurde der Vertrag mit dem Wettbewerbsgewinner Linus Hofrichter (Büro sander.hofrichter architekten, Ludwigshafen) unterzeichnet. Auf der homepage des Büros kann man sich nochmal die Pläne für die Sanierung anschauen. Die eigentlichen Bauarbeiten sollen im November 2015 beginnen, voraussichtlich drei Jahre dauern und um die 40mio€ kosten. Anfangs soll das Parlament ins Mainzer Rathaus, später in die Steinhalle des Landesmuseums (Golden-Ross-Kaserne) ziehen. Der Landtag hat auf seiner Seite eine sehr informative Unterrubrik zum Thema Sanierung bereitgestellt (klick!), wo sich unter anderem ein Video befindet, dass ein paar Einblicke in den Plenarsaal, die Haustechnik und ein paar andere Räume gewährt (klick!).

  • Umzug Landtagsverwaltung + Interimsplenarsaal

    Die Vorbereitungen für die anstehende Sanierung laufen schon eine Weile, jetzt gibt es erste sichtbare Veränderungen. Ende Oktober haben die rund 130 Mitarbeiter der Landtagsverwaltung ihre Kisten gepackt und sind für die Zeit der Sanierung wie schon länger geplant ins Isenburg-Karree (Diether-von-Isenburg-Straße 1) umgezogen. Das Gebäude liegt nicht weit vom Deutschhaus entfernt (Karte) und war durch seinen Umbau vom Gefängnis zum Bürohaus hier im Forum auch Thema, letzte Bilder hier und hier. Passend dazu hat der SWR eine Reportage unter dem Titel "Die Verwaltung muss ins Gefängnis" gemacht.


    Am 17.12. soll dann der Ausbau des Plenarsaals folgen. Dieser zieht interimsweise in die Steinhalle des ebenfalls nahen Landesmuseums, wo er ab Mai 2016 genutzt werden kann (AZ). An der Steinhalle wurde schon im Sommer gebaut, denn für den Einzug des Plenarsaals musste die Dachkonstruktion erneuert werden. Das Innere sah bei Umbaubeginn so aus.



    Zum Zeitpunkt der Aufnahme (20.08.) war die Halle noch eingerüstet und das Dach wurde neu gedeckt. Vorher sah sie so aus (Bild aus diesem Beitrag).



    -Bilder von mir-

  • Langsam scheint es mit der Sanierung loszugehen. Diese Woche wurden Bäume und Sträucher entlang des Anbaus entfernt, der bekanntlich durch eine modernere Version ersetzt werden soll, was mir immer noch mehr als unverständlich ist. Wenn der bisherige Seitenflügel zu klein ist, hätte man auch einfach die Fensterachsen kopieren und ihn entsprechend zur Großen Bleiche hin verlängern können.





    -Bilder von mir-

  • Der Ansicht meiner Vorschreiber kann ich mich nur anschließen. Während zur Rheinstraße hin die stimmig wirkende historische Anmutung erhalten bleiben soll, wird das Deutschhaus auf der Stadtseite zwischen modern und einfallslos wirkenden Fassaden eingekeilt werden. Wie kann man nur auf eine solche Idee kommen, der gegenwärtige Zustand gibt optisch viel mehr her. Einen neuen Saal hätte man auch anders verpacken können, passend zum Bestand. Die Idee mit dem riesigen Landeswappen an der Rheinstraße finde ich gut.


    Neuplanung Nordseite:



    Neuplanung Südseite:



    Visualisierungen: Sander Hofrichter Architekten


    Unterdessen haben die Arbeiten zur Innenraumsanierung begonnen. Aus dem Gebäude ragen dicke Rohre, Abfallcontainer stehen im Hof. Eine Visualisierung am Bauzaun zeigt, dass die Stadtseite der Anbauten tatsächlich so unpassend gestaltet wird, wie angedroht.




  • Zwischenstand:
    Der Platz der Mainzer Republik ist weiträumig eingezäunt und teilweise für die Baustelle vorbereitet. An einigen Stellen hat man angefangen ein paar Löcher zu buddeln.

    Hinter den Baucontainern erkennt man anscheinend eine Farbmusterachse (weiße Fassadenfarbe)


    An der Rheinstraße gibt es eine weitere Musterachse für die farbliche Gestaltung des Altbaus und Natursteinmuster für den geplanten Neubau an der Großen Bleiche



    Das mittlere würde mir ganz gefallen, die beiden anderen wirken m.E. etwas fahl / grau

  • Laut dem Landtag Rheinland-Pfalz haben heute im Zusammenhang mit der Sanierung des Landtagsgebäudes die Abbrucharbeiten an dem ehemaligen Landtagsrestaurant aus den 50er-Jahren begonnen. Die denkmalgeschützte historische Mauer entlang der Peter-Altmeier-Allee bliebe erhalten.
    Gemäß Planung wird sich das neue Landtagsrestaurant an den Bestand anschließen und näher Richtung Große Bleiche entstehen. Die Fassade des Neubaus wird mit Sandstein verkleidet. Dazu gab es anscheinend - wie im Vorbeitrag vom 04.10.2016 gezeigt - Fassadenmuster.


    Zudem wird auf der Seite auf eine Webcam hingewiesen.
    Demnach sieht die Terrasse auch schon ganz schön angeknabbert aus. Wenn das Wetter es zulässt versuche ich am WE mal ein paar Bilder zumachen.

  • Ergänzend ein paar Bilder von der Baustelle:


    Der Bagger hat - wie beschrieben - angefangen die Terrasse des ehemaligen Landtagsrestaurants abzubrechen


    Hier das Gebäude von der Peter-Altmeier-Allee / Große Bleiche aus gesehen. Auf dem (noch) freien Bereich in Verlängerung des Gebäudes davor wird der Erweiterungsbau entstehen. (vergleiche Neuplanung Nordseite)


    Das Restaurantgebäude wird etwas bis zu zweiten Achse (von rechts) abgebrochen


    Eine entsprechende rote Markierung findet sich unten im Sockelbereich der zweiten Achse von rechts (links vom gelben x))


    Was übrig bleibt, dürfte in etwa dem entsprechen, was von dem historischen Bestand nach dem Zweiten Weltkrieg noch stand - eine Wand entlang der Peter-Altmeier-Allee (vergleiche Bild, welches dies nahelegt, auf Seite 14 einer Broschüre vom Landtagsgebäude)


    Vom Platz der Mainzer Republik aus sieht man eine gegenüber der heutigen monochromen Farbfassung abweichende Farbmusterachse. Die Architekturelemente (Fensterrahmen, Sockel, Gesimse us.) sind rötlich gefasst, während die großen Flächen einen Weißton erhalten.

    In den mir bisher bekannten Ansichten war das bisher so nicht vorgesehen. Mal schauen, was am Ende umgesetzt wird.

  • Zwischenstand kurz vor Jahresende:


    Die dem Rhein abgewandte Seite des Anbaus ist größten Teils bereits abgebrochen.




    Auch im Inneren scheint fleißig entkernt zu werden.

  • ^ An dieser Seite hat sich seit dem letzten Update sichtbar nicht allzu viel getan, dennoch liegen die Sanierungsarbeiten laut Homepage im Zeitplan. Wie man anhand der Gebäudestruktur sehen kann, war der Anbau nicht besonders alt, laut Bildquelle der oben verlinkten Seite genauer gesagt von 1951. Sehenswert ist dieser Informationsfilm, welcher nochmal anhand schöner Luftbilder u.a. den Zustand des Landtags zu Beginn der Arbeiten und die Interimslösung in der Steinhalle des Landesmuseums zeigt. Wenn die Baugrube (hier im Vordergrund) ausgehoben wird, rechnet man damit, Reste einer mittelalterlichen Kirche, sowie der Stadtmauer zu finden.



    -Bild von mir-

  • Ich bin zufällig über den Baunetz Artikel gestolpert und konnte es erst nicht glauben, dass das Deutschhaus so verunstaltet werden soll. Dann hab ich hier den Strang gefunden und bin ob der Abrissbilder doch einigermaßen schockiert. Das ist doch kein dem Jahr 2017 entsprechender Umgang mit einem solchen Bauwerk und Ensemble.

  • Vom Anbau steht nur noch ein Teil der Außenwand zur Rheinstraße hin. Die vier Segmente mit den ovalen Fenstern bleiben stehen und werden mit einer Stahlkonstruktion gestützt. Robbi hatte weiter oben recht, der Anbau war nicht besonders alt, das ist gut an den großen Stahlbetonbrocken erkennbar.