Potsdam: Umgang mit Bauerbe

  • Wenn man sich einmal vor Augen führt, wie mit Mäzenen (z. B. Hasso Plattner, Günther Jauch oder Mathias Döpfner) in Potsdam teilweise umgegangen wird, dann verwundert es nicht, dass die Spendenbereitschaft so gering ist.


  • Auch die Stadt Potsdam wird mehr für den Erhalt ihrer Denkmäler tun müssen. Die Stadt hat erst 2013 nach langen Querelen beschlossen, wenigstens 1 Million Euro pro Jahre für die Pflege des Welterbebereiches auszugegeben. Diese Summe steht aber in keinem Verhältnis zu dem Umfang und der Bedeutung dieses Denkmals. Diese Summe wird daher unbedingt aufgestockt werden müssen.


    Ich halte es für völlig illusorisch, dass Potsdam eine Stadt von 140.000 Menschen, oder auch Brandenburg mit einem BIP von grad mal 60 Milliarden auf Dauer den Erhalt der Potsdamer Schlösserlandschaft stemmen können. Hier sollte sich der Bund schon erheblich beteiligen.

  • Das hat mich auch immer befremdet. Wer damit kokettiert, "euer Geld haben wir nicht nötig, davon lassen wir uns schon lange nicht beeindrucken...", der ist ganz offensichtlich nicht so locker wie er tut. Ich kann auch die Haltung nicht verstehen, einerseits eine möglichst große Zwangsbesteuerung von Wohlhabenden zu befürworten, andererseits aber freiwilliges Mäzenentum, das ohne "Abgabenpflicht" ausgeübt wird, so kritisch zu beäugen. Obwohl es letztlich aus dem selben Geldbeutel kommt (es gab bestimmt auch keine Protestschreiben an das zuständige Finanzamt, von Person XY keine Steuern mehr zu erheben, wie man das bei einzelnen Spendern in Potsdam erlebt hat, die offen abgelehnt werden).


    Vielleicht kommt es einfach daher, dass man dann mal verdruckst "Danke" zu Leuten sagen müsste, die man sonst eher gewohnt ist zu kritisieren und als Teil einer "gegnerischen Klasse" zu betrachten. Und nein, ich will hier keine Ost/West Klischees aufwärmen, aber mir kann keiner erzählen, dass 40 Jahre DDR Indoktrination keine Spuren in der Mentalität einer Bürgerschaft hinterlassen. In Berlin ist es doch das selbe; wir könnten schon längst Schinkels Bauakademie wieder haben, wenn sich die Politik in Berlin damals nicht so brüsk und - ja, das Wort kann man ruhig mal verwenden - undankbar gegen Herrn Wall verhalten hätte, der 20 Mio. € dafür ausgeben wollte - man war so frei das abzulehnen, mit dem Duktus des pikierten "das haben wir nicht nötig!". Offenbar hat man es aber doch nötig, denn bis heute gibt es keine taugliche Ersatzfinanzierung dafür.


    Irgendwann haben die Reichen dann halt einfach kein Bock mehr was von ihrem Schotter abzugeben und bleiben darauf sitzen, so wie es dem Klischee vieler "Klassenkämpfer" entspricht.

  • Ich halte es für völlig illusorisch, dass Potsdam eine Stadt von 140.000 Menschen, oder auch Brandenburg mit einem BIP von grad mal 60 Milliarden auf Dauer den Erhalt der Potsdamer Schlösserlandschaft stemmen können. Hier sollte sich der Bund schon erheblich beteiligen.


    Jain. Brandenburg hat insgesamt auch nicht auffällig mehr obsolete aber erhaltungswürdige Baudenkmäler als jedes andere Flächenland. Kultur ist Länderaufgabe. Eine Bundesfinanzierung nur ausnahmsweise gestattet.
    Und die anderen Länder würden natürlich keine Extrawurst für Brandenburg dulden.


    Wer A sagt muss auch B sagen, wer sich zu fein ist, Mäzenen auch mal den Hof zu machen, der muss dann eben schauen wie er sowas selbst finanziert. Wäre die öffentliche Stimmung nicht von solch einer Arroganz gegenüber Mäzenen geprägt, dann wäre das, was bisher schon so an Millionensummen gespendet wurde, sicher nur der Anfang. Man sah ja zB an der Frauenkirche, wenn auch im Detail ein ganz anderes Projekt, welche Spendenbereitschaft ein von der Öffentlichkeit konstruktiv begleitetes Projekt auslöst. Wenn ich in Potsdam was vorschlage und dann nur hochgezogene Augenbrauen und verschränkte Arme sehe, ja dann lass ich es halt gleich bleiben.


    So kann man sich selbst schaden. Denn ja: Potsdam hätte Mäzenen bitterst nötig! Saxonia hat recht, alleine vom Land Brandenburg/der Stadt Potsdam ist das auf Dauer nicht zu erhalten.

  • Jain. Brandenburg hat insgesamt auch nicht auffällig mehr obsolete aber erhaltungswürdige Baudenkmäler als jedes andere Flächenland. Kultur ist Länderaufgabe. Eine Bundesfinanzierung nur ausnahmsweise gestattet.
    Und die anderen Länder würden natürlich keine Extrawurst für Brandenburg dulden.


    Über die erste Aussage möchte ich nicht wirklich streiten würde zu weit führen. Es sei aber an die 45 Jahre lang nur punktuell durchgeführten Erhaltungsmaßnahmen für Kulturdenkmale erinnert. (die Potsdamer Schlösser waren da schon priveligiert). Da gilt es auch nach 25 Jahren noch einiges nachzuholen. Mancherorts sind nicht mal Kriegsschäden beseitigt worden. In Zerbst sieht es aus wie im Oblast Kaliningrad. Auch nicht zu verachten ist die Enteignung und Vertreibung des alteingessenen Adels. Die Schlösser haben jetzt die Kommunen an der Backe. Häufig sorgten Einnahmen aus den umgebenen Ländereien für den Erhalt der Güter. Dank Enteignung und Bodenreform ist das heute meist nicht mehr möglich. Ein Problem, das man im Westen fast gar nicht kennt.


    Entscheidend ist aber die Ungleichverteilung der Wirtschaftskraft (auch hier grüßen 45 Jahre sozialistisches Dauersiegen) und irgendwo muss das Geld ja herkommen.



    Und die anderen Länder würden natürlich keine Extrawurst für Brandenburg dulden.


    Sollten sie aber, wenn sie als Deutsche Interesse am Erhalt dieser Denkmale haben. Ich denke der Entstehungskontext der preußischen Schlösser ist wohl bekannt, auch was mit Preußen passiert ist. Ein Rumpfstaat wie Brandenburg ist damit schlichtweg überfordert. Gleiches gilt für Sachsen-Anhalt. M.E. beispiellose (noch) erhaltene Denkmallandschaften und Einzeldenkmale aber mit dem Erhalt finanziell auf Dauer völlig überfordert.

  • @ Tarsis: Gleichzeitig ist eines der größten Sanierungsfälle der Stiftung derzeit das Schloss Charlottenburg, und das stand bekanntlich nie in der DDR, sondern im reichen West-Berlin - es befand sich trotzdem in einem erbarmungswürdigen Zustand.


    Sicherlich ist das völlig korrekt das Schloss Charlottenbrug betreffend - jedoch sind die Fälle nur indirekt vergleichbar !


    Das Schloss Charlottenburg wurde im Krieg schwer zerstört und nur mit einfachen Mitteln wieder aufgebaut nach dem Kriege ! Vieles rührt also daher, dass die Kriegszerstörungen nicht korrekt oder nur mit den damals zur Verfügung stehenden mitteln und sicher auch nicht immer sachgerecht repariert werden konnten.


    Diese Sachlage gibt es in Potsdam so nicht. Ändert aber nichts an der Grundlage, dass das Schloss Charlottenburg eben auch sanierungsbedürftig ist - nur eben auf anderer Grundlage.

  • [...]Ich kann auch die Haltung nicht verstehen, einerseits eine möglichst große Zwangsbesteuerung von Wohlhabenden zu befürworten, andererseits aber freiwilliges Mäzenentum, das ohne "Abgabenpflicht" ausgeübt wird, so kritisch zu beäugen[...]


    Mäzenatentum (besonders durch Leute mit richtig viel Zaster) bedeutet, daß ebendiese Spender ihre eigenen kulturellen, politischen oder sonstigen Interessen verfolgen, ohne daß die Politik groß was davon hätte. Wird das gleiche Geld über Steuern oder sonstige Abgaben enteignet, können die eigenen Bedürfnisse bzw. die der wichtigen Klientelen wesentlich besser bedient werden. Lassen sich potentielle Großspender in dieses System einbinden, wirds plötzlich sehr viel leichter.

  • Also Klarenbach hat natürlich mal wieder das sprichwörtliche Kind mit dem berühmten Bade ausgekippt.


    Erstens handelt es sich beim Potsdamer Welterbebereich um zwei betroffene Bundesländer. Hier ist auch Berlin gefragt in seinem Bereich keinen völligen Unsinn zu betreiben wie z. B. Tautsche Eingangsportale von Jagdschlössern in Styropor rekonstruieren zu lassen, sondern das wenige verfügbare Geld auch in sinnvolle Projekte zu stecken.


    Darüber hinaus ist die Stadt Potsdam für Schlösser und Gärten gar nicht zuständig, sondern die SPSG, die von allen Bundesländern getragen wird und z. Zt. größte Mühe hat ihr vom Bund zugesagtes Investitions-Sonderprogramm überhaupt abzuarbeiten und in bauliche Maßnahmen umzusetzen. Natürlich kann man immer mehr ausgeben, aber Ziel kann es eigentlich nur sein, dieses Sonderprogramm nochmals zu verlängern.


    Die Stadt Potsdam, die inzwischen etwa 165.000 Einwohner hat, darunter mehr als 60 % nach 1990 Zugezogene, muss sich im Wesentlichen um die Welterbe-Pufferzonen kümmern und einige ausgewählte eigene Bereiche. Das ist auf der Karte gut erkennbar.

  • Im Park Babelsberg plätscherten einst viele Brunnen, Fontänen und Wasserläufe. Nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. wurden die Anlagen jedoch stillgelegt und verfielen. Jetzt werden sie bis Ende 2016 saniert und zusammen mit dem Bewässerungsnetz wiederhergestellt. Dafür fließen 4 Millionen Euro aus dem Masterplan der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG).


    http://www.pnn.de/potsdam/994723/
    http://www.spsg.de/schloesser-…xerschliessung_100000029/

  • ^ Danke für die Info! Einige der Bauarbeiten und Bauschilder sind mir bei meinem letzten Potsdambesuch vor ca. 2 Wochen aufgefallen. Da wir nur den Uferweg von der Parkbrücke Richtung Humboldtbrücke entlang spaziert sind, wurde mir das Ausmaß der Wiederherstellungsarbeiten und -pläne gar nicht bewusst.


    Das ist natürlich sehr erfreulich! Bemerkt hatte ich den u. a. den wieder ausgegrabenen Wasserfall neben der Rosentreppe. Beim nächsten Ausflug ist dann unbedingt ein Besuch des Parkinneren angesagt. :)

  • Nachrichtenüberblick

    Gute Nachricht: Trotz des großen Sanierungsbedarfs ist in Potsdam seit mindestens neun Jahren kein Baudenkmal abgerissen worden. Brandenburg hat im Haushalt 2016 laut einer PNN-Meldung außerdem 500.000 Euro für Denkmalpflege eingeplant. Landeskonservator Thomas Drachenberg fordert jedoch schon lange die Schaffung eines eigenen Fonds.


    http://www.pnn.de/potsdam/998530/


    Das Land hat laut einem MAZ-Bericht die Übernahme des Parks am Pfingstberg durch die Stadt Potsdam abgelehnt. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wollte damit eine Öffnung der sechs Hektar großen Anlage ermöglichen, die aufgrund von Bauarbeiten mit einem Zaun abgesperrt ist.


    http://www.maz-online.de/Lokal…nt-Pfingstberg-Offerte-ab


    Wie die PNN melden, ist eine Rekonstruktion der historischen Schwanenbrücke geplant. Sie bildete den östlichen Zugang zum Neuen Garten und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vermutlich gesprengt. Das Projekt wird allerdings langwierig und von Spendengeldern abhängig sein.


    http://www.pnn.de/potsdam/998802/

  • Die Baustelle an der Meierei am Kuhtor im Park Charlottenhof des Park Sanssouci am 30. 08. 2015
    Die Arbeiten sind nahezu abgeschlossen.










    Hier ist gut zu sehen das nur die unmittelbare Bedrohung des Bauwerks gebannt wurde.

  • Die Fassadensanierung am Schloss Babelsberg wird laut einer PNN-Meldung noch in diesem Monat abgeschlossen. Einschließlich der erneuerten Terrasse belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 9,7 Millionen Euro. Bis Mitte nächsten Jahres sollen auch die Restarbeiten an der einstigen Sommerresidenz Kaiser Wilhelms I. erledigt sein. Zudem hat der Süßwarenhersteller Katjes vier gusseiserne Parkbänke gespendet. Hierbei handelt es sich um Nachgüsse eines Originals aus dem 19. Jahrhundert.


    http://www.pnn.de/potsdam/1012605/

  • Pfingstberg-Park käme Stadt teuer zu stehen

    Eine mögliche Übernahme und Sanierung des Parks der Villa Henckel würde die Stadt laut einem MAZ-Bericht ganze zwei Millionen Euro kosten. Hinzu kämen jährliche Ausgaben für dessen Pflege in Höhe von 240.000 Euro sowie die Suche nach einem Investor für die verfallene Villa Schlieffen. Dies wäre der Preis für den Verzicht von Springer-Chef Mathias Döpfner auf einen kleinen Teil der Grünanlage am Pfingstberg.


    http://www.maz-online.de/Lokal…-kostet-Potsdam-Millionen

  • Schloss Babelsberg erstrahlt in neuem Glanz

    Die Dächer, Fenster und Fassaden umfassende Außensanierung am Schloss Babelsberg ist abgeschlossen. Insgesamt dauerten die Arbeiten zwei Jahre und kosteten zehn Millionen Euro. Ab 2016 sollen auch die Terrassen und Wasserspiele im Park der ehemaligen Sommerresidenz Kaiser Wilhelms I. erneuert werden. Für eine Innensanierung benötigt man noch 30 Millionen Euro.


    http://www.maz-online.de/Theme…Potsdam-ist-wieder-schoen
    http://www.pnn.de/potsdam/1019937/
    http://www.spsg.de/schloesser-…ellensanierung_100000028/

  • Schloß Babelsberg und Marstall

    ^ hier ein paar Ansichten von Ende Oktober. Da ich nicht allein unterwegs war, hatte ich nicht die Zeit das Schloß von allen Seiten zu fotografieren. Es waren noch Gerüste an der Fassade aufgestellt. Hinter dem Schloß wird noch gearbeitet am Aufgang.



    Schloß Babelsberg by Kleist Berlin, auf Flickr



    Schloß Babelsberg by Kleist Berlin, auf Flickr



    Schloß Babelsberg by Kleist Berlin, auf Flickr


    Noch nicht saniert ist die Statue des Erzengel Michael, der an die Niederschlagung des Badischen Aufstandes 1848 durch preussische Truppen erinnert.

    Schloß Babelsberg by Kleist Berlin, auf Flickr


    Blick in den Schloßpark



    Park Babelsberg by Kleist Berlin, auf Flickr


    Noch nichts tut sich am Marstall. Seit Jahren mit einem Schutzdach versehen unsaniert im Park. Ein Problem dürfte die Zufahrt zum Marstall sein, in so einer Lage ohne richtige Zufahrt wird niemand ein paar Millionen investieren wollen für ein Hotel etc.



    Marstall im Park Babelsberg by Kleist Berlin, auf Flickr



    Marstall im Park Babelsberg by Kleist Berlin, auf Flickr



    Marstall im Park Babelsberg by Kleist Berlin, auf Flickr


    Park Impressionen aus Babelsberg


    Blick zum Tiefen und zum Heiligen See



    Park Babelsberg by Kleist Berlin, auf Flickr


    Blick zum Funkturm Schäferberg ( Berlin-Wannsee )



    Park Babelsberg by Kleist Berlin, auf Flickr


    eigene Bilder, gemeinfrei

  • http://www.deutschlandradiokul…e.html?drn:news_id=546474


    http://www.finanzen.net/nachri…-Geld-fuer-Kultur-4606947


    Der Bundestag hat ein neues Sonderinvestitionsprogramm für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten über 200 Millionen Euro beschlossen.


    'Bis zum Jahr 2025 stehen damit für wichtige Sanierungen bedeutender Bauwerke und Gärten insgesamt 400 Millionen Euro zur Verfügung.'


    (Ich hoffe dieser Beitrag überlebt die Zensur)