Kaufhaus Wöhrl am Weissen Turm

  • Im Vergleich zu den Vorschlägen fällt der aktuelle Entwurf schon sehr ab. Einfache und phantasielose Reihung von übergroßen Schiessscharten... aber dafür billiger und sehr flexiblen in der Nutzung durch das kleine Rastermaß.

  • Das gezeigte hat auf alle Fälle noch Luft nach oben. Zwar versucht man offensichtlich durch Vor- und Rücksprünge möglichst viel Rücksicht auf die Nachbarbebauung zu nehmen (hier waren die alten Visualisierungen nicht ganz akurat), aber das vierte Geschoss ist dann doch ein Rückschritt - gerade im Vergleich zu dem luftigen, klassischen zweiten Entwurf im von nothor verlinkten PDF.


    Ich hoffe der Baukunstbeirat wird auf eine Forsetzung des abgebrochenen Fassadenwettbewerbs drängen. Allen Beteiligten sollte hier doch daran gelegen sein etwas hochwertiges zu errichten das die Attraktivität des klassichen Einzelhandels stärkt.


    d.

  • Das ist wohl zu erwarten. An dieser zentralen Stelle neben dem alten Wöhrl-Bau, der unter Denkmalschutz steht, greift das Prinzip der Denkmalnähe. Eine Baumaßnahme darf ein benachbartes Denkmal in seiner Wirkung und Aussagekraft nicht negativ beeinflussen. Damit ist schonmal das Denkmalamt im Boot, und der Baukunstbeirat sollte hier ebenfalls ein Mitwirkungsrecht haben.


    Die nächste Baukunstbeiratssitzung findet am 08. Dezember statt. Ich denke nicht, dass dieses Projekt dann schon besprochen werden wird, aber möglich wäre es. Es wird auch die letzte Sitzung des Baukunstbeirates sein, die Herr Willi Egli als Vorsitzender (Architekt aus Zürich) leitet. Der Staffelstab geht ab 2017 über an Herrn Prof. Thomas Will (Architekt aus Dresden), der sowohl einen Lehrstuhl für Architektur bekleidet als auch ein berufsmäßiger Denkmalpfleger ist. Was in Dresden derzeit an Dynamik herrscht hinsichtlich Bewahrung und Weiterentwicklung der "Elbflorenz", Rekonstruktion der Frauenkirche und rund um den Neuer Markt, ist beeindruckend. Ich wünsche mir da auch in Nürnberg Impulse in diese Richtung. Das Kaufhausprojekt am Weißen Turm wäre schonmal die Nagelprobe.

  • Am fast benachbarten Ludwigsplatz zwischen Wöhrl und SportScheck gehts auch bald los. Gestern wurden die Bauzäune gestellt. Ein Banner der Firma Reithelshöfer hängt auch schon oben am Gebäude.

  • Neubau neben dem Wöhrl-Kaufhaus am Ludwigsplatz



    Wie von KurushiX schon erwähgnt, die Abrissarbeiten an den Gebäuden zwischen Ludwigsplatz und der Vorderen Ledergasse haben begonnen. Ziel sei es, den 6000qm großen Neubau, in den tlw. auch Wöhrl selbst wieder einzieht, bis 2021 fertig zu stellen.


    Lage:
    https://goo.gl/maps/bJxzQJABKg38p1et9


    Artikel der Nürnberger Nachrichten:
    https://www.nordbayern.de/regi…ss-hat-begonnen-1.9260105


    Seite der Architekten:
    https://huh-architekten.de/pro…eftshaus-am-ludwigsplatz/


    Ob die auf Seiten von Hübsch + Harlé Architekten gezeigte Fassade so verwirklicht wird, lässt der Artikel offen. Der Fassadenwettbewerb aus 2015 wurde seinerzeit nicht abgeschlossen.


    d.

  • ^
    Im Artikel heisst es, dass man mit der Stadt noch in der Abstimmung sei hinsichtlich der Fassadengestaltung. Was auch immer das bedeutet, die aktuelle Visu zeigt ja nicht mehr als ein Stahlbetonskellett. Hier kommt man auch kaum mehr an aktuelle Infos irgendwo. Ich wüsste nicht wo.

  • Die Abrissarbeiteten am Sportkaufhaus Wöhrl sind von der Hinteren Ledergasse aus schon spektakulär mit anzusehen.



    Der Abrissbagger frisst sich Tagsüber in das Stahlbetongebäude, die Straße ist zu diesem Zweck mit einem Sand/Kiesbett belegt und vor Beschädigungen durch den Bagger und herabstürzende Teile geschützt.



    Gut zu erkennen ist auch, dass es sich hierbei um kein altes Haus handelt, worüber ich mal Vermutungen angestellt hatte (Ende Beitrag 1)angesichts der Dachlandschaft, die nach Vorkriegszustand aussieht. Ein Team Spezialkräfte macht sich auf die Bühne, um irgend etwas kompliziertes zu erledigen. Keine Ahnung was genau.




    Für die Bauarbeiten ist die Vordere Ledergasse/Josephsplatz abschnittsweise für den Autoverkehr gespert. So darf es wegen mir auch gerne öfter sein, die gesamte Geschäftsstraße wird dadurch aufgewertet, die Aufenthaltsqualität explodiert förmlich!


    Übrigens, am benachbarten Bau des SportScheck ist mir eine Kartusche aufgefallen, die auf das Jahr 1678 hinweist. Da der Bau nicht unter Denkmalschutz steht scheint es eine Spolie zu sein, die von irgend einem Vorgängerbau da wieder angebracht worden ist. Das SportScheck-Kaufhaus bleibt ja soweit ich weiß stehen:




    Aussagekräftige Visualisierungen gibt es m.W. nach noch keine, nachdem der damalige Wettbewerb nicht weiter verfolgt wird finden sich noch diverse Vorschläge dazu im Netz, aber was hier an der wichtigen Stelle mal entsteht ist ein Fragezeichen.

  • Sehr spannend, gerade an so einer exponierten Stelle! Danke für die Berichte und Bilder, hoffentlich kann der Neubau mit dem aus meiner Sicht toll gelungenen Wöhrl-Altbau mithalten!


    Für ein Baujahr 1886 finde ich den Stil recht weltstädtisch, wenn man sich anschaut, wie ansonsten in Nürnberg in diesen Jahren gebaut wurde. (Auch hübsch, aber halt anderer Stil)

  • Ja, ich hoffe auch dass da etwas Gescheites hinkommt. Darf gerne modern sein, aber es muss halt auch Gestaltungswillen transportieren. Die bisherigen Entwürfe z.B. von Sedlak & Rissland Nürnberg) finde ich kommen da schon ganz gut weg. Sie schaffen den Anschluss an den tollen Altbau und vermitteln zu dem nicht ganz so tollen Sport-Scheck daneben. Eigentlich brauchts nur eine Natursteinfassade mit viel Fenster, die nicht zu glatt ist, mehr nicht.


    Übrigens, der Altbau war damals wohl auch nicht so ganz unumstritten. Die Kaufhauskette Tietz, die ihr Stammhaus m.W.n. am Berliner Alexanderplatz hatte, hat den Bau im Sinne der damals modernsten Kaufhausarchitektur errichten lassen, und nahm in seiner Gestaltung keinen Bezug zum Nürnberger Stil:



    Foto aus Privatsammlung


    Hier das Stammhaus klick.


    Es war aber nicht das einzige Geschäftshaus in der Altstadt, dessen Gestaltung sich nicht am Nürnberger Stil orientiert hat, z.B. das Kaufhaus Leykauf gegenüber der Lorenzkirche, wo heute der Müller steht galt damals auch als provokant:



    Ansichtskarte aus Privatsammlung


    Aber auch Verwaltungsgebäude, wie das ehem. Polizeipräsidium an der Augustinerstraße, das gegenüberliegende Sozialgericht, das heute noch steht und Bankhäuser haben sich der Repräsentation halber an anderen Stilrichtungen orientiert. Allen gemeinsam war jedoch die Absicht, das Stadtbild durch Detailreichtum und Kunstfertigkeit zu bereichern. Das fehlt heute leider zu oft.

  • Vielen Dank für die zusätzlichen Infos und Bilder!


    Wurde das Kaufhaus am Weissen Turm dann auch schon mit modernen Methoden errichtet (also Betondecken statt Holzbalken)?


    Das Kaufhaus Phönix oder Leykauf finde ich jetzt eher ein Beispiel aus der Kategorie "mehr ist nicht immer besser", finde es mit Details überladen und als Gesamtbau irgendwie kopflastig. Auch sieht das EG prächtiger aus, als der eher konservative 2.+3. Stock. Interessanter als der heutige Müller ist es allemal, aber kein Vergleich mit den großartigen Tietz-Bauten in anderen Städten, oder dem herrlichen Görtlitzer Warenhaus oder eben dem am Weissen Turm.


    Interessant auch, dass das Haus direkt am Weissen Turm offenbar nicht mehr aufgebaut wurde.


  • Interessant auch, dass das Haus direkt am Weissen Turm offenbar nicht mehr aufgebaut wurde.


    Das ist erst in den 1960'ern einer Straßenverbreiterung zum Opfer gefallen, soweit ich weiß.
    Das Kaufhaus Tietz hatte wohl schon immer Stahl(beton)decken, ist aber auch im Krieg beschädigt worden. Ich habe schonmal Fotos vom beschädigten Haus gesehen. Die repräsentativen Geschäftshäuser in der Umgebung haben wohl auch überwiegend schon Stahlbetondecken (es ist kein echter Stahlbeton) und haben deshalb den Krieg auch gut überstanden:


  • Im Vorgriff auf die heute Sitzung des Baukunstbeirats hat der Nürnberger Baureferent eine neue Visualisierung des Gebäudes auf Twitter veröffentlicht:

    EKcvB08X0AYAxEU?format=jpg&name=small


    Das find ich zumindest besser als die bisherigen Entwürfe und vor allem als der vorherige Zustand. Mal abwarten ob es wirklich so kommt.

    Es gibt zwar erfreulicherweise zahlreiche weitere öffentliche Themen im BKB, aber Details dazu gibt es noch keine.

  • Schön, dass es hier überhaupt vorangeht. Den neuen Entwurf empfinde ich aber als Rückschritt. Vor allem im Vergleich zum unteren der beiden urspr. Entwürfe. Zwar nimmt der Neubau jetzt die Fassadenaufteilung des Altbaus besser auf. Dafür sind aber die Obergeschosse jetzt deutlich banaler. Statt großzügiger, mondäner Fensterflächen jetzt wieder die (nicht) bewährte Nürnberger Guckloch-Ästhetik. Sieht für mich nach einer besseren Dämmstoff-Fassade aus. Hoffentlich wird’s keine und man nimmt beim Material das Hauptgebäude zum Vorbild.


    Besser als die bisherigen Bestandsgebäude wird es natürlich. Aber die waren ja auch allerunterstes Niveau.

  • Zwischenzeitlich unkte man ja schon, dass das Projekt gestorben sei.

    Der aktualisierte Entwurf ist ganz okay, aber für meinen Geschmack etwas zu wenig selbstbewusst für ein repräsentatives Geschäftshaus des 21. Jahrhunderts an bester Adresse. Ich finde auch den einen oder anderen bisherigen Entwurf wesentlich schöner. Die Lochfassade in den Obergeschossen stört auch mich, das ist halt einfach nicht schön. Aber solange es ein wertiges Material wird kann man damit leben, zumal das hässliche Alu-Sparschwein endlich weg ist. Wenigstens eine vernünftige Traufkante sollte man aber noch ergänzen.

  • Sicherlich sehenswert: Die Brandwand zwischen dem abgerissenen Sportkaufhaus und dem Altbau, der auch schon einiges hinter sich hat. Das Mauerwerk dürfte Elemente aus vielen verschiedenen Epochen beinhalten. Auch gut erkennbar ist wie häufig neue Gebäude daneben entstanden sind.


    IMG_9522.jpg


    IMG_9521.jpg


    Bilder von mir.