Langer Franz (Wiederaufbau)
Lange ist darum gerungen worden, den kriegsbeschädigten Rathausturm denkmalgerecht zu rekonstruieren. Jetzt sollen gemäß einer Bau- und Finanzierungsvorlage (M_73_2025) die Stadtverordneten dafür 2,175 Mio € bewilligen; das ist der städtische Anteil. Aus dem Spendenaufkommen des Brückenbauvereins stehen weitere 1,909 Mio € zur Verfügung, mit Spenden war u.a. bereits der Bauantrag finanziert worden. Und darum geht es:

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a) Massives Zwischengeschoss:
Auf dem vorhandenen Turmschaft wird das ca. drei Meter hohe massive Zwischengeschoss mit vier ausgeprägten Ecktürmen neu errichtet. Die Bauweise dieses Geschosses als Mischkonstruktion aus Ziegelmauerwerk und einer Stahlbetondecke dient dazu, die Eigenlasten wie auch die Lasten aus dem Dach über die bestehende Mauerwerkskonstruktion und die vorhandenen Fundamente in den Baugrund abzuleiten. Darüber hinaus leistet die massive Konstruktion des neu aufgesetzten 10. Obergeschosses die brandschutztechnische Abschottung des neu errichteten Dachstuhls gegenüber dem bestehenden Turmschaft mit angrenzenden Nutzungen im Sockelbereich. Das neue Zwischengeschoss und der gesamte Dachaufbau bleiben gem. der bestehenden Vorgaben des vorbeugenden Brandschutzes ohne dauerhafte Nutzung. Daher sind auch keine Maßnahmen zur Einhaltung von bauphysikalischen Vorgaben wie Schall- und Wärmeschutzvorgaben zu berücksichtigen.
Die Verkleidung der Vollziegelwand erfolgt von außen mit dekorativen Sandsteinelementen nach historischem Vorbild in Verbindung mit verputzten Feldern. Bei der Gestaltung der Sandsteinelemente dienen insbesondere historische Aufnahmen der ursprünglichen Gebäude und Bauwerke als Vorlage. Die Wandöffnungen werden mit denkmalgerechten Sprossenfenstern versehen.

b) Dachaufbau:
Über dem massiven Turmgeschoss mit den vier Erkertürmen wird ein ca. 22 m hoher Dachaufbau mittels einer ingenieursmäßigen Holzkonstruktion errichtet. Dieser besteht aus einem Walmdach als Hauptdach. Auf zwei Seiten entsteht jeweils ein Zwerchhaus mit Satteldach sowie in jeder Ecke des Daches je ein Erkerturm mit Zeltdach. In der Mitte des Walmdaches bildet eine hölzerne Turmröhre den Firstturm mit aufgesetztem Zeltdach. Das rekonstruierte Turmgeschoss greift die Grundrissfläche des bestehenden Turmschaftes mit ca. 10,60 m Länge und ca. 7,40 m Breite auf. Die vertikalen Lasten aus dem Dachstuhl werden über das Sparrendach mit Mittelpfetten, die Turmröhre, die Sparrenböcke sowie einen weiteren Turmbock aus zwei Sprengwerken in die Decke über dem neuen Turmgeschoss geleitet.
Zusätzlich zur eigentlichen Rekonstruktion der Dachkubatur werden auch diverse gestaltprägende Elemente des originalen, bauzeitlichen Zustandes wiederhergestellt, wie z.B. die Ausrundung der Dachtraufabschlüsse durch Aufschieblinge, die sog. "Frankfurter Nase" im Bereich der Zwerchhäuser, hölzerne Friese im Bereich der Dachöffnungen, etc.
Um auch im gesamten Dachbereich die historische Ansicht wiederherzustellen, wird für die Bekleidung der Dachflächen sowie der Giebelflächen der Gauben eine Dachbeschieferung in Form einer altdeutschen Schieferdeckung auf ca. 30 mm Holzschalung in Doppeldeckung gewählt. Sämtliche Dach- und Fassadenöffnungen werden aus Brandschutzgründen mit Gewebe verschlossen und die steilen Dachflächen um Schneefanggitter ergänzt.

Alles anzeigenc) Sonderbauteile:
Gem. der Baugenehmigung vom 08.04.2024 zum "Rückbau und Wiedererrichtung des Turmaufbaus in veränderter Form am Südflügel des Römers ("Langer Franz")" sind u. a. Vorgaben des hessischen Denkmalschutzgesetzes zu berücksichtigen. Danach steht die Zustimmung der Denkmalbehörden unter dem Vorbehalt diverser Auflagen, welche sich neben den zahlreichen Zierelementen insbesondere auf die nachfolgenden Sonderbauteile beziehen:
- Zwei Reliefplatten mit Frankfurter Adler
Die ehemals über dem Kranzgesims an der West- und Ostseite des Massivgeschosses vorhandenen rund drei Meter hohen steinernen Reliefplatten mit Frankfurter Adler sind im Original an zwei Frankfurter Warten noch erhalten. Im Zuge der Planung ist zu eruieren, ob sich diese Steine noch für die Montage am neuen Kranzgesims eignen oder ob eine 1:1 Nachbildung angefertigt werden muss.
- Zwei Uhrschlagglocken für die Gauben des Turmhelms
Die beiden Uhrschlagglocken in den Gaubenerkern werden wiederhergestellt und mit Anschlaghammer über die Turmuhr gesteuert. Die Glocken sind in Bronzelegierung zu erstellen und mit dem passenden Schlagton, entsprechenden Inschriften, dem Frankfurter Adler als Stadtwappen, sowie Gussjahr und Gießzeichen zu versehen.
- Zwei Turmuhren inkl. Uhrwerk
Nach Norden und Süden zeigten zwei Uhren auf fast vier Meter großen Zifferblättern die Zeit an. Die Uhren werden an der ursprünglichen Position wiederhergestellt nachdem sie im Zuge des Nachkriegsaufbaus in der Höhe versetzt wurden. Dabei ist der neuzeitlich ergänzte Gesimskranz abzubrechen und die vorhandenen Uhrenerker im bestehenden Turmschaft nach oben zu erweitern sowie um eine Steinornamentik zu ergänzen. Die Gestaltung der Zifferblätter und der Zeiger sowie die Einrichtung des Uhrwerks ist soweit möglich auf Übereinstimmung mit den historischen Quellen zu wählen. Die Uhren zeigten die Zeit mit goldfarbenen römischen Zahlen an, die Zeiger waren mit einem Sonne-Mond-Motiv versehen.

Quelle: M_73_2025
Es ist davon auszugehen, dass die Vorlage in einer der nächsten StVV-Sitzungen beschlossen wird und dann recht bald die Gerüste aufgestellt werden.








