Der Römer - Frankfurts Rathaus

  • Ich schließe mich meinen Vorrednern an, sollte es endlich zu der Reko der Rathaustürme kommen, würde ich mich selbstredend mit einer Spende beteiligen.

  • Es ist mir bis heute ein Rätsel, warum es eine Stadt sechzig Jahre nach dem Krieg nicht geschafft hat, diese verhältnismäßig kleine kosmetische Maßnahme umzusetzen.


    Ich kann es dir sagen. Die Entscheider haben immer wieder andere Dinge, für die sie den Stadthaushalt enorm in die Miesen getrieben haben, wichtiger gefunden als ein Bauvorhaben, das allenfalls schön aussieht, aber absolut keinen Nutzeffekt hat. Das scheint mir ein klassischer Fall für eine bürgerliche Stiftung zu sein.

  • Vorrangig wäre für mich die Öffnung der Arkaden an der Bethmannstraße zur dessen Belebung. Dann klappt das auch besser mit der Gastronomie im Rathauskeller.


    Dann kann man von mir aus die Türme angehen.

  • Um diesen Thread mal wieder aus der Versenkung zu holen hier ein aktuelles Bild der beiden "unvollständigen" Rathaustürmen.
    Ich würde auch sehr gerne etwas für einen Wiederaufbau spenden, wenn es doch nur ein konkretes Vorhaben gäbe. Ich hoffe auf den Neuen Brückenbauverein.



    Bild: ec8or

  • Rekonstruktion Turmdächer - es bewegt sich etwas

    Die regierende Koalition aus CDU, SPD und Grünen hat der Stadtverordnetenversammlung Ende April einen Etatantrag vorgelegt (E 87). Ziel ist ein Beschluss, der den Magistrat verpflichtet, die Kosten für die Rekonstruktion "der seit Kriegsende erstellten Notdächer auf den beiden Türmen 'Kleiner Cohn' und 'Langer Franz' und die Wiederherstellung der historischen Turmdächer auf dem Rathausbau" zu prüfen. Bemerkenswert aus meiner Sicht, dass die Rekonstruktion des "Langen Franz" als der eigentliche "Schlussstein des Wiederaufbaus der Altstadt" betrachtet wird.


    Zur Begründung heißt es:


    [INDENT]Der Römer wurde von 1901 bis 1908 zum weiträumigen Rathauskomplex ausgebaut. Die Architekten Ludwig Neher und Franz von Hoven errichteten auf einem von Buch- und Limpurgergasse begrenzten Areal den Bürgersaalbau sowie den Nord- und den Südbau. Mit dem "Kleinen Cohn" und dem "Langen Franz" gaben die Architekten dem in der Formensprache des Historismus entwickelten Gebäudekomplex im Westen einen krönenden Abschluss. Der siebzig Meter hohe "Lange Franz" markierte fortan mit seiner weithin sichtbaren prächtigen Turmhaube das Frankfurter Verwaltungszentrum und wurde zu einem Wahrzeichen der Stadt.


    Der steile Helm des großen Rathausturms war mit seinen vier Ecktürmchen dem Aufbau des 1765 niedergelegten Sachsenhäuser Brückenturms nachgestaltet und bildete eine Reminiszenz an die Stadtgeschichte. Dem Frankfurter Oberbürgermeister Franz Adickes gefiel der neue Rathausturm so gut, dass er 1904 sein Amtszimmer dorthin verlegte. Im Volksmund wird der Turm seither nach seinem ersten Bewohner, der ebenfalls eine imposante Erscheinung gewesen ist, der "Lange Franz" genannt.


    Als im März 1944 die Altstadt im Bombenhagel der alliierten Luftangriffe in Schutt und Asche versank, wurde auch der reich gegliederte hohe Helm des "Langen Franz" ein Raub der Flammen. Mit den Proportionen zwischen Dom- und Rathausturm unzufrieden, soll der Obermagistratsrat im Bauamt und spätere Stadtrat, Adolf Miersch, Anfang der Fünfzigerjahre beim Wiederaufbau des "Langen Franz" die Kürzung des Turms um zusätzlich etwa vier Meter veranlasst haben.


    "Die Turmstümpfe des 'Langen Franz' und des 'Kleinen Cohn", erklärten 1952 Stadtarchivdirektor Hermann Meinert und Oberbaurat Theo Derlam in einer gemeinsamen Römer-Publikation, "wurden unter Verzicht auf eine kostspielige Erneuerung der früheren Steildächer (...) in zweckmäßig schlichter Form flach abgedeckt." Die Notlösung der Nachkriegszeit währt nunmehr rund 65 Jahre. Der nach wie vor mit einem flach geneigten Walmdach gedeckte "Lange Franz" misst heute nur noch etwa 45 Meter.


    Drei Gründe sprechen insbesondere für die Wiederherstellung des großen Rathausturms: Erst der siebzig Meter hohe "Lange Franz" erfüllt seine Bestimmung als Wahrzeichen (und Wegweiser) des Verwaltungszentrums im Stadtbild. Dem für den Rathauskomplex mit seinen reich gegliederten Dachformen geltenden Denkmalschutz würde damit Genüge getan und der älteste Siedlungsbezirk der Stadt wieder im Osten vom Domturm und im Westen vom Rathausturm markiert. Die Rekonstruktion des "Langen Franz" bildet den eigentlichen Schlussstein des Wiederaufbaus der Altstadt.[/INDENT]


    Etwas klein die beigefügte Grafik, aber doch ganz gut zum Vergleich mit ec8ors Foto im Vorbeitrag geeignet:



    Bild: Stadt Frankfurt am Main

  • Das ist doch mal was Gutes an einem Montag. Ich warte schon seit fast 40 Jahren auf diese Rekonstruktion und hatte vor 7 Jahren unsere damalige Oberbürgermeisterin Frau Petra Roth diesbezüglich angeschrieben. Die Anwort damals gibts hier.

  • Passend dazu zwei aktuelle Bilder: Stellt man sich beim Blick vom Eisernen Steg auf die Skyline die komplettierten Rathaustürme vor, ahnt man, dass der Römer ohne Türme wie Frankfurt ohne Würstchen ist:



    Auf der Illustration oben sieht man übrigens auch die Dächer des hohen außenliegenden Treppenturmes sowie das Dach einer der inneren Treppentürme. Auch diese fehlen noch. Nachfolgend ebenfalls aktuell die Nordseite des Rathauses mit Treppentürmen vor dem Langen Franz:



    Bilder: epizentrum


    Ich bin offensichtlich nicht der einzige, dem beim Anblick solcher Bilder eine starke Sehnsucht durch Herz und Magen zieht...

  • Schön, wenn es denn diesmal nun endlich klappen würde. Nach all den ergebnislosen Anläufen der letzten Jahrzehnte glaube ich es aber erst, wenn wirklich die Gerüste stehen.


    Sollte man am Römer eine Spendenbox aufstellen, ich wäre der erste der ein paar Scheine einwerfen würde. :D

  • Mal eine Meinung aus der Ferne: Frankfurt hätte mit der Rekonstruktion der Turmdächer, aber auch der Giebel eines der schönsten Rathäuser Deutschlands. Mir ist klar, dass die Kosten hoch sein werden und der Nutzen gering - doch für das Stadtbild wäre es ein enormer Gewinn. Ich rufe wirklich nicht immer gleich nach Rekonstruktionen, aber die Heilung dieser Verstümmelungen finde ich absolut sinnvoll und unterstützenswert.

  • Zum Vergleichen mit epizentrums zweitem Foto eine um 1905 entstandene Aufnahme aus ähnlichem Blickwinkel. Gut zu erkennen, dass der Treppenturm neben der "Seufzerbrücke" ebenfalls beträchtlich an Höhe eingebüßt hat. Wahrscheinlich werden die Treppentürme in die Rekonstruktionsbestrebungen einbezogen, das war bei früheren Vorstößen auch schon so. Vom Dach des Nordbaus soll besser keine Rede sein, das macht nur schlechte Laune.



    Bild gemeinfrei, da Schutzfrist abgelaufen, Urheber vmtl. Carl Andreas Abt (1853–1922)

  • Wir erinnern uns, dass im Jahr 2008 ein Antrag der FDP, zeitgleich mit der Wiederherstellung von Teilen der historischen Altstadt auch das Rathaus-Ensemble wieder originalgetreu aufzubauen, abgelehnt wurde. Die Gründe für Ablehnung waren eher banal, die SPD-Sprecherin im Ausschuss, Elke Tafel, nannte das Abstimmungsverhalten "hochgradig albern und bösartig gegenüber ihrem sogenannten Kooperationspartner". Letztlich wurde der FDP-Antrag nur abgelehnt, um dem Planungsdezernenten Schwarz Gelegenheit zu geben, sich mit einem weiteren Vorschlag zu profilieren, nämlich das Erdgeschoss des Rathaus-Nordbaus für öffentliche Nutzungen zu öffnen.


    Jetzt könnte sich die SPD mit dem Projekt profilieren, das sie damals eigentlich intensiv hatte prüfen lassen wollen. Die FAZ wusste, eine Machbarkeitsstudie zum Wiederaufbau der beiden Türme des Römer-Südbaus "Langer Franz" und "Kleiner Cohn" datiere schon aus dem Jahr 1984. Das Hochbauamt habe die Unterlagen nochmals geprüft. Nach Darstellung der Behörde sei die Rekonstruktion "völlig problemlos machbar". Es lägen ausreichend historische Fotografien vor, an denen sich die Planer orientieren könnten (FAZ v. 12.3.2008, S. 44)


    Vielleicht ist es ja ganz gut, im Sinne von Salamitaktik mal mit den Türmen anzufangen und den Rathaus-Nordbau außen vor zu lassen.

    Einmal editiert, zuletzt von tunnelklick () aus folgendem Grund: Beitrag erweitert

  • Ich denke auch, dass man nun erstmal mit den Türmen anfangen sollte. Für das Stadtbild wäre diese auch kostenmäßig eher überschaubare Maßnahme ein unglaubicher Gewinn. Warum es eine Stadt wie Frankfurt in über 60 Jahren nicht geschafft hat, dieses Provisorium zu beheben, das ist die eigentliche Frage, die man sich stellen muss.


    Wenn die Türme erst mal stehen, wird der Kontrast zum Behelfsdach auf dem Nordbau noch eklatanter werden. Ob man sich hier dann aber wirklich ranwagt, das darf nach der Sanierung vor nicht allzulanger Zeit aber eher bezweifelt werden. Leider sage ich da. Wie es überhaupt dazu kam, dass man diese abscheuliche Zwischenlösung saniert hat, ist mal wieder eine Frage, die man mit rationalem Verstand kaum erklären kann.


    Aber wie heißt es so schön: Kommt Zeit, kommt Rat. Vielleicht kann man vor dieses Staffelgeschoss ja das historische Dach irgendwie vorblenden. Bezweifle es zwar, aber man müsste eben mal überlegen, welche kostenverträglichen Lösungen es jetzt noch gibt.


    Aber erst einmal große Freude, dass wir bald wohl zwei Lanadmarken mehr in der Frankfurter Skyline begrüßen dürfen:daumen:

  • Zur aktuellen Diskussion passend sind auf folgendem Foto sind zu sehen:
    - beide Rathaustürme mit Notdach,
    - ein Treppenhausturm mit Notdach und
    - laufende Sanierungsarbeiten an Fassade und Dachbereichen.


  • Ich schließe mich Fachwerkhaus an. Das dürfte jetzt schon der dritte oder vierte Anlauf allein seit Existenz dieses Forums sein. Am Ende kommen Kosten heraus, wo die Politik danken ablehnt, und diese Provisorien bleiben uns noch Jahrzehnte erhalten. Von daher darf man bei diesem Thema wohl erst dann frohen Mutes sein, wenn wirklich gebaut wird.
    Letztlich bleibt beim Rathaus noch einiges zu tun. Außer den beiden Türmen und den Treppentürmen, sind ja auch die Zwerggiebel des Südbaus, Teile des Dachs des Goldenen Schwans und das gesamte Dach des Nordbaus noch in einem kümmerlichen Zustand. Vom traurigen Gesamtzustand der Häuser Silberberg, Frauenstein, Wanebach und Salzhaus ganz zu schweigen.
    Wäre schön wenn hier jetzt tatsächlich der erste Schritt gemacht würde, die Skepsis bleibt aber noch.

  • Natürlich schließe ich mich den Vorrednern an und erneut keimt auch in mir das zarte Pflänzchen Hoffnung einer Rekonstruktion zumindest der Turmdächer auf. Die Ermittlung der dafür aufzubringenden Kosten ist zumindest ein erster Schritt. Hoffen wir mal, dass das ermittelte Ergebnis nicht gleich wieder zu einer Vollbremsung führt.


    Dass dieser Zustand nunmehr bereits seit über 60 Jahren anhält und geduldet wird kann keinesfalls an fehlenden Mitteln liegen: Frankfurt ist und war auch in den vergangenen Jahrzeiten immer eine der reichsten Städte Deutschlands. Schuld kann nur eine ideologisch bornierte Einstellung der maßgeblich Handelnden zu dem reichen architektonischen Erbe der Stadt aus den sogenannten Gründerjahren sein. Wohlgemerkt geht es hier nicht um ein Patrizierhaus in irgendeinem Stadtteil, sondern um das Wahrzeichen der Stadt auf einem der bekanntesten Plätze Deutschlands!


    Vollkommen undenkbar, dass ein derartiger Zustand in einer Stadt wie München auch nur 10 Jahre angehalten hätte. Im Umgang unserer Stadt mit den Notdächern ihres Rathauses zeigt sich auf beispielhafte und erschütternde Weise die grundsätzliche Ablehnung einer Verantwortung für alles, was nicht in den ach so fortschrittlichen Aufbruchsjahren nach den beiden Weltkriegen entstanden ist. Bei dem Notdach der Paulskirche – immerhin Sinnbild und Wiege der Deutschen Demokratie – setzt sich diese Einstellung fort.

    Ich wage zu behaupten, dass sich diese Ideologie zudem im eklatanten Widerspruch zu der vorherrschenden Einstellung der Mehrheit der Bürger dieser Stadt befindet – wohlgemerkt derselben Bürger, denen die Handelnden ihre Legitimierung als Volksvertreter schulden.

  • Es fehlt in Frankfurt schlicht und einfach ein Problembewusstsein für die mangelhafte Ästhetik von Nachkriegsdächern. Ich unterstelle hier nicht mal zwingend eine ideologische Motivation. Die mag bei Fällen wie der Paulskirche vorhanden sein, aber bei der großen Mehrheit der verstümmelten Gründerzeitbauten dürfte es schlicht Ignoranz, bei privaten Projekten noch gepaart mit Profitstreben sein. Geht ja auch so, hauptsache es regnet nicht rein, und ein Flachdach-Staffelgeschoss ist billiger in der Herstellung und lässt sich teurer vermieten als eine Mansardwohnung mit schrägen Wänden. Und wo mal ein traditionelles Dach wiederhergestellt wird, ist das Ergebnis meist ein grauenhaft proportioniertes Etwas, weil bei Architekt und Auftraggeber schlicht und einfach die Sachkunde zu fehlen scheint.


    Dass ein originalgetreu wiederhergestellter Altbau auch im Wert ganz erheblich steigen würde, hat sich hier im Gegensatz zu Städten wie Leipzig wohl einfach noch nicht herumgesprochen. Es bräuchte wohl ein Leuchtturmprojekt, was die Sache ins Rollen bringt. Am Hauptbahnhofvorplatz wärs doch mal ein guter Anfang....

  • Ich bin ja bekanntlich ein grosser Fan der Wiederherstellung der beiden Türme, inklusive Treppenturm und evtl. der Dachaufbauten des Nordbaus. Schon einmal, nämlich im Jahr 2003 erstellte ich eine entsprechende Visualisierung wie das einmal ausehen könnte. Wie es so kommt, verschwindet eine solche Datei auch einmal (nach 2 neuen Pcs usw.).


    Grundbild von mir, Visualisierung und Bearbeitung ebenfalls ich.


    Bitte beachten: Keine weitere Verwendung ohne vorherige Genehmigung!


    Ausgangssituation:



    Treppenturm und Langer Franz rekonstruiert:



    Mit Dach des Nordbaus, allerdings nicht bearbeitet und coloriert:


    Bild: https://abload.de/img/langerfranz2yguej.jpg Bild: https://abload.de/img/langerfranz1wmu8c.jpg




    Alle Bilder: Adama


    Nachtrag:
    Ich freue mich das meine Arbeit so vielen Leuten gefällt, dennoch gilt:
    Die Arbeit nicht ohne mein vorheriges Einverständnis weiterverbreiten. Ich hätte schon gerne einen Überblick darüber, wer meine Arbeit nutzen möchte. Erschreckend wie sich einige Internet-Nutzer verhalten.

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