Der Römer - Frankfurts Rathaus

  • Es ist unfassbar, wie wenig Wert die Stadt Frankfurt Ihrem eigenen Rathaus beimisst. Ich war gerade wieder in Leipzig, Dresden und Frankfurt. Mein Eindruck ist, dass keine deutsche Großstadt (Ausnahmen bestätigen die Regel) die Notdächer aus dem zweiten Weltkrieg in einem so hohem Maße beibehält. Wir haben einen herausragend schönen und großen Rathauskomplex inklusive Paulskirche (auch mit Notdach). Leider völlig vernachlässigt. Das gleiche Bild am Roßmarkt (Geschäftshäuser) und Goetheplatz (Deutsche Bank). Würde die Stadt Ihr Rathaus historisch restaurieren und einen Anreiz an Hauseigentümer geben, das gleiche zu tun. Ich bin überzeugt, wir hätten mit relativ wenig Mitteln eine signifikante Verbesserung.

  • Ist mir auch unverständlich, warum man das nicht angeht. Bei einzelnen Gebäuden - etwa den Römer-Türmen "Langer Franz" und Kleiner Cohn" kann ich mir vorstellen, öffentlich zu Spenden aufzurufen. Bürger und Unternehmen würden sich beteiligen.


    Leider völlig vernachlässigt. Das gleiche Bild am Roßmarkt (Geschäftshäuser) und Goetheplatz (Deutsche Bank).


    Das sticht mir mittlerweile auch immer stärker ins Auge. Zumal man bei manchen Gebäuden ein ganzen Geschoss gewinnen würde.

  • Die Flachdachsanierer des Rathaus Nordbaus haben noch keine sichtbaren Ergebnisse hinterlassen. Von oben sieht es nicht nach konstruktiven Veränderungen aus. Unter den Abdeckungen finden vermutlich wettergeschützt Arbeiten an den Dachabdichtungen statt, mehr nicht.


  • Wie vermutet, wurden lediglich die Teerbahnen und eventuell die Dämmung erneuert. (Zustand vor der Sanierung) Auf der rechten Seite (an der Bethmannstraße) wurde ein geräteschuppenartiger Aufbau entfernt, die anderen drei sind erhalten geblieben, können aber das ohnehin schäbig aussehende Dach nicht zusätzlich verschandeln.



  • Es hätte ja m.E. schon ausgereicht zumindest eine Fassade aussenherum zu bauen, was finanziell (auch durch Spenden) sicherlich der Stadt nicht zuuuuu teuer gekommen wäre.


    Da aber gerade die Kommunen unter hohem Sparzwang stehen hat man wohl die günstigste Lösung gewählt/wählen müssen.


    Aber gerade durch das Altstadtprojekt (und den doch (nicht nur) bei den Frankfurtern vorhanden Wunsch, ein Stück heile Altstadt wiederherzustellen) zusammenhängende Finanzierung hätte man doch diese Summe irgendwie aufbringen müssen. Durch die Sanierung ist aber nun zementiert, dass sich da die nächsten 20-30 Jahre nichts mehr ändern wird :nono:

  • Warum startest Du nicht in guter Frankfurter Tradition ein Crowdfunding-Projekt für den Wiederaufbau dieser Dächer?
    Wenn du mit ein paar Hunderttausend gesammelten Euros bei der Stadt ankommst und denen erklärst, dass das für genau diesen Zweck ist und dagegen hältst, das die Stadt dann nur noch 30% der Kosten zu tragen hat, wird man Dich sicher anhören.


    Etwas anderes ist, wenn Du erwartest, dass die Stadt selber sammeln geht oder dass Spenden eintrudeln, wenn die Stadt angefangen hat, Geld auszugeben.


    In Anbetracht der Größe der zu rekonstruierenden Dachanlage und der heute zu berücksichtigenden Brandschutzrichtlinien, solltest Du allerdings die Größenordnung von 15 Millionen Euro mit der Sammllung erreicht haben, bevor Du nach dem Rest fragst.


    Das sind übrigens nur ca. 20 Euro pro Frankfurter, so sportlich ist die Herausforderung also nicht mal, wenn man feste daran glaubt, dass die Frankfurter diese Rekonstruktion wollen.

  • Ist es wirklich nicht, vor allem wenn man bedenkt, daß jeder Frankfurter im Schnitt 2.500 Euro ( LFA Stand 2011 ) für die Finanzierung unserer Pleitehauptstadt zum Fenster rausschmeißt.


    Ansonsten lönnte man bei Verhandlungen mit künftigen Bauherren für ein paar Höhenmeter mehr die Instandsetzung des Rathausdaches, des Langen Franz o. ä. verlangen. Hat ja z.B. beim Opernturm mit dem Park gut geklappt.

  • Hmm, wart mal. Wie wäre es denn damit: Für die Befreiung eines Investors von den Denkmalschutzauflagen beim ehemaligen Bundesrechungshof, stellt er die Rathausdächer wieder her?

  • Warum startest Du nicht in guter Frankfurter Tradition ein Crowdfunding-Projekt für den Wiederaufbau dieser Dächer?


    Das ist in der Tat keine schlechte Idee. Man sollte idealerweise aber gleich vom Start weg ein Unternehmen oder eine bekannte Persönlichkeit dabei haben. Dann hätte man gleich eine ganz andere Öffentlichkeit.

  • Die Flachdachsanierung des Rathauses ist übrigens doch noch nicht ganz abgeschlossen. In Teilbereichen (oder überall?) wird nun eine Wärmedämmung aus Styropor aufgetragen. Ein "richtiger" Dachstuhl inklusive Unterkonstruktion wäre bestimmt nicht sooo viel teurer gewesen, fast jeder Einfamilienhausbauer leistet sich so etwas. Die Kosten für die jetzige Sanierung hätte man beim Bau eines vernünftigen Daches abziehen können.


  • Römerhöfchen

    Damit das Thema nicht ganz in Vergessenheit gerät. In einer der Herzkammern Frankfurts, dem Römer, laufen immer wieder Renovierungsarbeiten. Robbi berichtete 2011 von der Schiefereindeckung des Hauses zum Römer und vom eingerüsteten Römerhöfchen. In letzterem steht der Herkulesbrunnen, ein oktagonaler Zierbrunnen von 1904, dessen Sanierung momentan läuft. Die bronzene Herkulesfigur und weitere Applikationen fehlen bzw. sind abgedeckt, das Becken ist in Bearbeitung:



    Bild: epizentrum


    Eine Weile werden wir uns noch gedulden müssen, bevor das Höfchen wieder im annähernd alten Glanz leuchtet. Weitere Infos und Bilder: Römerhöfchen (Wikimedia Commons), Herkulesfigur (fotocommunity), Brunnen (Bildarchiv Foto Marburg), Römer (Wikipedia)

  • Neue Kämmerei

    ..Hier werden langsam die Gerüste zurückgebaut. Zum Vorschein tritt eine gesäuberte Fassade:



    Die selten gezeigte Ecke an der Westseite der Paulskirche:



    Die Fassadensanierung ist (wie auch nicht anders zu erwarten ist) mit gutem Gewissen und Hingabe erledigt worden. Doch die Dachlösung mildert das Erscheinungsbild wieder auf Jahre hin.. :zzz:

  • Die jetzt freiliegenden sanierten Süd- und Ostseiten zeugen von ordentlicher Steinmetzarbeit, der Anstrich hat etwa den gleichen Farbton wie der alte:



    Bild: epizentrum

  • Dieses Dach ist wirklich übel. Das Gebäude wirkt wie ein geköpftes Ei. Allein wie die Ecke über den Abschluss des Erkers hinausragt, spricht Bände. Hier hat man die Chance verpasst mit vergleichsweise wenig Aufwand ein großes Stück Stadtreparatur zu leisten.

  • Ja, schon traurig, wenn es vergleichsweise arme Städte in den neuen Bundesländern ausgerechnet einer Stadt wie Frankfurt am Main vormachen müssen, wie man historische Dächer rekonstruiert. Spricht trotz vieler positiver Tendenzen der letzten Zeit immer noch Bände über die Grundeinstellung im Bauwesen der Stadt. Allerdings hat man sich über die „Krämerseelen“ in den den Ämtern schon in der Literatur vor über 100 Jahren ausgelassen, das liegt mir bei so einem Ergebnis irgendwie auf der Zunge. Der Frankfurter Rathausneubau der vorletzten Jahrhundertwende galt national betrachtet als äußerst bescheiden.

  • Metaphorisch gesehen könnte man sagen: Die Moderne siegt über den Historismus!


    :Nieder:


    Wenn da oben drauf wenigstens eine organische Form sich entwickeln würde, ein Geschwulst, ein Meisterwerk unserer Zeit...


    Aber das groteske daran ist ja, dass dieses Krüppelgeschoss schon so lange da drauf ist, dass es nun vom Denkmalschutz "konserviert" wurde. Das sollte den Stadtplanern eine Lehre für andere moderne, das Stadtbild störende Bauten sein. Nicht zu lange warten, sonst werden wir die Dinger nie nehr los...

  • Jetzt haltet den Ball mal flach, natürlich steht dieses "Ding" da oben nicht unter Denkmalschutz und wird sicher irgendwann in leider fernerer Zukunft auch mal wegkommen (ich hoffe ich erlebs noch)... Die Fassade, die Fenster und Eingänge sind mustergültig gemacht worden. Das Dach haben wir prüfen lassen, es hätte ca. 20 Millionen Euro gekostet und das ist zur Zeit einfach nicht auch noch drin gewesen. Eine Entscheidung, die ich persönlich traurig finde, die aber m.E. völig nachvollziehbar ist. Wer eine andere Meinung hat müsste einen vernünftigen Vorschlag machen, wo die Mehrkosten von ca. 18 Mio eingespart werden hätten sollen... Die Neueindeckung des Daches inklusive der Gerüststellung, der Neueindeckung der Erkerdächer und der Regenentwässerung haben übrigens circa 2.230.000 Euro brutto gekostet

  • Wirklich 2,2 Millionen? Für - banal formuliert - die Erneuerung eines Flachdachs?
    Oder sind da zumindest die Fassadenarbeiten auch mit drin?


    Also ich finde das nicht gerade preiswert...