Wiederaufbau: Marthakirche [fertig]

  • Wiederaufbau: Marthakirche [fertig]

    In der Nacht zum 5.6.2014 beschädigte ein Großfeuer die St.-Marthakirche in der Nürnberger Altstadt sehr schwer. Der Dachstuhl stürzte ein.


    http://www.br.de/nachrichten/m…kirche-nuernberg-102.html


    Da kommt jetzt aber bei mir die Frage auf: Gilt in solchen Fällen auch "was weg ist, ist weg" ???
    Wahrscheinlich kaum, die Kirche wird sicherlich rekonstruiert.


    Warum macht man denn dann eigentlich einen Unterschied zwischen solchen Ereignissen (Brand, Flut ...) und Einwirkung durch Kriegshandlungen?
    Das kann ja nur bedeuten, dass die Anhänger dieser "weg ist weg"-Theorie da einen moralischen Unterschied machen. Gebäude, die durch den durch Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg vernichtet wurden, sollen also ruinös bleiben, sozusagen als Strafe für das Land.


    Ich muss sagen, diese Argumentationsweise finde ich höchst seltsam. Was kann denn ein Jahrhunderte altes Gebäude für die Machenschaften eines 12 Jahre existierenden Verbrecherregimes?

  • http://www.nordbayern.de/regio…erg-ausgebrannt-1.3690764


    Gottseidank ist auch niemand zu Schaden gekommen.


    @ harher: Naja man kann nur hoffen, dass hier niemand auf die Idee kommt mit solchen Argumenten zu arbeiten, und nun nach einem EKZ zu fragen.


    Ich geh doch mal davon aus, dass das auch ein Versicherungsfall ist und somit ein Wiederaufbau der Kirche wahrscheinlich ist. Aber zunächst muss untersucht werden, was die Ursache ist. Aber manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass es besonders gerne bei Bauarbeiten brennt. Und dazu brauchts ja nur einen unachtsam weggeworfenen Zigarettenstummel, der in irgend einer Ecke weiter glimmt und sich weiter entwickelt....denn an vorsätzliche Brandstiftung mag ich hier nicht glauben.


    Zumindest der originale Dachstuhl ist verloren. Der von St. Sebald und St. Lorenz sind ja neu, der von St. Sebald ist sogar aus Metall gebaut worden, auch die Kirche St. Klara ist ein Wiederaufbau. Diese hier war noch eine weitgehend originale aus dem Mittelalter. Nun ist sie verloren. Allerdings: Die Kirche liegt in der absoluten Vorzeigemeile in der Nürnberger Altstadt! Ich denke nach den Erfahrungen mit dem Kopfbau am Künstlerhaus, der ja mit seiner Kontrast-Idee da nicht wirklich gefallen kann, sind die Chancen für einen Wiederaufbau bestimmt nicht die schlechtesten.

  • Ich bin ziemlich sicher, dass die Kirche wieder aufgebaut wird, und zwar nach altem Vorbild. Auch wenn der Pfarrer geäußert hat, das Gebäude müsse ja nicht unbedingt so aussehen wie früher, denn die Kirche unterläge ja auch einem Wandel. (So ein Blödsinn!!!)


    Für mich stellt sich aber wirklich die Frage, warum man hier ganz selbstverständlich von einem Wiederaufbau ausgeht, bei den Kriegsschäden einen Aufbau nach altem Muster aber derart in Frage stellt.


    Ob man jemals die Brandursache feststellen wird, besonders aber den Verursacher, ist doch sehr fraglich. Beim Eisenbahndepot ist ja auch nichts herausgekommen.
    Mich wundert, dass solche Objekte nicht durch Alarmanlagen abgesichert sind. Als der Brand gemeldet wurde, war es ja offenbar schon zu spät...

  • Die Gemeinde St. Martha bietet alle wichtigen Informationen aktuell zum Nachlesen,s owohl zu den ursprünglichen Plänen für die Sanierung als auch zum Unglück.


    http://www.stmartha.de/11270-281-287-81.html


    Über Spenden freut man sich natürlich jetzt ganz besonders.


    Der Wiederaufbau dieser Kirche ist für die Stadt an dieser Stelle natürlich besonders wichtig. Denn auch wenn viele oft gar nicht wissen, wo St. Martha eigentlich steht, ist sie doch als Gegenstück zu St. Klara an dieser Stelle der Königstraße immens wichtig. Schließlich wollen die geretteten gotischen Glasfenster wieder einen würdigen Platz in Nürnberg finden, und damit ist weder ein Depot noch ein Museum gemeint!!!

  • Nach NZ vom 7.6.14 könnte sich Pfarrer Krabbe für das vollkommen zerstörte Kirchendach moderne Lösungen bis hin zu einer Glaskonstruktion vorstellen.
    Da kann man nur noch sagen: o Gott, Herr Pfarrer!

  • Eigentlich bedarf es dort keine Frage ob die Kirche wieder aufgebaut wird. Einzig kann darüber diskutiert werden bis wann und in welcher Form der Bau ausgeführt werden wird. Da es sich aber um eine Jahrhunderte Alte Kirche im Historischen Teil der Stadt handelt sollte sie auch wieder so aufgebaut werden. Dazu könnte ja eine Bürgerbefragung anberaumt werden, ob denn die Bewohner das Historische wieder wollen oder nicht.


    Die Finanzierung darf auch kein Frage sein, da ist die Stadt das Land der Bund aber auch die Bayerische Landeskirche in der Pflicht.


    An genügend Finanzmittel aus der Versicherung glaube ich wenig, dazu habe ich Persönlich zu schlechte Erfahrung gemacht.


    Das ganze sollte jetzt aber auch zügig verfolgt werden, es darf nicht sein das jetzt über Jahre hinweg nur Diskussionen anstehen und die nächsten 5 Jahre nichts passiert. :)

  • Oh je, mit Bürgerbeteiligungen in Kulturfragen ist man in Nürnberg selten glücklich, da würde hinterher ein Schnellrestaurant herauskommen. Man beachte hier die Leserkommentare:


    http://www.nordbayern.de/regio…erg-ausgebrannt-1.3690764


    Nein, keine Frage, die Kirche gehört so wieder aufgebaut wie sie war. Wenn Pfrarrer Krabbe von einem Dachfenster träumt, dann soll er es meinetwegen auch haben, aber die ursprüngliche Kubatur, Dachform und am wichtigsten, die gotische Sandsteinfassade müssen wieder her.


    Und was Versicherungen angeht, normal müsste hier ein Finanzierunganschub durch Versicherungsausgleich erfolgen. Aber die Körperschaften des Bundes sind z.B. Selbstversicherer, die Länder evermutlich auch, d.h. sie sind nicht versichert sondern zahlen Schäden aus dem laufenden Haushalt. Ob das bei der Kirche auch so ist weiss ich nicht. Als nächstes kommt die Baufrma, die ja auch versichert sein sollte. Ist nun aber die Frage, ob die Baufirma mitschuld trifft. Wie dem auch sei, für den Wiederuafbau der Kirche spende ich, aber auch nur dann, wenn die Kirche äußerlich wieder so wird wie sie war.

  • Nun ja, Die Frage der Bürgerbeteiligung war von mir nur gedacht auf das Historische, ob das der mehrheitliche Wunsch der Bürger ist, oder ob sie zufrieden sind wenn das Dach einfach nach Heutigem Gebrauch erstellt und möglichst billig wird. Das dürfte ja nicht so schwer sein.


    Versicherungstechnisch kann ich nur sagen das mir bei einem Schaden die Kirche ( evangel. ) es aus dem Haushalt bezahlen musste und das war wohl kein Einzelfall.

  • Jap, das befürchte ich auch, ist bei den meisten Körperschaften des öffentlichen Rechts so. Bislang informiert die Website aber ganz gut, sicherlich auch über einen Wiederaufbau. Spenden werden schließlich bereits gesammelt.

  • Es war in den Zeitungsberichten aber die Rede, dass Versicherungsleute die Kirche angesehen hätten (bislang wohl nur von außen wegen Einsturzgefahr). Also scheint doch eine Versicherung vorzuliegen.


    Noch zum Wiederaufbau. Ich denke, solch ein Gebäude ist in erster Linie ein historisches Denkmal. Der Pfarrer sieht es aber offenbar eher als kirchlichen Zweckbau.
    Die Finanzierung des Wiederaufbaus sollte doch kein Problem sein, denn da sind auch Landesstiftung und auch Bund gefragt. Nachdem ja nicht viel Innenausstattung vor Ort war, beschränkt sich der Schaden ja auch auf das Gebäude.


    Übrigens, die Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar wurde selbstverständlich in historischer Form wieder hergestellt.
    http://www.anna-amalia-bibliothek.de/de/
    Das ist nun wieder typisch Nürnberg, dass man über die Wiederherstellung überhaupt noch diskutieren muss.
    PS: Viele hier finden wahrscheinlich ein neues Fußballstadion wichtiger als historische Gebäude. Und dann spielen plötzlich auch die Kosten keine Rolle mehr ...


  • Zwischenzeitlich ist der Wiederaufbau der Kirche St. Martha abgeschlossen, das Konzept Florian Naglers kam dabei zur Umsetzung. Vor wenigen Tagen war die feierliche Wiedereröffnung, aber ich war nicht dabei. Zwischenzeitlich steht die Kirche wieder offen, ist aber als "Gebrauchskirche" aufgrund von Gottesdiensten und Veranstaltungen der Gemeinde nicht immer zugänglich, wie z.B. heute Nachmittag:



    Nagler hat der Kirche sozusagen ein neues Markenzeichen verpasst, das diagonale Rautenmuster. Die massive Eichenholztüren sind mit entsprechenden Füllungen versehen, und das mittlere Spitzbogenfenster wurde mit einem entsprechenden Maßwerk wieder aufgebaut, während die beiden seitlichen Fenster wohl nicht so stark beschädigt worden sind und daher erhalten blieben.



    Im Innern kann man die neuen Decken sehen, die ebenfalls mit der entsprechenden Textur versehen sind. Wenn ich das richtig verstanden habe ging das Konzept für den Wiederaufbau von der designierten Funktion des Innenraums als akustisch verbesserten Konzertraum aus, an dem sich dann alle weiteren Details orientiert haben. Die flache Holzdecke mit den überblatteten Brettern, die das Rautenmuster bilden, sollten eine gute Akustik ermöglichen, damit der Kirchenraum wieder als Spielort für die Nürnberger Musikhochschule dienen kann, und wurden damit auch zu einem Markenzeichen.



    Jetzt würde mich noch der Innenraum interessieren, denn den nicht originalgetreuen Wiederaufbau habe ich bisher eher skeptisch betrachtet.