Ludwig-Erhard-Anlage: "Grand Ouest" und "Westend Ensemble"

  • Und selbst dann sollte man eigentlich auf das gebaute Ergebnis warten, bevor man ein Urteil fällt.


    Lieber porteño, bei einem derart schaurigen Entwurf ist es doch relativ normal, dass die Betrachter ihren Unmut kundtun, auch wenn es vielleicht noch Änderungen geben wird. Die Forumsmitglieder stellen meist in gewisser Weise einen Querschnitt der öffentlichen Meinung dar (freilich nicht repräsenntativ aber Tendenzen aufzeigend) und ihre Kommentare werden es mit Sicherheit schon auf den einen oder anderen Architekten-Monitor geschafft haben. Auf diese Weise wird die Meinung von Menschen mit Interesse an der architektonischen Entwicklung der Stadt veröffentlicht. Bauherren und Planer können es sich bestimmt nicht leisten, ganz an den Bürgern vorbeizuplanen, der eigene Ruf ist viel zu wichtig für zukünftige Aufträge. Wenn wir hier im Forum immer auf die finale Visualisierung warten würden, dann wäre es meist zu spät für Kritik.


    Und deshalb schreibe ich es jetzt auch: Diese visualisierte Verunstaltung der Ex-Oberpostdirektion kann nur als extreme geschmackliche Entgleisung des Architekten bezeichnet werden.

  • Also was mich am meisten ärgert ist wie man in diesen Tagen so einfach mit dem Totschlagsargument "Mehr Wohnungen" ernsthaft auf die Tagesordnung kommt und bei der Stadt durchgewunken wird.


    An diese Stelle gehört einfach kein neues Wohnhochhaus hin und 400 Wohnungen sprengt eh die Maßstäbe. Auch die klar ausdefinierten Westendränder sollten dafür nicht geopfert werden, es weckt nur Begehrlichkeiten an anderer Stelle.


    Die von mir noch nicht mal sonderlich geschätzte Gründerzeitarchitektur und das Grundstück sind einfach prädestiniert für ein 5***** Haus - wo sonst gibt es in Frankfurt so ein großes Grundstück mit schöner Boulevard - und Vorfahrt - Situation. Einfach zu schade für einen Apartmenttum ....


    Liebe Stadt, bleib bitte hart, es kommt schon noch jemand, der dies in eine Hotelperle verwandelt.

  • Bauherren und Planer können es sich bestimmt nicht leisten, ganz an den Bürgern vorbeizuplanen, der eigene Ruf ist viel zu wichtig für zukünftige Aufträge.


    Dein Idealismus in Ehren, aber ich bin da skeptisch. Wenn die Architekten von ihrem Entwurf überzeugt sind, wird ihnen die Kritik hier egal sein.


    Immobilienmogul, ein 5 Sterne Hotel direkt gegenüber der Messe in einem repräsentativem Altbau wäre natürlich die optimale Lösung, aber meinst du nicht, dass die Eigentümer auch selbst so viel Phantasie hatten, um auf diese naheliegendste Lösung ihres Leerstandproblems zu kommen? Sieh dir doch einfach mal den Grundriss an. Wenn sich daraus keine marktgerechten gleichmäßig großen, einem 5 Sterne Haus würdigen, Hotelzimmer machen lassen, geht das vielleicht einfach nicht.

  • Porteño, der beigefügte Grundriss ist uralt, z.B. sind die beiden rückwärtigen Häuser an der Schumannstraße schon vor weit über 5 Jahren wieder zu Wohnhäusern umgebaut worden.


    Aber auf auch auf die Grundrisse der beiden Vorderhäuser kommt es nicht wirklich an, ein Hotelentwickler läßt sich davon beim richtigen Einstiegskurs nicht abschrecken.


    Also, die Hotellösung ist bei dem Areal naheliegend, aber nicht wertschonend für die jetzigen Eigentümer, sprich, er müßte weiter abschreiben. Und hier ist des Pudelskern, Wohnen mit Hochhausausnutzung schlägt Hotel....


    Deshalb die Bauvoranfrage um mit dem nun massiv erhöhten Bauvolumen den Grundstückswert nach oben zu treiben. Ein paar Entwürfe und ein wenig Öffentlichkeit und schon beißt ein Entwickler oder Investor an, so das Kalkül. Oder zumindest hat man eine Story für den Wirtschaftsprüfer oder Gutachter parat, der dann erst mal etwas Druck von der Bilanz nimmt.


    Das großteils abgerissen werden muss, so oder so, ist klar ...., das Politik und Verwaltung derzeit fast alles durchwinken, wo Wohnen drauf steht, auch..., nur fehlt mir hier die Weitsicht der Stadt, stadtprägende Dinge durchzusetzen.

  • Ein Wohnhochhaus in der hier vorgeschlagenen Größenordnung (14 Geschosse) halte ich für gut vertretbar. Das südliche Westend wird bereits jetzt an der Bockenheimer und Mainzer Landstraße in weiten Abschnitten und zum Teil auch nach Süden hin durch höhere Gebäude und auch richtige Hochhäuser eingerahmt. Mir gefällt das. Die optische Gestaltung - wenn sie so kommt wie auf dem Renderin dargestellt - ist dagegen ein Verbrechen. Das gilt sowohl für den Wohnturm als auch das Staffelgeschoss. Dagegen ist ja das bisherige Dach ein Prachtexemplar. Ich vermag mir auch nicht vorzustellen, wie man ein solches Gebäude dann (hochpreisig) vermarkten will.

  • Dann besteht ja vielleicht doch noch die Hoffnung, dass die Pläne nochmal überarbeitet werden. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. :)

  • ^ Naja, einerseits werden sich die Pläne und das Äußerte natürlich im weiteren Planungsprozess noch ändern, das war bestimmt eher eine Baumassenstudie, andererseits hat der neue Besitzer es höchstwahrscheinlich genau mit der Absicht auf den Umbau erworben.

  • Der Erwerber hat sich nun zu erkennen gegeben. Es ist demnach die CG Gruppe, hier bereits bekannt durch die geplanten "NewFrankfurt Towers" am Kaiserlei. Der Projektentwickler plant


    • 482 Wohnungen, darunter
    • 203 Eigentumswohnungen in der denkmalgeschützten früheren Oberpostdirektion
    • zwei Neubauten mit 60 Eigentumswohnungen plus
    • 219 Mietwohnungen in einem Wohnturm mit 17 Geschossen, vorwiegend 1-2 Zimmer-Apartments mit bis zu 60 m² Wohnfläche
    • eine Tiefgarage mit 396 PKW-Stellplätzen
    • der 1992 nach Planung von Braun & Schlockermann Architekten entstandene Bauteil wird abgebrochen
    • das Investitionsvolumen beträgt laut TD 260 Millionen Euro
    • Baubeginn 2016, geplante Fertigstellung 2019


    Inwieweit die bekannte, wahrscheinlich als vorläufig zu verstehende Planung noch verändert wird, wird man sehen. Zumindest das Wohnhochhaus wächst der Meldung zufolge, bislang war nur von 16 Geschossen die Rede. Hinzu kommt ein bislang nicht erwähnter weiterer Neubauteil. Auf der Website der CG Gruppe ist noch nichts von dem Projekt zu sehen.

  • Schade das es nicht ein paar mehr Etagen werden, dieser Vorentwurf von Jo Franzke wäre klasse gewesen und meiner Meinung absolut verträglich für die Stelle.
    Vielleicht ergibt sich ja noch zudem etwas neues, annehmbareres als Staffelgeschoss...



    Entwurf: Jo Franzke Architekten, Rendering: StudioA.eu

  • Der Bebauungsplan lässt zwölf Geschosse zu (#11). Eine Befreiung für fünf zusätzliche Etagen, okay, dürfte vertretbar sein, auch weil das Baufeld wohl nicht so weitreichend überbaut werden soll es wie zulässig wäre. Aber gleich für insgesamt 23 wie im Rendering in #51 (wenn ich richtig gezählt habe)? Das erscheint illusorisch und wäre eine Praxis wie in den Siebzigern. Die Probleme u. a. bei Turmcenter und Hochhaus am Park sind bekannt, die hier sicher auch nicht klagescheue Nachbarschaft ebenfalls. Abgesehen davon halte ich gemäßigte Höhen an der Ostseite der Senckenberganlage für richtig, um die 55 Meter sollten es ja werden.


    Die heutige Pressemitteilung der CG Gruppe in ganzer Länge, sie enthält ein paar zusätzliche Informationen und Daten:


    [INDENT]Die CG Gruppe, ein national führender Projektentwickler, hat die ehemalige Oberpostdirektion an der Ludwig-Erhard-Anlage in Frankfurt am Main übernommen. Das Unternehmen plant an dem Standort rund 482 Wohnungen. Davon entstehen 203 Eigentumswohnungen in dem denkmalgeschützten Altbau. In einem der beiden Neubauteile entstehen weitere rund 60 Eigentumswohnungen sowie 219 Mietwohnungen in dem neugeplanten 17-geschossigen Wohnturm.


    Das Quartier bietet somit Lebensraum für Familien, Best Ager, Singles und Expatriates in Frankfurts Innenstadt. Insgesamt beläuft sich das Investitionsvolumen auf rund 260 Millionen Euro. Mit den Bauarbeiten wird 2016 begonnen, die Fertigstellung ist für 2019 geplant.


    Die Oberpostdirektion wird zur Umnutzung als Wohngebäude umfassend saniert. „Die mehr als 100 Jahre alte Oberpostdirektion prägt mit ihrer neoklassizistischen Fassade das Erscheinungsbild der Ludwig-Erhard-Anlage und bildet das Entrée zum Westend. Die künftigen Anwohner des Ensembles profitieren daher unter anderem von einer Bestlage und einer eindrucksvollen Architektur“, erklärt Christoph Gröner, Geschäftsführender Gesellschafter der CG Gruppe. Die Eigentumswohnungen haben eine Größe von rund 35 Quadratmeter bis zu 200 Quadratmeter.


    Der neben dem Denkmal befindliche Bestand wird zurückgebaut und durch Neubauten ersetzt. Durch die Errichtung eines eleganten Hochhauses entsteht ein städtebaulich anspruchsvolles Ensemble. Bei den geplanten Mietwohnungen im Wohnturm handelt es sich überwiegend um optimal geschnittene 1-2 Zimmer-Apartments mit einer Größe von bis zu 60 Quadratmeter. Technologische Features, wie beispielsweise Touchpanels zur Verbrauchssteuerung werden das Verbrauchsverhalten der Mieter optimieren und tragen so dem bewussten Umgang mit vorhandenen Ressourcen Rechnung. Eine Tiefgarage wird den Bewohnern 396 PKW-Stellplätze bieten.


    • Wohneinheiten:ca. 482

      • davon Eigentumswohnungen Denkmal: ca. 203
      • davon Eigentumswohnungen Neubau: ca. 60
      • davon Mietwohnungen Neubau: ca. 219


    • Wohnungen durchschnittliche Größe: 35 bis 200 Quadratmeter
    • Grundstück Größe: ca. 14.279 m²
    • Fläche vermietbar Denkmal: 10.058 m²
    • Fläche vermietbar Neubauten: 19.972 m²
    • Stellplätze in Tiefgarage Anzahl: ca. 396
    • Investitionsvolumen: ca. 260 Mio. Euro
    • Baustart: 2016
    • geplante Fertigstellung: 2019

    [/INDENT]

  • Laut FAZ vom Samstag hat Franzke das Dachgeschoss der ehemaligen Oberpostdirektion sowie das Hochhaus noch einmal stark ueberarbeitet.


    Dort abgebildet ist auch der aktuelle Stand des Entwurfs. Die Fenster des Dachgeschosses nehmen nun Bezug auf die darunter liegenden Stockwerke und es wirkt nicht mehr so willkuerlich aufgesetzt (vgl. dazu den ersten Entwurf klick). Hier leider nur angeschnitten:



    Simulation Franzke

  • ^ Dafür hat der Bau nebenan nun nichts mehr, an das man sich beim vorüberfahren erinnern kann und will. Aber das scheint auch in niemanden Interesse zu liegen...

  • Danke Ahligator, ich zähle jedoch nur 16 Etagen auf dem Bild des aktuellen Standes. Wird wohl noch eines dazu kommen. Aber man sieht deutlich das ein schlankerer etwas höherer Turm "eleganter" wäre als das hier gezeigte pummelige Etwas.

  • Der überarbeitete Entwurf des Hochhauses gefällt mir wesentlich besser. Wobei auch mir ein schlankerer, höherer Turm besser gefallen würde.


    Das Staffelgeschoss auf dem historischen Gebäude ist noch immer nicht hinnehmbar im Vergleich zu einer Rekonstruktion oder zumindest einem Dach, das dem historischen Zustand angenähert wäre.

  • Eine höher aufgelöste Version der Visualisierung aus #53 enthält die Online-Version des FAZ-Artikels:



    Bild: Jo. Franzke Architekten


    Zur neuen Version des Dachgeschosses der Oberpostdirektion hat Gaius alles geschrieben. Die aktuelle Hochhausplanung zeigt dagegen gute Ansätze, meine ich. Für grundsätzlich gelungen halte ich die Idee, neben den Bestandsbau wieder einen Baukörper gleicher Höhe zu platzieren, aus dessen Mitte dann das Hochhaus aufgeht. Erhält der als 17-geschossig angekündigte Wohnturm ein Geschoss mehr als im Rendering dargestellt, dürfte sich der bisherige Eindruck von Korpulenz merklich vermindern. Verbessert im Vergleich zu früheren Versionen zeigt sich die nun profiliert und insgesamt feiner ausgearbeitete Fassade der Neubaus. So sieht es doch mehr nach Wohnen aus als bisher.

  • Oder besser einfach komplett auf das Hochhaus verzichten. Außer dem Marriott und den ebenfalls verzichtbaren und noch nicht gebauten Türmen an der Robert-Mayer-Straße befindet sich dort nur das Marriott halbwegs in der Nähe. Der Messe-Cluster selbst entsteht mehrere hundert Meter weiter südlich. Niedrige dafür prachtvolle Gebäude sind das was die Senckenberganlage braucht. Prachtstraßenpotential hätte sie ja immer noch - trotz all der Fehler der vergangenen Jahre, die einfach mal daraus entstehen weil man keinerlei Gesamtkonzept hat (die komplett verkorkste Planung für den Kulturcampus macht es aber auch nicht einfacher). Aber mit Hochhäusern verbaut man sich das Potential definitiv. Als ob es im Westend nicht schon mehr als genug dieser Hochhaus-Sündenfälle gibt, die man jetzt kaum noch wegbekommt.
    Ansonsten ist die Fassade zwar deutlich besser geworden, aber das Staffelgeschoss auf dem Altbau ist nach wie vor eine Katastrophe. Dort gehört ein Mansarddach drauf, nichts anderes!

  • Hier noch ein Blick auf die 16 stöckige wohl relativ aktuelle Wohnhochhausversion aus nördlicher Richtung:



    Bild: Jo Franzke Architekten

  • Einen Lageplan mit Geschosszahlangaben zeigt CG in seiner aktualisierten Projektseite:



    Die Anordnung der Neubauten erscheint grundsätzlich sinvoll. Der Blockrand bleibt grundsätzlich bestehen, die unsägliche Verbindungsbrücke alt/neu verschwindet, und der Neubau öffnet das Ensemble zur Westendstraße hin. Außerderm stuft er sich zu den Bestandsgebäuden bis auf sechs Geschosse ab. Das Hochhaus soll 16 + 1 Staffelgeschoss haben. Die oben gezeigten Visualisierungen gibt es in noch ein wenig besserer Auflösung:




    Bilder: CG Gruppe / Jo Franzke Architekten


    Weitere Eckdaten von der Projektseite:


    • Gesamtinvestition: 245 Mio Euro
    • Grundstücks- und Gesamtmietfläche: 14.279 qm bzw. 29.126 qm
    • Eigentumswohnungen im denkmalgeschützten Teil: 196 Einheiten von 45 bis 180 qm
    • Mietwohnungen im Neubau 1: 219 Einheiten von 45 bis 180 qm (Eigentümerin wird eine Versorgungskasse)
    • Gewerbe im Neubau 1: 3 Einheiten von 312 bis 548 qm
    • Eigentumswohnungen im Neubau 2 (2. Reihe): 60 Einheiten
    • 356 Tiefgaragenplätze
    • Anvisierte Mietpreise: 22 - 30 Euro / qm
    • Bauzeit: Juli 2016 bis Dezember 2018