Marienturm und Marienforum (realisiert 2019)

  • Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn solche Beiträge geschrieben werden. Denkt ihr denn wirklich, dass sich irgendjemand auf Bauherrenseite dieser Großprojekte dafür interessiert, ob man an dieser Stelle skylinetechnisch einen Hochpunkt schaffen sollte oder wie viel zusätzliche Skylinedichte das Hochhaus erzeugt?!


    Die Höhe, Kubatur und das Timing hängen von Angebot und Nachfrage auf dem Vermietungsmarkt ab. Es stand doch sogar in einer der Pressemitteilungen, dass man hier nicht die Maximalhöhe und -masse baut, weil der Nutzermarkt derzeit nicht derartige große Gebäude erlaubt. Der Marienforum Teil des Projektes sorgt dafür, dass der Investor mit einem kleinteiligeren Teilprojekt ein Jahr vor Fertigstellung des Hauptturms bereits auf dem Markt sein kann und eine Mieterzielgruppe ins Auge nehmen kann, die er mit einem reinen Turmprojekt eventuell nicht erreicht. Das ist ziemlich clever und Skylineästhetik hat bei diesen Überlegungen nun mal nichts verloren.

  • Höhere Etagen lassen sich doch auch besser vermarkten, mit der Höhe steigt der erzielbare Preis - sprich, deine Überlegungen kann man auch in die andere Richtung weiterspinnen. Letztlich interessiert mich an der Stelle eben v. a., ob es tatsächlich sachliche Erwägungen dafür gab und welche das sind (sorry, aber die über 120 Beiträge alleine in diesem Strang möchte ich einfach nicht durchforsten).

  • ^^^Jein.


    Etwas mehr Höhe wäre nicht schlecht gewesen und ich war bis vor wenigen Wochen auch der Meinung, dass wir hier eine Chance vertan haben, aber ich habe meine Meinung geändert. Letzte Woche war ich in der Taunusanlage unterwegs, und mir ist Bewusst geworden, dass ein "Monster" dort irgendwie nicht gepasst hätte (maximal ein schlankerer Turm bei mehr Höhe). Die Höhe harmoniert jetzt mit den Deutschen Bank Türmen ganz gut und der Turm wird auch so schon sehr massiv wirken an dieser Stelle - wenn mehr Höhe, dann würde man sich dass doch eher bei den DT Bank Türmen wünschen oder noch besser Trianon(!).


    Hier mal ein Bild von mir... der Marienturm wird mehr als doppelt so hoch werden wie der kleine "Turm" davor. Ich finde das ist schon ganz ok für diese Stelle (aber ja, so 170m-180m wären wohl optimal gewesen und dann Trianon mind. 200m). Aus der Luft betrachtet ist mehr Höhe immer wünschenswert, aber von street level betrachtet nicht unbedingt.



    (Foto: Eagle1)


    Statt einen neuen Hochpunkt zu setzen geht dieser 155m "Zwerg" ziemlich unter.


    Alles unter 220m würde da so oder so untergehen.


    Zitat

    Frankfurt ist mit seiner Skyline, seinen Straßenschluchten und seinen Großen Malls, seinem Riesenflughafen usw. auf recht kompaktem Raum die Art von "big city", die Berlin, mit seiner aufgelockerten Provinzkaffbebauung, gerne wäre.


    Da muss sich leider zustimmen. Trotzdem, ich bin zwar kein "Berlin-Freund", aber Berlin hat immer noch im Bereich Malls, Sport, teilweise auch Hotels, usw mehr zu bieten als Frankfurt. Wenn jetzt wohl bald die neue Multifunktionsarena kommt, dann wird Frankfurt aufschliessen, aber bei Malls hat Berlin immer noch die Nase vorn. Frankfurt ist sehr kompakt, und die Downtown Malls sind neu und modern designt, vlt wirkt dann alles dadurch stärker Urban / Internationaler, aber das Angebot ist nicht unbedingt besser. Ich vergleiche Berlin wegen der Fläche immer mit London oder Los Angeles und Frankfurt wegen seiner Kompaktheit mit Atlanta oder Singapur - kompaktere Städte haben vlt einen Vorteil im Stadtdesign und können attraktiver bzw übersichtlicher auf (Kurz-)Besucher wirken, dass heisst aber nicht, dass mehr Optionen geboten werden.

  • Damit uns Schmittchen nicht die Köpfe abreißt (oder noch schlimmer: unsere Posts ins Nirvana verschiebt) möchte ich den Bogen zum Thema schlagen und deinen Einwand aufgreifen. Was macht beispielsweise den Reiz des weltweit bekannten Central Park in New York aus, der in der Realität noch viel beeindruckender ist, als in Film und Fernsehen? Dass direkt an der Parkkante das Hochhausgebirge beginnt. Darum finde ich, dass gerade diese Ansicht von der sog. Taunusanlage aus enorm hätte gewinnen können, wenn dort eine richtige Landmarke gesetzt worden wäre. Zudem, bedenke, der Marienturm wird nicht nur nicht besonders hoch, es handelt sich ja auch um einen eher zierlichen Turm. Eher Messeturm als Commerzbanktower (letzterer ist ja auch bzgl. der Breite ein starkes "Statement" des Architekten - wirkt wohl auch deswegen so dominant in der Skyline).


    Letztlich sicherlich auch eine Geschmacksfrage. Dennoch verwundert mich, dass der Bauherr lieber zweimal Gründungsarbeiten bezahlt, anstatt sich 1x Gründung zu sparen und die selbe Geschosszahl einfach auf den Marienturm aufzustocken. Mit Sicherheit billiger in den Baukosten und trotzdem noch deutlich unter dem Limit des Hochhrausrahmenplans, der wohl auch von Hochhauskritikern in Frankfurt als eine Art "Kompromiss" anerkannt wurde, womit auch keine großen Proteste zu erwarten gewesen wären, unterstelle ich. Gerade wenn man Investoren also höhentechnische Ambitionen abspricht ( porteño ) ergibt die Aufteilung der Baumasse in Marienturm und Marienforum als zwei separate Gebäude keinen Sinn. Auch sind zwei separate Gebäude nicht schneller hochgezogen als eines mit der selben Baumasse, bei identischer Mannzahl an der Baustelle eher umgekehrt (siehe zweite notwendige Gründung, Gründung und Sockel brauchen immer am längsten, die Obergeschosse werden im Anschluss doch im Akkord aufgesetzt).

  • ^Central Park in NYC ist aber sehr viel länger als die Taunusanlage, der Park ist auch sehr viel breiter und an vielen Stellen sind die Türme auch nicht Höher als in Frankfurt. Ich habe den Vgl Central Park/Taunusanlage jedenfalls noch nie verstanden. Man muss eher Union Square San Francisco oder Centennial Park Atlanta zum Vergleich nehmen. Ich bin erst vor ein paar Wochen in SF gewesen und dort stehen die Höheren Türme auch nicht direkt am Square, sondern eine Reihe dahinter, gefällt mir sehr gut so - alles andere wäre zu aufdringlich und erschlagend, wie auch ein 220m Marienturm - wie gesagt, ein 220m Trianon wäre es gewesen.

  • Auch beim Marienturm legt man sich ins Zeug. Der Abriss der Bestandsbauten hat nun auch das schöne Treppenhaus das Leben gekostet, am verbliebenen Hochhaus werden momentan nur Fassadenteile entfernt bevor der eigentliche Abriss beginnt. An dessen Stelle wird das Forum entstehen.
    Vorne im Bereich des zukünftigen Hochhauses werden massive Gründungspfähle hergestellt:


    Grössere Versionen klickbar.



    Weitere Bilder etwas bearbeitet:




    Alle Bilder: Adama

  • Es ist immer wieder erstaunlich, welche neuen Perspektiven und Durchblicke sich durch einen Abriss ergeben können. Von der Marienstraße aus, also ungefähr aus der entgegengesetzten Richtung wie auf adamas letztem Foto, sieht das Marienturm-Areal gegenwärtig so aus:


  • Der letzte Abrisskandidat auf dem Areal ist noch einmal ein großer Brocken. Zwischen den Jahren finden nur kleinere Arbeiten statt, insbesondere das Sortieren des Bauschutts nach verschiedenen Materialien, im Neuen Jahr wird dann wieder der Longfontbagger (unterer Bildrand) zum Einsatz kommen.


  • Vorne im Bereich des zukünftigen Hochhauses werden massive Gründungspfähle hergestellt:


    Dabei kann es sich aber nur um die Baugrubenumschließung (Bohrpfahlwand) handeln.
    Die Arbeiten für den Marienturm haben noch gar nicht begonnen. Das dauert noch ein Weilchen ...

  • Das Projekt besteht baulich aus zwei getrennten Vorhaben (Turm und Forum) zweier unterschiedlicher Bauherren. Die wasserrechtliche Genehmigung zur temporären Grundwasserhaltung wurde nämlich der Projektgesellschaft Marieninsel Ost GmbH & Co KG sowie der Projektgesellschaft Marieninsel West GmbH & Co KG erteilt, beide mit Sitz in Düsseldorf, vertreten durch die PECAN Developement GmbH, Frankfurt; die Grundwasserhaltung wurde für ein Jahr genehmigt, was wohl dem Zeitraum für die Herstellung der Baugrube und der Untergeschosse entspricht.

  • ^ ... und schon geht es los mit der Grundwasserhaltung. Eine gewaltige Pumpe sowie ein auffällig hoher Wassertank stehen bereit. Mindestens ein weiterer Tank rollt gerade Richtung Baustelle. Das Logo von "Implenia" weist darauf hin, wer hier die Tiefbautätigkeiten lenken wird.



    Die laufenden Abbrucharbeiten sowie die Pfahlbohrungen laufen nicht ganz ohne Feinstaubaufkommen ab. Im Gegenlicht wird das fast stimmungsvoll sichtbar:



    Dem letzten verbliebenen ehemaligen Bankgebäude geht es jetzt an den Kragen. Die Longfontbagger haben bereits das Gebäudevolumen reduziert.


  • Zitat

    ... und schon geht es los mit der Grundwasserhaltung. Eine gewaltige Pumpe sowie ein auffällig hoher Wassertank stehen bereit. Mindestens ein weiterer Tank rollt gerade Richtung Baustelle.


    Das ist keine Grundwasserhaltung sondern die Silos und die Pumpe für den Betonit mit dem man die Schlitzwände erstellt...

  • Wer noch ein Abrissfoto machen möchte, muss sich beeilen. Nur noch ein Treppenhaus steht einsam in der Landschaft herum, und das auch nicht mehr in seiner ursprünglichen Höhe.


  • ^Nun, von dem letzten Rest des letzten verbliebenen Gebäudes ist schon seit letzter Woche nix mehr übrig. Ein aktuelles Überblicksbild von heute aus Richtung Mainzer Landstr. zeigt, daß doch einiges an schwerem Baugerät aufgefahren wurde, incl. der inzwischen komplett aufgebauten Siloanlage (im Bildhintergrund):


  • Besagte Website ist nun mit Inhalten gefüllt. Es gibt PDF-Datenblätter für die beiden Bauteile, wobei sich an den bekannten grundlegenden Fakten offenbar nichts Wesentliches geändert hat. Beim Turm hat sich die angegebene Gesamtmietfläche von 42.500 m² auf 44.900 m² erhöht. Konkretisiert haben sich die weiteren Nutzungen, hier wird nun genannt:


    • Kaffee-Bar im Erdgeschoss
    • Lunchrestaurant im 1. Obergeschoss
    • Kindertagesstätte im 2. Obergeschoss
    • Konferenzetage im 4. Obergeschoss
    • Fitness-Studio im 5. Obergeschoss
    • Sonderetage mit Dachterrasse (exklusive Nutzung) im 34. Obergeschoss


    Wie immer interessant neue Visualisierungen: Beim Marienforum hat sich viel geändert, verglichen mit dem zuletzt herausgegebenen Rendering. Es soll Einzelhandelsflächen geben und zwei Restaurants mit Außenterrassen an der "Marienplatz" genannten öffentlichen Fläche westlich des bis zu 40 Meter hohen Gebäudes.



    Beim Marienturm ist die Fassade ein wenig verändert worden. Es sind nun nur noch jeweils drei Etagen zu einem Segment zusammengefasst statt deren vier.



    Bilder: Pecan Development GmbH / Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH / Bloomimages GmbH


    Lageplan:



    Grafik: Pecan Development GmbH

  • Danke fürs Aufspüren!
    Fassade gefällt mir jetzt nicht mehr so gut, der Turm wirkt jetzt tiefer und klobiger und für diese Stelle einfach zu niedrig.
    Gerade in der Visualisierung aus der Luft deutlich wahrnehmbar. Zu sehen im Scroll-Bereich der Webseite.



    Grafik: Pecan Development GmbH / Thomas Müller Ivan Reimann Gesellschaft von Architekten mbH / Bloomimages GmbH

  • Nun ja... Da hat es aber deutliche Rückschritte gegeben, sowohl am Turm als auch am Forum.


    Die Fassade des Turmes ist nun noch langweiliger. Die Bänderung, die vorher 4 Stockwerke abschloss, ist nun wieder auf 3 reduziert worden. Die umlaufenden Bänder sind ausserdem weniger ausgeprägt als vorher.


    Beim Forum hat man nun einen völlig langweiligen Baukörper. Einzig die Rücksprünge und Einzüge sind zu begrüßen. Aber bei der Fassadengestaltung hat man sämtliche Spannung herausoperiert.


    Schade.


    ... außerdem wird der Turm breiter. Mehr Fensterachsen als zuvor... Vielleicht wirkt er deshalb klobiger.

  • Ja, ist nun leider (derzeit) mal so. Das ganze gibt es übrigens auch als gebundene DIN-A-4 Hochglanz-Broschüre. Hatte mal nach Info-Material bei Pecan nachgefragt und bin am letzten Freitag prompt bedient worden. Interessant ist zum einen der Untertitel "Eine Reise zur Marieninsel" (die Reise beginnt gerade und geht weiter...) und zum zweiten die Bezeichnung des Heftes als "Ausgabe 1". Es werden also weitere folgen. Wer weiss, ob sich nicht doch noch das ein oder andere Detail ändert...P.S. Auch ich hätte mir natürlich mehr Höhe gewünscht, zu klobig finde ich ihn aber (noch) nicht.