Hochhaus 'Alexander - Berlin's Capital Tower' (150m | Bau)

  • Das dachte sich der Investor vom Treptower Park auch, als er das Baukollegium verließ mit der Zustimmung zum Hochhaus an der Autobahn (was sinnvoll wäre). Dann kam aber der Denkmalschutz und hatte Angst um seine Sichtachse, tja dann war der Beschluss des Baukollegiums wieder hinfällig.

    Nun ist der Denkmalschutz nicht das Baukollegium. Dass der Denkmalschutz etwas ablehnt, dem das Baukollegium zugestimmt hat, hat also mit dem Baukollegium wenig zu tun. Neben den Verschlechterungen, die sie erwähnen, ließen sich auch diverse Verbesserungen aufzählen, die das Baukollegium erreicht hat. Der Monarch-Turm, um den es hier geht, hat eine Baugenehmigung für seine 150 Meter; die Debatte um die Sichtachse KMA – Fernsehturm ist durch. Das von Ihnen angedeutete Szenario (Baukollegium lehnt Gebäude ab) wird also definitiv nicht eintreten.


    Ich würde fast darauf wetten, dass hier große Einigkeit herrschen und außer Kleinigkeiten an der Fassade nichts mehr geändert wird. Aber Ihre Fassung ist natürlich die schönere Heldengeschichte: In den Abgrund des Bösen (Baukollegium) starrend verteidigt das Büro Ortner bis zum letzten Schwerte kämpfend seine ästhetischen Ideale!


    (P.S.: Sollte ich falsch liegen, dürfen Sie mir das bis zum St. Nimmerleinstag um die Ohren hauen. Aber ich glaube nicht, dass ich falsch liege.)

  • Ich würde fast darauf wetten, dass hier große Einigkeit herrschen und außer Kleinigkeiten an der Fassade nichts mehr geändert wird. Aber Ihre Fassung ist natürlich die schönere Heldengeschichte: In den Abgrund des Bösen (Baukollegium) starrend verteidigt das Büro Ortner bis zum letzten Schwerte kämpfend seine ästhetischen Ideale!

    Ich hoffe vor allem dass die Fassade nicht banalisiert wird und dafür drücke ich die Daumen. Und ja, beim Büro Ortner habe ich das Grundvertrauen, dass Ästhetik im Vordergrund steht, beim Baukollegium habe ich das aus Erfahrung nicht unbedingt.

  • Der Erdaushub kommt gut voran. Auf der Webcam (https://portal1391.webcam-profi.de/) kann man erkennen, dass sie im südlichen Bereich das Endniveau erreicht haben. Da ragen diese Metallstifte (sorry, ich kenne den Fachbegriff nicht) aus dem Boden. Es sollte nicht mehr allzu lange dauern und das Ausheben der Grube ist abgeschlossen und die Bodenplatte kann erstellt werden.

  • Danke für die besseren Augen als die meinen!

    Schaue hier täglich in die Webcam und mir schien es so als schaufele man nur von A nach B und anschließend zurück ... also Aktivität vortäuschen.

  • ^ so ist es. Die oberen Enden der Bohrpfähle werden noch "angeknabbert" damit der Bewehrungsstahl freigelegt wird. Dieser wird dann mit der Bodenplatte verwoben. Insofern ist das ziemlich sicher die finale Tiefe der Bodenplatte.

  • ^ Das wäre rasant. Zwei Jahre hat es vom Beginn des Grundbaus bis zur Grundsteinlegung gedauert – und zwei Jahre nach der Grundsteinlegung soll der ganze Turm fertig sein? Kann mir vorstellen, dass bis 2023 Richtfest gefeiert wird und die Fenster eingebaut sind. Aber Eröffnung? Never!


    P.S.: Lasse mich gerne durch die Wirklichkeit widerlegen. Ist ja schön, wenn sich Monarch durch solche Ankündigungen selbst Druck macht nach all den Jahren den Zögerns...


    P.P.S.: Das "Zögern" bezieht sich nicht auf den Grundbau (der kann in Berlin bekanntlich lange dauern), sondern auf die anderthalb Jahre zwischen der Erteilung der Baugenehmigung und dem Anrollen der ersten Bagger.

  • Mir ist ehrlich gesagt gar nicht so wichtig, ob das Ding nun in 2 oder 3 Jahren bezogen wird. Ich freue mich aber auf die Aussicht, dass am Alex wohl bald allerhand neue Perspektiven entstehen.

  • Ich denke mit PORR hat man Profis am Werk. Der Q218 bespielweise wird auch von PORR gebaut und wächst alle 9-10 Tage um ein Stockwerk. Zwei Jahre sollten reichen.

  • Heißt das, man geht gar nicht tiefer, sondern gießt bereits auf dieser Höhe jetzt das Fundament?

    Nun ja, es sind ja auch 18 m Tiefe, das sieht man an den Treppenläufen der Treppentürme. Insgesamt sind es 9 Treppenläufe (bei Gerüstelementen entspricht ein Treppenlauf 2 m).


    https://abload.de/img/alexandertower_grubeg6kzx.jpg

    Bild aus Webcam: https://portal1391.webcam-profi.de/


    Zieht man 4 m für die Bodenplatte ab, bleiben 14 m für 4 Untergeschosse (meines Wissens waren ursprünglich 5 UG geplant, aber man hat auf 4 reduziert), was wiederum 3,5 m pro UG macht.


    Passt...

  • Jetzt geht es hier doch "zügig" weiter. Nachdem gestern eine große Menge an Bewehrungsstahl in die Baugrube gehoben wurde, erfolgt heute der Aufbau eines Kranportals- ich vermute einmal, dass darauf bald ein Turmdreh-Kran gestellt wird.


    21-09-29_13-00kjk23.jpg

    Bildrechte: webcam Alexandertower

  • Der Kran wächst in die Höhe, habe ich heute mit eigenen Augen gesehen. Bin mit dem Fahrrad einmal quer über den Alex gefahren und stellte fest, dass ein gewisser "Wind of Tscheinsch" rund um den Alex Einzug hält. Otmar Kehrer der ehem. Eigentümer des Haus des Reisens antwortete mal auf eine Frage zu den Hochhäusern, er habe auch klein angefangen, der Alex müsse dies auch.


    So war der erste Alex nach der Wende bis in die 2000er hinein, ein abgerockter Platz. Unendliche Weite, unliebsam renovierte DDR-Bauten und Platten rings herum. Ein Basketballfeld, ein ruinenhaftes Berolinahaus, DDR-Warenhaus Kaufhof und das abendlich rötlich schimmernde Forum-Hotel-Obergeschoss. Ehrlich mit der Zeit mochte ich den Platz, ich habe bis dahin noch nie so einen sonderbaren Ort gesehen.


    Der zweite Alex zeichnete sich durch einen äußerst gelungenen Kaufhof-Umbau und dem Alexa aus. Wobei ich beim Alexa sagen muss, dass ich es nicht so schlecht finde und zum Alex wie die Faust zum Auge passt. Wirklich runtergezogen haben den zweiten Alex die Billigbauten; der Saturn-Bau und die Primark-Zeile. Zudem finde ich die neue Fassade des nun Park Inn genannten Hotelturms einfach nur schrecklich billig. Die alte hatte im Vergleich wirklich Klasse und sollte zurückkehren, wenn man den Turm schon stehen lässt.

    Zudem kamen im Hinterland Richtung Osten überwiegend wieder billig aussehende Hotel-Burgen hinzu. Auch das Königstadt-Carree sowie das Alea neben dem Fernsehturm wollten mich nie ganz überzeugen. Und mittendrin das Hofbräuhaus! Das renovierte Haus des Lehrers mit Halle stand fast wie ein Mahnmal da, kein Wunder dass man nun wieder die DDR-Architektur präferiert.


    Aber nun im Jahre 2021 scheint ein dritter Alex nach der Wende zu entstehen. Schaut Euch mal die WDVS-Fassade des Student Hotels an, die ist wirklich sehr gut gemacht! Das Grandaire ist für mich obere Liga, das Voltaire wird da sicher nicht nachstehen. Das Haus des Berliner Verlags samt Neubau überzeugen mich nach der Wiederbestuckung, bin noch auf das Pressecafe gespannt. Kleihues-HH und Covivio hätte ich mir zwar körperlich filigraner gewünscht, aber ich bin mir sicher, dass die Fassaden gut werden. Bei Ortners Monarch-HH bin ich sowieso zuversichtlich. Mal schauen wie es am Alex weiter geht und wie oft die Moden noch wechseln...

  • Wobei ich beim Alexa sagen muss, dass ich es nicht so schlecht finde und zum Alex wie die Faust zum Auge passt.

    Wird zwar leicht off-Topic aber ich kann hier nur komplett beipflichten. Ja, über das Alexa lässt sich geschmacklich sehr streiten.


    Ist es ansehnlich? Nach ein, zwei Bier vielleicht.


    Wenigstens hatte man hier aber den Mut etwas aus der Reihe zu tanzen - ein bisschen Mut zur Hässlichkeit eben.


    Ich habe meinen Frieden mit ihm gefunden - finde es dort gut, wo es ist - wünsche mir aber kein zweites.

  • Totgesagte leben bekanntlich länger. Es ist immer noch unwirklich, dass es dieses Projekt nun wirklich gibt. Ich reibe mir mitunter noch immer die Augen. Da überraschen mich selbst Projekte wie das Humboldtforum weniger, das ich ebenfalls noch verdaue. Es ist jedenfalls spannend, dass die einst postulierte "Neue Mitte" am Potsdamer Platz etwas zurückfällt, wohingegen die alte City West und City Ost zeitversetzt doch noch in die Gänge kommen und auch ein paar Dutzend Meter oben drauf legen (die Türme an der East Side Gallery könnte man auch noch als Nebenausläufer nennen). Ich weiß noch, wie ich die urbane Dichte am Potsdamer Platz das erste Mal bewusst wahrnahm und wie beeindruckt ich damals für Berliner Verhältnisse war. Besonders der Aufstieg durch die Rolltreppe und der Anblick der jäh aufsteigenden Türme sowie die Sony-Kuppel beeindruckten mich nachhaltig. Der Alex wird rein von der Architektur her wohl leider keine Maßstäbe setzen wie damals der Potsdamer Platz und mE auch die City West. Durch den Fernsehturm sowie Höhe, Anzahl und Dichte der Türme dürfte er sich mittelfristig dann dennoch ein wenig von den anderen Clustern absetzen. Und es wird auch nicht alles schlecht werden, so wie ich auch jetzt schon einige Bauten vor Ort schätze.


    Der ABC-Tower wird dann vorerst das Höchste der steingewordenen Gefühle darstellen und zeugt zudem schon jetzt als (Groß-)Baustelle von der neuen Dynamik am Platz. Ich bin schon mal gespannt, wie der Bau letztlich dann tatsächlich wirkt und wie er mit Fernsehturm, Hotelturm sowie natürlich auch den neuen Türmen harmoniert. Seine durch die Vor- und Rücksprünge bewusst gewählte Spannung bringt jedenfalls ähnlich wie damals das Alexa ein neues Element rein. Gleichzeitig greift er ja das ein oder andere Element der Umgebung auf. Spannend - und immer noch unwirklich...

  • Besonders der Aufstieg durch die Rolltreppe und der Anblick der jäh aufsteigenden Türme sowie die Sony-Kuppel beeindruckten mich nachhaltig.

    Ja die Rolltreppe ist wirklich der Hammer. Bin die vor 20 Jahren x-mal hoch und runter gefahren, so geil fand ich das 😊


    Der Potsdamer Platz war ein Meilenstein in der Stadtentwicklung Berlins, ich haben den Eindruck der Alex ist auch so eine Wegmarke.


    Hat man sich am Potsdamer Platz noch etwas vage auf „europäische Stadtvorstellungen“ gestützt, so kann man (wenn man diesen Gedankengang gehen möchte) in den Hochhäusern doch eine sehr transatlantische Nachwende-Hauptstadt erkennen. Der Potsdamer Platz ist architektonisch aus meiner Sicht auf höchstem Niveau, den Touch „Reisbrett“ konnte er bis heute jedoch nicht ganz ablegen. Aber er erfindet sich ja auch gerade wieder neu.


    Anfang der 2000er musste man kein Nationalist sein um im Potsdamer Platz ein heilendes Pflaster für die geschundene deutsche Hauptstadt zu erkennen.


    Lüscher habe ich hier mehrfach und deutlich kritisiert, jedoch muss ich auch herausarbeiten was meiner Meinung nach doch richtig war. Sie verwies als Schweizerin als erste darauf, dass die Orte in Berlin eigene Adressen seien. Mehr und mehr muss ich sagen, dass die Architektur in Berlin ortsbezogener wird. Am Spreeraum Fhain-/Kreuzberg oder am Alex werden eigenständiger, die Friedrich-Dorotheenstadt meist steinern streng, die City-West hat aus meiner Sicht eine ganz eigene Architektur. Wassergebiete werden mehr und mehr im gesamten Stadtgebiet als Lebensraum entdeckt.


    Nun am Alex komprimiert sich das. Am Alex haben die Behrens-Bauten und nun auch die DDR-Gebäude einen Bezugspunkt zu bilden. Soll heißen die bisherige nationale Linie fortführend mit neuen Mitteln. Sauerbruch Hutton untersuchten sogar ob die Hochhäuser aus DDR-Zeit mineralische Fassaden hatten. Der Monarch-Turm wird laut Ortner eine Kreuzung aus deutschem Rationalismus (!) und russischen Konstruktivismus. Passend zur Geschichte des Platzes. Da wäre der Dekonstruktivismus eines Gehrys dialektisch naheliegend. Eine Kürzung und Aufgabe der Dreiteilung des Gehry-Turmes würde nur leider auch den Monarch-Turm im Monolog stehen lassen.


    Seien wir aber auch Herrn Kollhoff dankbar, sein HH am Potsdamer Platz hat auch Hochhaus-Gegner überzeugt. Zudem ist er seit Jahrzehnten ein lebendes Mahnmal für den unvollendeten Alexanderplatz und brachte dies öffentlich auch immer zur Sprache.