Leipzig: Hotel- und Geschäftsneubau auf dem Burgplatz (i. Pl.)

  • Unter dem Titel Burgplatz-Loch ist Geschichte: Vier-Sterne-Hotel eröffnet im Mai schrieb die LVZ einen Artikel zum aktuellen Stand. Demnach soll Mitte Mai, ein halbes Jahr später als geplant, das NH-Hotel mit 197 Zimmern und Suiten öffnen. Weitere 4.000 Quadratmeter stehen für Gastronomie und Einzelhandel zur Verfügung.


    Bis Mitte Mai sollten somit auch die anderen Gerüste gefallen sein. Da ich heute vorbeikam, noch drei Schnappschüsse von der bereits abgerüsteten und von miumiuwonwon gezeigten Fassade.




    Bilder: Cowboy

  • Die Ausführung ist wirklich qualitativ, eigentlich qualitativer als ich dachte. Ich kann bisher keine Abstriche machen bzw. feststellen. Dass sich der Neubau sehr gut in die Umgebung einpasst, war schon klar. Aber diese Abstimmung wird in der Realisierung noch einmal richtig deutlich.


    Der Burgplatz ist ja nicht gerade eine einfache städtebaulich Situation. Mit dieser massiven Rückfront des Neuen Rathauses wie auch dem Stadthaus muss man erstmal umgehen können. Nun schließen sich die Kriegslücken in einem doch harmonischen Ensemble. Da fügen sich die Nachwende-Erweiterung der Deutschen Bank sowie des Bauwens Hauses mit dem jetzigen Neubau zu einem sehr guten Ergebnis zusammen. Auf einem eher stiefmütterlichen-, von drei Seiten zerstörten innerstädtischen Platz und mit diversen Haupt-Repräsentanten der Leipziger Architektur, ist das durchaus eine starke städtebauliche Leistung der Nachwende in Leipzig.


    Das schafft man nicht überall, weder in der Stadt noch in Deutschland. Wer hätte das gedacht, Hut ab!

  • Ein wirklich gutes Projekt, so sollten Lücken in Altstadtkernen geschlossen werden.
    Anders als bei Patzschke sieht der Bau auch wertig umgesetzt aus, da hatte ich vorher doch einige Bedenken.


    Aber trotzdem muss man einige Dinge kritisieren, wenn auch auf hohem Niveau.


    Wie bei allen traditionellen Neubauversuchen wirkt der Bau in sich trotzdem etwas ungelenk. Und die Ursache sind wieder massiven Fehler bei den Proportionen. Mal wieder quetscht man ein Geschoss mehr rein, als man es bei Gründerzeitbauten getan hätte mit all den Problemen, die das für die Optik des Baus mit sich bringt. Man ist dadurch so limitiert, was die Staffelung der Geschosse und die Struktur der Fassade angeht, dass die gewohnte Gliederung aus Erdgeschoss, Obergeschossen und Dach nicht funktionieren will. Zusätzlich verstehe ich nicht, warum man die Achsen der beiden unteren Geschosse so halbunregelmäßg auf das Raster der darüber liegenden Geschosse prallen lässt, ich finde das suboptimal. Aber mal abwarten, bis alles fertig ist.


    Aber ich freue mich, dass man sich hier mal an eine Gestaltung der Fassade ran gewagt hat, die über Fassadendämmung und die Wahl der Fassadenfarbe hinaus geht. Das Proportionenproblem wird man aber erst dann lösen, wenn man endlich die Zahl der Vollgeschosse auf 5 begrenzt, auch wenn ich weiß, dass dies nie passieren wird!

  • Die schon entrüstete Fassade von der Beamtenlaufbahn des Neuen Rathauses aus:




    Nachaufnahme des Dachstuhls mit ihren Gauben.




    Wenn ich nicht irre: Seitlich Martin Luther und Philipp Melanchthon.



    Hier kann ich die Persönlichkeiten noch nicht erkenen.

  • Ergänzend noch ein paar Bilder von mir. Noch ist ja alles Baustelle, auch wenn die meisten Gerüste gefallen sind und man merkt vor Ort, dass die Bauleute erheblich unter Zeitdruck stehen. Ich kann kaum glauben, dass das Hotel nächste Woche schon eröffnen soll.




    Fast zwanzig Jahre lang zeigte sich hinter dem Verbindungsbau zwischen Neuem Rathaus und Stadthaus (die sog. Beamtenlaufbahn) die provisorische Rückseite des Petersbogen, schlicht das Nackte Grauen. Das ist mit dem Neubau Gottseidank vorbei.








    Bei den Figuren ist neben Johannes Eck, Georg von Sachsen, Martin Luther, Petrus Schade und Mosellanus Langius Lembergius auf Wunsch des Bauherrn der französisch-schweizerische Reformator Johannes Calvin (oben Mitte) zu sehen. In der unteren Figurenreihe sind Kabel zu erkennen, was auf eine künftige Beleuchtung abends und nachts schließt. Noch erschließt sich mir allerdings auch nicht, warum die unteren Figuren ein Stockwerk höher als geplant angebracht worden sind. Direkt überm künftigen Haupteingang wie auf der Visualisierung dargestellt hätte es mir besser gefallen.









    Ansicht in der Burgstraße. Die Ecke zum Eingang des Petersbogen ist noch eingerüstet.

    Bilder: Cowboy

  • Ein schönes Gebäude. Den Bildern nach zu urteilen, eine hochwertige Verarbeitung der steinernen Fassade. Die Figuren sind dann das i-Tüpfelchen. Finde es ganz gut, dass die Figuren etwas höher stehen. Da sie ja nicht allzu groß sind, hätte es ansonsten etwas auseinandergerissen wirken können.

  • @ cowboy und leonidas


    wie ist denn euer subjektiver Eindruck von dem Gebäude vor Ort?


    Man muss allein städtebaulich schon dankbar sein, dass hier endlich diese furchtbare Brache beseitigt wurde. Das war ein unhaltbarer Zustand.


    Zudem ist unbestritten, dass sich der Bau um Einfügung ins Ensemble bemüht und gleichzeitig ein selbstbewusstes Zeichen setzen will. Und macht er zumindest auf den Fotos einen wertigen Eindruck. Dass man auch mal ein paar Euro in die Fassadengestaltung investiert hat, wirkt schon Wunder. Ich hoffe, dass mit der Weiterentwicklung der Kombi aus PC- und Fräsemaschienen in Zukunft solcher Bauschmuck für einfache Geschäftshäuser immer preiswerter werden wird. Nicht jede Figur und jedes Fassadenelement muss von einem Bildhauer entwickelt werden.


    Trotzdem bleiben die altbekannten Proportionsprobleme, die auch hier wieder auftauchen, weil man statt fünf unbedingt sechs Vollgeschosse will. Das erzeugt eine Unwucht in der Betrachtung. Dies wird hier besser gelöst als bei vielen Patzschke-Bauten, aber optimal ist es immer noch nicht!


    Zudemm haben wir löblicherweise ein Dach, was aber an der Grenze dessen konzipiert wurde, was man noch als Dach durchgehen lassen kann. Der Winkel ist soo steil, dass es fast zwei Vollgeschosse sind. Aber selbst dafür ist man ja heute schon dankbar, denn 90 Prozent hätten hier ein Staffelgeschoss aufgesetzt. Aber durch den steilen Winkel wirkt das Dach natürlich sehr massiv.


    Aber naja, mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Man kann jetzt klagen, dass das Glas halb leer ist oder sich freuen, dass es halb vol ist. Ich tue letzteres, auch wenn es weiter einiges zu verbessern gibt!

  • In der von Cowboy verlinkten Visualisierung wirkt die Fassade plastischer - offensichtlich weil im Original die Fugen zwischen den Steinen kaum akzentuiert sind. Das ist aus meiner Sicht das größte Manko.


    Die Massivität des Daches kommt insbesondere beim Blick aus der Beamtenlaufbahn zur Geltung. Schaut man von der Platzebene, guckt sich das etwas weg.


    Auf jeden Fall kann man die städtebauliche Wirkung nicht hoch genug würdigen. Im Ergebnis wirkt die schwimmhallengrüne Verkleidung von Juridicum/Cinestar noch gräuslicher.

  • @ Odysseus,


    es ist ja noch alles Baustelle. Bis jetzt steht da ein Neubau mit einer gefälligen Fassade. Nicht nur der beschmierte Bauzaun schmälert bislang den Gesamteindruck. Ich bin außerdem auf die neue Passage gespannt. Was auf den Fotos leider ziemlich untergeht, weil ich das entsprechende Objektiv nicht dabei hatte, sind die filigran gearbeiteten Figuren aus Cottaer Sandstein. Die sehen wirklich klasse aus und sollten hier noch mal aus nächster Nähe gezeigt werden.


    Ich finde die Proportionen zudem sehr stimmig, dafür, dass der Bauherr wie so oft so viel vermietbare Fläche wie nur möglich unterbringen wollte. Das zeigt die hohe Qualität der Architekten um Christoph Kohl.

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    Sandsteinfassade Figuren - Wasndas?


    Jens Rometsch hatte wohl einen schlechten Tag erwischt... :D


    Es bleibt zu hoffen, dass der Grundstückseigentümer, dem ja auch das ehemalige KARSTADT gehört, weiter macht und eine adäquate Lösung zeitnah präsentiert.

  • ^ bei der offiziellen Schließungsfeier des Burgplatzlochs (LVZ) soll er jedenfalls nicht gewesen sein. Das Loch ist zu, das Hotel eröffnet und der Burgplatz wieder komplett zugänglich. Die Passage soll im September fertig sein und die weiteren Gewerbeeinheiten alle noch bis zum Jahresende eröffnet werden.

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    Sandsteinfassade Figuren - Wasndas?


    Jens Rometsch hatte wohl einen schlechten Tag erwischt... :D


    ^ bei der offiziellen Schließungsfeier des Burgplatzlochs (LVZ) soll er jedenfalls nicht gewesen sein.


    Zitat von LVZ

    Im Zweiten Weltkrieg wurde die gesamt Randbebauung – mit Ausnahme des Rat- und Stadthauses – zerstört.


    Auf einem Teil des jetzt wieder bebauten Grundstücks waren Altbauten erhalten geblieben...


    Hier ein Bild von ca. 1965:



    größer



    größer


    Bilder von der Passagen-Fassade,
    Eingang Richtung Burgstr.:




    Mittelteil, Passagen-Kreuzung:




    Zwischenfazit: Der Übergang zwischen Neubau und "Altbau" ist missraten,
    da passt leider nur wenig zusammen...


    Grundsätzlich fand ich es schon bisher ungünstig, dass ein ziemliches Durch-, Neben-, Über- und Untereinander von Treppen, Fahrstühlen, Rolltreppen, Plattformen usw. den großzügigen Raumeindruck zerstört, der ohne dieses Wirrwarr möglich wäre und im Bereich der Passage bis zur Petersstr. auch erreicht wird.







    aus Richtung Schlossgasse:







    (da hat wohl jemand mit 'nem Tintenfass um sich geschmissen :D )






    Ein Blick in die "alte" Passage:




    ...weitere Ansichten und Details:







    ...abschließend ein Rückblick zur Burgstr.:


  • Dauert sicher nur noch ein paar Tage, bis die neue Passage eröffnet wird.






    Auf einem von Rundlings Bildern oben ist bereits die abgerüstete Ansicht von der Burgstraße zu sehen. Gefällt mir auch recht gut.



    Bilder: Cowboy

  • Noch ist der Neubau am Burgplatz nicht komplett fertig gestellt. Im Sommer wurde ein Hotel eröffnet. Wenn alles fertig ist, dürfte Leipzig um einen attraktiven Stadtplatz reicher sein.




    Eigene Fotos.

  • Ich finde den gesamten Komplex von der Burgstraße kommend sehr gelungen, diese spitz zulaufende Ecke wurde meiner Ansicht nach gut gelöst und wirkt fast schöner als die vorherigen Altbauten, die jetzt nicht gerade oberstes qualitatives Regal waren, da steht in Leiepzig viel Gründerzeit, die besser gelungen war.


    Schwieriger ist aus meiner Sicht die direkte Platzsicht, die Stahlbauer dankenswerterweise gepostet hat. Egal ob Patzschke, Krier oder wer auch immer, keinem gelingt es wirklich, 6 Vollgeschosse so unterzubringen, dass es bei der klassischen Traufhöhe, bei der normalerweise nur 5 Geschosse untergebracht sind, gut proportioniert aussieht. Es fehlt einfach der Spielraum, Sockel- und Obergeschosse ausreichend auszubilden und mit entsprechender Fassadengestaltung diese klassische Gliederung noch weiter zu unterstützen.


    Auch das Dach steht zumindest aus der Draufsicht viel zu steil, ja, man muss froh sein, dass man es überhaupt mit einer klassischen Dachform versucht hat und dass es kein Staffelgeschoss oder ein Flachdach gibt. Aber in der Summe sind auch hier die Proportionen nicht so, dass es harmonisch wirkt. Leider.