Senckenberg Gesellschaft baut um und erweitert (seit 2014)

  • Kulkas und Senckenbergers Gesellschaft gewollte Provokation

    Ich habe mir heute mal die Mühe gemacht und versucht das Grauen von Bockenheim fotografisch festzuhalten. Trotz ständigen Brechreizes.
    Viele Perspektiven gelangen aufgrund der beengten Verhältnisse und Absperrungen nur mit Panoramen, entsprechende Verzerrungen bitte ich zu entschuldigen.
    Die Lichtverhältnisse haben sich heute wegen der Schlechtwetterfront immer wieder schnell geändert, daher sehen viele Bilder unterschiedlich belichtet aus.


    Wir beginnen am Jügelhaus, an dem das Gerüst zum großen Teil bereits abgebaut wurde. Hier die nordöstliche Ecke, einfach grauenhaft dieser lieblose Abschluss des oberen Geschosses:


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    Blick nach Westen entlang des Jügelhauses:


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    Frontalansicht auf den ehemaligen Haupteingang des Haupthauses, hierbei besonders schmerzlich der Verlust , bzw. die bewusste Nicht-Wiederherstellung des Kranzgesimses. Auch die Tonnengauben fehlen. Schlimm auch die Holzbalustrade. Passt absolut nicht zusammen. Vor allem verwunderlich da Kranzgesimse an dieser Stelle eigentlich in den ursprüngleichen Plänen des Architekten noch vorgesehen waren.


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    Detail der schändlichen Lieblosigkeiten, Übergang vom Dach des östlichen Nebengebäudes zum Aufbau des Hauptbaus ohne Kranzgesims:


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    Nun der Blick nach Osten, entlang der Fassade des Jügelhauses, erstaunlicherweise war es hier möglich ein Kranzgesims zu belassen, warum also nicht an anderen Stellen?:


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    Besonders schlimm wird es an der Rückseite, hier gibt es gar keinen Dachaufbau, ein schlichter weißer Kubus im Abschluss, siehe linkes Gebäude, Blickrichtung nach Osten:


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    Blick in den Innenhof hinter dem Jügelhaus mit dem hohen Kubusanbau:


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    An mehreren Stellen wie Müll verstreut liegen die abgeschlagenen Fassaden-Reste, unter anderem von Kranzgesimsen:


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    Jetzt der Blick von Osten nach Westen von der Senckenberganlage, wie ein fehlgeleiteter Fremdkörper wurde der Kubus gewaltsam in das Ensemble hineingepresst:


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    Östlicher Abschluss Jügelhaus und Detail:


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    Bekannte Perspektiven, dennoch: Mist bleibt eben Mist. Hilft alles nichts.


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    Totale von Süden, das Dixie passt hier mal ganz gut ins Bild:


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    Bisheriges Fazit:
    Mit mehr Detailverliebtheit und mehr Liebe zu seiner Profession und mehr Respekt und Willen hätte man hier vieles stimmiger gestalten können, mehr Kranzgesimse, mehr Tonnengauben, historisierende Fenstereinrahmungen an den neuen Aufbauten und überhaupt ein paar Fenster mehr an vielen Stellen, usw. Am Geld kann es ja nicht gelegen haben.
    Warum hat man zudem die Anbauten nicht im optisch wirklich schlimmen Innenhof angebaut? Dort hätten Sie das Ensemble nicht dermaßen zerstört, ja beinahe vergewaltigt, so wie es jetzt der Fall ist. Platz wäre dort genug gewesen.
    Ich kann und will es nicht verstehen.


    Bilder: Adama

  • Mittlerweile wurden fast alle restlichen Gerüste abgebaut. Ich kann es Euch nicht ersparen dieses verunstaltete Etwas zu zeigen. Ehrlicher wäre es gewesen den ganzen Komplex abzureissen und mit Kuben vollzukleistern.
    Die kleinen Details sind nett, aber reissen eben auch nichts mehr raus.


    Mist bleibt Mist.


    Groß klickbar:


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    Bild: https://abload.de/img/s3xesif.jpg Bild: https://abload.de/img/s4nzszq.jpg


    Bilder: Adama

  • In der Gesamtschau Frankfurts mit Abstand schwerstes Architektur-Verbrechen der letzten 30 Jahre. Mindestens. Pardon, mehr Substanz für einen lesenswerten Beitrag findet sich aufgrund der Fassungslosigkeit leider nicht.

  • Unterirdische Architektur....

    ...könnte Herr Kulka mit Sicherheit nach diesem unglaublichen Bausakrileg sehr gut in sein Repertoire aufnehmen. Beim Tief-Bunkerbau sähe man da ja im wahrsten Sinne des Wortes nichts davon. Aber bei sichtbaren Objekten sollte er vielleicht doch eher Abstand von weiteren architektonischen Gehversuchen nehmen. Was den Senckenberg-Vorstand und den Denkmal(nach)Schutz geritten hat, dieses völlig verkorkste Gebilde zu unterstützen und auch noch zu loben - da fängt man an diversen Dingen an zu zweifeln...
    Ich bin erst am Wochenende da wieder vorbei gegangen und hab noch zu mir gesagt, ob ich davon wirklich Fotos einstellen will. Insofern Adama, vielen Dank für Dein tapferes Fotoopfer hier. Danach braucht es aber wirklich Alkohol.

  • Vor allem muß man bedenken, daß Senckenberg vor allem von öffentlichen Zuschüssen lebt, und auch dieses Bauverbrechen fast vollständig mit öffentlichen Geldern vollbracht hat.


    Und man muß bedenken, daß der im Gesetz festgelegte Sinn des Denkmalschutzes ist, Denkmäler im Sinne der Allgemeinheit zu erhalten. Ich kann beim besten Willen häufig nicht erkennen, daß die Entscheidungen der Denkmalbehörden diesen Sinn erfüllen.


    Zusatz: Mir ist auch unverständlich, wie die Zuständigkeit der Denkmalschutzbehörden geregelt ist, denn meiner unmaßgeblichen Meinung nach sollte immer diejenige Denkmalbehörde zuständig sein, in deren Zuständigkeitsbereich das betreffende Objekt steht.

  • An mehreren Stellen wie Müll verstreut liegen die abgeschlagenen Fassaden-Reste, unter anderem von Kranzgesimsen


    Hierzu möchte ich noch etwas bemerken, auch wenn der Beitrag schon älter ist und die Sandsteinteile wohl inzwischen auf einer Müllkippe ihre letzte Ruhe gefunden haben (ich weiß nicht, ob sie noch dort liegen, ich mache schon länger einen Bogen um das Jügelhaus, obwohl es oft auf meinem Weg liegt!):


    Es lagen an diesem Platz (am Fuße des Schornsteins des Uni-Heizkraftwerkes) nicht nur Fassadenteile, sondern auch mehrere Umrahmungen von innenliegenden Türen; einzelne Teile waren beim Ausbau zerbrochen. Ich habe Fotos davon!


    Außerdem lagen dort die Elemente einer massiven Säule (?) mit Abmessungen von circa 40 x 50 cm mit abgerundeten Ecken und scharrierter Oberfläche. Ich weiß nicht genau, wo diese Säule (?) gewesen sein kann, aber ich bin mir fast sicher, daß ich es irgendwann herausfinden werde.

  • Heute haben die Baudenkmalzerstörer sich selbst gefeiert.
    Die Presseeinladung dazu:
    http://www.senckenberg.de/root…6&year=2018&kid=9&id=4901


    Auch Kulka hat einen Kurzvortrag über Denkmalzerstörung halten dürfen.


    Ich habe es nur mitbekommen, weil ich heute mittag zufällig mit dem Fahrrad durch die Mertonstraße gefahren bin.


    Die Orgel in der alten Uni-Aula ist übrigens nicht auf den Balkan verkauft worden (dies wurde tatsächlich kolportiert), sondern steht noch an ihrem Platz. Ich habe das vor etwa zwei Wochen sehen können, als ich zu Fuß dort vorbeigekommen bin. - Sollten die Kulturbanausen bei Senckenberg gemerkt haben, welchen Schatz an einem Musiksaal sie an der Aula haben?


    Gleichzeitig ist mir heute aufgefallen, daß vor den Fenstern der Aula innen offensichtlich klappbare Verdunkelungsläden - ähnlich Paravents - angebracht worden sind. - Zu Zeiten, als die Uni dort Herr im Haus war, hieß es immer, dort dürfe quasi kein Nagel eingeschlagen werden, ohne daß die Denkmalschützer es genehmigt hätten. - Wie paßt das zusammen?


    Und ich habe, als ich die Senckenberganlage überquert habe, zurückgeguckt und beobachtet, daß am hinteren Flügel des Museumsgebäudes Dacharbeiten im Gange sind. Offenbar wird dort eine neue Eindeckung vorgenommen - mit revanchistischem Schiefer, oder etwas, was Schiefer imitiert. Warum nicht solche schönen, modernen Platten wie rundum?
    .

  • Als Adama im Juni den Tatort besuchte, standen teilweise noch Gerüste. Ich habe mir gestern vor Ort einen Eindruck vom aktuellen Zustand verschafft. Nicht, dass ich irgendwie sadistisch veranlagt wäre, aber frei nach dem Motto, dass geteiltes Leid halbes Leid sei, lasse ich Euch teilhaben. Zunächst der nun freigelegte Erweiterungsteil an der Rückseite des Jügelhauses - man vergleiche mit der Planung und dem Vorzustand (um zu sehen, dass einiges an alter Substanz entfernt wurde):



    Die breite Verbindungsbrücke zur Alten-Physik war bisher nur angeschnitten zu sehen. Nachfolgend von außen und von innen:


    Bild: http://www.dafmap.de/d/serve.py?2018/EPI_85A7736.jpg Bild: http://www.dafmap.de/d/serve.py?2018/EPI_85A7773.jpg


    Apropos Alte Physik. Um ein Gefühl für die Mischung aus Alt und Neu zu bekommen, nachfolgend ebenfalls ein Blick auf die Rückseite und auf den Arkadengang, auf dessen Dach man einen Kaffee trinken und die Aussicht genießen kann:


    Bild: http://www.dafmap.de/d/serve.py?2018/EPI_85A7739.jpg Bild: http://www.dafmap.de/d/serve.py?2018/EPI_85A7740.jpg Bild: http://www.dafmap.de/d/serve.py?2018/EPI_85A7749.jpg


    Ich bin mir nicht sicher, ob die herrliche Treppenhalle im Haupthaus saniert wurde, es scheint mir aber so:



    Der Zugang von unten, die Dinohalle mit neuem Aufzug und zugehöriger Stahl-/Glaskonstruktion sowie der bekannte Walsaal:


    Bild: http://www.dafmap.de/d/serve.py?2018/EPI_85A7763.jpg Bild: http://www.dafmap.de/d/serve.py?2018/EPI_85A7755.jpg Bild: http://www.dafmap.de/d/serve.py?2018/EPI_85A7758.jpg


    Rund um die Gebäude Feinschliff am Sockel und an den Außenanlagen:



    Bilder: epizentrum

  • Ich komme gerade von einer Veranstaltung in der Aula im Jügelhaus.
    Ich habe von der Veranstaltung Fotos gemacht, vom Zustand der Aula (oder dem, was davon übrig ist...) war ich indes derart erschrocken, daß ich davon (un-)bewußt keine Aufnahmen gemacht habe.
    Ich fange mal mit einer "Kleinigkeit" an: Die Inschrift "Aula" auf dem Sandsteinsturz über den Eingangstüren (in Gold) gibt es nicht mehr.


    Hinten, unter der Empore, hat man eine Erhöhung eingebaut, versehen mit Treppen, und diese mit Geländern versehen, die aussehen, als hätte sie ein Dorfschmied mit dem Vorschlaghammer angefertigt. Soll heißen, quadratische Profile mit übermäßigem Durchmesser.
    Gleiche Geländer gibt es nun auch vorn, an der Bühne. Die alte Bühne mit einschiebbarer Stufe gibt es nicht mehr. Dafür etwas grauenhaftes neues.


    Der Parkettboden scheint mit irgendetwas (bloß was?) unterfüllt worden zu sein. Er gibt keinen Ton mehr von sich und ist hart wie Beton. - Das tut der Akustik bestimmt gut...
    Noch nicht genug: man hat das alte Parkett bis nahe der Unkenntlichkeit abgeschliffen.


    Soll ich weitermachen?


    Die alten Türbeschläge gibt es nicht mehr, weder die Scharniere noch die Klinken oder die Schließbleche.
    Es gibt auch nicht mehr die alten Fensterbretter.
    Die Gitter unter den Fenstern, hinter denen die Heizkörper versteckt sind,...


    Seid stark!


    Diese Gitter sind weiß gestrichen!!!!


    Die gesamten gestrichenen Flächen in der gesamten Aula sind mit weißer Farbe angeschmiert!


    Die Sandsteinlaibungen der großen Treppenhausfenster sind ebenfalls mit Farbe bekliert worden. - Den Farbton könnt ihr euch schon denken.


    Es kommt noch schlimmer: Die Außenseiten der Eingangstüren der Aula scheint es nicht mehr zu geben!!!!!
    Stattdessen gibt es neue Türen, die nach außen hin glatt sind - und welche Farbe haben?
    Richtig, diese.
    Und auf die Innenseite dieser neuen Türen sind die Hälften der alten Türen aufgebracht, damit es aussieht als ob.


    Ich kann es jetzt nicht beweisen, wie gesagt, ich stand unter Schock und mein rechter Zeigefinger hat sich geweigert, den Auslöser zu betätigen.
    Aber glaubt mir, was ich hier berichte ist die grauenhafte Wahrheit.


    Die Aula hat 100 Jahre und zwei Weltkriege beinahe unverändert überdauert, aber Senkenberg hat sie nicht überlebt.


    Ich werde das Jügelhaus wohl, wenn überhaupt, noch ein einziges Mal betreten, um diese Zerstörung der Aula im Bild festzuhalten - und um eventuell einmal an die am Zerstörungswerk Beteiligten eine Anfrage zu richten, wie das mit der Denkmaleigenschaft des Gebäudes zu vereinbaren ist. Danach betrete ich es besser nie mehr wieder.
    Ich werde das Gebäude und insbesondere die "herrlich restaurierte" Aula (Originalaussage von Sören Dürr, Pressesprecher) als niedergebrannt, als vergangen behandeln.


    Edit: in der linken Ecke, zwischen Orgel und Fenstern, hat man offenbar die originale Natursteinverkleidung (senkrechtes Band in einem Braunton) durch eine neue in einem unpassenden, dunkleren Farbton ersetzt. - Warum, fragt man sich??

  • Ich kann deinen Schock nachvollziehen. Es ist die schlimmste "Sanierung" der letzten 30 Jahre. Ich habe eine solche Entwertung eines historischen Bauwerks nach dem Ende der 70-er Jahre nicht mehr für möglich gehalten. Dieses ganze Projekt ist ein Beispiel, wo Ideologie, fehlgeleitete Überzeugungen und mangelnder Respekt vor Achitektur hin führen können.


    Vermutlich bekommt dieses "Bauwerk" sogar noch irgendeinen Architeturpreis, wundern würde es mich nicht. Denn Teile der Branche sind so zynisch, dass sie sogar das noch durchziehen würden.


    Ich glaube, dass man sich, fernab des Elfenbeinturms der Architekurelite, nirgends Freunde mit diesem "Werk" gemacht hat. Ich habe selten eine so einhellige Verurteilung eines Bauvorhabens quer durch persönliche Präferenzen und Affinitäten gesehen wie bei der Senckenberganlage.


    Es bleibt einfach eine riesige Sprachlosigkeit!

  • ^


    Architekturelite war an diesem Machwerk nicht beteiligt, das ist offensichtlich. Sieht alles eher nach Kostenoptimierung aus.


    Viele Erweiterungen alter Bausubstanz haben mich in den letzten Jahren begeistert. Der Prägnanz alter Bau- und Gestaltungsweisen einen prägnanten modernen Konterpart gegenüber stellen funktioniert mE meistens gut.


    Diese fade Wulst, die sich über das Senckenberg Dach gelegt hat, ist das krasse Gegenteil. Nicht nur wird durch sie die alte Substanz zerstört, sie ist auch für sich genommen nicht sehr attraktiv. Man hat also eine Verschlechterung auf beiden Seiten geschaffen.

  • Zum Stichwort "niedergebrannt" in meinem obigen Beitrag: vor circa 15 Jahren wäre die Aula ja tatsächlich fast niedergebrannt.
    Es fanden damals Aufbauarbeiten für eine Jobmesse oder etwas ähnliches in und vor der Aula statt. Abends wurden Materialien und die teilweise aufgebauten Stände zurückgelassen, und am späteren Abend wurde eine der Materialkisten von Unbekannt in Brand gesetzt, an der Stelle, an der auch jetzt noch die Gedenkplakette an Carl Christian Jügel ist, gleich neben der hinteren Aula-Eingangstür.
    Mangels Rauchmeldern wurde das Feuer nur entdeckt, weil der Pförtner nach Gebäudeschluß seinen ersten Rundgang machte. - Es hätte das Ende der Aula sein können.


    Heute denke ich, es wäre besser gewesen, wenn die Aula damals tatsächlich niedergebrannt wäre. Das wäre ein besseres, ehrlicheres Ende dieses schönen, historischen Raumes gewesen als jenes Ende, welches ihm nun bereitet worden ist.


    Ich werde mich emotional von Aula und Jügelhaus trennen, ich halte beides in Erinnerung, wie es vor Senckenberg gewesen ist, wie ich es seit circa 40 Jahren kannte und wie ich es auf meinen Fotos habe. Zukünftig ist mir dieses Gebäude - besser das, was davon noch übrig ist - so gleichgültig wie abertausend andere. Soll man es niederlegen - ich würde nicht weinen, wenn die Bagger anrollen würden.
    Denn es bringt ja nichts, immer davor zu stehen und daran zu denken, wie es sein könnte, wenn...
    Das Geld, was nötig wäre, um dieses geschundene, zerstörte Gebäude wieder in einen angemessenen Zustand zu versetzten, ist einfach nicht da, kommt nicht wieder, und es ist auch mit Sicherheit niemand bereit, darein das nötige zu investieren. Und die "Patina" vergangener Zeiten, die in der Aula zu sehen war und ihren Charme, ihre Schönheit ausgemacht hat, ist vollends zerstört. Einschließlich ihrer guten Akustik. (Weil ein harter Boden zu Überakustik führt, worunter die Aula mit wenig oder ohne Publikum ohnehin schon immer gelitten hat, und nun vermutlich auch im vollbesetzten Zustand darunter leidet.)


    Ich werde auch um alles, wo Senckenberg draufsteht, künftig einen großen Bogen machen.


    Das meine ich verdammt ernst.

  • Die Aula beziehungsweise der Festsaal bei der Wiedereröffnung im September 2018:



    Bild: Senckenberg/Tränkner


    Die Gegenseite mit der Festgesellschaft (von links nach rechts: Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Matthias Kleiner, Ministerialdirigent Wilfried Kraus, Prof. Dr. Birgitta Wolff, Dr. h. c. Beate Heraeus, Ministerpräsident Volker Bouffier, Gerd Mangel, Prof. Dr. Dr. h. c. Volker Mosbrugger, Peter Kulka und Prof. Dr. Andreas Mulch):



    Bild: Senckenberg/Tränkner

  • Ich habe heute mehr oder weniger zufällig einen Beitrag aus der Frankfurter Neuen Presse vom November 2017 gefunden, den ich bisher noch nicht kannte.


    Die Überschrift lautet: "Gerd Mangel: „Ich finde, wir haben das gut gemacht“.


    Hier der Link:
    https://www.fnp.de/frankfurt/gerd-ma...-10448796.html


    In dem Artikel wird Gerd Mangel befragt, der laut Senckenberg-Website als "Bauherrenvertreter", nach eigener Aussage Projektleiter war und auch noch ist (das weiß ich aus allerzuverlässigster Quelle).


    In dem Interview läßt Mangel keinen Zweifel daran, wer das scheußliche Baumarkt-Weiß am Jügelhaus und der alten Physik zu verantworten hat. Man habe ein halbes Jahr bezüglich der Frage der Farbe miteinander "diskutiert" - es gäbe nun mal keine Farbfotografien der Gebäude aus dem Erbauungsjahr.


    - Na, das ist ja mal ein originelles Argument!


    Dann sagt er: "Der Denkmalschutz forderte ein Gelb Ocker, wir waren uns sicher, dass es eine helle Farbe sein musste. Die ist es am Ende auch geworden."


    Wieso war man sich sicher, "daß es eine helle Farbe sein mußte?" Und wieso hat der Denkmalschutz klein beigegeben?
    Ist es nicht inzwischen eine gesicherte Erkenntnis, daß der Barock bunt war?
    Ist es nicht ebenso sicher, daß auch der Neobarock bunt war und ist? Anders bunt, natürlich, aber doch nicht Weiß!
    Und ist es nicht ebenso sicher, daß jeder, der einen Funken Geschmack hat, sofort erkennt, daß Weiß zu Mainsandstein ums Verrecken nicht passen möchte?
    Und warum, zum Geier, wurde nicht nur die Fassade des Jügelhauses weiß angeschmiert, sondern auch die Stuckflächen der Aula?


    Auf die Frage, wie er die die alte Physik finde, wenn er sie jetzt ansehe - dort waren die Bauarbeiten zu dem Zeitpunkt des Interviews nach Mangels Aussage abgeschlossen -, sagt er: "Es hat meine Erwartungen übertroffen, das ist richtig gut geworden. Ich habe es ja wachsen sehen, aber insgesamt sieht man nun die Linie des Architekten Peter Kulka, es ist ein wirklich schönes Ergebnis."
    Ja, die Erwartungen hat es wirklich übertroffen, sogar bei weitem. Leider nur im negativen Sinne. Zwar ist Mangel weder Architekt noch Bauingenieur, man kann ihm also keine berufsbedingte einseitige Fixierung auf die Nicht-Farben Schwarz und Weiß anhängen. Um so rätselhafter ist es mir aber, welche "Linie" er hier sieht. Und daß er so etwas als "wirklich schönes Ergebnis" empfindet, ist möglicherweise dem Umstand anzulasten, daß er an dem Gebäude inzwischen jeden Winkel kennt, er also zu nah dran ist. Wenn man sich aber diesen merkwürdigen Aufbau ansieht, den man der alten Physik aufgesetzt hat, und der aussieht, als hätte man den Eingangsbereich eines Ikea-Hauses recycelt, mit den schwarzen Rahmen und den großen Fensterflächen - wenn jemand damit zufrieden ist, ist es um sein Empfinden für Proportionen, Stil und Ästhetik nicht weit her. - Wobei dieses Ergebnis natürlich denen anzulasten ist, die es entworfen haben, und denen, die es so haben wollten, und das war nicht der Projektleiter.


    Lustig ist irgendwie der Mangel an Selbsterkenntnis, wenn er auf die Frage der Zeitung, was man seiner Einschätzung nach in einigen Jahrzehnten über seine Arbeit sagen wird, meint, der Umgang Ferdinand Kramers mit dem Eingangsbereich des Jügelhauses sei ja ein "bewußter Umgang" gewesen und fügt noch hinzu: "Man wollte die Gründerzeit nicht mehr haben,..."


    Wenn er damit ausdrücken wollte, man habe jetzt die Gründerzeit, dieses Gebäude, haben wollen und respektiert - man mache mal einen Vorher- Nachher-Vergleich. Ich kann angesichts der Tonnen ausgebauten Materials - und das war mitnichten nur solches der 40er bis 80er Jahre - und angesichts des monströsen Anbaus, angesichts der Verdunkelung des ohnehin dunklen Treppenhauses um ein Drittel und angesichts der Verschandelung von Dach, Außenansicht und Aula und angesichts der Vernichtung der originalen oder stilistisch korrekten Türen von Hörsaal H, Aula, dem hinteren Nebeneingang und von werweißwo noch beim besten Willen nicht erkennen, daß man dieses Haus irgendwie hätte haben wollen.
    Ja, man hat es unbedingt haben wollen, weil es bereits gebauter Raum in direkter Nähe zum Stammsitz und zum Museum war. Aber wenn an der Stelle des Jügelhauses etwas anderes gestanden hätte (das Perfekt ist an dieser Stelle beabsichtigt), dann wäre man genauso rücksichtslos damit umgegangen, da bin ich mir inzwischen sicher. Bloß hätte ein Gebäude wie das Juridicum diesen Umgang besser überstanden, möglicherweise wäre es sogar verbessert daraus hervorgegangen.


    Übrigens hat die "Naturforschende Gesellschaft" fast das gesamte Grün vor und hinter dem Jügelhaus vernichtet. Hinter dem Haus ist nicht einmal mehr die Hälfte der ehemals begrünten Fläche vorhanden, der Rest ist auf der Ebene des Kellergeschosses bebaut.
    Vor dem Haus hatte die Universität die schwierige Situation so gelöst, daß sie vor den Kellerfenstern Lichtschächte aus genau demselben Stein wie die Kellerfassade gebaut haben, der Raum zwischen diesen Lichtschächten und der Tiefgarage unter der Mertonstraße war mit Erde aufgefüllt, so daß dort die Möglichkeit war (und genutzt wurde), um Büsche und Bäume zu pflanzen.
    Die Senckenbergianer haben sich nun erblödet, die Lichtschächte zu entfernen, das Grün zu vernichten (anscheinend gibt es in der Mertonstraße davon genügend oder sogar zu viel), und zwischen Tiefgarage und Jügelhaus eine Böschung anzulegen, obwohl die meisten oder sogar alle Kellerfenster zugemauert wurden. Es hätte also die Möglichkeit bestanden, den gesamten Raum zwischen Tiefgarage (die Waschbetonplatten enden bedecken die Deckplatte) und Jügelhaus aufzufüllen, um dort eine bessere Möglichkeit der Begrünung zu schaffen als je.
    Diese Böschung ist derart schmal, daß dort unter Garantie kein noch so kleiner Baum wurzeln kann.

  • Wenn man denkt, dass es nicht noch schlimmer kommen als es schon ist, wird man eines besseren belehrt. Denn es kann.


    Wie sehr muss man als Architekt, Landschaftsarchitekt ein Gebäude verachten.
    Jetzt werden sogar noch die damals abgeschlagenen alten Sandsteinfassadenelemente in die Außenanlagen "integriert". Es sieht nur noch grausam und auch komisch aus:







    Bilder: Adama (Gopro)

  • Wie zynisch und wie respektlos. Ich bin erschüttert und richtig richtig sauer.


    Das gesamte Projekt ist derart kulturverachtend und in tragischster Weise verwerflich, dass jedem Beteiligten die Berufsausübung auf Lebenszeit verweigert werden sollte!!!!!


    Wie kann ein Architekt so mit den Leistungen seiner Vorgänger umgehen?


    Wie kann die Politik hier überhaupt mitspielen? Es ist ein öffentliches Projekt, unsäglich.


    Wie kann die Denkmalpflege das zulassen? Am ehemaligen Bundesrechungshof oder beim Four-Projekt werden Nachkriegsfassaden mit einem fast grotesk anmutenden Eifer gerettet und hier schlägt man die Fassade runter und präsentiert das Werk auch noch ganz eifrig als Dauerinstallation.


    Ich weiß nicht, ob seit der Wende je etwas Schlimmers verbrochen wurde als dieses Machwerk. Jeder, der hier auch nur einen Funken Verantwortung trägt, und sei es auch nur durch Unterlassung, sollte sich den Rest seines Lebens schämen!

  • Für mich das tragischste Beispiel von intellektuellem Groupthink der jüngeren Geschichte, jede Kritik scheint die Verantwortlichen nur darin zu bestärken ungeheuer visionär zu sein. Pose des unverstandenen Genies. Tragisch weil dem im 20. Jahrhundert zweimal zerstörten Frankfurt kaum historische Substanz geblieben ist. Jeden Stein klassischer Bauweise müsste man da hegen und sich verkopfte Debatten, entlang abstrakter Chartas des Denkmalschutzes, sparen. Über Interpretation der diversen Chartas dazu kann man zwar streiten, keinesfalls waren sie aber in irgendeiner Weise in der Absicht erstellt worden, dass in deren Name historische Substanz, welcher Zeitschicht auch immer, vernichtet wird.


    Ich kann nur inständig hoffen, dass unsere Nachkommen in 30-40 Jahren bei der nächsten Substanzsanierung das ganze Unterfangen revidieren. Und einige eurer Kritikpunkte lassen schon erahnen wie darüber begeistert geschrieben werden könnte. "So wurde nun der düstere Verbau des Treppenhauses aus dem frühen 21. Jahrhundert entfernt, der Bauherr äußerst sich zufrieden 'so hell war es hier im Gebäude zu meiner Zeit noch nie, auch ganz ohne Kunstlicht, eine wahre Befreiung unseres Gebäudes'", oder so ähnlich - rein fiktives Produkt meiner Fantasie, keine Unterstellung gegenüber lebenden oder toten Personen mit Mandantschaft bei teuren Anwaltskanzleien.

  • ^^ Da müssen wir uns wohl gerade verfehlt haben. Ich hatte gestern auch zum ersten Mal den Friedhof der Spolien gesehen und war fassungslos ob des Zynismus und auch der Optik. Man kann anscheinend immer noch einen draufsetzen.

  • Werden denn alle Spolien im "Steingarten" verarbeitet?
    Oder werden die Spolien, die dafür nicht benötigt werden, entsorgt?
    Zersetzen sich bzw. korrodieren die verbuddelten Spolien im "Steingarten" im Laufe der Jahre?


    Worauf ich hinaus will: Gehen die Spolien und die anderen abgebauten Sandsteinelement unwiederbringlich verloren, so dass sie später nicht mehr zur Verfügung stehen?


    Langsam frage ich mich warum nicht abgerissen und neugebaut wurde?
    Bauherr und Architekt hatten wohl nicht den Mumm dafür.