Senckenberg Gesellschaft baut um und erweitert (seit 2014)

  • Was mir bei der Visualisierung von Peter Kulka auffällt ist, dass vor allem das Hauptgebäude fast ohne jegliche Verzierung und Figuren dargestellt wird (ich geh mal davon aus, die werden nicht abgeschlagen). Man will damit wohl erreichen den Gesamtkomplex als eine Einheit darzustellen, das dieser nach Umbau aber nicht mehr sein wird.
    Außerdem würde die Wiederherstellung der ursprünglichen Dachlandschaften nicht viel weniger nutzbare Fläche bedeuten, denn in den alten Mansarddächern sollte mMn fast so viel Fläche gewesen sein wie in dem zusätzlichen Geschoss.
    Vor Allem ärgert mich aber der Spruch, die moderne Dachlandschaft solle auch die „unterschiedlichen Zeitschichten sichtbar machen“, na dann freuen wir uns doch auf weitere Zeitschichten wie DIESE und der Römer hat auch viel zu wenig Zeitschichten, wie wärs?

  • Die Verantwortlichen sollten einmal den kurzen Weg nach Darmstadt antreten und sich dort vor Ort ansehen, wie man ein historisches Museumsgebäude denkmalgerecht saniert bzw. in den Urzustand zurück versetzt und gleichzeitig alle Vorgaben an einen modernen Museumsbetrieb berücksichtigt.
    Ich habe am letzten Sonntag an einer Führung durch das Hessische Landesmuseum teilgenommen (und werde hier in den nächsten Tagen auch noch ein paar Fotos einstellen) und kann nur sagen: dort entsteht wirklich Großes. Sämtliche unpassenden Nachkriegs-Einbauten wurden entfernt, historische Gewölbe, Böden und selbst Fenster wieder freigelegt, die Kriegsbeschädigungen am Messel-Bau beseitigt, der Keller hergerichtet, so dass er nun zusätzlich als Ausstellungsfläche dienen kann und behutsam ergänzt, dort wo es notwendig war. Genauso sollte man auch mit dem Senckenberg-Museum umgehen. Der historische Bau und das ganze Ensemble sind ein Geschenk und die Erweiterung des Museums um Jügelhaus und Alte Physik eine einmalige Chance. Man sollte sie sich nicht entgehen lassen durch den Ego-Trip Einzelner...

  • Leserbrief an die FAZ ist raus, auch wenn wir hier gelesen werden, helfen diese ganz ungemein. Ich hoffe, ich bin nicht der einzige, der einen schreibt. Eigentlich müssen nur die Autoren der vorhergehenden Beiträge diese in einen solchen packen. E-Mail-Adressen s. o.. Danke.


    Ansonsten sehr gutes Beispiel, Querido. Ich habe das Palmengarten-Gesellschaftshaus in meinem Brief als Beispiel dafür herangezogen, dass man in dieser Stadt auch fähig ist, mit den wenigen verbliebenen Monumentalbauten des Historismus angemessen umzugehen.

  • Das ist wirklich ein super Schritt! Hoffentlich ziehen einige mit. Vielleicht bringt man die Verantwortlichen so endlich mal zur Vernunft.

  • Leserbriefe an alle drei Frankfurter Zeitungen sind raus. Die Entwürfe verunstalten das schöne Ensemble für meine Begriffe total. Und so viele alte schöne Repräsentationsbauten gibt es in Frankfurt ja nicht mehr, also sollte man die wenigen die man noch hat restaurieren

  • Der offizielle Twitter-Account der Senckenberg-Institute hat mir vorhin geschrieben, dass die Farbgestaltung in der Visualisierung nicht final ist. (Als Antwort auf eine Bemerkung, dass ich die großen weißen Flächen unschön finde.)


    Auch sonst schien man an Details zur Kritik interessiert. Wer also mehr erfahren möchte und bei Twitter ist, könnte weitere Fragen an @Senckenberg schicken.

  • ^ Neulich stand bereits irgendwo, dass man die Farbe noch dem Bestandsbau anpassen möchte. Im FAZ-Artikel war es, meine ich. Das wird jedoch die Vergewaltigung der Repräsentationsbauten durch deren Vereinfachung und durch die kontrastierenden Aufbauten nicht retten.

  • Mir hat man folgendermaßen geantwortet:


    Über Geschmack lässt sich streiten und man könne es nicht jedem recht machen. (Hm, ich habe noch keinen positiven Kommentar zum Entwurf gelesen)


    Es wurde vom Auftraggeber hinsichtlich der Architektur keine Vorgaben gemacht. Keiner der Architekten hätte einen historisierenden Entwurf eingereicht (Oh Wunder - kein Architekt würde das freiwillig einreichen


    Das Denkmalamt selbst hätte verlangt, dass Kramersche Elemente erhalten bleiben. (sind das die Nachkriegsaufbauten? In der Presse las sich die Haltung des Denkmalschutzamtes eher so als ob sie zumindest für ein Mindestmaß an Erhaltung gekämpft haben und der Siegerentwurf ein Kompromiss war. Dabei sind die maßgeblich Schuld daran, dass der Entwurf so furchtbar geworden ist. Ich bin sauer)


    So werden wieder einmal riesige Summen an Steuergeldern am Willen des Volkes vorbei ausgegeben. In D hat man da kaum Möglichkeiten etwas dagegen zu unternehmen. Die Hürden für Bürgerbegehren sind einfach zu hoch.

  • Ich empfehle Euch die Leserbriefe plus Abbildung im heutigen Lokalteil der FAZ! Da mache zwei Leser sachlich aber deutlich ihren Unmut deutlich, irgendwie scheint die FAZ ähnlicher Meinung zu sein.

  • Jetzt werden die Freien Wähler als erste politische Partei aktiv und fordern, dass die Senckenberg Umbaupläne und die damit verbundene Verschandelung gestoppt werden. Dort kann man sich auch registrieren und seinen Kommentar abgeben. Man kann nur hoffen, dass sie gehört werden. Hat es mit der Altstadt nicht auch so angefangen, dass die Freien Wähler aktiv wurden, nachdem der Siegerentwurf von KSP Engel für die Neubebauung des Technischen Rathauses veröffentlicht wurden und damit ein Sturm der Entrüstung bei der Frankfurter Bevölkerung auslösten? Damals hätte niemand geglaubt, wie erfolgreich eine Teilrekonstruktion von etwa 0,5% der ehemaligen Altstadt umgesetzt wird! Auch damals hatte der Denkmalschutz auf ganzer Linie versagt.


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    Mod-Service: Link

  • In welch enormen Maße bestehende Substanz im Rahmen dieser unsäglichen Planung zerstört werden soll, lässt sich auch dadurch ermessen, dass der Auftragswert für ausgeschriebene Abbrucharbeiten mit 405.576 Euro netto beziffert wird. Der Auftrag wurde inzwischen vergeben.

  • ^


    Also wenn man den verlinkten Umfang liest... Mir kommt das nicht so schrecklich, sondern im Gegenteil recht plausibel vor:


    II.2.1)Gesamtmenge bzw. -umfang:
    Schadstoffsanierung und Rückbau eines ehemaligen Universitätsgebäudes beim Umbau zu einem Museums-und Verwaltungsbau Abbruch und Entsorgung für:
    1. Nichttragender Abbruch:
    — 1 500 m³ Mauerwerk,
    — 3 600 m² Gipskarton Wände,
    — 8 700 m² Deckenbekleidung HWL und Rabitz,
    — 7 350 m² Estrich,
    — 12 000 m² Nadelvlies, PVC, Bodenfliesen,
    — 5 t Stahlkonstruktionen,
    — 1 000 Innentüren.
    2. Schadstoffsanierung:
    — 650 m² asbesthaltige Verkleidungen,
    — 450 m asbesthaltige Rohrisolierungen,
    — 2 800 m² KMF Dämmung Decken/Wände,
    — 1 600 m KMF Rohrisolierung,
    — 2 700 m² PAK haltige Estriche und Bodenbeläge.
    3. Abbruch HLS Installation:
    — 7 135 m Rohrleitung Sanitär Stahl- und Kunststoff DN 15 - DN 150,
    — 35 St. Armaturen/Pumpen DN 15-DN 150,
    — 268 St. Sanitärkeramik,
    — 680 St. Heizkörper,
    — 7 800 m Heizungsrohr,
    — 110 St. Armaturen/Pumpen DN 15-DN 150,
    — 100 m Kältemittelleitung DN 15-DN32,
    — 2 100 m² Luftleitung,
    — 4 St. Raumluft-Zentralgeräte von 1500 bis 10 000 m³/h.
    4. Abbruch ELT- Installation:
    — 5 St. Elt-Hauptverteilungen,
    — 95 St. Wand- und Standverteiler,
    — 80 000 m Stark- und Schwachstromkabel,
    — 2 550 St. Leuchten,
    — 3 100 St. Installationsgeräte,
    — 2 300 m Brüstungskanal.
    4. Abbruch Aufzugsanlagen:
    — 5 St. Personenaufzüge incl. 3 Schachtgerüste,
    — 1 St. Kleingüteraufzug.


    Das ist doch bislang nur der Ausbau der Einbauten für die Nutzung als Uni. Keine tragenden Wände, kein Dach. Der Hauptkostenpunkt dürfte die Entsorgung der asbesthaltigen Teile sein, nach dem was ich jetzt für Luftschächte und Wasserrohre, jeweils 200 bzw. 400m, angeboten bekommen habe, dürfte das mehr als die Hälfte der Summe ausmachen.

  • Bei dem, was unter Punkt 1 steht, ist nicht ersichtlich, um welche Substanz es sich handelt – 1.500 m³ Mauerwerk können auch vom Kernbau stammen.

  • 1500 Kubikmeter Mauerwerk ist nicht wenig. Ich staune bzw. ich entsetze.
    Das sind etwa 3 km Altbau-Wand 1m hoch - bei einer geschätzten Dicke von durchschnittlich 50 cm.

  • Der Kaiser ist nicht nackt!

    Gestern berichtete die Frankfurter Rundschau von der Kritik an Kulkas Plänen. Während aus diesem Forum lediglich Schlagworte wie "abscheulich" und "grauenvoll" zitiert werden, zu mehr als Brachialkritik ist man der FR-Darstellung zufolge hier nicht in der Lage, erhält unter anderem der "Senckenberg-Generaldirektor" ausführlich Raum zur Darlegung seiner eigenwilligen und teils widersprüchlichen Sicht der Dinge. Die Lektion gipfelt in einem schrägen Picasso-Vergleich und einer Warnung vor einer "gefällt-mir-gefällt-mir-nicht-Debatte".


    Auch heute ist das Vorhaben wieder in der Zeitung, dieses Mal schreibt die Frankfurter Neue Presse. Hier belehrt der von der FNP als Fachmann titulierte Michael Kummer von der Bauaufsicht den murrenden, aber tumben Bürger, dem die Pläne schlicht nicht "gefallen" wollen. Der Jügelbau stehe aus historischen, nicht aus künstlerischen Gründen unter Denkmalschutz. Denkmalschützerische Fragen seien historische Fragen, keine Geschmacksfragen. Leider erklärt uns der Experte nicht, inwiefern ausgerechnet Kulkas technokratische Planung für Dächer und Fassaden eine passende Antwort auf jene historischen Fragen darstellen soll.

  • Picasso?

    ^ Auf den Visualisierungen werden alte Formen mit komplett weiß verputzen Kuben kombiniert. Ich kann verstehen, dass der Skulpturenschmuck nicht mehr bezahlbar ist. Hätte man jedoch z.B. auf den Kuben-Fassaden roten Naturstein mit dem Putz kombiniert, wäre es eine interessante Neuinterpretation der für die Frankfurter Region typischen Bauweise. So wie jetzt wird genau das getan, was ich im Ruhrgebiet und sonstwo schon millionenfach gesehen habe, was man kaum mit Picasso-Vergleichen rechtfertigen kann. Der war nämlich der erste, nicht der Zig-Tausendste.

  • Ich vermute, der Zug ist durch. Ich habe das Projekt und die Kritik daran in den letzten Wochen wiederholt bei Politikern auf Landesebene angesprochen. Da kamen Reaktionen nur in Richtung des Bedauerns und dass es Entscheidungen der Verantwortlichen in Frankfurt seien.


    Der in den Veröffentlichungen angekündigte Start der Arbeiten ist anscheinend auch von einer gewissen Eile getrieben, anzufangen und Fakten zu schaffen bevor tatsächlich noch ein Volkssturm losbricht.
    Da wird sich wohl bis auf ein paar Veränderungen in der Gestaltung der Dachhaut nicht mehr viel machen lassen. Leider.