Leipzig: Prager Projektfrühling (Bauvorhaben an der Prager Str.)

  • Was den Innenhof angeht, der ist ja noch gar nicht fertig. Da kommt bestimmt noch einiges an Grünzeug hin. Außerdem habe ich dort nach 16 Uhr geknipst, da ist es jetzt halt auch schon sehr schummrig. Nächstes Jahr im Mai, der bekanntlich alles neu macht, sieht alles sicher viel freundlicher aus.


    Frank-W, schau mal hier, da habe ich etwas über das in Leipzig neuartige Nutzungskonzept beim Umbau des ehemaligen Technischen Rathauses (gleich nebenan vom gleichen Investor) geschrieben, das in gewisser Hinsicht auch auf das LKG-Carré zutrifft. Zum Thema Straßenlärm gebe ich euch ja recht, aber das ist in Leipzig nicht mehr entscheidend, ob Wohnungen zu Höchstpreisen angeboten werden können oder nicht. Wir werden sehr bald einige Wohnungsbauprojekte entlang der lauten Prager Straße haben, die zu Höchstpreisen angeboten werden. Ich zähle 3 bis 4, die aktuell schon in der Pipeline sind.

  • Ich habe nichts dagegen - solange sie ansehnlich sind, kann das dem Stadtbild nur guttun. Derzeit gibt es ja noch genug andere Möglichkeiten, entweder günstiger oder ruhiger zu wohnen.
    Insgesamt ist die Entwicklung in der letzten Zeit hinsichtlich Sanierung/Bau auch an vielbefahrenen Straßen zu begrüßen.

  • Interessante Gedanken zum neuen Nutzungskonzept in deinem Post #56, Cowboy. Klingt für mich aber irgendwie vertraut. Bei Mega-Wolkenkratzerentwürfen wurde ähnliches angedacht. Oder bei Konzernen, die ihre Top-Mitarbeiter dauerhaft an ihre Firma binden wollten, mit wohnen und arbeiten unter einem Dach, am besten gleich auf dem Firmengelände. Gemeinschaftsflächen, Sauna, Restaurant - erinnert ein bischen auch an einige Ideale der sozialistischen Stadt in der DDR - nur das dort eben noch ein zusätzliches Ideal ruhige und grüne Bereiche waren (wo dann auch die Wäschestangen standen :D). Viel Lebensqualität auf wenig Raum - das Thema Nachhaltigkeit ist diesbezüglich sicher ähnlich zu vermarkten wie bei Hanfhandtaschen. - Für mich wäre das nichts, aber Leipzig boomt ja und verändert sich so. Im Moment ist das nur zu begrüßen - die ganzen positiven Meldungen (insbesondere bei der Altbausanierung) suchen bundesweit ihresgleichen. Irgendwann wird dann sicher der Punkt kommen, wo das vielleicht nicht mehr so positiv ist, aber noch ist der nicht abzusehen.
    Eigentlich sollte man LKG-Carrè & Co auch gar nicht kritisieren - für Leipzig ist es einfach wunderbar, dass selbst solche Ecken wie die Prager Straße hochwertig aufgewertet werden. Sehr gern soll weiterhin Geld von außen nach Leipzig fließen und z.B. Projekte an der Prager Straße möglich machen. Und wenn die neue Generation nachhaltiges Wohnen mit lärmdichten Fenstern in solchen Carrès gut annimmt, umso besser für Leute wie mich, die alte Gründerzeitler bevorzugen, denn irgendwann würden die selbst in Leipzig knapp, wenn alle nur so wohnen wollen.

  • Die akustische Belastung nimmt in Leipzig erfahrungsgemäß spätabends sehr stark ab. Nachts hat man als Spaziergänger ganze Hauptstraßen für sich allein. Schlafen bei offenem ist also weniger das Problem. Ich habe auch Bimmel und Rettungswagenausrückeweg direkt vor der Tür, das geht nach einiger Zeit unter. Selbst die DHL-Flugzeuge nachts gehören irgendwann zum üblichen Hintergrund.


    Die Straßensanierung Prager Straße ist immerhin greifbar. Die Gleise sollen dem Vernehmen nach Rasengleis werden (akustisch nahe Völkerschlachtdenkmal erlebbar), die Fahrbahnen entschlaglocht. Beides wird helfen, den Spitzenpegel zu senken. Auch ist die größte Verkehrsbelastung erst ab Einmündung B2 zu verzeichnen. Das beeinflusst eher das exTechnische Rathaus negativ.


    An Hauptstraßen wurde vor 10 Jahren noch alles leer belassen. Kein Mensch hätte darauf gewettet, dass sich alle Magistralen derart stark und intensiv wiederbeleben. Umso wichtiger ist es, Trends sorgfältig und umfassend zu analysieren und für die gesamte Stadt immer mehr den menschlichen Maßstab in den Fokus zu stellen, auch wenn die IHK (u.a.) lauthals jammern.

  • Der von der CG-Gruppe geplante Umbau des ehemaligen Technischen Rathauses soll in Kürze beginnen. Mehr Infos dazu später. Das Leipziger Büro Homuth+Partner Architekten liefert dazu eine neue Visualisierung, bei der vor allem die EG-Zone sowie die Fenster verändert wurden, aus meiner Sicht deutlich zum Besseren (zum Vergleich die alte Visualsierung).



    Quelle: Homuth+Partner Architekten


    Direkt gegenüber vom früheren Technischen Rathauses steht, statt einer Wiese wie auf dem Bild zu sehen, das Haus des Buches. Von daher wird sich die oben gezeigte Perspektive so nicht ergeben.

  • Hier ein morgenlicher Rundgang durch den Hof des LKG Carrés:
    Erst der große Hof (Neubauteil).





    Der (Altbau-)Mittelflügel. Sind die dicken Stahlbetonstützen nicht klasse?


    Der kleine Innenhof (Altbauteil):



    Nochmal von unterm Mittelteil.


    Und noch ein paar Details vom Neubau.



  • Danke für die aktuellen Bilder.
    Es ist leider bezeichnend wie die Fallrohre das beabsichtigte Fassadenbild stören. Sowas sieht man im Vorfeld auf keiner Visualisierung :nono:

  • Das ist ja auch der Innenhof. Ich finde es insgesamt überraschend, dass man hier die Gestaltung der Straßenfassade durchgezogen und nicht auf eine billigere Lösung gesetzt hat. Sich da noch über die Fallrohre zu beschweren, ist wirklich jammern auf hohem Niveau.

  • Während sich der Baustart beim Technischen Rathaus stetig nach hinten verschiebt, wurde inzwischen die "Oase" (so die Bezeichnung für die Hundewiese durch grundsätzliche Gegner von Neubauvorhaben) an der Ecke Prager/Mühlstraße abgeholzt. Hier könnte es also bald mit dem Bau der geplanten Studentenwohnungen losgehen. :daumen:

  • Das ist kein Jammern sondern das ist Architektur! Das ist eine ganzheitliche Aufgabe.


    Und? Ich finde den Hof gelungen. Bei allermeisten Neubauten und übrigens auch bei den meisten Altbauten im Blockrand, hat die Hofseite überhaut keine Gestaltung. Da ist einfach blank verputzt mit Balkonen drann. Hier hingegen setzt sich die Schaufassade zur Straße im Hof nahtlos fort. Sich da jetzt an den hofseitig offenliegenden Fallrohren so hochzuziehen, ist bei dem was sonst standard ist, einfach lächerlich.

  • Homuth+Partner gewinnt beim Wettbewerb "Ostpark"

    Vor zweieinhalb Jahren wurde ein Masterplan für die Bebauung entlang der Prager Straße vorgelegt. Zur Erinnerung nochmal die Visualisierung von Homuth+Partner. Rechts zu sehen das LKG-Carré, mittig in Grün das ehemalige technische Rathaus und ganz links in Blau der geplante Neubau mit Studentenappartments.



    Bildquelle: CG-Gruppe / Homuth+Partner


    Nun nimmt der Neubau unter dem Namen "Ostpark" eine konkrete architektonische Form an. Der Neubau umfasst drei Baukörper mit einer BGF von 30.000 m². Mit elf Etagen schließt das Gebäude an der Prager Straße auf der gleichen Traufhöhe ab wie seine Nachbarn, wobei das Gebäude an der Ecke Prager Straße und Johannisallee eher an der Traufhöhe des Instituts für Geographie orientiert ist.



    Bildquelle: Homuth+Partner

  • Wenn ich die diversen Zeichnungen richtig deute, nehmen die drei Häuser in ihren Grundrissen geschickt die Morphologie des umgebenden Straßenrasters auf und stellen sich dabei ans Ende von zwei Sichtachsen während eine dritte Sichtachse in die Mitte der Gebäude läuft.
    Die unterschiedlichen Höhen versuchen zu den Gebäudehöhen der Umgebung zu vermitteln und beleben den Komplex.


    Hier kann ich nur sagen: bitte so umsetzen!

  • ^ Ja - die Weiterentwicklung der Sichtachsen bzw. der Gestalt der Umgebung in den Gestaltungsprozess in die Neubebauung finde ich auch wirklich gelungen. Hier wird vor allem eine stark vereinheitlichte Front zur Prager Straße gebrochen. Insbesondere von der Seite des Ostplatzes/Oststraße wird dadurch eine monotone undurchlässige Fassade entlang der Viale verhindert und dem ganzen Ensemble mehr Durchlässigkeit zugestanden.


    Trotzdem gibt es, meines Erachtens, beim Entwurf eine Negativum. Die zu niedrige Baukörper-Höhe am Ostplatz. Obwohl das Konzept durch eine Erklärung - mit der Aufnahme der Bauhöhen am Rand des neuen Objekts - an sich stimmig ist, bleibt es für mich etwas fraglich warum man nun die niedrigere Höhe an der Johannisallee aufnehmen muss. Gäbe es doch hier auch die Möglichkeit der Höhendominanten am Ostplatz und den niedrigeren Teil am ehemaligen Ordnungsamt anzuordnen. Die Höhendominanten am Ostplatz würde damit die Brücke zum ehemaligen Ordnungsamt und zum Bürokomplex am Eingang zum Friedenspark schlagen. Dennoch wäre die städtebaulich wichtige Definition bzw. Fassung des Ostplatz, als wirklichen Platz und nicht nur Straßenkreuzung, gegeben.


    Desweiteren wäre es städtebaulich auch wichtig, den Ostplatz wieder als einen übergeordneten Kreuzungspunkt zwischen Zentrum-Süd und Reudnitz zu etablieren. Das könnte man eben mit eine Höhendominante am Ostplatz und mit Nahversorgung im Bereich Supermarkt und diversen Einrichtungen erreichen. Diese brauchen dementsprechend auch die baulichen Anlagen, welche meines Erachtens nicht mit einem Bau und 3. OGs möglich sind.


    Ich hoffe hier wird nicht der gleiche Fehler gemacht, wie mit der Zahnklinik am Bayerischen Platz!

  • Leider fehlt hier die Möglichkeit eines unmittelbaren Vergleichs mit der Höhe der gegenüberliegenden Altbauten.
    Mich dünkt, die geplanten Neubauten sind hoch genug - scheinen da doch 5 Vollgeschosse emporzuwachsen - zuzüglich der höher strebenden Gebäudeteile. Außerdem wirkt der Bayerische Platz doch um einiges größer, unein"gefaßter" und "straßenkreuziger".
    Die Institutsgebäude dagegen sind recht flach.