Abriss und Neubau Roonstraße/Bärenschanzstraße ZBFS

  • Abriss und Neubau Roonstraße/Bärenschanzstraße ZBFS

    Das kann doch echt nicht wahr sein!!!! Aber der Reihe nach:


    In der aktuellen Sitzung des Baukunstbeirates am 14.11. wurde im öffentlichen Teil der Tagesordnungspunkt Nr 3 "Zentrum Bayern für Familie und Soziales (ZBFS) - Neubau Regionalstelle Mittelfranken" behandelt. Die Architekten Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten GbR, in Köln, legen die Pläne für den Neubau an der Rohnstraße vor. Aber zunächst ersteinmal eine Übersicht zum Gelände. Von der Maßnahme tangiert sind die Bestandsblöcke 8a, 8b, und Roonstraße 22:



    [c] Google Maps


    Der Plan sieht in erster Linie den Abriss des Gebäudes Roonstraße 22 vor, rechts in der Draufsicht auf das Gelände, wo ein Neubau entstehen soll:



    Quelle: Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten GbR, BKB-Sitzung vom 14.11.2013, Link: http://www.nuernberg.de/intern…d=bkb2013_2013_11_14.html


    Der Neubau soll so aussehen:



    Quelle: Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten GbR, BKB-Sitzung vom 14.11.2013, Link: http://www.nuernberg.de/intern…d=bkb2013_2013_11_14.html


    Soweit, sogut. Der Plan hat allerdings einen Haken: Das Baurecht fordert für jeden Neubau einen Stellplatznachweis. Für diesen recht großen viergeschossigen Verwaltungsbau werden entsprechend viel Stellplätze gefordert. Normalerweise errichtet man hier Tiefgaragengeschosse. Nicht hier. Der Plan sieht stattdessen den Abriss des Gebäudes 8a vor, das sich im rückwärtigen Bereich des Geländes befindet. Dort soll ein Parkhaus entstehen.


    Beim Gebäude 8a handelt es sich um einen Kasernenbau in Sandstein aus der zeit etwa um 1860. Denkmalschutz besteht nicht (8b steht unter Denkmalschutz, und ist deutlich kleiner). Wichtig ist hierbei, dass das Gebäude an sich weder hässlich, noch heruntergekommen ist, zumindest äußerlich. Vielmehr handelt es sich um den letzten verbliebenen Kasernenbau aus dem 19. Jahrhundert im ehem. Militärviertel Nürnberg, der Bärenschanze. Schanze ist nun kein begriff aus dem Skisport, sondern vielmehr einer aus der Militärtechnik und bescheibt sozusagen Festungs- und Kasernenanlagen. Davon ist im Viertel neben den Reithallen kaum mehr was vorhanden.


    Blick vom bestehenden Parkplatz an der Roonstraße:



    Das dreigeschossige Sandsteingebäude im Stil der Neorenaissance ist Block 8a, der soll abgerissen werden. Ebenso der flache natursteinverkleidete Bau rechts, Roonstraße 22. Das Würfelhochhaus im Hintergrund bleibt bestehen.
    Details Block 8a:





    Erst vor wenigen Jahren hat man die Reithallen aufwändig in Wohnraum umgewandelt, und damit einen wesentlichen Teil der Militärgeschichte des Viertels bewahrt:



    Dem Vernehmen nach war der BKB von den Planungen wohl auch nicht sehr angetan, und hat entsprechende Nacharbeit verlangt. Besonders ersichtlich wird das, wenn man auf das Bestandsgebäude von der Bärenschanzstraße aus blickt:



    Das zumindest nach meinem Empfinden wertigste aller Gebäude wird verschwinden, damit zum bestehenden Parkhaus rechts im Bild ....



    ... noch ein weiteres hinzukommt. Der Bauherr, der Freistaat Bayern, ist der selbe der zurzeit ein "Heimatministerium" in Nürnberg einrichtet, dessen Aufgabe die..... was keine Ahung auch immer... sein wird? Unglaublich!


    Ich kann echt nur hoffen, dass das letzte Wort hier noch nicht gesprochen ist.

  • Was ist eigentlich mit dem höheren Klotz, Roonstraße 20? Der sollte doch auch einmal abgerissen werden. Ist ein recht unzweckmäßiger Bau, denn er war eigentlich auch mal als Notkrankenhaus eingerichtet.
    Diesen 70er Jahre Kasten könnte man wirklich entsorgen!

  • Gerade heute in Zeiten knapper Reccourcen und zunehmend ganzheitlicher Betrachung von Energieeinsatz und -verbrauch sollte man mit dem Ruf nach Abriss nicht so schnell dabei sein. Wer glaubt man könne Energie nur sparen, wenn man Altes grundsätzlich entsorgt und mit viel Aufwand vernichtet, in zunehmend immer kürzeren Planungszyklen, der wird am Ende feststellen dass er weder Energie noch Geld damit spart.


    Die Planungen beinhalten ja auch den ersatzlosen Abriss des Blocks 8c:



    Lediglich Gebäude 8a soll erhalten bleiben, da Denkmalschutz.



    Ich frage mich vielmehr ob das tatsächlich die Art von Stadtplanung und Quartiersentwicklung ist, die Nürnberg und seine Bürger wollen? Ich hab das Gefühl in anderen europäischen Ländern geht man da mit deutlich mehr Sachverstand heran. Die Planungen hier sind einfach nur provozierend.


    Nähere Hintergrundinformationen dazu in der Zeitung: http://www.nordbayern.de/nuern…enhof-abreissen-1.3283851

  • Mir ist auch schon länger aufgefallen, wie anders die Einstellung breiter Kreise in Deutschland gegenüber der in anderen europäischen Ländern ist. Ich glaube, in Großbritannien, Schweden oder Italien wären so viel Geschichtsvergessenheit und so eine Überbetonung von "Sachzwängen" nicht durchsetzbar. Klar ist auch im Ausland nicht alles besser, aber manches doch. Ich glaube, wir Deutschen leiden immer noch unter den Nachwirkungen der NS-Zeit und des Wiederaufbaus: gebaute Geschichte spielt eine untergeordnete Rolle, alles muss neu, praktisch und effizient sein; wo z.B. vielen Briten und Italiener die identitätsstiftende Funktion des Alten betonen und über die technische Imperfektion hinwegsehen, sehen viele Deutsche nur den Mangel und greifen jeden an, der mit den Steuergeldern der Allgemeinheit "alten Kram" bewahren will. Der Staat macht's genauso und opfert aus Sachzwängen ein Gebäude aus den 1850er Jahren(!!!)...

  • Das ist schlichtweg Dummheit. Sachzwänge ändern sich stetig. Wer ausschließlich sachbezogen denkt, muss auch oft seine Meinung ändern, in der Politik wird das als "Wendehals" verspottet.


    Heute brauchen wir Parkplätze, morgen vielleicht Bäume, oder einen U-Bahnhof? Oder einen Hubschrauberlandeplatz.... Einzig die Geschichte bleibt, und hierfür muss auch Raum sein. Passivhausstandard, einfach lächerlich.

  • Ich glaube, dass das selbst innerhalb Deutschlands regional unterschiedlich gehandhabt wird.


    Schaut euch doch mal im Regionalforum meiner alten Heimat Berlin um. Dort muss alles schick und neu sein: Flughafen, Autobahn, Schloss, Regierungsgebäude, kommunaler Wohnungsbau. Das Geld kommt dann halt vom Bund oder über den Länderfinanzausgleich wieder rein. Oder man argumentiert mit den Repräsentationspflichten der Hauptstadt...


    Ich hasse das ewige Gejammer hier im Nürnberger Unterforum, dass sämtliche Projekte nur gepfuscht und billig wären und die nicht-münchener Regionen in Bayern ja sowieso benachteiligt werden.
    So häufig, wie diese Verbalkeule hier rausgeholt wird, ist es meines Erachtens völlig übertrieben und fehl am Platz.
    Aber was das Pflichtbewusstsein beim Umgehen mit Steuermitteln für Immobilien- und Infrastrukturprojekte des Landes (bzw bei uns Freistaates) angeht, kann man - wenn man denn will - schon eine Einstellung zur Übererfüllung feststellen. Vielleicht ist ja doch zumindest ein bisschen etwas dran, dass die münchener Finanzprüfer bei fränkischen Investitionsprojekten etwas genauer hinschauen, als anderswo.

  • Scritch, im Berlin-Forum bin ich ziemlich häufig unterwegs, man kann Berlin nun aber auch nicht mit Nürnberg vergleichen. Die riesigen Brachflächen, die man dort behandelt und bebauen kann, sind etwas ganz anderes als der Verdichtungsdrang einer so eng und zugebauten Stadt wie Nürnberg. Und: Schick und neu will man es nicht nur in Berlin, hier doch genau so: Die Stadtbibliothek ist jüngster Ausdruck davon. Was ich aber im Unterschied dazu doch feststelle, ist dass Abrissmeldungen aus Berlin doch eher selten sind. Warum auch, Berlin ist stolz auf die sehr wechselhafte und lebendige Geschichte, die man im Stadtbild sehr gut wahrnehmen kann. Daher denke ich in Berlin hätte man sich genauer überlegt wie man bei so einem Areal vorgeht. In Nürnberg wird dann doch ziemlich eifrig übererfüllt und schnell die Abrissbagger geordert.
    Das Gejammer stört mich nur dann, wenn es unkonstruktiv oder gar unangebracht ist. Wenn du davon mehr willst schau dir die Leserkommentare zum Sebald-Kontore-Artikel in der Onlinezeitung an, darüber kann man sich nur wundern.

  • Die individuellen Projekte lassen sich nicht vergleichen, korrekt!
    Nun habe ich aber nicht die Projekte selbst, sondern die prinzipielle Einstellung beim Einsatz von Steuermitteln vergleichen (und dazu einige Beispiele genannt). Da gibt es einfach grundsätzliche Unterschiede.


    Zu den Kommentaren: Selbst schuld, wer dort Kommentare liest! :lach: Es macht keinen Sinn dort nachzulesen. Ich kann de facto aussliessen, dort einen Nutzen für mich herauszuziehen.


    Aber leider ist das DAF zu gut, als dass es mir hier egal sein könnte. Und du bist an dieser Situation ganz besonders dran schuld, Nothor! :daumen:

  • Wie meinst du das denn?
    Dass man in Nürnberg mehr saniert als neu baut, als beispielsweise in Berlin, geht natürlich auch einher mit ständigem Verlust an Bestandssubstanz. Und das kann man so oder so machen, gibt ja auch genügend vorbildhafte Projekte. Aber das wäre für mich jetzt kein Grund nicht zu schimpfen an den Stellen, wo noch mehr geht. Ich glaube Berlin ist Berlin ist Berlin. Da existiert einfach Anziehungskraft, lösgelöst vom Stadtbild. Aber wenn sich Nürnberg seinen Bürgen und Besuchern nicht von der besten Seite zeigt, dann empfinde ich das als problematisch.


    Ich hoffe dass sich bei dem ZBFS-Projekt noch etwas drehen lässt, immerhin gehen ja alle Reaktionen in diese Richtung. Mit Gemecker fängt es an, aber das muss ja nicht dabei bleiben :cool:

  • Ich habe dazu kürzlich einen Beitrag im Berlin Forum geschrieben. Dort wurde ein Wohnhochhaus vor 10 Jahren abgerissen, um nun einen neues, sehr ähnliches Gebäude an gleicher Stelle hochzuziehen.


    In Nürnberg wäre sowas nicht abgerissen worden! Als Beispiel dazu hatte ich einige genannt. (AEG, Grundig, Quelle). Hier herrscht glücklicherweise mehr Rationalität.


    Aber leider wird in der aktuellen Situation hier in Nürnberg völlig übertrieben. Die Argumentation "Das Land Bayern baut prinzipiell keine Tiefgaragen!" gehört überdacht.

  • Das Protokoll des Baukunstbeirates zum ZBFS-Projekt an der Roonstraße ist nun online einsehbar:


    http://www.nuernberg.de/imperi…_protokoll_2013_11_14.pdf


    Selten ergibt ein Tagesordnungspunkt ein so inhaltlich üppig strukturiertes Protokoll mit vielen konkreten Vorderungen hinsichtlich weiterer Planungsschritte. Wie schon in der Presse nachzulesen war, kam man nur im Nebenschauplatz dazu, den geplanten Neubau zu behandeln. Dieser wird im Protokoll aber hauptsächlich so beschrieben, dass er kein paasendes Gegenüber zum geschwungenen "postmodernen" Neubau gegenüber darstellen würde und die Eingangssituation in den Neubau nicht optimal gelöst sei.
    Aber wozu viel Worte zum Neubau verlieren, wenn das Projekt als ganzes hinterfragt wird. Scheinbar waren sich wohl alle einig, dass man eigentlich den Kasernenaltbau erhalten wolle, lediglich Sachzwänge würden die Verantwortlichen dazu zwingen, ihn zu opfern. Der BKB fordert dazu einen "Städtebau-Workshop", um ohne großen Zeitverlust Alternativen auszuloten.


    Ich persönlich sehe hier die Möglichkeit für eine erste Wortmeldung des Heimatministeriums :cool:
    Aber damit würde ich nicht rechnen, also ist Engagement von anderer Seite nötig.


    Die Aufnahme in die Denkmalschutzliste wurde mit der Begründung abgelehnt, dass das Gebäude über die Jahre stark verändert worden sei, und sowohl innen kaum noch originale Substanz vorhanden wäre, als auch die Dachlandschaft völlig verändert wurde. Aus meiner Sicht tragisch, weil diese Strategie immerhin sagt, dass man lieber gar kein Zeugnis eines historischen Sachzusammenhangs mehr haben möchte, als eines mit Veränderungen die der Lauf der Zeit mit sich gebracht hat. Hier trifft damit das Worst Case Szenario der Stadtplanung zusammen: Weil etwas historisch ist, aber bis heute in Benutzung ist und dadurch immer wieder den Bedürfnissen angepasst wurde, droht nun die völlige Zerstörung. Der dramatische Weg vom einst künstlerisch auf höchstem Niveau vollendetem Neubau ca. 1850 fände mit Veränderungen und Abstrichen über die Jahrzehnte damit sein Finale 2015 im Abriss und Wiederauferstehung als banalstes aller Gebäude: Einem Lagerschuppen für Autos.

  • Doch kein Abriss?

    Nach nun ca. 2 Wochen bezieht das Staatliche Bauamt Stellung zu den Reaktionen, die den geplanten Abriss des Kasernenbaus 8a von 1860 vorsehen:


    http://www.nordbayern.de/nuern…t-rudert-zuruck-1.3312134


    Deutlich wird in dem Artikel die Problematik, dass hier mehrere Stellen eng miteinander koordiniert werden müssen und dabei reibungsbedingte Kommunikationsschweirigkeiten auftauchen. Verantwortlich ist wie gesagt das Staatliche Bauamt, die Planungen übernimmt ein Archtekturbüro, die Nutzer, das Zentrum für Soziales und Familie wird nur peripher eingebunden und die Stadt Nürnberg wird beteilgt, da ein "Benehmen" herzustellen ist. Man muss also jeweils genau differenzieren, wer hier was sagt.


    Auf jeden Fall bleibt es spannend, da der Artikel schlicht tenoriert, dass die Entscheidung über einen Abriss nicht vor 2023 fallen würde. Naja... Bis dahin ändert sich einiges, sicherlich auch einige verantwortliche Köpfe. Wäre jedoch erfreulich, das Gebäude gesichert zu wissen, denn dann könnte man sich auch endlich mal inhaltlich mit dem Neubau befassen.

  • Es gibt keinerlei Notwendigkeit für einen Abbruch

    Das Sandstein-Gebäude der früheren Königlichen Kavallerie-Kaserne ist von stadtgeschichtlicher Bedeutung weil es exemplarisch für die erste bauliche Phase der Entwicklung des Stadtteils Gostenhof ist. Es ist völlig unakzeptabel wertvolle historische Bausubstanz ohne nachvollziehbaren Grund abzubrechen und historische Spuren leichtfertig zu verwischen. Hier steht ein denkmalwürdiges und vor allem auch gut nutzbares Gebäude, das an keiner Stelle sinnvolle Entwicklungen behindert und problemlos erhalten werden kann. Einer sinnvollen Nachnutzung steht hier nichts im Weg.


    Die Neubauplanung ist ohnedies städtebaulich völlig verfehlt. An der gebogenen Roonstraße gehört eine pointiert städtische, klar straßenraumfassende Architektur mit einer dem Stadtteil entsprechenden Geschossigkeit entlang der Straßenkante. Ein zurückgesetztes solitäres auf sich selbst bezogenes Gebäude mit modisch abgerundeten Ecken, das die vorgegebene Stadtstruktur im von einer Blockbebauung des 19. Jahrhunderts geprägten Gostenhof ignoriert, ist der falschen Ansatz. Wenn der Neubau des Zentrums Familie und Soziales - städtebaulich richtig – nicht von der Roonstraße abgerückt wird, kann das historische Sandsteingebäude der ehemaligen Kavalleriekaserne ohne Weiteres erhalten werden.

  • Aus meiner Sicht ist das Bauvorhaben des ZBFS an der Bärenschanze eine ziemlich kompexe Angelegenheit, die der Nutzer ZFBS selbst kaum zufriedenstellend bearbeiten kann. Zumindest dann nicht, wenn der Kasernenbau 8a erhalten bleiben soll, denn


    - Die aktuellen Planungen, die dem Vernehmen nach schon ziemlich lange dauern, sehen einen Neubau an der Roonstraße vor, der soweit ich das verstehe alle Büros und Räumlichkeiten der bislang drei Gebäude zusammenfassen soll. Dieser Bau wird zurzeit ohne Tiefgarage geplant.


    - Wenn der Kasernenbau erhalten bleiben soll, müssen die Stellplätze woanders hin. Ich denke hier besteht breite Einigkeit darüber, dass soetwas bei einem Neubauprojekt völlig selbstverständlich in Untergeschosse als Tiefgarage zu legen ist. Das bedeutet doch auf jeden Fall eine Neuplanung des Neubaublocks, oder?


    - Wenn die benötigten Raumkapazitäten komplett im Neubau realisiert werden sollen, wie könnte der Kasernenbau dann genutzt werden? Ich könnte mir gut vorstellen, dass man den Bau dafür verkauft, um ihn zu stylischen Wohnungen umzubauen. In der Lage sollte die Nachfrage gegeben sein.


    - Wenn der Bau allerdings nicht unter Denkmalschutz steht, wer könnte dann das Gebäude umbauen wollen, und zwar so dass es hinterher auch noch als solches erkannbar ist (ich erinnere nur an das Desaster des Luitpoldhauses, das auch eine Sanierung gewesen ist). Nach meinen Beobachtungen nehmen Bauträger so ein Projekt nur dann in Angriff, wenn es die Denkmalschutzabschreibungen gibt.


    Schon deshalb halte ich hier eine offene Diskussion für sehr wichtig, da hier mehrere Belange hineinspielen.

  • In der gestrigen Ausgabe widmete die NZ der Altbausubstanz unserer Stadt besondere Aufmerksamkeit. Gleich zwei Artikel sind erschienen, von denen nur einer online nachzulesen ist:


    http://www.nordbayern.de/nuern…malern-nimmt-zu-1.3430697


    Besonders herausgestellt wird darin das heraufziehende Schicksal der Bärenschanzkaserne, für die Ende 2013 die oben besprochenen Pläne an die Öffentlichkeit geraten sind. Sowohl der Baukunstbeirat als auch die Stadtbildinitiative Nürnberg (SBIN), in der sich verschiedene Einzelpersonen und einflussreiche Vereine der Stadt organisiert haben und nicht zuletzt auch Stadtratsfraktionen bemühen sich sehr um den Erhalt des Geländes. Idealfall wäre natürlich der Erhalt des Kasernengeländes so, wie es sich heute noch darstellt. Denn noch lässt sich gut ablesen, wie ein Militärgelände Mitte des 19. Jahrhundertes entstand und wie es sukzessive bis in die Zeit vor dem 2. WK weiter verändert wurde, bevor man die militärische Nutzung aufgegeben hat. Für meine Begriffe handelt es sich dabei um den historisch-kulturellen Kern dessen, was heute der Stadtteil "Bärenschanze" mit der gleichnamigen U-Bahn-Haltestelle ist.


    Zumindest aber sollte der zweifellos repräsentative Altbau erhalten bleiben, doch selbst hierzu besteht noch keine Sicherheit. Dabei bezeichnet die Zeitung die Situation um den Kasernenbau als "zumindest ungewiss". Nachvollziehbar, da die Absichtserklärungen für den Erhalt noch keine Rettung bedeuten, darüber hatte ich ja schon einige Gedanken niedergeschrieben. Im Raum steht ja nach wie vor der Bedarf des ZBFS, wobei die verwaltungsmäßige Planung eben einen Abriss vorsieht.


    Tenor des Artikels jedoch ist ein anderer, nämlich den Finger in die Wunde des andauernden Verlustes historischer Bausubstanz und damit auch kultureller Identität der Stadt zu legen. Schaut man sich hier im Forum die Berichterstattung aus der vergleichbar großen Stadt wie Leipzig an, kann einen das wirklich deprimieren. Während in der Altstadt dank der Altstadtfreunde nach allgemein akzeptierten Regeln geplant und gebaut wird, herrscht außerhalb der Altstadtmauer scheinbar Chaos und Ungewissheit. Historische Sandsteinhäuser verlieren ihr Gesicht (z.B. hier oder hier) weil scheinbar kein Verständnis für dessen Wert vorhanden ist, stadtbildlich bedeutsame Gebäude verfallen oder drohen zu verschwinden z.B. das Trafowerk), weil Zugeständnisse und Versprechungen von Investoren und Stadtverwaltung zu einer kaum durchschaubaren Gemengenlage an Abhängigkeiten geführt haben, in der mir als Bürger ganz klar das Selbstbewusstsein der Stadt Nürnberg fehlt. An erster Stelle muss stets die lebenswerte und erlebbare Stadt stehen, und daran ist zu messen, ob sich Pläne von Investoren darin einfügen können. In Nürnberg werden Gebäude als marode und unrettbar beschrieben, die während in Leipzig eifrig um die Wette rekonstruiert wird.


    Nun ist es den Altstadtfreunden jedoch nicht zuzumuten, sich um ganz Nürnberg zu kümmern. Möglicherweise aber kann die Stadtbildinitiative (Link Homepage: http://stadtbild-initiative-nuernberg.de/) hier Impulse setzen und den einen oder anderen unnötigen Verlust abwenden. Ziel ist doch, dass Nürnberg eine abwechslungsreiche und spannende Stadt bleibt, in der man ihre Geschichte erleben kann, in der aber auch Platz für die Zukunft ist. Wenn ein bedeutendes Industriedenkmal abgerissen wird zugunsten eines flächenfressenden Autohauses am Ufer des Wöhrder Sees, oder eben hier eine 150 Jahre alte Kaserne einem Parkhaus geopfert werden soll, ist das für mich ganz klar das falsche Signal.


    Nachtrag: Die Begründung für die Aufnahme in die Denkmalliste wurde auf der Seite von SBIN veröffentlicht: http://stadtbild-initiative-nuernberg.de/?page_id=190

  • Das schicke Kasernengebäude ist sogar von der Fürther Straße aus gut zu sehen, es fällt nur kaum auf. Denn zum einen fehlt der Staffelgiebel, der mal das Hauptportal schmückte, und zum anderen steht entwertend ein Parkhaus aus Blech davor:


  • BKB-Sitzung am 13.03. ab 14:00 Uhr

    Wie gefordert wird die Planung des Freistaats für den Neubau des Bayerischen Zentrum für Familie und Soziales in der Roonstrasse dem Baukunstbeirat vorgelegt. Dessen nächste Sitzung findet am kommenden Donnerstag, 13.03. ab 14:00 Uhr im Baumeisterhaus statt. Die online-Tagesordnung bietet dazu schon ein paar erstaunlich deutliche Skizzen an:


    http://www.nuernberg.de/intern…ell_38195_2014_03_13.html


    Wie schon in der letzten Vorlage 2013 will sich der Freistaat eigentlich nur das "Ok" für den geplanten Neubau an der Roonstraße holen. Viel interessanter wird jedoch die Planung für den gesamten Komplex werden, die der BKB hoffentlich spätestens in Protokoll diskutieren wird. Darum hat sich ja schon in der letzten Sitzung alles gedreht, der Neubaukomplex lief da unter "ferner liefen": http://www.nuernberg.de/imperi…_protokoll_2013_11_14.pdf


    Man kann hier echt froh sein, dass Nürnberg etwas wie den Baukunstbeirat hat. Selbst wenn er das eine oder andere nicht verhindern kann, oder manches andere leider verhindert, ist der BKB doch m.E. die letzte Instanz, die Bauprojekte in den öffentlichen Dialog stellt bevor alles zu spät ist.

  • Im Vorlauf der morgigen Sitzung des BKB ist heute in den Nürnberger Nachrichten nochmal ein kleiner Artikel zur Bärenschanze erschienen, der sich gleichsam als Plädoyer für den Erhalt der Kaserne und ebenso für die Arbeit des Baukunstbeirates liest. Ich kann mich dem nur anschließen.
    Zugleich aber wird auch darauf aufmerksam gemacht, dass der Baukunstbeirat in seiner jetzigen Zusammensetzung sein letztes Amtsjahr begonnen hat. Hoffentlich bildet sich für 2015 und fortfolgende Jahre ein ähnlich erfolgversprechendes Gremium.

  • Entwürfe Neubau

    Zwischenzeitlich hat die Stadt die von den Architekten eingereichten Pläne veröffentlicht. Für den Neubau an der Roonstraße sind dabei folgende Renderings zu sehen.


    Ansicht nordwärts, die Roonstraße Richtung Hallerwiese hinab:

    Architekten: Heinle, Wischer und Partner GbR, Quelle: http://www.nuernberg.de/intern…ll_38195_2014_03_13.html; Stand: 12.03.2014


    Im Hintergrund sieht man vielsagend das zu vermeidende Parkhaus.


    Ansicht südwärts, Richtung Fürther Straße:



    Architekten: Heinle, Wischer und Partner GbR, Quelle: http://www.nuernberg.de/intern…ll_38195_2014_03_13.html; Stand: 12.03.2014


    Der neue Entwurf sieht für mich wie eine aufpolierte Version des letzten Entwurfs aus. Die an den Neubau gerichteten Forderungen aus der vergangenen BKB-Sitzung wurden nicht berücksichtigt: Der neue Entwurf lässt den Baukörper dem bogenförmigen Straßenverlauf der Roonstraße zwar folgen, das war aber schon im letzten Entwurf so. Auf die S-förmige Rundung wollen die Architekten dennoch nicht verzichten, und behalten Sie ab dem 2. OG bei. Auf die wichtigste Forderung, nämlich die Erforschung aller Möglichkeiten durch einbeziehung mehrerer Architekturbüros, um sowohl einen Neubau als auch den Erhalt des Altbaus gemeinsam zu verwirklichen, wurde offensichtlich nicht eingegangen. Sehr schade, denn der Stadtraum, der für alle Bürger Arbeitsplatz oder Lebensraum ist, für manche sogar beides, sollte nicht leichtfertig verplant, umgebaggert und zubetoniert werden. Und so wirkt das auf der Visualisierung sichtbare Parkhaus, das ja Hauptkritikpunkt gewesen ist, wie ein unterschwelliger Hilferuf des Architektenteams, dem Bauherren doch zu angepassten Vorgaben zu zwingen (Im Falle dass sie nicht umplanen dürfen), oder durch Einbeziehung der Konkurrenz das Entwurfsgeschäft zu beleben (Im Falle des nicht könnens).


    Man hat sich also wenig bewegt, es bleibt spannend.