Am Kunst-Campus | Europacity

  • Ich hätte es gerne gesehen, wenn Grimshaw sein Haus in der Fasanenstraße wie ursprünglich geplant verwirklichen hätte können. Das wäre mit dem Delphi ein spannendes Ensemble gewesen. Jetzt ist es nur eine langweilige Kiste unter deren Oberfläche versteckt Schätze liegen. Gelobet sei Stimmann.

    Ich mag auch die in der Traufhöhe unterschiedliche Karl Marx Str in Neukölln. Was daran anti urban sein soll wissen wahrscheinlich nur die den Architekten intellektuell überlegenen Architekturkritiker im DAF.

    Was am Rossibau besonders funktioniert würde mich daher doch mal interessieren. Stadtbildlich funktioniert da nichts besser oder schlechter als seine Nachbar links und rechts auch. Und der Fake Pallazo ist wohl nur was für den gemeinen Reko-Freund.

  • Aldo Rossi hat sich an der Idee der Vielansichtigkeit des klassischen Blockrandes orientiert, und trotz Traufhöhenbegrenzung einen lebendigen variantenreichen Abschluss für seinen Block gefunden.

    Die Sprache der Fassaden wirkt vorwiegend entspannt klassisch, sachbezogen und trotzdem verspielt auf mich.

    Ich sehe da eher einen verspäteten Iba-Bau, der die Idee der Stadterneuerung und Reparatur verinnerlicht hat, als eine flatterhafte, nervöse, eilige Platzhalterarchitektur wie sie in den euphorisch überhitzten frühen 90ern sonst mehrheitlich entstand.

    Möglicherweise jetzt nicht das exhibitionistische Meisterwerk auf das man bei international anerkannten Architekten in dieser Zeit allgemein spekuliert hat aber was bringt es einer Stadt die, die städtebaulichen Resultate der Teilung erst noch zu überwinden suchte, wenn Architektur nur durch Namenhafte künstlerische Pirouetten zum Fetisch wird, und nur um ihrer selbst Willen egal wohin gesetzt wird.


    Die Begrenzung der Traufhöhe ist Werkzeug der nach der Wiedervereinigung angestrebten Stadtreparatur

    die als Blockrand umgesetzt werden sollte und stark an vorhandene oder rekonstruierte strassenbreiten geknüpft ist.

    Grundsätzlich gut gemeint, aber mit auch für mich nachvollziehbaren Schwächen.

    Architektonisch reliefarme, Straßenzüge bei der die einheitlich umgesetzte Traufhöhenbegrenzung die Autonomie der Bebauung innerhalb der Parzellengrenzen verwischt, empfinde ich selbst als hässliche optische Irritation, das liegt aber für mich in erster Linie in der praktischen Verantwortung der Architekten.


    Ich persönlich hätte optional wahrscheinlich für die Blockrandlösung eine Begrenzung der Etagenanzahl für effektiver und mit größerem kreativen Potenzial bevorzugt auch weil sich einige mit der traufhöhenbegrenzung verknüpfte problematische Entwicklungen und absurde Gängeleien damit vermeiden hätten lassen können.


    Die Karl Marx Straße ist für mich urban und besteht doch aus einer, wenn auch über mehrere Jahrzehnte gewachsenen und entwickelten, vorrangig, historischen Blockrandbebauung.


    Ich käme im Leben nicht drauf das mit einer aufgelockerten Stadtstruktur oder einem Themenpark für selbstreferenzielle Architektur zu verknüpfen und das antiurban zu nennen.


    Die Höhengrenzen ergeben sich doch aus der historischen Entwicklung dieser Straße - es macht eben einen Sichtbaren Unterschied ob ich Bauten von 1850, 1880 , 1910 oder 1930 vor mir habe.


    Solche Bauzeugnisse bleiben jedoch unabhängig von Höhe und Gestalt untereinander interessanterweise anschlussfähig und wirken auf mich auch nicht disharmonisch.


    Natürlich macht eine Traufhöhenbegrenzung nicht überall Sinn - oft sind einzelne hochpunkte sogar wünschenswert.

    Für mich kann aber auch nicht Ansinnen sein, sich ohne städtebauliche Leitlinien in eine völlig höhenwirre, chaotische Silouette zu verirren.


    Auch wenn es keinen Beifall findet empfinde ich das Gürteltier trotzdem als architektonisch spannend, kenne aber den im Vorfeld angedachten Entwurf nicht, von daher kann ich für mich gar nicht einschätzen wie gut oder schlecht das ist was im Gegensatz zum Vorgängerentwurf zur Ausführung gelangte.

  • ^Gibt es denn eine Ansicht dieses ersten Entwurfs? Klingt ja sehr interessant, aber so auch sehr theorethisch. Wobei ja auch der realisierte Bau den Blockrand überwindet.


    Alles in allem finde ich, dass DerBe und Endell beide mit ihren Gedanken Recht haben, was zeigt, dass Dogmen die Stadt hier nicht weiter bringen.


    Gewachsene Strukturen wieder lesbar zu machen und zu "reparieren" war seinerzeit ja sogar spannend, als man Berlin als Stadt nach den ganzen künstlichen und keineswegs städtebaulich motivierten Veränderungen der Stadt wie Krieg und Teilung wieder zu verstehen begann. Gleichzeitig werden aufoktroyierte Einheitsmaße ja auch schnell zum Fluch, was wir hier auch an anderer Stelle diskutieren.


    Zumindest an Stellen in der Stadt, an denen ein baukünstlerische Anspruch an einen Neubau geknüpt wird, sollten Einheitsmaße weniger als Gottesgesetze gelten. Warum einen Grimshaw oder sagen wir einen Gerhard Richter holen, um dann zu sagen, was auch immer du dir ausdenkst, wir hängen aus Prinzip nur Bilder in den Maßen 65 x 88 an die Wand.

  • Ich hätte mir für die Teiler in den Fenster Holz gewünscht. So erinnert es mich gefühlt etwas an eine spießige Vergangenheit, wenn nicht die Kubatur so ungewöhnlich wäre.