Hochhäuser 'Max und Moritz - Upside Berlin' (95/86m | in Bau)

  • Ich glaube, ich habe eine andere Vorstellung davon, was ein Kiez ausmacht und wie er sein sollte.


    Einen Blick von Anwohnern und Touristen findet sich in der Berliner Zeitung.

    Spoiler: Pluspunkt: Sauberkeit. Minuspunkte: Das die Sauberkeit der einzige Pluspunkt ist.

    Zum oberen Teil: Das hatten wir irgendwie jetzt schon mehrfach hin und her diskutiert. Bringt gefühlt niemanden mehr weiter. Und wer alles negativ sehen WILL, für den sind eben auch Max und Moritz die üblichen Vierkantbolzen und sie stehen mitten neben einem Entertainment-District nebst EKZ sowie fußläufig vom Spreeufer, Eastside Gallery, Oberbaumbrücke usw aber man findet halt einfach keine potentiellen Treffpunkte. Sad story.


    Zum unteren Teil: Den Artikel hatte ich ebenfalls gelesen. Kam mir etwas vor wie aus dem DAF abgeschrieben, weshalb ich ihn letztlich auch nicht im ED-Thread verlinkt habe. Allerdings stimme ich (trotz tatsächlich bewusst negativem Grundtenor) nicht zu, dass man hier keinen begehrenswerten Kiez herauslesen KANN, wenn man den Artikel mal etwas gegen den Strich liest:

    - Ausgehangebote: Sehr viel Gastronomie jeglicher Form mit Terrassen sowie Rooftop-Bars. Kino, Bowling, unzählige Events von Musik über Sport bis hin zu Comedy und und und.

    - Nahversorgung: Ein gesamtes EKZ direkt vor der Tür.

    - ÖPNV: Dito.

    - Sicherheit und Sauberkeit: Kinder können unbehelligt spielen (Piazza-like), Obdachlose sicher pennen und Polizisten empfinden ihre Streife regelrecht als Pause (dass Eltern und Polizisten sich dann trotzdem noch beschweren und nur der Obdachlose dankbar dafür ist, hat mE alleine schon Unterhaltungswert).

    - Eng verzahnt u.a. mit dem Spreeufer und der Eastside Gallery: Man kommt ganz automatisch vom Uferspaziergang zum Platz oder auch umgekehrt. Man hört am Platz die Straßenmusik, sieht gerade von den Dächern gut das Wasser.

    - Vielfältiges Publikum: Auch wenn stets betont wird, dass es nur was für Touristen sei, sind diverse Neuberliner und auch Altberliner unter den Interviewten (klar, manche wurden nur durch äußere Zwänge dazu getrieben). Aber letztlich findet von der erholungsbedürftigen Familie über die ausgehhungrigen 30er und frisch zugezogene Orientierungssuchende bis hin zum andernorts unzufriedenen/verdrängten Obdachlosen bzw. Flaschensammler jede/r seinen Platz und seinen Frieden - egal ob man mehr oder weniger teuer konsumiert oder einfach nur die Zeit verbringt.

    - Arbeitsplätze: Ob Kranfahrer oder Koch, Programmierer oder Bürofachkraft, hier gibt es jede Menge Jobs (dass die Leute vor Ort keine bezahlbare Wohnung finden, ist sicher schade - umgekehrt finden sie am eigenen Wohnort aber offenbar keine (ähnlich bezahlte) Arbeit.


    Ich vermute mal, wer sich eine Wohnung im Max und Moritz leistet, wird es hier schon gut haben. An einigen Stellen im Artikel kommt mE (fast schon widerstrebend) auch durchaus etwas Flair auf.

  • Ich finde den Artikel auch ganz lustig. Es wirkt als würde regelrecht bedauert das es dort am Mercedes Benz Platz keine Drogenleichen gibt. "Dit is überhaupt nich Berlin hier alta..."

  • Mod: Unsinniges Vollzitat des Vorposts gelöscht.


    ^ Was ist denn Ihr Problem? Selten so einen Unsinn gelesen, zu viel schlechte Filme geschaut? Also erstens ist Berlin nicht für viele Drogentote bekannt und zweitens das auf die Ebene zu heben ist boshaft und bewusst einseitig nur um die eigene Position zu stärken.

    Richtig ist, dass der Mercedes Platz, wie schon tausend mal argumentiert, in jeder amerikanischen Stadt besser gebaut wurde und an Beliebigkeit nicht zu übertreffen. Das in einem Kiez der einst für Urbanität und Subkultur stand und steht, der maximale Kontrast. Wenn man natürlich auf dem Dorf wohnt irgendwo in der Umgebung von Berlin und sich nie in Friedrichshain aufgehalten hat, der wird das natürlich nicht vestehen und auch solche sorry dümmlichen Vergleiche ziehen.

    Nehmen wir mal den Unsinn raus, bleibt - die Architektur ist langweilig und hat Industrie- und Bürobau-Charakter und der Stadtraum ist so gut wie Tod weil dort keine Menschen lang laufen - es sei denn man beschränkt sich auf den Mercedes-Platz. Die Ausnahmen wie das Steam, Max- und Moritz sowie hoffentlich das Edge sind bereits davon in vielen Beiträgen immer wieder abgehoben worden. Ausserdem ist das ganze doch mehr oder weniger ein Riesen- Büro Areal insofern dürfte doch der Vergleich niemanden stören.

    Es bleibt dabei, der Platz ist beliebig und langweilig, kein einziger Tourist aus Rom, Barcelona oder Paris wird sich an den wundervollen Mercedes Platz erinnern, aber wer dort auf eine Sportveranstaltung oder ein Konzert geht, der freut sich das man dort auch gleich ein wenig vorher, was Essen kann und die Wasserspiele und die Displays machen es etwas bunter. Per Se also nicht schlecht aber der Platz hat mit Berlin so viel zu tun, wie Friedrichshain mit Phoenix Arizona.

    Ach und Eines noch - Berlin hätte Individualität und Qualität nötig - diese Verbindung fehlt mir in der modernen Architektur völlig. Identitätsstiftende Architektur, die zu Berlin passt, gibt es, ist aber ein Tropfen auf dem heißen Stein. Bsp. Berliner Stil von Patzschke oder Tchoban & Voss, die hier und da wenigstens individuelle moderne Gebäude entwerfen...

    (P.S.: Dass wir in Deutschland in bestimmten Teilen der Bevölkerung eine teils alberne Verherrlichung der USA und alles, was dort entsteht, existiert, erklärt vielleicht die Faszination für die Plätze dieser Art und der Idee dahinter (ein bisschen Bling Bling geht immer) - letztlich kann man dort endlich in ein Kino gehen, das es bereits 1000x woanders gibt und endlich einen Burger essen, den es in jeder Großstadt in Deutschland gibt...fällt da nichts auf? Das ist das Konzept USA - Individualität Fehlanzeige)

  • alexsb73 UrbanFreak wohnt doch aber offenbar genau in Friedrichshain. Und "Drogenleiche" ist mE ebenso wie Schnapsleiche umgangssprachlich für abgestürzte Leute, die meist mehr oder weniger stabil liegend 'vor sich hin koman' (andere umgangssprachliche Beschreibung). Die gibt es in Berlin nun wahrlich an vielen Orten, u.a. auch in Friedrichshain. Das mit dem herumliegenden Scherben und Spritzen kommt ja sogar 1 zu 1 aus dem Artikel...


    Ansonsten entfernen wir uns mE zunehmend vom Kern des Threads.* Natürlich macht der ED mit das Wohnumfeld der Neubauten aus. Man wird aber weder darauf beschränkt sein, noch werden da alle so eine akademische Debatte drüber führen, bevor sie sich in ihren neuen Wohnungen wohl fühlen. Wer es mag, wird es nutzen. Wer nicht, läuft eben paar Schritte weiter/woanders hin. Die Mehrheit wird wohl sporadisch mal dort sein, aber auch oft ganz woanders oder aber in den eigenen vier Wänden. Jedenfalls glaube ich nicht, dass die meisten so trennscharf zwischen Berlin vs. Nicht-Berlin, attraktiv und authentisch vs steril und fake unterscheiden wie es hier getan wird - eher wird man nach spontanem Bedarf/Gusto entscheiden, welches Angebot man nutzt.


    *OT: Ich habe ja auch nach wie vor den Eindruck, dass es eher um das Konzept eines ED an sich geht, als um irgendwelche konkreten Details. In der L'Osteria kann man mindestens so gut italienisch essen wie bei 90 Prozent der 'Italiener' (hab es zufällig kürzlich ausprobiert als ich meiner Tochter Oberbaumbrücke und Eastside Gallery sowie den ED zeigen wollte). Und dass der Burger bei irgendwelchen Kiez-Imbissen oder Kiez-Filialen diverser Ketten groß einzigartiger/authentischer/besser schmeckt, muss man sich auch erst einmal einreden, um es zu glauben. Die kochen auch nur mit Wasser bzw belegen auch nur Brötchen mit Buletten, Blättern, Käse und Co. Wen man da irgendwelche großen Geschmacksexplosionen oder gar Offenbarungen erlebt, ist es vermutlich eher im eigenen Inneren begründet. Ich hatte jedenfalls ein schönes Gefühl dabei, über das schöne Pflaster an Fontänen vorbei zum Wasser zu schlendern. Meine Tochter auch.


    Mod: Da die Diskussion hier zuletzt sehr ins OT abgeglitten ist, wurde der Thread temporär geschlossen.