Dresden: Pirnaische Vorstadt/Lingnerstadt

  • ^ Das Venezianische Haus würde ich nicht als typisch Dresdner Tradition bezeichnen. Alleine hier in Wien gibt es unzählige „venezianische Häuser“ allesamt austauschbar und dem Dresdner Pendant sehr ähnlich. Eher war das Ei. Zeitgeschmack, der in jeder größeren Stadt seine Spuren hinterlassen hat. Dass das Hochhaus dem Hochhausleitbild nicht entsprechen würde, ist mir klar. Allerdings halte ich das Leitbild, so wie es aktuell diskutiert wird, auch für einen Fehler - zu unmotiviert und wenig mutig. Dresden ist jetzt auch nicht Prag oder Wien, die im übrigen allesamt Hochhäuser in Innenstadtnähe haben. Aber das führt jetzt zu weit. Die breite Brückenrampe würde jedenfalls einen Hochpunkt dringend benötigen. Auf eine Abbildung aus Sicht der Brückenrampe hat Herr Wiesner zudem sicher aus taktischen Gründen verzichtet - das Gebäude würde wohl nur wenige Meter über die Brückenrampe ragen. Das kann eigentlich keiner wollen und ich kann mir kaum vorstellen, dass das so genehmigt würde.

    Ich bin weiterhin der Meinung dass auch mit der breiten Brückenrampe hier ein attraktives Stück Stadt entstehen kann. Mann muss es halt nur anders denken und den historischen Stadtgrundriss hier beerdigen. Dort wo er Sinn macht, soll man ihn wieder aufnehmen und ins Heute denken. Dort wo er verloren ist, macht es aber überhaupt keinen Sinn, daran festzuhalten. Täglich überqueren mehr als 55.000 KFZ die Brücke - die Brückenrampe ist notwendig. Wenn in 20 Jahren die Zahl der KFZ signifikant abnimmt, kann man über einen Neubau der Brücke samt Umfeld noch immer diskutieren. Aktuell macht das aber überhaupt keinen Sinn.

  • Ich möchte die Diskussion jetzt nicht unnötig in die Länge ziehen, eines aber noch: Einen städtebaulichen Missstand, nämlich die zu breite Sankt Petersburger Straße (inkl. Brückenrampe) hinzunehmen und durch Anpassung daran einen neuen Missstand zu schaffen (ein Hochhaus in wichtigen Sichtachsen), finde ich wenig überzeugend (und das Hochhausleitbild im Gegenteil zu wenig regulativ).


    Eine schmalere Brückenrampe hätte übrigens keine Auswirkungen auf den darauf verlaufenden Verkehr, die Anzahl der Fahrspuren könnte gleich bleiben. Bei der zeitlichen Einschätzung kann ich allerdings beipflichten: Das wird nur - wie gesagt - langfristig gehen. Die aktuelle Situation zu zementieren, finde ich jedoch nicht richtig.

  • Eine schmalere Brückenrampe hätte übrigens keine Auswirkungen auf den darauf verlaufenden Verkehr, die Anzahl der Fahrspuren könnte gleich bleiben.

    Die Entfernung der beiden noch erhaltenen Brückenfiguren zueinander beträgt knapp 14,50 Meter - exakt die Breite, die die Brücke alleine für die vier Fahrstreifen benötigt - noch ohne Geh-/Radwege rechts und links und ohne die Straßenbahn. Selbst mit nur einer Fahrspur pro Richtung würde man keine Straßenbahn und Geh-/Radwege da unterbekommen. Ich sehe nicht, wie sich eine Brückenrampe in historischem Ausmaß von der Breite her ausgehen sollte....


    Natürlich stimme ich dir zu, dass sich am Querschnitt der St.Petersburger Straße etwas ändern muss - viel zu breit, eine Barriere und städtebaulich eine Katastrophe. Allerdings halte ich den Flächendruck in DD noch für zu gering, als das sich daran etwas ändern wird. In Berlin - einer Stadt mit massivem Flächendruck - denkt man jetzt an den Umbau der Leipziger Straße. Jetzt. Nachdem dort alles verdichtet ist. Solange die gesamte Pirnaische Vorstadt noch eine große Brachfläche ist, wird sich keine politische Partei und kein Stadtplanungsamt den Zorn der DD auf sich laden und den Umbau der St. Petersburger Straße fordern - zum Unmut der Autofahrer. Wie lange sich die Diskussion zum Neustädter Markt schon dreht und wie wie es aussieht, kommt nur ein Minimalkonsens dabei heraus. Der erste Schritt muss es sein - und das wird sich noch einige Jahrzehnte ziehen - massiv an den Ring heran zu verdichten. Herr Wiesners Projekt sehe ich da als ersten Schritt durchaus positiv, allerdings, wie oben beschrieben, nur als Teil eines ganzheitlichen Konzeptes und nicht als losgelöste Einzelmaßnahme, die die gesamte heterogene Struktur dort nur weiter verkompliziert.

  • Ich sehe nicht, wie sich eine Brückenrampe in historischem Ausmaß von der Breite her ausgehen sollte.

    Davon hatte ich nie gesprochen, sondern lediglich von der Wiederherstellung des Elbbergs und der Ausrichtung der Brückenrampe daran. Die von mir in Dresden: Pirnaische Vorstadt/Lingnerstadt gezeigte Visualisierung zeigt eine exakt genauso breite Fahrbahn, wie bisher, lediglich um einige Meter nach Westen verlegt. Die Skulptur "Bewegte Elbe" an der westlichen Seite würde dabei ebenfalls etwas in Richtung Westen versetzt, um Platz für die Fahrspuren zu machen. Die Brückenrampe der Straßenbahn bliebe vollständig erhalten. Damit wäre die Voraussetzung für Bebauung auf historischem Grundriss am Elbberg geschaffen. Ausmaße der neuen Brückenrampe für Fahr-, Radfahr- und Gehbahnen:


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    Screenshot: Google Maps; Bilder © 2020 AeroWest,GEODIS Brno,GeoBasis-DE/BKG,GeoContent,Maxar Technologies,Kartendaten © 2020


    Ich sehe die Sankt Petersburger Straße übrigens als Grundübel für jegliche stadtbildverträgliche Entwicklung in der Pirnaischen Vorstadt und ihrer Schnittstelle zur Inneren Altstadt. Wenn ein neuer Verlauf der Straße nicht von Anfang an bei Planungen mit berücksichtigt wird, wird dieser Zustand auf unabsehbare Zeit zementiert. Das ist u.a. die Gefahr bei den Bebauungsplänen im Robotron-Areal, deren Planungsumgriff die Straße ausschließt, was ich als groben Fehler betrachte. Ob die Straße dann kurzfristig umgebaut wird, oder nicht, ist dabei zweitrangig. Wenn im B-Plan ein Umbau und darauf aufbauende Baugrenzen und ‑linien festgelegt würden, könnte auf heutigen Flurstückzuschnitten trotzdem begonnen werden, zu bauen.


    Die Straße erst bei "Flächendruck" in Angriff zu nehmen, wenn ringsum alles auf bisherigem Grundriss bebaut ist, ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Die Pirnaische Vorstadt und der Ring brauchen eine langfristige Generalplanung.

  • Die vierte Ecke am Straßburger Platz (hinter der Dynamo-Bar) bekommt nun ebenfalls eine ganz eigene Prägung (getreu dem Motto: In jeder Ecke ein anderes Konzept). Laut Artikel wird die ehemalige SB-Gaststätte abgerissen. An der Stelle entsteht ein grüner Bau mit Pflanzen und Dachgarten (Bilder von der SZ - hier der ganze Beitrag) :


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  • Danke für die Information Taukri.


    Diese unispiriert zusammengewwürfelte Ecke wird nun also fertig gestellt.


    Die Seite zur Grunaer Straße hin sieht wiedermal furchtbar schön gerastert aus. Auch die verschieden grünen Kacheln (Terassenbild hinte Rechts) aus denen die Fassade am Ende scheinbar bestehen soll sagt mir zumindest nicht zu und wird die monotone Wirkung kaum verbessern. Aber wenigstens kommt zu Glas (VW), Braun-Weiß (Schule) und Grau (EKZ) noch etwas grün hinzu ||

  • Passt wunderbar in die Gegend. Absurde Platzraumgestaltung am gesamten Ort. Insofern richtig konsequent wie man "Stadt" und Dresden im speziellen so enorm in eine groteske Dystopie verwandeln kann. Bin bissl beeindruckt - so wie bei nem schlechten splatter movie. Da kann Dresden jetzt auch dark tourism anbieten oder ne location für kakophonische Görliwood independent Filme.


    Und das wirklich aberwitzigste Detail ist dieses drömmelige Loch oben an der Terrassenseitenwand. Das ist so freaky 90er. Meine Güte in Dresden hat man gewisse Ecken schon richtig aufgegeben. Und das is noch längst nicht das Ende, wetten. 😂

  • Wenn ich mal meine 5 Cents dazugeben darf, dann ist doch das wirklich dystopische und anti-urbane hier der extrem aufgeweitete Straßenraum der autogerechten Stadt; solange sich an diesen Straßen- und Kreuzungszuschnitten nichts ändert wirkt das Rumkritteln an irgendwelchen Fassadendetails von Randbebauungen doch eher wie das Ignorieren des Elefanten im Raum.

    Überhaupt fällt mir in Dresden außerhalb der "Altstadt" immer wieder auf, wie extrem beim Wiederaufbau die Ideologie der autogerechten Stadt offenbar zum Zuge gekommen ist.

  • Völlig richtig, und dieses Drama betrifft etliche Plätze der Pirnaischen Vorstadt: Georgs-, Rathenau-, Pirnaischer Platz... Das sind keine Plätze mehr, sondern gigantische Kreuzungen. Es ist leider kein Willen erkennbar bzw. keine politische Mehrheit vorhanden, diese Missstände perspektivisch zu korrigieren. Das sieht man ja bei der Diskussion um die Große Meißner Straße und den Neustädter Markt. Dem Auto Platz wegzunehmen, ist in Dresden unpopulär. Aus jeder wegfallenden Spur und jedem wegfallenden Parkplatz wird ein Politikum gemacht, z.B. zuletzt beim Terrassenufer, bei der Werner- oder der Albertstraße.

  • Dabei muss v.a. bei der Sankt Petersburger Straße nicht einmal die Anzahl der Fahrspuren reduziert werden, dort geht es eigentlich nur um Verringerung von Abstandsgrünflächen und eine Neutrassierung. Selbst die Flurstücke entsprechen noch den ursprünglichen Verläufen von Johannes- und Amalienstraße, bzw. Maximilians- und Moritzring.


    Parkplätze würden bei einer Bebauung durch Tiefgaragenstellplätze ersetzt werden, v.a. an der Schießgasse und zwischen Ringstraße und Sankt Petersburger Straße würde das von der Anzahl der Stellflächen her wahrscheinlich gar keinen Unterschied machen. Die wichtigen Stadtplätze Georg-, Pirnaischer und Rathenauplatz könnten fast 1:1 auf ihre historische Ausdehnung zurückgeführt werden und wären immer noch sehr groß. Auch das teilweise Verschwinden der vier Baumreihen zwischen den Fahrspuren der Sankt Petersburger könnte durch Neupflanzung am Promenadenring und der Lingnerallee komplett ersetzt, wenn nicht sogar überkompensiert werden.


    Dass es sich um eine Bundesstraße handelt, stimmt ja auch nur noch solange, bis die B 170 endlich über das Emerich-Ambros-Ufer verlegt worden sein wird. Bei allen tangierenden Bebauungsplänen wurde aber die Sankt Petersburger Straße außen vor gelassen, was diese Stadtautobahn auch nach dem Verlust ihrer verkehrlichen Bedeutung auf ewig zementieren wird, wenn dieser Fehler nicht korrigiert wird. Die Zeit drängt dabei langsam, denn der B-Plan für das Robotron-Areal ist in der Bearbeitung und die Gerchgroup und die TLG haben bereits angekündigt, danach schnell bauen zu wollen.

  • Wenn ich mal meine 5 Cents dazugeben darf, dann ist doch das wirklich dystopische und anti-urbane hier der extrem aufgeweitete Straßenraum der autogerechten Stadt; solange sich an diesen Straßen- und Kreuzungszuschnitten nichts ändert wirkt das Rumkritteln an irgendwelchen Fassadendetails von Randbebauungen doch eher wie das Ignorieren des Elefanten im Raum.

    Überhaupt fällt mir in Dresden außerhalb der "Altstadt" immer wieder auf, wie extrem beim Wiederaufbau die Ideologie der autogerechten Stadt offenbar zum Zuge gekommen ist.

    Das trifft die Ideen des Wiederaufbaus ab den 50er Jahren nur zum Teil.

    Die Nordseite der Grunaer Straße (in die wir ja hier hineinsehen) war so ziemlich das erste größere Wiederaufbauprojekt um 1953 herum. Damals hat man bewusst die Bebauung von der Straße zurückgesetzt, so dass ein Grünabschnitt zwischen Straße und Häusern entstand (genau so in der Zirkusstr.).

    Entgegen vielen landläufigen Behauptungen war Dresden vor der Zerstörung an vielen Stellen eng und lichtarm bebaut. Heute mag uns das teilweise "pittoresk" vorkommen; damals war es nicht wirklich erstrebenswert. Dresden hatte eben nicht nur Barock, Villen und hochwertige Gründerzeit, sondern auch enge, problematische Gegenden. Große Teil dieses Gebiets (Zirkusstr., Seidnitzer Str. usw.) waren so dicht bebaut wie die Neustadt. Insofern war es kein Wunder, dass man dort nach der Zerstörung lichter und grüner bauen wollte (und die jetzige nachträgliche Verdichtung auf der Seidnitzer Str. ist nicht ohne Grund umstritten).

    Die Grunaer Straße war seinerzeit nicht angefasst worden. Das kam dann erst später. Aber ist die Grunaer Straße überhaupt so sehr breit? De facto sind es vier Fahrspuren und die Straßenbahn dazwischen. Ist das "Entkoppeln" der Verkehrsmittel wünschenswert? Wenn man das bejaht, wird man hier IMMER mindestens vier Spuren benötigen (je eine pro Fahrtrichtung für Kraftfahrzeuge und Straßenbahn) und dazu noch die Radwege.

    Die Rückkehr zu den Straßenquerschnitten des 19. Jhd. halte ich für illusorisch.

    Der Straßburger Platz ist natürlich eine Katastrophe; aber auch schon früher war er eine verhältnismäßig große Verkehrsfläche.


    Viele Straßen in Dresden waren auch schon vor der Idee der autogerechten Stadt im Verhältnis zur Bebauung zu eng. Wir hatten vor einigen Wochen mal die Bebauung in der Nähe des Bahnhof Mitte thematisiert; insbesondere in der Schützengasse. Die Schützengasse hatte in ihrer Altbebauung (bis Ende des 19. Jhd.) kleine, vorstädtische Häuser mit zwei Stockwerken+Dach, die direkt am Gehweg und an einer vergleichsweise schmalen Straße standen. Anfang 20. Jhd. wurden dann teilweise auf den alten Grundrissen vier- bis fünfstöckige Gebäude errichtet. Schon in den 20er Jahren hätte man das möglicherweise nicht mehr so gemacht.


    Insofern kommt bei der Stadtplanung immer einiges zusamen; es ist definitiv nicht nur Verkehrsplanung, die zu diesen breiten "Schneisen" geführt hat, sondern auch die möglicherweise falsch verstandene Idee, die Stadt lichter und grüner zu gestalten.

  • Zugegeben die Straße hat hier natürlich eine ganz schöne Breite. Mich als Fußgänger und ÖPNV Nutzer stört sowas immer wobei ich hier auch sagen muss es gibt schlimmere Kreuzungen. Aber das ist eine der wichtigsten Ost-West-Achsen in Dresden, wäre diese nur 1-spurig pro Fahrtrichtung würde es sicher mehr Klagen geben ;-) . Schön wärs, aber aufs Auto will dann ja doch keiner verzichten und wir nicht Autofahrer sind in Dt. in der Minderheit.

    Man könnte auch die Bahn nach unten verlegen somit wäre auch die Straße weniger breit aber U-Bahnen oder "pseudo" U-Bahnen mag ich persönlich auch nicht so gern, eine Tram im Stadtbild find ich ganz schön.

    Hätte man die Bauten von vornherein mit einem Konzepz gebaut welches eine Verdichtung um den Straßburgerplatz erzeugt (mit ansprechender Architektur) bei bleibender Straßenbreite hätte man schon viel rausholen können, denke ich. Aber diese Chance wurde schon längst vergeben.

  • Der Stübelplatz war früher nicht verdichtet, sondern eher parkartig. Das ist von der Stadtentwicklung immer eine merkwürdige Ecke gewesen: Vor der Zerstörung war die Grunaer auf der nördlichen Seite bis kurz vor dem Stübelplatz (Blochmannstr.) in Blockrandbebauung ausgeführt, auf der südlichen Seite etwa bis zur Hälfte - und ab da ging es in eine sehr aufgelockerte Bebauung über.


    http://www.deutschefotothek.de…7/df_hauptkatalog_0305818


    zeigt (leider überbelichtet) den Vorkriegszustand. Aber das bedeutet natürlich nicht, das man bei der späteren Entwicklung sich nicht hätte ein paar mehr Gedanken machen können.


    Was vielleicht noch zum Thema "Verkehrsschneise" gesagt werden sollte: Ab den 70er Jahren hatte die Grunaer jeweils drei Fahrspuren + Straßenbahn pro Richtung; das wurde also bereits verringert. Noch dazu kommt, dass die Gleise für die Straßenbahn jetzt (auf Grund der größeren Wagen) auch mehr Platz brauchen.

    Auch früher hat man in Dresden neue Hauptachsen eher breit auszuführen versucht (wenn es denn ging); siehe z.B. Nürnberger Str.

  • die möglicherweise falsch verstandene Idee, die Stadt lichter und grüner zu gestalten

    Dahinter können sich tragischerweise mehrere sonst konträre politische Positionen vereinigen, denn mit dieser Idee kann die Stadt weiterhin autogerecht bleiben, während der Erhalt der ausufernden Abstandsgrünflächen ein anderes Klientel befriedigt; und auch der Erhalt von Gebäuden aus der Entstehungszeit dieses Konzeptes findet dann seine Unterstützer. Das ganze Dilemma kann man ja gerade gut am Neustädter Markt beobachten.


    Freilich wurden die Ausmaße der Grunaer Straße frühestens mit der Bebauung der "Wohnzelle" an der Nordseite, spätestens aber mit dem Bau des Dorint-Hotels, das die Bebauungskante auf der Südseite vorgibt, festgeschrieben, wenngleich natürlich dessen Position als Ausnahme hätte betrachtet werden und die Bebauung rechts und links davon weiter in das Straßenprofil hätte hineinragen können. Für den Verkehrsfluss würde zwischen den Knotenpunkten wahrscheinlich sogar eine Fahrspur ausreichen und beim Bürgersteig auf der Südseite und bei der Straßenbahntrasse hätten auch nochmal gute 10 Meter eingespart werden können. Die Chance besteht ja noch am westlichen Ende der Grunaer Straße - dort kann wenigstens der unnötige Fächer zum Pirnaischen Platz hin komprimiert werden und die Bebauungskante ohne Grünstreifen bis an den Gehweg reichen, mit Arkaden evtl. sogar bis an die Fahrbahn (auch weiterhin mit zwei Spuren pro Richtung). Zusammen mit der wiederhergestellten Pirnaischen Straße sähe das, über den Pirnaischen Platz geblickt, ungefähr so aus:

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    Bildnachweis verwendeter Fotos: Derbrauni, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons


    Zum Vergleich die bisherige Ansicht.

  • Das der Straßburger Platz früher kein durch Blockrand eingefasster Platz war ist mir natürlich bekannt, gacki ;-) .

    So sehr ich mir auch wünsche das wenigstens ein Teil des alten Dresdens in Form von kleinteiliger Blockrandbebauung mit unterschiedlichen, individuellen und attraktiven Fassaden zurückkommt, muss ich doch auch leider sagen das alte Dresden ist nunmal verloren und es besteht für mich auch nicht an jeder Stelle ein Grund dieses Zustand wieder herzustellen.

    Es gibt Gebiete welche kaum oder nur wenig zerstört wurden, siehe Blasewitz, Teile Striesen's oder die Äußere Neustadt hier sollte man sich wirklich bei Neubauten in Form, Dach, Fassadengliederung an die bestehenden Altbauten anpassen.

    Bei Gebieten wie der Friedrichstadt oder der Wilsdruffer Vorstadt wo leider nur Verhältnismäßig wenig alte Bausubstanz den Krieg, die DDR Zeit und die Nachwendeaabrisse überlebt haben sollte man zumindest die alten Gebäude respektieren. Die letzten Neubauten entlang der Seminarstraße sowie das Haus Friedrichstraße 22 sind für mich die besseren Beispiele wohingegen das B&B Hotel (Friedrich- Ecke Weißeritzstraße oder Seminarstraße 2) zu den schlechten Beispielen gehören.

    Am Straßburger Platz (um mal wieder zum eigentlich Thema zu kommen) haben wir nicht wirklich etwas von der alten Bausubstanz übrig (ausser dem alten Schulgebäude(?) welches mitlerweile komplett aus dem Sichtfeld verschwunden ist). Also besteht für mich auch kein zwingender Grund sich an die alte Bebbauung erneut anzulehnen. Aus diesem Grund, und auch eben wegen der breiten Straße welche so schnell nicht verschwinden wird, wäre ich beim Straßburger Platz für eine Verdichtung gewesen um dem ganzen Platz ein urbaneres Gefühl zu geben.

    Selbst wenn man den Platz an sich nicht verdichtet hätte aber wenigstens 4 zueinander passende Neubauten geschaffen hätte welche durch eine attraktive Fassade, belebte Erdgeschosszone und attraktives Aussengelände geglänzt hätten, hätte man ebenfalls einen attraktiven Bereich schaffen können.

    In meinen Augen wurde hier beide Chancen vertan.

    Ich bedauere sehr das man bei der heutigen "modernen" Architektur wirklich sieht das hier nur der Profit am Ende das Maß aller Dinge ist. Was ich sehr bedauerlich finde, Dt. hat heute mehr Geld zur Verfügung als zur Gründerzeit aber damals hat man wenigstens noch mit einem gewissen ästhetischen Empfinden (das Äußere, bei inneren sah es da ganz anders aus teilweise!) Neubauten geplant, heute scheint es leider nur wichtig zu sein das die Quartalszahlen für die Aktionäre gut aussehen also wird gesparrt wo es nur geht und das nur um (entschuldigt OT und persönlich) am Ende die Leute reicher zu machen die eh schon genug haben.

    Das es auch attraktive Neubauten gibt sieht man in den bedeutenden "Weltmetropolen" (vereinzelt auch bei uns > z.B. Haus des Buches) hier wird auch gerne mal etwas mehr in das Äußere eine Neubaus investiert aber abseits der Boomtowns sieht das Bild dann wieder ganz anders aus oder halt eben weiß-grau,verwürfelt und flach!

    Ich bedauere hier auch sehr das sich die Verwaltung von Dresden nicht mehr einmischt und den Investoren ein paar mehr Vorgaben macht (sei es auch nur die Farbwahl) oder eben gute Entwürfe nicht durch die Gestaltungskommision vereinfacht werden so das am Ende wieder 0815 entsteht.

    Das ganze ist sehr sehr komplex und am Straßburger Platz ist das Kind nun mitlerweile schon Tief in den Brunnen gefallen, der eine Neubau ob nun gut oder schlecht ist da auch kein großes Ding mehr. Deshalb mein erster Kommentar das die Stadt hier wirklich von Anfang an einem Plan hätte folgen sollen und nicht nur darauf wartet das irgend jemand irgend etwas baut :-(

  • Ich prognostiziere mal, dass sich weder an der Grunaer Str., noch an der St. Petersburger Str. in den nächsten Jahrzehnten etwas ändern wird. Das kommt einfach daher, das es keinen ausreichenden Verwertungsdruck gibt. Letztes Jahr ist erstmalig seit über 20 Jahren die Einwohnerzahl leicht gesunken und Stagnation oder kleiner Anstieg wird die absehbare Zukunft sein. Solange noch ausreichend Flächen vorhanden sind und das sind sie, z.B. in der Friedrichstadt oder auch in Striesen und eigentlich überall in Dresden, werden die Verkehrszüge nicht angefasst werden. Klar könnte man die Grünanlagen besser gestalten und die Querschnitte verringern, aber wozu? Die neuen Flächen blieben leer.


    Es ist auch nicht mal böser Wille der Autofahrerfraktion. Es ist einfach nicht notwendig. Dresden bräuchte 100000 neue Einwohner und genauso viele Jobs, damit sich da was tun könnte und vielleicht würde nicht mal das reichen. Um soviel sind grob in den letzten 20 Jahren Einwohnerzahlen und Beschäftigung gestiegen. Das war ein richtiger Boom und der Einfluss auf das Stadtbild war nicht gering, aber auch nicht übermäßig.


    Es ist nicht erkennbar, wo die Leute bekommen sollen. Es kommt nur das Ausland in Frage und diese Zuwanderung ist gesellschaftlich nicht gerade sehr erwünscht.


    Ich denke, wir werden uns mit dem Ist Zustand arrangieren müssen.