Leipzig: Moscheebau (Diskussion, Planung und Bau)

  • Leipzig: Moscheebau (Diskussion, Planung und Bau)

    Eine Moschee in Gohlis?


    Laut Bild, soll in Gohlis die sechste Moschee an der Georg-Schumann- Ecke Bleichertstraße entstehen. Das Grundstück gehört zurzeit der Leipziger Volksbank, die es verkaufen will. Interessent ist die Ahmadiyya-Gemeinde, dessen Gespräche postiv laufen.

  • Blöder bzw. nicht ganz erst gemeinter Gedanke: Könnte die Ahmadiyya-Gemeinde nicht das Stadtbad übernehmen ( http://www.deutsches-architekt…d.php?p=396513#post396513 ) und zur Moschee mit angeschlossenem Gemeindezentrum umbauen? ;) In Hessen dürfen die beiden Religionsgemeinschaften Ditib und Ahmadiyya Muslim Jamaat ja auch seit diesem Jahr bekenntnisorientierten, ordentlichen Religionsunterricht nach Artikel 7 des Grundgesetzes anbieten ( http://www.ahmadiyya.de/news/m…cher-religionsunterricht/ ).


    Das Haus wäre dann vermutlich immer noch offener als nach den Plänen so manch anderen Investors. Und wenn die Denkmalpflege so offen gegenüber den Umbauplänen ist wie vom Liegenschaftsamt betont, sollten auch noch zwei Minarette angestellt werden dürfen. Oder man setzt auf die beiden Ecktürmchen vorm Haupteingang noch etwas auf. Wäre nur vielleicht etwas zu groß für 80 bis 90 Gläubige dieser eher am Rand der muslimischen Glaubensgemeinschaft stehenden Sondergemeinschaft. Vielleicht kann man sich ja mit der weitaus größeren DITIB in das Gebäude teilen, denn deren Eyüp-Sultan-Moschee ist architektonisch auch nicht der Knaller. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. übernimmt die ehemalige große Schwimmhalle (einschließlich Galerie 1.316 m²), die Ahmadiyya Muslim Jamaat die ehemalige kleine Schwimmhalle (einschließlich Galerie 818 m²).


    Aber im Ernst: Warum kein Neubau an der Georg-Schumann-Str.? Wir haben schließlich Religionsfreiheit. Und für etwas über 20.000 Anhänger der katholischen Kirche werden anderswo ja ganz andere Gotteshäuser errichtet. :lach:

  • In der gedruckten Ausgabe der BILD, die ich mir mitterweile beschafft habe, wird mit einem ziemlich großen Bild auf die 2009 eröffnete Khadija-Moschee in Berlin-Heinersdorf als "mögliches Vorbild für den Leipziger Neubau" verwiesen:


    http://de.wikipedia.org/wiki/Khadija-Moschee_%28Berlin%29



    Foto: Wikpedia, Public domain


    Die anderen ca. 33 seit 1989 im Rahmen des 100-Moscheen-Projektes der Ahmadiyya Muslim Jamaat neu gebauten oder in bestehenden Gebäuden eingerichteten Moscheen ( http://de.wikipedia.org/wiki/100-Moscheen-Plan ) sind überwiegend noch deutlich schlichter:


    Eine der wenigen Ausnahmen bilden die 2010 fertiggestellte Ehsaan-Moschee in Mannheim




    und bereits mit deutlichen Abstrichen die Bait ul-Ghafur-Moschee in Ginsheim (2011):




    Fotos: Wikpedia, Public domain.

  • Ist das tatsächlich vergleichbar? Die Imam-Ali-Moschee in Hamburg ist eine schiitische Moschee und wurde bereits 1960-65 errichtet: http://de.wikipedia.org/wiki/Islamisches_Zentrum_Hamburg Ganz abgesehen, dass es da um ganz andere finanzielle Mittel ging, diese Moschee wurde als Iwan gebaut und ist schon allein deshalb deutlich größer und höher. Das soll ja ein Iwan seien und keine Türnische. Die Ahmadis aber bauen keine Iwane und auch deutlich kleinere Kuppeln.

  • Die Ahmadiyya-Gemeinde, derzeit noch in der Eisenbahnstraße beheimatet, plant auf dem brach liegenden Grundstück Georg-Schummann-Str. / Bleichertstr. in Gohlis eine Moschee mit 2 bis 12 Meter hohen Minaretten. Bezüglich der eingegangenen Bauvoranfrage möchte die Stadt binnen 3 Monaten entscheiden. Bereits 2006 wurde ein solches Vorhaben von der Stadt abgewiesen. Ob diesmal gebaut werden darf, hängt u.a. vom städtebaulichen Konzept ab. Schon nächste Woche soll es dazu eine gemeinsame Pressekonferenz mit Baudezernentin Dorothee Dubrau (parteilos) und der Gemeinde geben.


    Das Grundstück gehört bisweilen der Leipziger Volksbank, die einen Käufer sucht. (Quelle)

  • Wieso wäre sie denn gut beraten an der Eisenbahnstrasse zu bleiben? Was hat denn das mit der Grundstückwahl für einen konfessionellen Zweckbau zu tun? Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass die Gemeinde ein öffentlich präsentes Gebäude errichten will und damit aus ihrem Hinterhof-Dasein ausbricht. Das ist sehr begrüßenswert und es gibt keine wirklichen Gründe, die gegen den Neubau sprechen.


    Hauptstrasse/Lärm/Fläche/Lärm: das ist doch das Problem der Gemeinde!
    Grundschule: was hat das mit der Nähe zu einer Moschee zu tun?


    Oder werden hier Versagensgründe zusammengesucht, weil unser schönes Gründerzeitviertel sowas angeblich nicht verträgt?


    Ich hoffe sehr, dass das Projekt dort zu Umsetzung kommt, dann wird man sehen, wie weit es mit der sog. Toleranz der angeblich linksliberal-grün gestrickten urbanen Mittelschicht ist. Meine Prognose: nicht weit.

  • Eine Diskussion über den Plan der Ahmadiyya-Gemeinde, eine Moschee zu errichten, hat Dave bereits an anderer Stelle angestoßen. Vielleicht lassen sich die beide zusammenführen (Danke, schon passiert, C.)


    Das hätte ich nicht geglaubt, dass ich mit WolfsheimJena noch mal ähnlicher Ansicht bin. :lach: Wieviele der etwa 100 Ahmadis in Leipzig wohnen denn um die Eisenbahnstraße? Oder geht es in dem Pseudo-Argument allgemein um Muslime? Nur sind dies fast alle Sunniten, deutlich weniger Schiiten und ein paar Aleviten. Die meisten von ihnen dürfen die Ahmadis als kuffar, als Ungläubige, betrachten und keinen Fuß in deren Moschee setzen.


    Wieviele der etwa 4500 Mitglieder der Propsteigemeinde St. Trinitatis wohnen eigentlich rund um den Wilhelm-Leuschner-Platz?

  • MDR, Hier ab vier, 1.10.2013
    Moschee-Neubau in Leipzig sorgt für Gesprächsstoff
    http://www.ardmediathek.de/mdr…stoff?documentId=17397136


    In dem Beitrag kann man einige Blicke auf die Planzeichnungen erhaschen. Es handelt sich um eine kleine Moschee mit zwei Stockwerken und einer Grundfläche von 170 bis 180 qm, begleitet von zwei nicht begehbaren Zierminaretten. 80 Gemeindemitglieder sollen hier ihre religiöse Heimat finden.


    Und für die Freunde des motorisierten Individualverkehrs: Es sind offenbar ca. 8 Parkplätze auf dem Gelände hinter der Moschee geplant (2:12 bis 2:16).


    PS: In Nürnberg wurde versucht, ein ähnliches Parkplatz-Argument gegen den Bau einer Moschee der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in der Conradtystraße anzubringen. Gerhard Steinmann, stellvertretender Leiter der Bauordnungsbehörde, wies darauf hin, dass in Bayern Baufreiheit herrsche. Ein Baugenehmigungsplan sieht vor, dass die Ahmadiyya-Gemeinde als Bauherr die Anwohner_innen über ihr Bauvorhaben in Kenntnis setzt. Die Stadtverwaltung müsse lediglich prüfen, ob der Bauherr entsprechende Vorgaben bei Stellplätzen erfüllt. In Nürnberg sei man bereits von einem größeren Einzugsgebiet ausgegangen, da die meisten Ahmadiyya-Mitglieder weit verstreut wohnen. Man habe sich dabei an den Vorgaben für Kirchen orientiert, wonach auf 15 Gläubige ein Parkplatz kommen muss. Die Nürnberger Ahmadiyya-Gemeinde rechnet mit durchschnittlich 90 Besucher_innen und hat dementsprechend sechs Stellplätze eingeplant.
    http://koptisch.wordpress.com/…-und-andere-helfen-dabei/

  • "Abdullah Wagishauser", auch nicht schlecht^^. Hoffentlich entdecken nicht irgendwelche Leute den Bauplatz als "grüne Oase". Da scheint ja derzeit noch ein recht großer Baum zu stehen.


    Ist das, was im Film gezeigt wird, das derzeitige Gebetshaus? Finde ich recht unwürdig. Sieht aus wie ein Klohäuschen.

  • Abdullah Uwe Wagishauser ist seit 1984 amtierender Vorsitzender (Emir) der Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Bundesrepublik Deutschland e.V.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Abdullah_Wagishauser


    Auf dem Vorlesepult (Kursi) links von dem Mihrab steht Nuur Moschee Frankfurt geschrieben. Sie wurde 1957-59 gebaut und ist die drittälteste Moschee Deutschlands.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nuur-Moschee

  • ^ Die Fazle-Omar-Moschee in Hamburg, ebenfalls 1957 errichtet, hat wenigstens eine etwas repräsentativere Eingangssituation. Der Rest erinnert auch eher an eine Datsche. Interessant im Zusammenhang mit der Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft scheint mir, dass diese Bewegung bereits 1924 mit dem Bau der Berliner Moschee in Deutschland Fuß gefasst hat. Der Ursprung der Bewegung liegt im Indo-Pakistanischen Raum, die Ausrichtung des islamischen Glaubens weicht zudem von anderen islamischen Glaubensrichtungen deutlich ab, weshalb sie für das "Eisenbahnstraßenklientel" vermutlich uninteressant ist. Der Drang zur Missionierung scheint jedoch ungebrochen. Ausgerechnet in Westafrika, wo erst nach dem 1. Weltkrieg mit der Mission begonnen wurde, sollen heute die meisten Anhänger dieser Glaubensrichtung leben.

  • Fast die gleichen Bilder, nur etwas anders geschnitten.


    MDR Sachsenspiegel
    Leipziger Muslime wünschen sich Moschee
    http://www.ardmediathek.de/mdr…schee?documentId=17419260


    Die "Moschee im schmucklosen Haus" am Anfang des Beitrages ist die der DITIB - Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. ( http://de.wikipedia.org/wiki/T…Anstalt_f%C3%BCr_Religion ) in der Hermann-Liebmann-Str. 80. An anderer Stelle hat die DITIB gar nichts gegen Minarette, im Gegenteil:


    DITIB-Zentralmoschee Köln - seit 2009 im Bau, wird bereits teilweise genutzt und soll im nächsten Jahr komplett und offiziell eröffnet werden:
    http://www.zentralmoschee-koeln.de/
    http://de.wikipedia.org/wiki/DITIB-Zentralmoschee_K%C3%B6ln



    Foto: Wikpedia, Public domain


    Es wäre interessant zu wissen, was die MDR-Reporter_innen genau gefragt haben, vielleicht geht es ja auch nur darum, dass die "Konkurrenz" keine Minarette bauen soll.

  • ^ Die Ahmadiyya-Gemeinde, deren Mitglieder überwiegend aus Pakistan stammen, untersteht m.W. nicht dem Dachverband der türkisch-deutschen DITIB. Wenn du mich fragst, haben die Reporter die Personen in der Hermann-Liebmann-Straße gar nicht in Bezug auf die Moscheeplanungen der Ahmadiyya-Glaubensgemeinde gefragt, auch wenn es der Beitrag so suggeriert.

  • Natürlich nicht, was haben Ahmadis aus Pakistan oder Bangladesch denn mit konservativ-sunnitischen Türken zu tun, die mehr oder weniger direkt der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht durch den türkischen Ministerpräsidenten unterstehen? Das Verhältnis dürfte ähnlich eng sein wie das zwischen katholischen Hispanics und russisch-orthodoxen Ukrainerinnen in irgendeiner US-amerikanischen Großstadt.


    Umso absurder ist es ja auch, wenn diese MDR-Reporter in irgendeine Moschee rennen, hier der DITIB, und fragen, was die Leute davon halten, dass die Vertreter einer anderen Glaubensrichtung eine eigene Moschee mit Minaretten bauen wollen. Haben die beim MDR auch die Apostolische Pfingstgemeinde gefragt, was die vom Neubau der katholischen Propsteikirche halten und ob sie auch spenden würden?


    Natürlich geht das alles noch blöder, wenn etwa gefordert wird, dass die Ahmadis doch bitte ihre Moschee am Bosporus bauen sollen oder die Christen in ihrem Heimatland in Ruhe lassen.


    Warum sind die MDR-Leute eigentlich nicht zu dem Imam der Leipziger Al-Rahman-Moschee, Hassan Dabbagh, in die Roscherstraße gegangen. Der hat eine klare Ansicht zur Ahmadiyya. Sozuviel dann auch zum Thema: Alle Muslime sind gleich. http://www.youtube.com/watch?v=TcdR1BM-2X0


    Hier mal ein paar Gruppenbilder von Leipziger Ahmadis und ein paar Kernsätze der Ahmadiyya:
    http://www.youtube.com/watch?v=p0ElWShSktE

  • Die ersten eher schematischen Bauzeichnungen werden veröffentlicht und Leipzigs neue Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau spricht sich für das Bauprojekt der Ahmadiyya Muslim Jamaat aus:


    MDR, 10. Oktober 2013
    Bauvorentscheid in Leipzig
    Baubürgermeisterin unterstützt Moschee-Neubau
    http://www.mdr.de/sachsen/leip…20d3192e_zs-423b0bc6.html


    In den LVZ-Kommentaren geht es heiß her und weit vom Thema ab. Mal sehen, wie lange noch.


    LVZ-Online, 10.10.2013
    „Kein Protzbau“: Moschee in Leipzig-Gohlis mit zwei Zier-Minaretten – Stadt wirbt um Toleranz
    http://www.lvz-online.de/leipz…/r-citynews-a-210165.html


    L-IZ, 10.10.2013
    „Schnuckelige kleine Moschee“: Neubau in Gohlis mit Schmuck-Minaretten geplant – Platz für 100 Gläubige
    http://www.l-iz.de/Politik/Bre…retten-geplant-51459.html

  • Ehrlich gesagt, finde ich es recht schade, daß die Moschee so unscheinbar werden soll. An dieser Stelle - die breite Schumannstraße, die doch recht hohen Häuser der Umgebung, die noch recht raumgreifenden Leerflächen - wäre ein größerer Baukörper besser. Wenn sich der Bau - trotz der Minarette - zu sehr versteckte, wäre dies eine vertane Chance aus städtebaulicher Sicht.

  • Wahrscheinlich ist man sich seitens der Gemeinde auch um den "Sprengstoff" bewußt, den ein solches Projekt mit sich bringen kann. In jedem Falle zeigt sich gerade in solchen Vorhaben, wie weit es mit der oft dahingeheuchelten Toleranz in Leipzig her ist. Zudem in einer Stadt, die das Thema Religion aufgrund des weit verbreiteten Atheismus gar nicht tangieren dürfte.


    Man muss sicherlich weitere, detaillierte Visualisierungen abwarten, bevor man sich ein Urteil bilden kann. In jedem Falle sollte aber der Bau der muslimischen Religionsästhetik selbstbewußen Ausdruck verleihen. Das heisst, man sollte ruhig sehen, dass es eine Moschee ist. Alles andere wäre wirklich schade.


    In diesem Zusammenhang: Wie ist es denn mit dem Tempelbau in Leipzig Nordost bestellt?

  • Nun geht es wie erwartet los, es soll sich eine Bürgerinitiative gegen den Moscheebau gründen. Die sächsische NPD bzw. die örtliche Neonazi-Kameradschaft mischen fleißig mit.


    Um Architektur und Städtebau geht es bei den allerwenigsten "Argumenten" gegen die Moschee. Es geht viel mehr um Christen in Saudi-Arabien oder Syrien oder sonstwo in der Welt, was auch immer das nun mit dem Bauvorhaben an der Georg-Schumann-Str. zu tun haben soll. Aber bisweilen kommt - wie ebenso bereits erwartet - der Verweis auf den Baum auf der Brache, die Schule und den Kindergarten in der Nachbarschaft und die angeblich geschlossene Bebauung aus der Gründerzeit. Die allerdings muß man an der Ecke schon suchen, da steht so alles von tatsächlich historistischen, aber überwiegend entstuckten und/oder unsanierten Bauten über Bauten der DDR-Zeit (50er und 70er Jahre) bis hin zu exquisiten Vertretern der Frühen-90er-Jahre-Investoren-Architektur alles rum, von diversen Baracken und Garagenhöfen mal ganz abgesehen.


    Kreuzer online, Stadtleben, 17. Oktober 2013
    Wir sind nicht rechts, aber …
    In Gohlis formiert sich Widerstand gegen eine Moschee
    http://kreuzer-leipzig.de/2013…lvr.it&utm_medium=twitter


    LVZ-Online, 17.10.2013
    Moschee-Protest: Bürger-Initiative in Leipzig-Gohlis vorerst geplatzt – Neonazi-Aufmarsch
    Matthias Puppe
    http://www.lvz-online.de/leipz…/r-citynews-a-211111.html
    L-IZ, 17.10.2013
    Geplante Moschee in Gohlis: NPD meldet Kundgebung an
    http://www.l-iz.de/Politik/Nac…meldet-Kundgebung-an.html


    L-IZ, 15.10.2013
    Geplante Moschee in Gohlis: Rechte rufen zur Bildung von Bürgerinitiative auf
    Martin Schöler
    http://www.l-iz.de/Politik/Bre…te-Buergerinitiative.html