Leipzig: Neubau der SAB (Bauphase)

  • @ Wolfsheim, mal abwarten. Wie DaseBLN eins drüber bereits schrieb und wie es auch in der Auslobung bekannt gemacht wurde, können alle 3 Preisträger auf die Umsetzung ihrer Entwürfe hoffen. Dieser Architekturwettbewerb erinnert mich ein bisschen an jenen des Trias-Neubaus. Die eingereichten Entwürfe waren nicht schlecht, aber im Vergleich zum 1. Preis nüchtern, konventionell und langweilig. Und so ist es auch hier: Die vergebenen Plätze 2 bis 4 mögen gut durchdacht sein, sind aber im Vergleich zum erstplatzierten Entwurf von "acme" gähnend langweilig. Ich hoffe sehr, dass der 1. Preis zum Zuge kommt.


    Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich wundert die mediale Zurückhaltung sehr. Zwei müde Artikel in LVZ und Bild bislang, das war's. Keine Pressemitteilung, auch keine Erwähnung auf leipzig.de oder in den bekannten Immobilienportalen. Jeder Lückenfüller im Zentrum im unteren einstelligen Millionenbereich bekommt bisweilen mehr Aufmerksamkeit. Und hier sollen 40 bis 50 Mio Euro verbaut werden und alle üben sich in Zurückhaltung. Kommt vielleicht irgendwann noch...

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    Ich hab das Gefühl, dass sich alle bewusst zurückhalten, um jemanden NICHT zu reizen. Ansonsten könnte das ganze schiefgehen. Solch ein Gebäude (von acme) steht nicht mal in London (oder Paris, Tokyo, NYC...) an jeder Ecke. 'Also warum gerade in 'Provinz' Leipzig?' Wäre der Schrei viel zu laut, würde sich wohl jemand fragen der die endgültige Entscheidung mittrifft.


    Man darf nicht vergessen, dieser Umzugsplan bekommt bis heute noch Gegenwind.

  • ^ So viel Gegenwind gibt es nach meiner Beobachtung nicht. Es gibt dafür auch keinen wirklichen Grund, denn die SAB soll ja auch weiterhin in Dresden existieren und es werden nur etwa 600 Mitarbeiter von etwas über 1000 nach Leipzig umziehen. Da gibt es beim geplanten Umzug des sächs. Rechnungshofs von Leipzig nach Döbeln viel mehr Gegenwind.


    Der Entwurf von "acme" besticht m.E. außerdem durch seine hohe urbane Qualität, die dem innerstädtischen Standort sehr gerecht wird. Bei den anderen hier gezeigten Entwürfen bekomme ich eher das Gefühl, es soll ein Kongresszentrum an der städtischen Peripherie oder ein Flughafen-Terminal entstehen.

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    Ich denke einfach, dass der Zurückhaltung ein Problem zugrunde liegt, dass auch wir so haben: fehlendes Bildmaterial. Aus mir unerfindlichen Gründen ist es ja ausgesprochen schwer überhaupt nur an ein paar ausgewählte Entwurfsgrafiken der Wettbewerbsteilnehmer zu kommen. Gut möglich, dass auch die Lokalblätter keine weiteren Abbildungen zur Verfügung haben und deshalb weitere Berichterstattung wenig Sinn macht.


    Der Siegerentwurf gefällt mir übrigens genauso gut, wie der Mehrheit hier im Forum. Das gilt jedenfalls für die Grafik. Hinsichtlich der Funktionalität des Säulengartens habe ich aber noch einige Zweifel. Gerade bei Regen oder Schnee bergen die offenen Stellen im 'Dach' Potential für etwas Ärger in der Nutzung.
    Aber darüber wird man sich sicher schon Gedanken gemacht haben.


    Ansonsten ist die Idee aber spitze, Raumkanten auch ohne Gebäudekanten zu markieren.

  • Mal off topic: Wo die Kreativität in der deutschen Architektur-Branche bleibt, das ist eine Frage. Aber wo da die Moral bleibt, das ist eine andere Frage. Siehe bitte selbst hier und vergleiche mit #17. :angry:

  • Someone Has Built It Before

    Ich fragte mich die letzten Tage ob ich irgendwo eine ähnliche Form, ich meine, dieses dichte 'Wäldchen', schon mal gesehen hatte. Heute hab ich's endlich gefunden! Nicht eines, sondern gleich zwei!


    Johnson Wax Headquarters building by Frank Lloyd Wright:

    Bildquelle: Deskarati


    Und eine 'Kopie' aus Taiwan:

    Bildquelle: Architecture Dialog

  • Ich war vorhin auch auf der Ausstellung im Städtischen Kaufhaus. Die Jury hat in meinen Augen goldrichtig entschieden, den Entwurf von "acme" zu prämieren. Der Entwurf überzeugt im Vergleich zu allen anderen auf ganzer Linie. Die allermeisten Entwürfe, gefühlt 80 Prozent, sind - mit Verlaub - Schrott! Entweder ernüchternd mit schier unendlich verdichteter Baumasse, oder die Architektur streng neoklassizistisch mit streng gestaltetem Platz davor, als wolle man ein Walter-Ulbrichts-Gedächtnisforum errichten. Eine Besucherin kommentierte einen Entwurf zurecht als Größenwahn à la Albert Speer sen.


    Einigen Entwürfen sieht man an, dass sie mit dem vis-à-vis gelegenen Bildermuseum kommunizieren wollen. Eine Arbeit davon sah sogar vier Museums SAB-Winkel vor. Ein paar andere Entwürfe möchten ans Robotrongebäude erinnern und muten wie völlig aus der Zeit gefallen an. Ganz besonders schlimm sind jene Entwürfe, die auf allen vier Seiten zu wie ein Hochsicherheitstrakt sind und in der Mitte eine dachlose Grünanlage mit Durchwegung vorsahen (Der ehemalige Innenhof der Uni lässt grüßen). Der schlechteste Entwurf stammt ausgerechnet vom Portugiesen Paulo David, der auf der schönen Insel Madeira sein Büro hat. Abgesehen vom abstoßendem Äußeren ist die mit wildem Grüngestrüpp gesäumte Mitte noch nicht mal begehbar, weil sie mit einer hüfthohen Betonmauer eingefasst ist. Da weiß man nichts mehr zu sagen.


    Ansonsten viele gewöhnliche Entwürfe dem aktuellen Zeitgeschmack entsprechend. Bei KSP-Engel z.b. habe ich das Gefühl, dass die Entwürfe mit ein paar Modifikationen immer die gleichen bleiben. Ein paar Hochhausentwürfe sind ebenso dabei und auch diese sind in meinen Augen einfach nur schlecht. Morgen (oder heute abend noch) verlinke ich zwei von diesen Entwürfen, u.a. von Zaha Hadid (heimlich mit Handy fotografiert.;-))

  • Da vom prämierten Entwurf in der Presse bislang wenig durchdrang, gibt's von mir noch eine Zusammenfassung:


    Die Idee der Architekten bestand darin, in erster Linie ein Forum für die Öffentlichkeit zu schaffen. Anstatt das Gebäude auf einen Sockel zu stellen, sollen Passanten, hier als "Flaneure" bezeichnet, angehalten sein, das Gelände als öffentlichen Raum zu durchschreiten. Aus Richtung Innenstadt und Hauptbahnhof erscheint kein frontales Gebäude, sondern ein von Säulen definierter öffentlicher Raum. In diesem Raum findet man eine komplexe Landschaft von Lichtungen im "Säulenwald" vor, die entweder begrünt oder topographisch geformt ist und für "Picknicks" und "Konzerte" geeignet sei. Die Erscheinungsform der Lichtungen und Gebäude im Forum werden durch die Säulen verwischt, Räume seien dadurch nicht einheitlich definiert. Die Ebene besteht aus drei Landschaften. Im nordwestlichen Teil des Forums, in maximaler Sicht zur Gerberstraße, befindet sich der Baukörper für Ausstellungen und Tagungen, entlang der Keilstraße soll sich die Kantine befinden und im dritten Bereich Rezeption, Empfang etc. Die oberen Stockwerke sollen flexibel gestaltet werden können.


    Über die Hälfte des Grundstücks dient als öffentlicher Raum, der durch die bereits angesprochenen Säulen in unterschiedlicher Dichte sowie Räume und Lichtungen geprägt sein wird. Die Architekten ließen sich dabei von der Geschichte des Ortes inspirieren. Der öffentliche Raum soll eine Re-Interpretation des Löhr'schen Gartens aus dem 18.Jh sein. Die drei geplanten Lichtungen beinhalten drei Elemente des Löhr'schen Gartens. Die südliche Lichtung, grün und dicht bepflanzt, erinnert an die einstige Orangerie. Die östliche Lichtung wird in Anlehnung an den einstigen Schneckenhügel aus dem 18.Jh als begehbarer Hügel mit spiralförmigem Pfad gestaltet. Die große Lichtung im Zentrum formt eine Vertiefung und ein natürliches Auditorium mit einer zentralen Bühne für Veranstaltungen und als Verweilort. Im Boden soll in Anlehnung an den Löhr'schen Teich ein Wasser-Feature integriert werden.


    Die Jury kommt zu dem Schluss, dass das Londoner Büro "acme" einen plastischen Stadtbaustein entworfen hat, der aus einer perforierten dachartigen Fläche besteht und von einem unterschiedlich dichten Stadtwald aus Betonstützen getragen wird. Die Freifläche orientiere sich in Richtung Innenstadt und weckt damit Neugierde der aus dieser Richgung kommenden Besucher. Die Aufteilung der Gebäudevolumen wurde von der Jury kontrovers diskutiert. Die unabhängige Bespielung der Gebäudeteile sei vorteilhaft, allerdings erfordere die eindeutige Orientierung und Besucherlenkung noch eine Verbesserung. Die sehr hohe Verdichtung der Säulen wurde ebenso kritisch hinterfragt. Die "Pilzstützen" tragen wesentlich zur Verschattung der Gebäude im Forum bei, was wohl ebenfalls als eher negativ angesehen wurde. Die große Raumtiefe wird hinsichtlich Belüftung und Belichtung zudem kritisch gesehen, ebenso die offene Verbindung in den Obergeschossen. Die Materialität wurde wiederum gelobt. Die weißen Fensterprofile verblenden sich mit den Stützen zu einem "diffusen, harmonischen Bild".


    Viel Lob gab es von der Jury für die visionäre Lösung der Briten, die sich in einem unverwechselbaren Erscheinungsbild manifestiere.



    Anbei noch zwei Fotos von mir (bisserl schief und dunkel, aber naja...):




    Bilder: Cowboy



    Ein Mitarbeiter auf der Ausstellung sagte mir, dass die endgültige Entscheidung im Januar fallen soll und gleich danach soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.

  • ...Einigen Entwürfen sieht man an, dass sie mit dem vis-à-vis gelegenen Bildermuseum kommunizieren wollen. ...


    Besten Dank für die ausführlichen Informationen, Cowboy. Bezüglich des Bildermuseums gebe ich dir vollkommen recht - Da läuft gerade die Ausstellung 'Beauty and the Beast'. :cheers:

  • Wie angekündigt weitere Entwürfe aus dem Wettbewerb (Handybilder!):


    Diese außerirdische Trutzburg der Saxonen auf dem fernen Planeten Lipsia wurde von Zaha Hadid entworfen. Sicher irgendwie beeindruckend hässlich.

    Visualisierung: Zaha Hadid Architects



    Dieses Hochhaus ist m.W. ein Entwurf von Max Dudler. Der Sockel ist ziemlich einfallslos gestaltet. Angeblich sollen die Fenster mit den Fenstern des Hotel Astoria auf der gegenüberliegenden Straßenseite kommunizieren. Und dieser Entwurf ist - unschwer zu erkennen - das Pendant zum Bildermuseum auf der anderen Seite des Tröndlinrings.

  • :ibao: Der Entwurf von Zaha Hadid ist an sich nicht schlecht, vorausgesetzt, es ist ein 300+ Supertall. Aber so eine Zwergengruppe mitten in der Stadt? Wir leben doch nicht im Miniatur Wunderland!

  • Okay, Leute. Auf der Website von 'competitionline' sind E-N-D-L-I-C-H ein paar große Bilder von ingenhoven architects aus Düsseldorf (2. Preis. Bilder 1 + 2) bzw. sauerbruch hutton aus Berlin (3. Preis. Bilder 1 + 2) zu sehen. Mehr dazu bitte hier klicken.

  • Wirklich interessanter Fund. Die bisher nicht gezeigte Außenansicht des zweiten Preises ist aus meiner Sicht bezüglich Banalität kaum noch zu unterbieten. Es macht den Eindruck, als wäre sämtliche gestalterische Kompetenz in die Überdachung des Innenhofes geflossen, so dass die Außenfassade mal schnell von der Hilfskraft des Architekturbüros hingerotzt werden musste. Da reißt auch die schmeichelnde Visualisierung in einem dramatischen Abendhimmel und nach oben abstrahlendem Lichthof nichts mehr raus :Nieder:

  • Beim Entwurf von Ingenhoven Architects frage ich mich auch, wie der es auf den 2. Platz geschafft hat. Die horizontalen Fensterbänder sind wohl so was wie eine Reminiszenz an das ehemalige Robotrongebäude. So weit, so unoriginell. Mir erschließt sich allerdings die Nutzungsabsicht im Inneren nicht. Eine große, glasüberdachte Fläche. Ein Empfangstresen in der Mitte, zwei Bäume und ein paar Stühle, worauf wer auch immer aus welchen Gründen sitzen soll. Und die ganze Längsfront ist offen. Wenn im Winter der kalte Nordwind erst einmal den Schnee ins Forum weht, dann werden sich nicht nur die frierenden Damen hinterm Tresen fragen, wem sie das zu verdanken haben.