Humboldt-Forum / Stadtschloss - Der Bauthread

  • Der eine ist eher Staatskritisch und beäugt dessen Handlungen und evtl. Erweiterungen von Macht kritisch – der andere ist eher Staatsgläubig und beäugt den Kritiker des Staates kritisch.

    Sie halten das, was Sie da tun, für Staatskritik? Marx und Adorno würden im Grabe rotieren. Nun ist aber auch gut, hellsehen Sie nur weiter vor sich hin.

    Das Humboldtforum ist sicher kein Staats- und Prestigegebäude. Ich denke, das wird man sich schon allein wegen der Symbolik verkneifen, dort irgendwelche staatlichen, politischen Empfänge stattfinden zu lassen.

    Das glaube ich nicht. Ein Besuch im Humboldtforum wird sicher häufiger zum Programm für Staatsgäste gehören. Und dann ist natürlich auch der Zugang für Otto Normalverbraucher beschränkt.


    Meine Sorge, die Höfe betreffend, ist eine andere: Vor allem der Schlüterhof droht zu einer Art Dauer-Veranstaltungsfläche zu werden – mit Bühnen, Scheinwerfertürmen, Kabeltunneln und Beschallungsanlagen. Das stört den Raumeindruck ganz enorm. Sowas sollte m.E. auf wenige Anlässe im Jahr beschränkt bleiben. (Das Café mit den Schirmen stört mich hingegen nicht, das wirkt belebend.)


    Mod: Bitte beim Thema bleiben. OT notfalls dort.

  • Nur noch kurz um das meinerseits abzuschließen. Wenn Merkel und Macron da durch laufen oder eine Rede halten, ist das doch noch lange kein Staatsempfang, sondern ein Arbeitstreffen oder Programm. Gab und gibt es an zig anderen Orten auch, die dadurch nicht zu "Staatsgebäuden" werden.


    Zur Sache.

    Die Sorge, dass dort, vor allem im Schlüterhof dauernd Veranstaltungen mit entsprechendem Equipment stattfinden habe ich auch. Dafür ist er im Grunde nicht da, aber verständlich ist das schon, da die Atmosphäre beeindruckend ist.

    Ich hoffe, dass es sich mit der Zeit einspielt und es genug veranstaltungsfreie Zeit gibt.


    Vlt. wäre auch eine feste Bühne aber vor der schmucklosen Westfassade denkbar.

  • Zurück zum Schloss. Ich bin ein großer Fan des Baus und laufe zudem sehr gerne durch die beiden Höfe. Was ich etwas skurril finde, ist immer der Empfang mit Zwölf-Ton-Musik-Beschallung. Aber zur Skurrilität der Bau-/Wiederaufbau-Geschichte schon wieder passend.


    (Der Rest wurde von den Moderatoren dorthin verschoben: Ballin-Spamdau - oder der OT-Thread)

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  • Hier mal, nach all dem Streit, ein bisschen Vergnügen: Ein paar Ansichten in analogem Mittelformat. Fototour hat Spaß gemacht – leider zickte irgendwann der Filmtransport, weshalb ich nur fünf Bilder präsentieren kann.


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  • ^ich hätte es als einen tollem Gimmick empfunden, wenn man die Ostfassade mit der alten Schlossfassade angestrahlt hätte. Solche Fassadenspiele hat man ja schon öfters bei den Projektionen erlebt.

  • War das mit den höher verschobenen Fenstern bis zum Gesims und dem Wegfall der Agraffe im Original eigentlich auch so oder hat man beim Neubau die Etage darunter höher gelegt und wusste das nicht anders zu lösen? Weiß jemand ob das vestibül an der westterasse noch absehbar fertiggestellt wird oder bleibt das auf unbestimmte Zeit so?


    Die Terassenbegrünung find ich übrigens wider Erwarten bisher ganz interessant - und bin jetzt schon recht gespannt welche Pflanzlandschaft man hier nachbildet.


    Ich hätte aber trotzdem nichts gegen das originale Dekor der Rossebändiger etc an der Stelle -die sind im Original existent und gehören einfach an ihren Ursprungsort zurück - ich verstehe wirklich nicht warum man sich so dagegen sperrt authentische Relikte wo es geht und Sinn macht wieder aufzustellen.

  • Ich weiss nicht mehr wo ich das gelesen habe, aber die Fenster sahen beim Original tatsächlich so aus. Auch die beiden breiteren Fenster.

    Kann man auf diesem Foto: https://berliner-schloss.de/wp…ads/20090521170733856.jpg bei genauem Hinsehen erkennen.


    Die ursprüngliche Fensterform beginnt erst wieder östlich von Portal IV.


    Hintergrund ist, dass es sich um die Wohnung eines preußischen Herrschers handelte (mir ist nur nicht mehr geläufig, wer genau :lol4:), dem es dort zu dunkel war. Hinter den breiten Fenster war zudem das Arbeitszimmer.


    Ich bin ja nicht mit allem zufrieden, was beim HF gemacht wurde, aber, dass diese Feinheiten mit rekonstruiert wurden, gefällt mir sehr.

  • Bei den beiden etwas breiteren Fenstern handelt es sich um eine Änderung unter Kaiser Wilhelm II. dessen Schlafzimmer dahinter lag. Kann leider von hier aus keinen Plan einstellen, da im Urlaub, ist aber ganz sicher. Der Monarch wollte es halt etwas heller in seinem Schlafgemach.

  • Vielen Dank für die Information, Danke Baukörper und Spreetunnel.


    Möglich dass das prima in die Authentizität der sehr langen Entwicklung des Baues passt.


    Aber eigentlich wollte man sich ja auf die Schlüterfassaden konzentrieren- irgendwie hätte man das bei einer Schlütergerechten Fassadenreko doch ruhig übergehen können. Man hat ja nicht vor ein wilhelminisches Schlafzimmer dahinter. Wieder auferstehen zu lassen und der Eingriff ist für die Wirkung der Fassade ja erst einmal eher irritierend.

    Aber man kann und muss es als historisch getreues Extract der Reko durchaus gelten lassen - die Rekonstruktion beschränkt sich ehrlicherweise ja sowieso nicht nur auf Schlüter und die wesentlich spätere Kuppel von Stüler würde einem ja auch fehlen.

  • Dieser Bauteil entstammt ja nicht von Schlüter, der war da bereits in Ungnade gefallen. Es war die Weiterführung der Schlüterschen Idee unter Eosander bzw. Böhme. Aber trotzdem war es ein Bruch in der Fassadengliederung und man muss sich schon fragen warum es Majestät zu dunkel war und um wieviele Zentimeter es sich dabei handelt, Bei Goethes Tod hieß es ja er habe gefordert 'Mehr Licht', vielleicht wollte Willi II, daran erinnern.8)

  • ^ Von Fortführung der "Schlüterschen Idee" würde ich keinesfalls sprechen. Wenn dem so wäre, würde der Grund warum er in Ungnade gefallen ist - der freistehende Münzturm inkl. Schulterbauten, an der nordwestlichen Fassadenecke kleben. Eosander und Böhme haben das Schlütersche Fassadenschema und die Risalite kopiert, was aufgrund des solitärhaften Baukörpers als Selbstverständlichkeit angesehen werden kann.


    Beim schlüterschen Schloss hätten die Linden, sowie die Breite Straße ihre Fluchtpunkte in einer monomentalen Kolonnade gehabt, die sich zwischen quadratischen Schlüterschloss und Münzturm gespannt hätte.


    Die städtebauliche Undifferenziertheit hat man später mit der Kuppel und den wilhelminischen Abrissen und dem solitären Dom weiterbefördert. Man könnte also sagen, dass jegliche städtebauliche und räumliche Vision vom Schlossumfeld nach Schlüter mehr und mehr abhandengekommen ist.

  • ...vielleicht wollte Willi II, daran erinnern.8)

    Ich denke dem letzten Kaiser waren irgendwelche geschichtlichen Hintergründe ziemlich egal.


    Es ging ihm bei den Fensterumbauten schlicht um die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse und da er als Kaiser oberster Souverän war, hat er sich das Recht herausgenommen das Schloss seinen Vorstellungen anzupassen. Echter Denkmalschutz und die Konservierung einer bestimmten Zeitschicht waren dabei nebenrangig. An der Fassade und innerhalb des Schlosses gab es ja viele weitere Umbauten und weitere waren geplant, dazu fehlte es aber einfach an Geld.

    Wenn's bei der Monarchie geblieben wäre, wären vielleicht diese Fenster irgendwann erneut verändert worden, wenn es innerhalb des Schlosses zur Umorganisation von Räumlichkeiten gekommen wäre oder besseres elektrisches Licht das Beleuchtungsproblem gelöst hätte. Man weiß es halt nicht.


    Sicherlich hätte man dieses und manch andere unnötige Fassadendetail weglassen können und die Fassade wieder vereinheitlichen oder sonstwie optimieren können. Nur hätte dies eine unendliche Diskussion nach sich gezogen, weil es eben keine Einzelperson wie den Kaiser mehr als obersten Entscheider gibt. Also hat man sich eben für die wiederaufgebauten Fassaden für einen Zuzustand entschieden, der weitestgehend dem vor der Zerstörung entspricht, als kleinsten gemeinsamen Nenner sozusagen.


    So haben wegen dieser kleinen Details wenigstens die Fremdenführer was zu erzählen. :-)

  • Auf ARTE ist seit 19. September (und noch bis 17.12.2021) ein 53 Min.-Film über das Berliner Humboldtforum zu sehen:

    Schloss mit zwei Gesichtern.

    Es kommen alle "Verdächtigen" zu Wort. Boddin, Lehmann, Parzinger, König, Fine, aber auch weniger bekannte wie der Szenograph Venimiglia. Auch das Thema Kolonialgeschichte wird ausführlich beleuchtet.

    Eine ruhige, ausgewogene Reportage. LINK.


    Weiterhin zu sehen ist auch die Reportage auf ARTE: Berlin baut ein Schloss. Dieser 1. Teil ist aber nur noch bis 18.10 zu sehen. LINK.

  • Hier das Objekt, bzw. Boot der Begierde.


    Ich hatte gestern abend Gelegenheit das Ethnologische Museum zu besuchen. Es ist wirklich beeindruckend, wie die Ausstellung präsentiert wird, ob Afrika, Asien oder Ozeanien. Ich hatte es versäumt Dahlem zu besuchen, von daher weiß ich nicht ob das dort auch schon so war.


    Ganz ehrlich, ich kann mir kaum vorstellen, dass es irgendwo eine Ausstellung gibt die so kritisch die Kolonialzeit behandelt. Die die Sichtweise, der dortigen Völker versucht zu beschreiben und zum Ausdruck zu bringen. Ebenso ist der Ansatz, Gegenwart und Moderne mit einfließen zu lassen spürbar.

    Ich war jedenfalls absolut begeistert und meine Begleitung ebenso.



    Es ärgert mich maßlos mit welcher Ignoranz all diese aufrichtigen Anstrengungen, dieses Thema der Öffentlichkeit nahezubringen, die jahrelangen Detailplanungen, die Kreativität wie diese Ausstellung dargestellt wird, all diese Mühen einfach ignoriert bzw. so wenig honoriert werden. Ebenso auffallend die Freundlichkeit der vielen Mitarbeiter, denen man wirklich anmerkt, dass sie motiviert und aus innerer Überzeugung dort jeden versuchen zu helfen völlig anders als in so manchen Museen, wo mürrisches Personal jeden anraunzt, der einem Gegenstand zu nahe kommt.


    Auch dieses Geblubber - anders kann ich es einfach nicht mehr nennen - die behaupten, diese Ausstellungen würden nicht zum Gebäude passen, sind einfach nur vorgeschoben. Die Vielfalt der Ausstellungen, die das Humboldtforum beinhalten wird, und das Konzept, das ja gerade gerne von vielen verspottet oder in der Luft zerrissen wird, wird mit jeder weiteren Teileröffnung deutlicher und es stimmt mich zuversichtlich, dass das Humboldtforum zu einem wirklich außergewöhnlichen Ort des Aufeinandertreffens von unterschiedlichsten Themen sein wird.. Es ist weit mehr als ein Museum.

    Ich bin davon überzeugt, dass - wenn es gänzlich eröffnet wird, die Außenanlagen fertiggestellt, es auch die entsprechende Wertschätzung erhalten wird.




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    Man könne den Eindruck gewinnen. viele - auch hier - stellen überhaupt die Berechtigungen solcher Ausstellungen in Frage und halten diese per se schon für einen Beweis von Mittäterschaft und Verleugnung.

    Ich denke, dass diese Ausstellungen absolut wichtig sind, und gerade die Tatsache, dass man sie nach Berlin Mitte geholt hat, zeigt doch wie dadurch die Diskussionen vielleicht erst so richtig möglich geworden sind und die Öffentlichkeit erreicht hat.

    Und mal praktisch betrachtet, anscheinend gibt es zigtausende von Raub- oder Kulturgütern - je nach Sichtweise. Es wird selbst nach Rückgaben genug übrigbleiben, was sich lohnt auszustellen.



    Hier noch ein Eindruck vom Schlüterhof, der abends mit Videoinstallationen bespielt wurde.


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  • Theseus532 In Dahlem haben die Ausstellungen im wahrsten Sinne des Wortes ein Randdasein gefristet. Wenige Menschen wohnen in der Ecke und nicht viele verirren sich dorthin. Auch die Gebäudehüllen waren alles andere als spektakulär. Eben Zweckbauten. Innen war es schon etwas anders. Da gab es durchaus attraktive Objekte und Installationen. Allerdings wirkte dort einiges auch etwas zu vollgestopft und unaufgeräumt.


    Das Humboldtforum ist sowohl vom Standort und den Hüllen als auch vom Namen und der Institution her einfach eine ganz andere Liga. Man muss sich da ja eigentlich nur Deine Bilder ansehen, was für einen Glanz dieser Bau ausstrahlt. Für mich ist das jetzt Augenhöhe mit der Museumsinsel oder mit dem (von mir inhaltlich ähnlich geschätzten) Naturkundemuseum. Und das Gleiche gilt auch für die moderne Innengestaltung: Etwa die Südseeboote werden jetzt räumlich ganz anders eingebettet. Und auch die mediale Ausstattung spielt sicher in ganz anderen Sphären (in Dahlem hätte es gar nicht groß gewirkt, irgendwelche Wände zu bestrahlen). Auch sonst will ich Dir Recht geben: Die Objekte und die Diskussion darum sind nun im öffentlichen Bewusstsein angekommen, wo sie mE auch hingehören. Und: Natürlich sollte man bei allen berechtigten Diskussionen auch nicht die Qualität der Ausstellungen vergessen. Ich freue mich jedenfalls schon sehr, wenn ich Zeit für einen ersten Besuch der Innenräume finde.


    P.S.: Eigentlich ist die Bauphase doch jetzt abgeschlossen. Kann man die Diskussion um das Gebäude nun nicht auch ganzheitlich (Hülle und Inhalt) in einem Thread integrieren? Beim BER etwa wurde während der Bauphase auch alles Sonstige sofort verschoben und jetzt wird dort ungestört über ökonomische Aspekte, Langstrecken etc. diskutiert. Es ist mE auch der natürliche Gang der Dinge, dass man da nach der Bauphase nicht mehr differenziert und auch nicht dauerhaft 2 oder mehr Threads nutzen mag. Manche Bauwerke bringen es auch einfach mit sich, dass man da automatisch immer wieder auf den Inhalt zu sprechen kommt.