Humboldt-Forum / Stadtschloss - Der Bauthread

  • ^ Zum einen ist die Metapher vom "Deutschen Tschernobyl" nicht neu, sondern vier Jahre alt – sie war die Reaktion auf Savoys Zerwürfnis mit der Museumsleitung. Von "nun" kann also keine Rede sein. Zum anderen wurde Savoy vor allem dadurch über die Fachgrenzen hinaus bekannt, dass sie den französischen Staat (im Auftrag Emmanuel Macrons) in Restitutionsfragen beraten hat – gemeinsam mit dem senegalesischen Ökonomen Felwine Sarr. Du kannst Dir sicher sein, dass das Humboldtforum in dem Bericht der beiden nicht die geringste Rolle spielte, die Sammlungen des Louvre aber eine große. Nicht zuletzt hat Savoy 2010 ein Buch mit dem Titel "Kunstraub. Napoleons Konfiszierungen in Deutschland und die europäischen Folgen" veröffentlicht – sie hat also sogar zu Deutschland als Opfer geforscht.


    Ich habe oben schon geschrieben, dass ich die Tschernobyl-Metapher auch nicht geglückt finde. Aber hier bist Du bist Savoy gegenüber unfair. Und mit "Die anderen waren doch viel schlimmer!" hat man noch keine Debatte weitergebracht.

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    Es geht nicht um "die anderen waren doch viel schlimmer"sondern darum dass die koloniale Raubkunst in ganz Westeuropa aufgearbeitet werden muss und nicht nur in Berlin.

  • ... vielleicht sollte man noch einen neuen thread über das Innere des Hf einrichten, ich meine jetzt die museale Bespielung betreffend.

    Ich war heute dort, mit meinem Rad und ich durfte hinein mit Rad, an meiner Seite. ich habe mich erst durch die Passage und dann links in den Court bewegt und ... es hat mich bewegt. Längere Zeit habe ich mich in allen vier Ecken aufgehalten um es auf mich wirken zu lassen. Gute Arbeit wurde verrichtet.

    Mir gefällt auch die zeitgenössische Flanke des Schlüterhofs. Bewahrt sie einen doch davor vorzeitig zu ermüden ob der sich immer wiederholenden Bauelemente die diese Renaissance\ Barock-Architekturen immer mit sich bringen. Ich habe mich wohl gefühlt. Gerne hätte ich einen großen Eimer Patina vergossen hier und dort, aber das wird die Zeit verrichten. Hingesetzt und verdaut habe ich das ganze dann auf dem neuen beigefarbenen Gestühl, diesmal das tiefergelegte Modell, draussen vor dem HF mit Blickrichtung auf das Gebirge des Doms und habe interessiert die Leute berachtet die fast schüchtern herbeiströmten. Offenbar spricht sich die Neuigkeit herum.

  • Netter versöhnlicher Beitrag über die Schloss-Fassaden, lieber Camondo.
    Aber "(...zeitgenössische Flanke des Schlüterhofs...) Bewahrt sie einen doch davor vorzeitig zu ermüden ob der sich immer wiederholenden Bauelemente
    die diese Renaissance\ Barock-Architekturen immer mit sich bringen."
    Im Ernst?
    Die sich immer wieder neu in den Details variierenden Barock-Elemente dürften erheblich spannender sein als jede der Fassade,
    die Stella modern ausgestaltet hat. ;)

  • Camondo Vielen Dank für Deinen Beitrag. Wie ich wohl schon mehrfach schrieb, wirkt(e) die Reko bislang teils noch ein wenig wie ein riesiger Fremdkörper auf mich, auch wenn ich die Fassaden extrem wertig und insgesamt auch gelungen finde. Und wie gesagt war ich darüber zunächst sehr überrascht und auch etwas enttäuscht.


    Aber ich denke auch, die Rekos müssen jetzt ganz natürlich altern und zugleich muss die Umgebung endlich zur Ruhe finden und aufleben - mit intaktem Pflaster, angewachsenem Grün und vor allem mit jeder Menge (zunehmend weniger schüchternen) Menschen. Es braucht einfach etwas Alltäglichkeit. Aber das wird kommen, da bin ich inzwischen doch sehr zuversichtlich. Und Dein Beitrag bestätigt diese Erwartung.

  • Stella-Fassade


    Urlaubsbilder aus unserer aufregenden Hauptstadt. 😎🇩🇪


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    Die Fernwirkung der Ostfassade empfinde ich persönlich aus allen Blickwinkeln als ziemlich katastrophal...


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    ...aber aus der Nähe wirkt die Fassade ziemlich hochwertig und, äh, unaufdringlich. 😁


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    Mir gefällt die dezent-moderne Architektursprache des neuen Ensembles incl. der neuen Rathausbrücke:


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    Eine Bebauung des gegenüber liegenden Ufers des Marx-Engels-Forums (rechts im Bild oben) wäre hier sicherlich architektonisch und städtebaulich sehr spannend.


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    pics by 555Farang

  • Berlin wäre nicht Berlin, wenn nicht völlig abgefahrene Ideen, ein Echo in den Medien finden würden.


    Eine Initiative macht sich jetzt - kurz nach der Eröffnung - für den Abriss des Humbold-Forums und den Wiederaufbau des Palastes der Republik stark. Immerhin nicht gleich, sondern bis zum Jahr 2050. Die Initiative heißt: palast.jetzt ist ein eingetragener Verein und hat auch schon eine eigene Webseite. Die Inhalte dort sind angelehnt an die Inhalte des Schloss-Fördervereins.


    Mein Hilferuf an das Forum hier: Ich kann leider nicht unterscheiden, ob das Satire oder durchgeknaller Ernst ist. Aber vielleicht ist es ja auch KUNST. Bitte helft mir.;)


    Ein Artikel dazu gibt es auch in der Berliner Zeitung.

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    pics by 555Farang

    Die Ostfassade ist eine einzige Katastrophe, wenngleich sie (für mich) auch die Zerrissenheit der Stadt reflektiert. Alle Wunden heilen einmal, daher sollte man auch diese "Wunde" heilen lassen, mit einer ausgiebigen Berankung. Das würde auch an den alten Ostflügel erinnern.

  • ^ Die von dir gepostete Situation der Anlieferungsausfahrt hat in der Tat den Charme eines Ausscheidungsorgans. Neben den Anschlussstellen ?? für Löschwasser und dem verbogenen Warnschild fehlen allerdings noch ein paar Müllcontainer, um die Sache perfekt zu machen.

  • Bei der abrissschlossinitiative mit Spendenaufruf für den Wiederaufbau des Palastes der Republik - handelt es sich wohl eher um ein trotziges Satireformat - das stänkernd um Aufmerksamkeit buhlt.

    Der Versuch der Spiegelung der Öffentlichkeitsarbeit der Schlosswiederaufbauinitiative macht das recht deutlich und ist nicht etwa als Zeichen der rationalen Bequemlichkeit und denkfauler Kreativitätslosigkeit misszuverstehen.

    Ich denke die Initiatoren Schöll der berufl irgendwas mit Medien macht und Bargholz bezeichnenderweise Architektin langweilen sich dank Corona und sehen sich als Ergänzung zu Böhmermann oder Zentrum für Politische Schönheit.

    Ich möchte mir nicht ausmalen welche Systemnostalgiker und politisch reaktionären Kreise sich von der Initiative angesprochen fühlen.

    Vermutlich ist das aber alles eingerechneter Teil des argumentativen Spieles nur war der PdR eben viel hässlicher, belangloser und tristesseerzeugender.

    Ich finde es jedoch fraglich den PDR als städtebaulichen Teil einer viel veröderenden Logik aus großspuriger Überweitläufigkeit, und effizienzorientierter standartisierierter Banalisierung von Architektur in fast durchgängig rationalistischer Großbauweise, zum trotzigen Exempel zu stilisieren.


    Diese Architektur passt zu einer Gesinnung der alles individuelle erst mal suspekt ist und in der jeder Einzelne sich zunächst einmal gefälligst als genehm funktionierender und verwertbarer Teil der Gesellschaft innerhalb eines Staates zu verstehen hat -also wes Lied singt dann diese Initiative eigentlich ?


    Als historisches Objekt hatte er durchaus seine Berechtigung und ich hätte den Erhalt der Ostseite als durchaus sinnvoll empfunden. Nun ausgerechnet Meterware trotzig dem künstlerischen Anspruch einer Schlüterfassade gegenüberzustellen und daraus eine konsequente Äquivalenz zu konstruieren finde ich eher befremdlich bis einfältig populistisch.

  • < Sorry, kann jemand mal dieses politisch verbrähmte einseitige, verächtliche, humorlose Genöle löschen! Es ist echt nicht mehr zum aushalten und hat mit Architektur Nichts zu tun. Danke.

  • Da mir im Chat die Kritik der Plattheit entgegengebracht wurde, möchte ich meine nicht ganz unernst gebrauchte Metapher noch etwas erläutern:


    Dieser Lieferzugang als schnöde Zusatzfunktion ohne jeden Reiz müdet in einer Rampe für Autos. Denselben ästhetischen (Un-)Wert haben sichtbare Löschwasserzugänge. Dass all das so nah an die runde Auslucht, also an ein herausstechendes, ornamentiertes Element gepackt wurde, beweist für mich kein gesteigertes architektonisches Geschick. An einem Körper verdeckt man solche Dinge im Höschen. Auf der Nordseite wäre all dies hinter ein paar Bäumen visuell abgemildert worden. Am Schlossplatz indes ist es in der Tat leider eine exponierte Ansammlung von Funktionsausgängen des Gebäudes neben einem Highlight der Fassade.

  • Bei aller Kritik an einzelnen Aspekten dieser Fassadenrekonstruktion, hier seien z.B. Ostflügel und Umgebungsgestaltung beispielhaft genannt, sollte man nicht aus dem Blick verlieren, dass hier durchaus eine Art Wunder zu besichtigen ist; also wenn man dem Projekt positiv gegenübersteht. Für die anderen ist es natürlich eine Katastrophe und man liest ja vieles in der Richtung.


    Ich denke, dass unter den heutigen politischen Rahmenbedingungen dieses Projekt nicht mehr möglich wäre. Umso mehr freue ich mich, dass es tatsächlich Wirklichkeit wurde, sogar mit Kuppel und Abschluss, wer hätte das wirklich gedacht, die Widerstände waren riesig und heute sind sie noch größer.


    Was stören da diese karge Ostfassade und die freudlose Umfeld"gestaltung"? Letztlich führen diese ja nur vor Augen, warum so viele sich die Schlossfassade zurückgewünscht haben und die Sehnsucht nach dem durch Bomben und Abriss Verlorenem so groß ist.


    Was auch immer geschrieben wird, für mich ist dieses Reko-Projekt ein voller Erfolg; Qualität der Fassade, der Kuppel und des Schlüterhofes sind über jeden Zweifel erhaben. Wer das alles hässlich finden möchte, bitteschön. Man kann seinen Kaffee ja auch woanders trinken, der Alex ist nicht weit ...

  • Das Humboldt Forum ist das erste Museum der Welt in dem man als Besucher nicht Exponate würdigt

    sondern der Frage nachgeht wann denn die Objekte wieder das Haus verlassen müssen.


    LOL.


    Das HF ist zweifellos architektonisch, inhaltlich und symbolisch das größte kulturpolitische Desaster der Bundesrepublik Deutschland nach 1990.