Humboldt-Forum / Stadtschloss - Der Bauthread

  • Das Humboldt Forum ist das erste Museum der Welt in dem man als Besucher nicht Exponate würdigt

    sondern der Frage nachgeht wann denn die Objekte wieder das Haus verlassen müssen.

    1. Müsste man hierzu alle Museen der Welt kennen, um eine solche Aussage treffen zu können.

    2. Wenn dem so wäre, dann sollten wir dankbar sein, dass es nun einen Ort gibt, wo über Recht und Unrecht in Zusammenhang mit Kunsterwerb gesprochen wird.


    Ich finde, dass man gerade durch diese Diskussion die Exponate würdigt bzw. die Kulturen, denen sie entstammen.


    Generell empfehle ich, das Museum erst einmal zu besuchen, bevor man so eine harsche Kritik schreibt.

  • ....

    Das HF ist zweifellos architektonisch, inhaltlich und symbolisch das größte kulturpolitische Desaster der Bundesrepublik Deutschland nach 1990.

    ... jetzt sind Sie aber wirklich etwas zu schroff in Ihrer Beurteilung, no?


    weiss jemand was mit den ausserordentlichen Exponaten der Mittel- und Südamerika Abteilungen der Dahlemer Museen passieren soll? Werden die auch hier gezeigt? Immer dreht sich alles nur um die Holzschiffchen und die benin-Bronzen...

  • Ich finde, dass man gerade durch diese Diskussion die Exponate würdigt bzw. die Kulturen, denen sie entstammen.

    Dem kann ich nur zustimmen. Die Diskussion an sich fördert ja bereits die Wahrnehmung des kulturellen Wertes in einer breiteren Öffentlichkeit. Zum anderen wird man sehen, wie sich andere Sammlungen verhalten, z.B. hinsichtlich der Benin-Bronzen.


    In Großbritannien, hat die Johnson-Regierung grade Camerons ehemaligen Schatzkanzler als Chair des Boards of Trustees des British Museums installiert. Ausdrücklich gewünscht ist eine britische Perspektive, auch auf das koloniale Erbe, die Positionen außerhalb der Filterblasen städtischer Eliten vertritt. Ich zitiere nur.


    Osborne ist wie Grütters nicht vom Fach, als Politiker aber qualifizierter und wohl besser vernetzt.

  • weiss jemand was mit den ausserordentlichen Exponaten der Mittel- und Südamerika Abteilungen der Dahlemer Museen passieren soll? Werden die auch hier gezeigt? Immer dreht sich alles nur um die Holzschiffchen und die benin-Bronzen...

    Meinem Verständnis nach sind doch alle Abteilungen der Dahlemer Museen umgezogen.

    Die asiatische Abteilung wird ja auch zu sehen sein, incl. japanischem Teehaus.


    Das Luf Boot soll im Übrigen ja gar nicht zurück, die Nachkommen der ursprünglichen Besitzer freuen sich mehr über die Werbewirkung für ihr Land die das Boot an dem jetzigen Standort entfalten kann...

  • Die Zeit fasst es insgesamt ganz gut zusammen und liegt weitgehend auf meiner Linie.


    Rummelbude


    Fazit:

    Das HF ist Multi-Millionen Irrtum, das unter Architekturfreunden wie Museumskennern nur Kopfschütteln verursacht.

    Das HF ist Ausdruck der Zerrissenheit Berlins und der kulturpolitischen Orientierungslosigkeit Deutschlands.

  • Fazit:

    Das HF ist Multi-Millionen Irrtum, das unter Architekturfreunden nur Kopfschütteln verursacht.

    Nö, Kopfschütteln zumindest bei mir nicht.

    Eine gewisse bzw. teilweise Unzufriedenheit, ja.

    Allerdings deutlich überwiegende Zufriedenheit über das Erreichte.


    Das HF/Schloss ist mit den rekonstruierten Bestandteilen, trotz den "Kröten" u.a. Ostfassade und Umfeldgestaltung, das Beste was dort seit 1950 steht, also in meinem Fall von Kopfschütteln sehr weit entfernt.



    Gruß, Jockel

  • ^ Meine Aussage bedeutet ja nicht, daß der Palast nicht auch etwas hatte.


    Nur was entnehmen wir jetzt deiner Einlassung?

    Bist du bezüglich des HF/Schloss jetzt auch ein Kopfschüttler?



    Gruß, Jockel

  • Fazit:

    Das HF ist Multi-Millionen Irrtum, das unter Architekturfreunden wie Museumskennern nur Kopfschütteln verursacht.

    Das HF ist Ausdruck der Zerrissenheit Berlins und der kulturpolitischen Orientierungslosigkeit Deutschlands.


    Hab mir mal die Mühe gemacht, diesen Zeit-Artikel zu lesen, aber das obige Fazit daraus zu ziehen, ist ziemlich gewagt, da es den Anschein einer sachlichen Analyse erweckt, was genau gar nichts mit dem Artikel selber gemein hat.


    Der Artikel selber ist eine unangenehm ressentimentgeladene Polemik auf Alles rund um das Reko-Projekt unter völligem Fehlen von Sachargumenten, was man natürlich von einer Suada dieser niedrigen Hubraumklasse auch eher nicht erwarten sollte.


    Die Geisteshaltung des Autors, ein Herr Dirk Peitz, Verfasser des Bestsellers "Fernblick: Wie wir uns die Zukunft erzählen", Amazon Bestseller-Rang: Nr. 266693, erschließt sich am besten aus dem folgenden Zitat:


    "Also soziologisch verkürzt gesagt: Lieber Kandidat, bist du Kosmopolit oder eher Hausmeister?"


    Wo sich der Autor da einordnet, kann man sich denken ... erinnert darin auch etwas an: Völkerrechtler oder Schweinemelker?


    Auf mich wirkt das ziemlich arrogant, narzisstisch und letztlich auf eine "komische" Weise stieselig, aber ganz bestimmt nicht irgendwie linksliberal, tolerant und weltoffen, ganz ganz bestimmt nicht!

  • Auf mich wirkt das ziemlich arrogant, narzisstisch und letztlich auf eine "komische" Weise stieselig, aber ganz bestimmt nicht irgendwie linksliberal, tolerant und weltoffen, ganz ganz bestimmt nicht!

    Was dieser Dirk Peitz / DIE ZEIT völlig außer Acht läßt, sind die Zehntausenden von großen und kleinen Spendern, die das Geld für den Barock-Schmuck aus eigener Tasche gezahlt haben.
    Wenn er über "wie bekomme ich mein (Steuer-)Geld zurück" schwadroniert, dann kann er sich also nur auf den modernen Teil beziehen.
    Und da gebe ich ihm sogar ein bißchen recht... 8o

  • Das HF ist Multi-Millionen Irrtum, das unter Architekturfreunden wie Museumskennern nur Kopfschütteln verursacht.

    Ich denke, dass über den Erfolg oder Misserfolg des HF mit den Füßen abgestimmt werden wird. Wenn die in-, und ausländischen Touristen in Postpandemiezeiten wieder vermehrt reisen, wird das HF sicherlich zu den Top-Attraktionen und Fotomotiven der Stadt gehören.


    Natürlich kann man dann über die Kleingeistigkeit und kulturelle Unbildung der provinziellen Besucher zetern, die das Humboldtforum als reine Fotokulisse missbrauchen & auch Disney wird wieder irgendwie eingewoben werden.

    Man kann aber auch einfach mal in seinem architektur-, und kulturtheoretischen Elfenbeinturm etwas weniger eingeschnappt hinnehmen, dass sich nicht alle Mitmenschen immerzu und immerfort, in diesem Ausmaß Gedanken über eine Sache machen können wie die gekränkten Eitelkeiten aus dem Feuilleton, deren ganzer Arbeitstag aus dem Nachdenken über diese Themen besteht.

  • ^Hinzu kommt, dass sich auch der Feuilleton bei massivem internationalen Erfolg meist im Wind dreht und dann irgendwelche hanebüchenen Erklärungen liefert, die das ganze dann doch intellektuell wieder annehmbar machen :D

  • Das HF ist Multi-Millionen Irrtum, das unter Architekturfreunden wie Museumskennern nur Kopfschütteln verursacht.

    das lässt sich sehr einfach widerlegen: ich bin Architekt und schüttle nicht mit dem Kopf. Ebenso kenne ich viele Kollegen, die zwar nicht mit Allem zufrieden sind, die aber dennoch Vieles anerkennen und auch bewundern. Der Argumentationsstil hier verursacht eher Kopfschütteln.

    Das HF ist Ausdruck der Zerrissenheit Berlins und der kulturpolitischen Orientierungslosigkeit Deutschlands.

    Im besten Fall ist ein Gebäude immer Ausdruck seiner Zeit. So gesehen ist das eher ein Argument für das HF, so wie es dort steht.

  • Ach ja, und wer's braucht, und zuviel Zeit hat, dem sei noch dieser Artikel in der Berliner Zeitung anempfohlen.


    https://www.berliner-zeitung.d…hlussstrich-ist-li.172725


    Der Verfasser widerspricht sich schon in der Überschrift und dann gleich wortreich im Artikel.


    Denn ohne das Gesamtkonzept Humboldtforum mit Schlosshülle und Austellungskonzept mitten in der Hauptstadt, hätte es die aktuelle Debatte um Raubkunst und Kolonien gar nicht gegeben.


    Wo waren die KritikerInnen die sich nun lauthals melden, als die selben Objekte noch in Dahlem ausgestellt waren?

  • Ist das HF eine gelungene Reko (im Vergleich zur Frauenkirche) ?

    Nein. Es ist ein verquerer Stilhybrid.


    Nimmt das HF eine städtebauliche Funktion ein wie vor der Sprengung ?

    Nein. Weder funktional als Schloss noch als Baukörper, denn das höchste Bauwerk Berlins, der Fernsehturm, dominiert die Gegend.


    Fügt das HF inhaltlich mit seinen Ausstellungen der Museumslandschaft Berlins etwas hinzu ?

    Nein. Im Gegenteil. Die Ethno-Sammlungen gab es schon vorher und stehen heute medial negativ belastet unter Dauerbeschuss, unter Kolonialismusvorwurf.


    Eignet sich das HF als Touristenmagnet ?

    Ja. Sicher. So wie einst das Currywurstmuseum auch.....

  • Nimmt das HF eine städtebauliche Funktion ein wie vor der Sprengung ?

    Nein. Weder funktional als Schloss noch als Baukörper, denn das höchste Bauwerk Berlins, der Fernsehturm, dominiert die Gegend.

    Ich quote mich mal teilweise: Was hätte man denn bauen können, außer einem modernen Museum. Wie hätte das aussehen können. Experimentell a la Guggenheim Bilbao? Da ich die Entscheidungswege und "Hausarchitekten" der Stadt kenne, hätten wir irgendwas biederes mit Ziegelwerk (a la Herzog&deMeuren) oder irgendne bunte Rasterkiste mit Holzrahmen (a la Sauerbruch Hutton) oder was schweres, graues steinernes (Orter&Orter) bekommen. Vielleicht auch einen Chipperfield, aber ich bin sicher auch dem wäre an der Stelle nichts grandioses eingefallen. Es liegt zu viel Spannung auf dem Schlossplatz. Alles umliegende orientiert sich auf ihn und erzeugt die Erwartung auf einen mächtigen Bau, der zwischen den historischen Anreinern vermittelt. Diese Spannung kann kein modernes Gebäude aufnehmen. Oder kennst du eines, irgendwo?

  • Es liegt zu viel Spannung auf dem Schlossplatz. Alles umliegende orientiert sich auf ihn und erzeugt die Erwartung auf einen mächtigen Bau, der zwischen den historischen Anreinern vermittelt.

    Korrekt.

    Damals korrekt.


    Heute erzeugt der Fernsehturm, der 100 Meter vom HF entfernt steht die städtebauliche Gravitation. Das wurde irrerweise nur nie erwähnt bei all dem Preußen-Reko-Geschwafel.


    Um nicht missverstanden zu werden. Ich bin bin ein Freund von Voll-Rekos am richtigen Standort a la Frauenkirche in Dresden. Selbst das HF hätte tatsächlich seinen Glanz entfalten können. Jedoch nicht mit der heutigen Ausfertigung. Allein der Innenhof wirkt wie ein handwerklich unvollendeter schlechter Witz. Als ob die Bauarbeiter irgendwann gesagt hätten: "Nö, kein Bock mehr, wir brechen ab."


    Wenn man wenigstens ein komplett-historisiertes Fassadenbild anstreben will, müsste man irgendwann die Ostfassade vollständig begrünen. Dann hätte man wenigstens eine Illusion von Märchenschloss. Das würde sogar in eine neue ökologische Philosophie von Städtebau passen, die ich durchaus für anstrebenswert halte.

  • Ist das HF eine gelungene Reko (im Vergleich zur Frauenkirche) ?

    Nein. Es ist ein verquerer Stilhybrid.

    Der Vergleich von Vollreko (Frauenkirche) und (teilweiser) Fassadenreko (Schloss) ist der sprichwörtliche Vergleich von Äpfeln mit Birnen.



    Nimmt das HF eine städtebauliche Funktion ein wie vor der Sprengung ?

    Nein. Weder funktional als Schloss...

    Das Schloss gab es funktional als solches bereits seit 1918 nichtmehr.



    Nimmt das HF eine städtebauliche Funktion ein wie vor der Sprengung ?

    Nein. ...noch als Baukörper, denn das höchste Bauwerk Berlins, der Fernsehturm, dominiert die Gegend.

    Von Unter den Linden gesehen empfinde zumindest ich den Baukörper als wohltuende und vorallem entscheidende Dominante.

    Der Fernsehturm zerstört mir meinen Eindruck dabei nicht bis ins unerträgliche.



    Fügt das HF inhaltlich mit seinen Ausstellungen der Museumslandschaft Berlins etwas hinzu ?

    Nein. Im Gegenteil. Die Ethno-Sammlungen gab es schon vorher...

    Ob der Museumslandschaft Berlins etwas hinzugefügt wird kann ich (noch) nicht beurteilen, allerdings der Museumslandschaft Museumsinsel ganz sicher. Und das macht speziell die Museumsinsel um einiges wertvoller (und die aus Dahlem kommenden Objekte wahrscheinlich auch).



    Die Ethno-Sammlungen gab es schon vorher und stehen heute medial negativ belastet unter Dauerbeschuss, unter Kolonialismusvorwurf.

    Daß der Umzug der Sammlungen diese Diskussion mehr in den Fokus gerückt hat ist unbestritten und was man davon halten will muß jeder für sich entscheiden.

    Nur den Wert des Gebäudes HF/Schloss auch an dieser Diskussion zu bemessen halte ich persönlich dagegen für reichlich verquer.



    Eignet sich das HF als Touristenmagnet ?

    Ja. Sicher. So wie einst das Currywurstmuseum auch.....

    Dazu fielen mir jetzt nur patzige Antworten ein...

    ...die mir meine gute Erziehung jedoch verbieten.



    P.S.: Immerhin wage ich deinen Einlassungen zu entnehmen, daß der Baukörper Schloss von Unter der Linden gesehen für dich einigermaßen erträglich wäre, würde man nur den Fernsehturm beseitigen, das wäre dann ja wenigstens eine Aussage.




    Gruß, Jockel