Humboldt-Forum / Stadtschloss - Der Bauthread

  • Der Schloss-Förderverein hat seinen Mitgliedern und Spenderneine DVD mit einer Simulation des Gigantentreppenhauses zukommen lassen.

    Recht gut gemacht, wenn auch etwas unterbelichtet.
    Mit der Großzügigkeit des Treppenhauses von der Würzburger Residenz kann das Gigantentreppenhaus bei weitem nicht konkurrieren.
    Interessant ist es trotzdem! ;)

  • Camondo:


    Ihre Ironie habe ich wohl bemerkt. Ist o.K. Tut mir leid, wenn mein Beitrag besserwisserisch wirken sollte. Das war nicht beabsichtigt. Meine Finger sind gut in Schuss! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in einer dialektischen Streitkultur die Beiträge möglichst konkret, sachlich und begründet sein sollten. Nur so entsteht eine fruchtbare, lernintensive Atmosphäre, jedenfalls für mich. Das ist mein Ziel. Deshalb freue ich mich über die letzten aktuellen Beiträge über die Gigantentreppe, von denen ich wieder einiges über barocke Architektur und Treppenhäuser gelernt habe.

  • Wie bereits in #1.086 erläutert, halte es nach wie vor für einen Fehler, dass man nicht alle schlüterschen Treppenhäuser bereits in einen nutzbaren Rohbauzustand wiederhergestellt hat. Diese Maßnahmen wären sicherlich für einen einstelligen Millionenbetrag zu haben gewesen und hätten dem Bau endlich eine attraktive vertikale Erschließung beschert.

    Die beiden wichtigsten Treppenhäuser - das neben dem Eosander-Portal III und das Gigantentreppenhaus - waren Kompromisse.
    Das Schlütersche war eine Erweiterung der Rennaissance-Treppenanlage mit Wendelstein (für die Fußgänger) und einem flachen Aufgang für die Reiter, damit diese per Pferd in den Rittersaal kommen konnten. Daher waren die Schlüterschen Treppen auch recht flach aber dafür beidseitig des Eingangs.
    Das Eosander-Treppenhaus war ursprünglich nur zur Erschließung der Königswohnung gedacht, die nach den Plänen Eosander von Göthe in der Belle Ètage sein sollte und hatte den Nachteil viel zu kleiner Fenster.
    Für die Erschließung des späteren "Weißen Saales" war sie keine optimale Lösung.

    Zahlreiche Rekonstruktionsbeispiele zeigen, dass sich die Arbeiten über einige Jahre, oder sogar Jahrzehnte hinziehen werden.

    Stimmt! Ein gutes Beispiel ist das Königsschloss in Dresden, bei dem mit dem schrittweisen Wiederaufbau schon zu DDR-Zeiten begonnen wurde.
    Obwohl hier einige Zeitschichten recht eigenwillig verquirrlt wurden, kann sich das Ergebnis nach 40 Jahren (!) Rekonstruktionsarbeit sehen lassen!

  • ^ Ich meinte mit meiner Äußerung keine Treppenhäuser im Sinne einer Rekonstruktionen als Selbstzweck, sondern als funktionaler, kommunikativer und typologischer Bestandteil der Nutzung als Erschließungsraum.


    Eine der größten architektonischen Schwächen des Humboldtforums, ist das Fehlen von attraktiven Erschließungs- und Kommunikationsräumen. Bislang habe ich in den Fotostrecken noch keinen Innenraum gesehen, der in irgendeiner Weise ein spezifischer Raum wäre, der einen Wiedererkennungswert und einen eigenen Charakter hätte. Das Foyer hat für mich kaum Aufenhaltsqualität, die gestapelte Rolltreppenorgie im Querflügel an der Passage, hat kaum eine Raumwirkung und erinnert eher an eine Messehalle oder Kaufhaus. Eine Lösung wie beim Neuen Museum, oder Brandenburger Landtag, hätte ich mir daher gut vorstellen können.


    Dies ist auch zugleich meine größte Kritik am dogmatischen Rekonstruktionslager - da geht es viel zu oft um ein Bild von vergangener Architektur und nicht um deren Inhalte. Dann wird hierzu noch fälschlicherweise das Portal III als "Hauptportal" bezeichnet. Schlüters Fassaden, die Risalite des Schlüterhofes, die Treppenführungen, die Gestalt der äußeren Portale, die räumlichen Durchdringungen - das bedingte sich alles gegenseitig. Die Paradesäle (Schweizer Saal, Elisabethsaal, Rittersaal) waren unmittelbar mit der Architektur der Fassaden und der angrenzenden Treppenhäuser verbunden. Diese wiederum mit den Portaldurchgängen. Fassaden, Treppen und Innenräume waren miteinander verschachtelt. Nicht zuletzt darum, war das Berliner Schloss besonders.


    Neumann platzierte seine Treppenhäuser in Würzburg und Brühl seitlich im Corps de Logis, man betrat sie erst durch ein Vestibül als zentralen Raum. Die Fassaden wurden einfach über das Treppenhaus hinweg durchgerastert und waren autonom. Das Treppenhaus war direkt belichtet.

    Schlüters Treppenhäuser lagen hingehen inmitten des Corps de Logis bzw. Portals, unter oder direkt angrenzend an den Paradesälen. Die Podeste bildeten eine Art Vestibül, was sich durch Balkone in den Fassaden zeigt. Zudem lagen die Paraderäume noch ein Geschoss höher als bei Neumann und sämtliche Treppenläufe schnitten die Fassaden. Insofern waren Schlüters Treppenhäuser weniger prachtvoll und raumgreifend, aber räumlich intelligenter gelöst und mit der restlichen Architektur verzahnt. Ohne sie sähe der Schlüterhof heute deutlich anders aus.


    (Der große Risalit hatte mit der nötigen Wandgliederung eines Saales seine starke Durchfensterung und die Balken-Pfeiler-Tektonik nicht erhalten. Die kleinen Risalite hätten keine betonte vertikale Mittelachse mit geschlossenen Flanken und verspingenden Fenster.)

  • Schnief;(. Gerade habe ich festgestellt, dass die Webcams des Berliner Humboldforums/Schlosses abgeschaltet wurden. Sie waren über Jahre hinweg immer einen Blick wert, um Baufortschritt (oder Wetter) am Schlossneubau zu beobachten. Die Webseite mit dem Archiv gibt es zwar noch, aber keine aktuellen Ansichten mehr.

  • Die webcams wären auch in diesem und vielleicht im nächsten Jahr noch sinnvoll für die Beobachtung.

    im Frühsommer werden am Eosanderportal III zwei große Bronze-Reliefplatten angebracht. Diese sind z. Zt. in Arbeit. Sie zeigen dann die Gründung des Renaissance Schlosses sowie der Präsentation des Modells des Barock-Schlosses durch Schüter. Zur selben Zeit wird die große Wappenkartusche mittig über dem Portal installiert. Weiteres Ereignis von Interesse wäre die Fortführung der bereits vorgesehenen Terrasse nach Westen auf der Nordseite zum Lustgarten. Ebenfalls ein lohnendes Ereignis wäre die Rückführung und Montage des Neptunbrunnens und schließlich die Rückführung der Rossebändiger vor Portal IV. (Ich kann´s einfach nicht lassen , das anzumahnen ähnlich wie der alte römische Senator Cato, wenn auch in meinem miserablen Latein: "CETERUM CENSEO ARTEFACTA EQUORUM ET FONTIS NEPTUNI RESTITUENDA SUNT" Sei´s drum!

  • Ja aber dadurch wird's auch nicht besser, dass Du nicht anders kannst. Recht eigentlich bewirkt es das Gegenteil, bei mir jedenfalls. Und wenn Du schon Senatoren zitierst... stell Dich doch zur Wahl, vielleicht hilfts mehr.?( ... und das was Du wiedereinmal ansprichst betrifft die Freiraumgestaltung und nicht den Bau des Humboldtforums, auf den die Kameras gerichtet waren, von den Bronzekartouchen abgesehen. Aber für deren Anbringung wird man höchstens einen Tag benötigen. Insgeheim zwingt sich mir der Verdacht auf, dass die Ablehnung des Flussschwimmbades in Zusammenhang mit dem Wunsch einer historischen Wiederherstellung des Schlossumfeldes steht. Wen dem so ist ist sollte man dies auch genauso sagen. Aber nicht hier im Bauthread Strang.

  • .... sehr schöne Bilder. zum letzten Bild: Ich habe ja ein Faible für diesen italienischen 'Neoklassizismus'. Man könnte noch überlegen ob man die Ecken der Ostfassade, oben nicht noch speziell betonen sollte. Ich denke da an grosse Feuerschalen und was Räucherwerk ... kommt bestimmt gut.... und ich erinnere mich, dass Forumsmitglied Architektur-Fan die Köpfe von bekannten Persönlichkeiten in den Fensternischen präsentieren wollte ..:/

  • Ich könnte mir auch Thoraks Pferde auf dieser Seite vorstellen das würde dem Bau an dieser Seite sogar irgendwie stehen und wäre durch das Berlin Museum sogar vermittelbar - nur fraglich ob man mit solchen Dekorationen dem Bau mit seinem technokratischen Klassizismus nicht unabsichtlich eine hoch Kontroverse Anmutung gibt die mir, gerade auf das Humboldt-Forum bezogen, zutiefst fragwürdig erscheint.


    Feuerschalen auf den Ecken hingegen, kann ich mir hier schwer vorstellen ich denke die ließen den Bau schnell wie einen Kabinettschrank wirken, aber vielleicht war das ja auch Ironie.


    Da wären mir Buddybären Skulpturen von Niki de Saint Phalle oder Jeff Coons fast lieber.


    Die hätten sogar etwas von barocker Lebenslust als poppige Fortführung der Barockfassade von Schlüter und würden mit dem gewollten Bruch diese klassizistische Strenge konterkarieren was durchaus seinen Reiz hätte.

  • ^

    Auch wenn du das hier eher herausfordernd meinst - Breker war leider wie Michelangelo etc Opportunist vor der Macht - seine Bildhauerei ist durchaus vielseitig auch in der Qualität. Die eher expressiven Skulpturen von ihm sind wirklich hochwertig - die Totenmaske und Büste von seinem Freund Liebermann z.b.


    Sollte man solchen Überlegungen überhaupt ernsthaft nachhängen wollen wären Skulpturen von Breker allerdings nur eher dokumentarisch im Verbund mit anderen Historischen bildhauerwerken wie z.b den eingelagerten Löwen von der Kaserne der Garde-Dragoner Alexandrinenstrasse oder dem Münzfries als aussendarstellung des Berlinmuseums zu vermitteln.


    Hier rein dekorative Ansätze zu verfolgen halte ich für eher problematisch und kann niemand ernsthaft in Betracht ziehen.

  • Camondo:


    also mal wieder zur Klarstellung:

    Deine Unterstellung, ich könnte das Flussschwimmbad ablehnen, ist falsch. Ich habe gar nichts gegen die Planschbeckenanlage, im Gegenteil. Ich sehe darin einen erfrischenden Akzent im Stadtzentrum und keinen Zusammenhang mit dem sonstigen Umfeld.


    Die kompromisslos harte Teilung des Projektes „Wiederaufbau des Berliner Schlosses“ in den reinen Gebäudeteil, verantwortlich der Bund, und andererseits den Freiraumteil, verantwortlich die Stadt Berlin, halte ich nach wie vor für einen großen Fehler der Projektplanung. Hier wird das großartige, zusammenhängende und in sich abgestimmte Ensemble der Museumsinsel rücksichtslos, lediglich aus formalen Gründen des Grundstücksbesitzes, von zwei völlig unterschiedlich denkenden und gegeneinander agierenden Bauherren rechthaberisch vertreten und gegeneinander ausgespielt. Der Neptunbrunnen und die Rossebändiger wären zwar auf der Gemarkung der Stadt (als Freiraum), sie gehören aber zweifelsfrei in der künstlerischen Zuordnung unmittelbar zu den Portalen II und IV des Bauwerks. Deshalb erlaube ich mir auch Kommentare, die über die engstirnigen und eitlen Zuständigkeitsgrenzen hinausgehen.

  • Bauaesthet


    Ich habe die Teilung der Bereiche Humboldtforum von der Freiraumgestaltung nicht vorgenommen somit auch nicht zu verantworten auch wenn Du es dir nicht vorstellen kannst, soweit reicht meine Kompetenz nun doch nicht. Weder in der Planungspraxis noch hier im Forum. Aber dadurch, dass Du dich partout hier im Forum nicht an diese vorgegebene Struktur halten willst, ständig deine Meinung zur Freiraumgestaltung im dafür nicht vorgesehenen Bauthread Strang postest, erschwerst Du persönlich die Diskussion darüber ganz bewusst, ungemein.


    Es mag ja sein, dass Du persönlich diese Teilung ablehnst, aber dadurch, dass Du Dich nicht an Strukturen hälst, erweist Du Deinem Anliegen vielleicht einen Bärendienst, denn Du kannst nicht voraussetzen, dass alle hier Deine Meinung teilen.

  • Stellen Sie sich vor, es wird eine Brücke über den Rhein gebaut. Die Stelle und die Anschlüsse werden zwischen Schweizern und Deutschen vereinbart. Jeder legt los auf einer Seite mit Planung und Realisierung. Dann stellt man fest, dass die Schweizer mit ihrem Teil ca. 1 m höher in der Mitte angekommen sind als die Deutschen. Das ist angeblich vorgekommen, in Stein am Rhein. Es lag daran, dass die Höhe 0 in der Schweiz vom Mittelmeer gemessen wird, in Deutschland von der Nordsee. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber das kann passieren, wenn jeder sich ausschließlich an seiner Zuständigkeit orientiert und somit auf sein unbestreitbares Recht pocht. Es führt zu einem Denken in ideologisch bestimmten, eigenmächtigen und rücksichtslosen "Denkgefängnissen"

    Alles sind Fragen der Funktion, der Technik, auch der Ästhetik - und besonders sind es Fragen des Wollens, der Kooperations- und Kompromissbereitschaft und der konstruktiven und konkreten Kommunikation!

  • @ Camondo:

    "Ich denke da an grosse Feuerschalen und ..."


    Große Feuerschalen rechts und links oben auf dem Dach der Ostfassade wären mir wahrscheinlich zu dominant. Aber sie könnten im unteren Treppen- bzw. Rampenverlauf eine gute Wirkung haben.

    Als Beispiel fällt mir die Grabkapelle der Königin Katharina in Stuttgart ein.

    Du solltest aber Verständnis haben, wenn ich dabei jetzt schon wieder vom Bauthread hinüber zum Freiraum gesprungen bin.




    https://th.bing.com/th/id/OIP.…&c=7&o=5&dpr=1.65&pid=1.7


    Mod: Wegen mangelnder Quellenangabe geurlt.

  • Zug vor Schloss

    Ein wahrlich rarer Anblick, dass alle hier sichtbaren Fassaden, Bode Museum UND beide Flügel des Pergamon Museums frei von Gerüst sind!! Und die Schlosskuppel als Sahnehäubchen.


    Den ICE könnte man durch eine schöne preußische T12 ersetzen, dann wär's wie zu Kaisers Zeiten ;)