Humboldt-Forum / Stadtschloss - Der Bauthread

  • Wilhelm von Boddien ist ein begeisterungsfähiger Mensch mit Charme und Feuereifer.
    Es sei ihm gegönnt und verziehen, wenn er mal übers Ziel hinausschießt.
    Er hat ja auch gegenüber den "Fundamentalisten", die lieber das Schloß ganz (incl. Rennaissance-Ostseite) oder gar nicht wollten,
    den Stella-Entwurf verteidigt.
    Wär er nicht so, wie er ist, die Schlossfassade wäre nie gekommen! ;)

  • Es ist gut und richtig, dass der Förderverein für die Gigantentreppe Spenden sammelt. Es geht um den Zeitpunkt, den Kontext und die Art und Weise, dieses Anliegen zu platzieren. Wenn ich von jemanden was will, der am längeren Hebel sitzt, muss ich mich anpassen, um es zu erreichen. Das hat mit freier Meinungsäußerung nichts zu tun und ist ein Totschlagargument.


    Wenn ich im Einzelhandel oder der Veranstaltungsbranche arbeiten würde, käme ich aktuell auch nicht auf die Idee nach einer Gehaltserhöhung zu fragen.

  • Herr von Boddien ist ein freier und selbstständiger Bürger. Er ist nicht darauf angewiesen, beim Bund oder beim Senat um eine Gehaltserhöhung zu bitten! Er hat sich nicht wegen irgendwelcher längerer Hebel angepasst, wohl aber immer wieder viel taktisches Geschick bewiesen. Seiner Begeisterung, seinem Engagement, seiner geduldigen Überzeugungsarbeit und seinem geschickten Marketing haben wir es zu verdanken, dass es dieses eindrucksvolle dominante Bauwerk und das Forum in Berlin überhaupt gibt. Nur ein Mensch mit starkem Willen, großer Ausdauer und Überzeugungskraft konnte es schaffen, das Projekt gegen zahlreiche Widerstände, Anfeindungen und unsachliche Polemik durchzusetzen. Dass dabei im Eifer des 20jährigen Meinungskampfes auch mal Fehler passieren können, ist zu vernachlässigen.

    Die unzähligen Klein- und Großspender, Sponsoren und Mäzene haben nicht nur 105 Mio. Euro für Fassaden und Portale zusammengetragen und diese komplett finanziert, sondern aktuell darüber hinaus schon 4,5 Mio. € für 26 Balustradenfiguren gespendet und dazu jetzt schon 15 Mio. € für die Gigantentreppe inoffiziell, aber verbindlich zugesagt. Ich kenne persönlich Spender, die jetzt nur auf die Genehmigung dieses Teilprojektes warten, um ebenfalls zu spenden. Eben ist die Bereitschaft zur Rekonstruktion auch dieses einmaligen Raum-Kunstwerks Schlüters tatsächlich so groß, dass sie realistisch und in relativ kurzer Zeit machbar ist. Wer diese augenblickliche Dynamik jetzt ausbremsen will und auf viele Jahre hinausschieben möchte, der will eigentlich die Rekonstruktion der Gigantentreppe überhaupt vermeiden und zwar aufgrund seiner grundsätzlich ablehnenden Haltung gegenüber der Treppenanlage und wohl auch weiterhin gegenüber dem gesamten Bauwerk. Dazu hat natürlich jeder das Recht und das respektiere ich. Aber das sollen die Gegner dann offen sagen und keinen kleinkarierten Nebenkriegsschauplatz wegen einer Mauerbrüstung eröffnen oder sich verärgert auf Boddien-Bashing zu verlegen.


    Mod: Sinnloses Vollzitat des Vorposts gelöscht.

  • Wer diese augenblickliche Dynamik jetzt ausbremsen will und auf viele Jahre hinausschieben möchte, der will eigentlich die Rekonstruktion der Gigantentreppe überhaupt vermeiden ...

    Das Argument kann ich schon nachvollziehen. Ich finde zwar prinzipiell dass mit der Bautätigkeit auch mal eine Pause eingelegt werden sollte um sich erstmal am fertigen Ist-Zustand erfreuen zu können, andererseits wird eh bis 2025 auf der Museumsinsel weitergebaut und saniert, da kommt es auf ein "Treppenhaus" mehr oder weniger auch nicht mehr an...


    Visionäre wie Herr Bodien ziehen aber gern auch mal Scheuklappen über..


    @ Bauaesthet: Wann haben Sie denn zuletzt das Humboldt Forum und seine Umgebung besucht ? Wenn Ihnen allen angeblich so viel an der Stadtreparatur in der Mitte Berlins liegt, warum ging bisher kein Aufschrei durch die Gemeinde weil die Ostseite des Marstalls quasi in die Spree abzurutschen droht??

    Ist noch keinem der großen Schlossfreunde aufgefallen??

    Da wären die Millionen wesentlich dringender benötigt als innerhalb eines neuen Gebäudes weitere Einbauten vorzunehmen.


    Daraus nehme ich als Erkenntnis mit: Die Reparatur der Mitte Berlins ist im Grunde komplett wurscht, es ging und geht einzig und allein darum den Hohenzollernpalast zu fetischisieren...

  • TwistedRoad: Es ist eben so, dass Stadtentwicklung und notwendige Reparatur nicht nur die schönen und repräsentativen Orte und Objekte betrifft, sondern auch die vernachlässigten Hinterhöfe, Schmutzecken und die Versorgungsleitungen unter der Erde. Dafür werden wir aber keine begeisterten gesamtdeutschen und internationalen Spender hinter ihren Öfen hervorlocken! Die Stadtverwaltung muss sich eben um die unangenehmen und unscheinbaren Reparaturen selbst kümmern und finanzieren und die öffentlich wirksamen zumindest unterstützen oder tolerieren, insbesondere wenn Spender dazu die Gelder aufbringen (für die Gigantentreppe sind die rohbauseitigen Vorleistungen bereits getroffen!). Ich bin jedes Jahr öfter in Berlin, habe Verwandte und Freunde hier, und Berlin ist mir ans Herz gewachsen, aber ich gebe zu, eine verrostete Gasleitung erwärmt nicht mein Herz, es sei denn sie wird für den Neptunbrunnen aus dem Weg geräumt. Herr von Boddien ist kein Messias, aber er tut sein Bestes mit großem Erfolg. Das sollte man nicht zynisch lächerlich machen und nach persönlichen Macken suchen. Und das Humboldtforum ist ein großer Gewinn ohne jeden Fetischismus, aber auch ohne Rundum-Verteufelung wie zu Zeiten Ulbrichts!

  • Ich würde jetzt nicht so viel Energie auf einen schlecht recherchierten Artikel von Ralf Schönball im Tagesspiegel verschwenden. Die genauen Standpunkte sind doch völlig unklar. Im selben Artikel wird auch geschrieben, durch die Spenden des Schlossvereins sei das Dachrestaurant ermöglicht worden...

  • Um ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen:


    Der heutige Skulpturensaal, wo die einstige Gigantentreppe liegen würde, hat Bestandsschutz bis 2023.
    An eine Rückkehr wäre also sowieso erst nach 2023 zu denken.

  • Da der Begriff der Bürgerteiligung in der aktuellen Politik immer gerne in den Vordergrund gerückt wird, finde ich in diesem Zusammenhang eines besonders bemerkenswert. Dass pauschale Forderungen und gerne auch von Bürgern nörgelnd vorgetragende Forderungen gerne als Referenz für politisches Handeln geführt werden, ist an sich zunächst mal legitim. Dass im Falle des Humboldtforums Wünsche von Bürgern mit der Bereitschaft verbunden sind, ihre Vision mit mehr als nur einer Forderung an die Politik zu verknüpfen, finde ich beachtlich. Wenn Menschen auch mal etwas zu geben haben, für das sie brennen, und seien es die ganzen 50 Euro-Scheine, dann erscheint mir das als eine konstruktive Form von Zeitgeist in Zeiten, in denen die Politik immer und alles richten soll. Zumal in diesem Fall etwas nach den individuellen Mitteln finanziell aktiv mitgetragen wird, das durch demokratischen Beschluss legitimiert wurde.

    Warum wir aktuell große Eile wegen der Gigantentreppe spüren sollten, ist mir allerdings auch schleierhaft.

  • Eine detaillierte Arbeitsplanung könnte unverzüglich beginnen. Im Unterschied zur Gebäudefassade, bei der die figurativen Sandsteinelemente fest und zeitlich abgestimmt in das entstehende Mauerwerk eingefügt werden, können die (großenteils) nicht tragenden Gipsfiguren und andere Elemente der Treppenanlage in den Werkstätten montagegerecht vorgefertigt werden. Dadurch könnte schon 2022 und nach Ende des Bestandschutzes viel Zeit gewonnen werden.

  • An eine Rückkehr wäre also sowieso erst nach 2023 zu denken.

    Eher als 2023 wird das Geld auch nicht gesammelt worden sein. Solch ein Projekt braucht immer eine Vorlaufzeit.

    Die Finanzierung der Schlossfassade und der Kuppel durch private Spenden ist an sich schon ein kleines Wunder:
    Zwar wurde für die Dresdner Frauenkirche ein vergleichbarer Betrag gesammelt; hier waren aber das Land Sachsen und die Dresdener Bank
    ganz erheblich beteiligt.
    Dass einmal Bayern, Schwaben, Hessen, Hanseaten und Rheinländer für ein preussisches Monument freiwillig zahlen würden, das ist schon bemerkenswert!
    :thumbup:8)

  • Ich denke da besteht aktuell kein Handlungsbedarf. An den Fassaden selbst fehlt noch so Vieles. Und ich möchte wirklich erstmal das Konzept des Humboldt Forums verstehen und erleben. Dann wird sich weisen ob man es sich leisten kann das ganze wieder auf unabsehbare Zeit zuzusperren um ein sinnentleertes Treppenhaus auf Kosten von Nutzungsfläche, einzubauen. Da hege ich grosse Zweifel und möchte es auch so ganz schliçht, als 'Bürger' nicht!

    Die 'Restaurationssfreunde' werden nicht eher Ruhe geben, bis die ganze Kiste wie sie zu Kaisers Zeiten Innen und Aussen dastand, wiederhergestellt ist. Das jedoch war niemals die Geschäftsgrundlage. Da sollte man also besrändig ein Auge drauf haben.

  • [...] Aber das sollen die Gegner dann offen sagen und keinen kleinkarierten Nebenkriegsschauplatz wegen einer Mauerbrüstung eröffnen oder sich verärgert auf Boddien-Bashing zu verlegen

    Das mich manche "Rekonstruktions-Hardliner" zu Ihren "Gegnern" zählen, nur weil ich nicht immer mit dem Förderverein einer Meinung bin, das schlütersche Schloss dem kaiserlichen vorziehe und den städtebaulichen Vorkriegs- und Istzustand für verbesserungsfähig halte, daran hab ich mich langsam gewöhnt.


    Bezüglich der aktuellen Spendendynamik gebe ich Ihnen recht. Vielleicht stimmen wir darin überein, dass die Aussichten einer zeitnahen Realisierung ohne Verzögerungen und Kostenüberschreitungen, besser stünden.


    Wie bereits in #1.086 erläutert, halte es nach wie vor für einen Fehler, dass man nicht alle schlüterschen Treppenhäuser bereits in einen nutzbaren Rohbauzustand wiederhergestellt hat. Diese Maßnahmen wären sicherlich für einen einstelligen Millionenbetrag zu haben gewesen und hätten dem Bau endlich eine attraktive vertikale Erschließung beschert. Zudem hätte es den einmaligen Vorteil gehabt das Raumerlebnis bereits zu erfahren und schrittweise mit der Wiederherstellung einzelner Raumpartien anfangen zu können. Wie andernorts zu sehen, wäre so ein Zustand ironischerweise gerade für die "Reko-Hardliner" nur schwer ertragbar. Aber am Ende ist man immer schlauer...

    Zahlreiche Rekonstruktionsbeispiele zeigen, dass sich die Arbeiten über einige Jahre, oder sogar Jahrzehnte hinziehen werden. Um die aktuelle Skulpturenhalle wieder in den Rohbauzustand zu versetzten, wird der Bund sicherlich erst einmal kein grünes Licht geben und den Betrieb einige Zeit sicherstellen.

  • Dass im Falle des Humboldtforums Wünsche von Bürgern mit der Bereitschaft verbunden sind, ihre Vision mit mehr als nur einer Forderung an die Politik zu verknüpfen, finde ich beachtlich. Wenn Menschen auch mal etwas zu geben haben, für das sie brennen, und seien es die ganzen 50 Euro-Scheine, dann erscheint mir das als eine konstruktive Form von Zeitgeist in Zeiten, in denen die Politik immer und alles richten soll...

    Für viele Spender mag dies zutreffen, bei manchem Großspender sehe ich das als getarnten Lobbyismus an, nach dem Motto "wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing". Das Kuppelkreuz gilt mir als Beispiel.

  • Um die aktuelle Skulpturenhalle wieder in den Rohbauzustand zu versetzten, wird der Bund sicherlich erst einmal kein grünes Licht geben und den Betrieb einige Zeit sicherstellen.

    Ich stimme mit Ihnen weitgehend überein. Die aktuelle Skulpturenhalle ist jetzt bereits in einen entsprechend der Gigantentreppe eingemessenem Rohbauzustand. Das ist vorausschauend schon berücksichtigt. Es muss natürlich auch nicht gehetzt werden.

  • Als Zwischenllösung könnte man die Gigantentreppe (als auch weitere ursprüngliche innere Teile des Schlosses) auch virtuell erlebbar machen, das gab es zuletzt im Neuen Museum, dort konnte man das ursprüngliche Vestibül virtuell mit 3 D Brille "begehen".

  • hallo Camondo, #1.431

    Verständnis für Ihre Bedenken habe ich, doch vielleicht kann ich etwas zur Klärung beitragen:


    Wenn z. B. ein Entscheider oder kritischer Beobachter sagen würde: Ich finde die pompöse Barocktreppe pothässlich, oder: dieser Baustil von anno tobak ist einfach unpassend und nicht mehr zeitgemäß, oder: das ist horrend teuer und wir, Bund und Berlin, können uns das nicht leisten, dem würde ich zwar nicht zustimmen, könnte es aber verstehen, doch so haben Sie nicht argumentiert. Deshalb zu Ihren Bedenken:

    • „… aktuell kein Handlungsbedarf“ – Wenn dieses Zeitfenster der Spendenbereitschaft (älterer Menschen) und Genehmigung aktuell nicht genutzt wird, ist die Chance der Wiedergewinnung des Gigantentreppenhauses (GTH) wohl endgültig verpasst, obwohl es nur um die Genehmigung geht und eine volle Finanzierung aus Spenden vorgesehen und mit Sicherheit jetzt möglich wäre.
    • „…an den Fassaden fehlt noch so Vieles“ – Die wenigen noch fehlenden Teile der Fassade sind Bronzeplatten, Balusterfiguren und Portaldurchgänge. Alle sind erfasst, geplant, großenteils in Arbeit, weitgehend finanziert und werden in diesem Jahr installiert.
    • „… ob man es sich leisten kann, das ganze wieder auf unabsehbare Zeit zuzusperren“ –
      Der Zeitplan würde vorsehen, dass die Vorplanung und Detailplanung bis 2023 laufen würde (= Ende des Bestandsschutzes) und dass bis 2024 ein großer Teil der Figuren und Ausbauteile in Werkstätten montagefertig vorgefertigt werden könnten. Da keine tragenden Teile dabei sind, könnte die Montage sehr zügig erfolgen.
    • „… Sinnentleertes Treppenhaus“ – Der Sinn liegt m.E. darin, ein Kunstwerk, das nach Meinung der Fachwelt das wohl schönste und kunstvollste Barocktreppenhaus Europas gewesen war, in direktem baulichen Anschluss mit Portal VI und in Stil-Zusammenhang mit dem Schlüterhof wiederzugewinnen – und das in nachweislich erstklassiger Rekonstruktion (was die Fassaden beweisen).
    • „… auf Kosten der Nutzfläche“. Das GTH würde im Figurensaal (Lapidarium) eingebaut. Dieser Raum ist vom Architekten bauseits für das GTH reserviert, als Leerraum gestaltet und entsprechend eingemessen. Der Einbau wäre für einen störungsfreien Museumsbetrieb entkoppelt möglich.
    • „…die ganze Kiste wie sie zu Kaisers Zeiten Innen und Aussen dastand“ – Vielleicht sollten wir nicht immer die Kaiserzeiten als Schreckgespenst zitieren. Das GTH wurde 1701 eingeweiht als Hauptkunstwerk des Schlosses und Repräsentationssymbol Friedrich I, des ersten Königs. Das Kunstwerk spräche heute aber allein für sich selbst und für A. Schlüter.
    • Es ist ohne Frage, dass das Humboldtforum mit dem Raumprogramm ein moderner Museumsbau ist und bleiben muss. Dazu stehen Bund, Stiftungsrat und Förderverein. Es gibt keine Absicht oder Wünsche irgendwelcher Entscheider oder autorisierten Organe für einen schleichenden historischen Ausbau. Ja, darauf sollte man tatsächlich weiterhin ein Auge haben.
  • < Nun wenn das alles so easy und klar und selbstverständlich ist, frage ich mich warum sich Menschen wie Sie hier immer wieder die Finger wundschreiben müssen und nicht längst in den zuständigen Gremien sitzen um das glorreiche Werk Ihren Wünschen entsprechend zu vollbringen.


    ps. Das 'schönste und kunstvollste' Barocktreppenhaus aller Zeiten, soll doch das von Balthasar Neumann in Schloss Augustusburg bei Brühl sein, so wurde es jedenfalls Jahrzehnte lang kolportiert als es noch offizielles Schloss für Staatsempfänge der Bonner Republik war.... so schnell ändern sich wohl die Geschmäcker ... aber das Berliner Schloss soll ja auch das grösste und schönste Barockschloss nördlich der Alpen sein. Allein wenn ich davor stehe... kommen mir leise Zweifel.

    https://www1.wdr.de/kultur/kun…/balthasarneumann100.html


    Um Missverständnissen vorzubeugen, ich mag den Barock als Baustil sehr, nur vielleicht sollt man diese Superlativismen auf Preussen beschränken. Das war ja auch nicht gerade ein kleines Ländchen zu seiner Zeit.

  • Das dürfte wohl die typische preussische oder Berliner Großspurigkeit sein. Kommt halt drauf an, wie man Größe oder Großartigkeit definiert. Was die reine Größe angeht, ist wohl das Mannheimer Schloss das größte Barockschloss in Deutschland, und damit nördlich der Alpen; übrigens sogar Nummer zwei in Europa nach Versailles. Großartigen Barock in Reinform liefert die Würzburger Residenz von Balthasar Neumann. sowohl In Bezug aufs Treppenhaus als auch auf den Außenbau.


    Das schlütersche Berliner Schloss ist der barocke Umbau eines typisch mitteldeutschen Renaissanceschlosses. Hier hat Schlüter, auch den Voraussetzungen des zu verkleidenden Renaissancebaus geschuldet, einzigartige und großartige Lösungen gefunden. Die Erweiterungen nach Schlüter sind guter Durchschnitt, teilweise etwas fade. Das Schloss lebte aus der Spannung seiner vielen Bauteile, des teilweise Fragmentarischen, Übrigens merkt man, wie wichtig für die Wirkung des Gesamtkomplexes von der vorbarocken Ostseite abhing. Wenn man der Rekonstruktion eine gewisse Blutarmut unterstellen muss, dann weil dieser etwas chaotische Kern, aus dem dann die barocke Wucht hervorging fehlt.


    Mod: Bitte nicht sinnlos zitieren! Es dürfte wohl klar sein, auf welchen Post du dich beziehst. Alternativ einfach ^ oder user schreiben.

  • Großartigen Barock in Reinform liefert die Würzburger Residenz von Balthasar Neumann.

    Yupp. Würzburg mit dem Treppenhaus unter der gigantischen, freitragenden Neumann-Decke und dem Tiepolo-Fresko dürfte in Deutschland einsamer Barock-Höhepunkt sein. Augustusburg ist zwar verschwenderischer gestaltet, hat aber bei Weitem nicht diese Raumwirkung.

  • Ich finde man sollte das Schloss jetzt auch nicht unnötig klein reden - Schlüter war hier sowohl als Architekt als auch in Eigenschafft als Bildhauer gestalterisch tätig. Sein künstlerischer Beitrag zum Berliner Schloss war bestimmend für den künstlerischen Anspruch dieses Baues, damit war er ähnlich wie Bernini und Hildebrandt einer der wenigen die es vermochten ein bedeutendes, aus einer Hand formuliertes Gesamtkunstwerk im Sinne des Barocks in Architektur, Innenarchitektur und Bildhauerei zu schaffen. Ich kenne weder Einen Permoser als Architekten noch einen Lemercier oder Neumann als Bildhauer. Ich denke diese qualitätvolle schlütersche künstlerische Autonomie macht diese Barocke Kreation so bedeutend umso wichtiger schätze ich den Einbau der Treppenanlage ein damit diese Bedeutung in ihren Ausmaßen erfahrbar wird.