Entwicklungsgebiet Ernst-Thälmann-Park

  • Entwicklungsgebiet Ernst-Thälmann-Park

    Unweit vom Prenzlauer Bogen auf dem Grundstück Ella-Kay-Straße 24 planen Kondor Wessels und Reggeborgh eine weitere Wohnanlage. Es sollen 77 Eigentums- und Mieteinheiten mit insgesamt rd. 7.100 m² Wohnfläche + Tiefgarage mit 50 Stellplätzen entstehen. Ca. 22 m€ werden investiert. Der Baubeginn ist für QII 2013 vorgesehen.
    Die Architektur sei ähnlich der des Prenzlauer Bogens - etwa wieder Tobias Nöfer?


    Die Baugenehmigung könnte allerdings für das eigentlich geplante Gesamtkonzept für das gesamte Areal um den Thälmannpark hinderlich sein. Laut eines Artikels der Prenzlauerberg Nachrichten arbeiten Bezirksamt und die zuständige Senatsverwaltung an einer Lösung.


    Artikel Prenzlauerberg Nachrichten
    Artikel Thomas Daily

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    Ich verstehe den Artikel nicht ganz - vorm Thälmannpark stehen doch erstmal Plattenbauten, oder sollen die abgerissen werden? So wie ich das lese betrifft das Projekt die Brache mit diesen beiden merkwürdigen Hütten an der Ella-Kay-Straße, der Park ist da ne ganze Ecke weg.

  • naja warum? Das ist das Gelände zwischen dem Klinikum und dem Plattenbau, da steht lediglich eine Baracke, welche wohl abgerissen werden wird. Generell würde ich das schon zum Wohngebiet Thälmannpark dazuzählen, wenn es auch nur am Rand von dessen zu finden ist.
    Ich persönlich bin allerdings der Meinung, das schon der Prenzlauer Bogen, auch wenn es ein wirklich tolles Gebäude ist, irgendwie nicht so ganz in die Ecke passen will. Die Klinkergebäude der Fröbelstrasse auf der einen Seite (da passt es noch), die teilweise noch immer nicht sanierten Plattenbauten auf der anderen (da dann eher nicht)....eine merkwürdige Kombination von saniertem Alt-, neuem Prunk- und sozialem Wohnungsbau auf der einen, eine vielbefahrene Straße ohne sonderlich viel Aufenthaltsqualität auf der anderen Seite (Danzigerstr. mit ihren teilweise noch un- oder billig sanierten Gebäuden). Für das ganze Viertel zwischen Prenzlauer Allee, Danziger- und Greifswalderstr. sollte man einen ordentlichen Masterplan entwickeln.

  • Unweit vom Prenzlauer Bogen auf dem Grundstück Ella-Kay-Straße 24 planen Kondor Wessels und Reggeborgh eine weitere Wohnanlage. Es sollen 77 Eigentums- und Mieteinheiten mit insgesamt rd. 7.100 m² Wohnfläche + Tiefgarage mit 50 Stellplätzen entstehen. Ca. 22 m€ werden investiert. Der Baubeginn ist für QII 2013 vorgesehen.
    Die Architektur sei ähnlich der des Prenzlauer Bogens - etwa wieder Tobias Nöfer?
    Die Baugenehmigung könnte allerdings für das eigentlich geplante Gesamtkonzept für das gesamte Areal um den Thälmannpark hinderlich sein. Laut eines Artikels der Prenzlauerberg Nachrichten arbeiten Bezirksamt und die zuständige Senatsverwaltung an einer Lösung.


    Ja, das ist wieder Nöfer. Und auch der gleiche Initiator wie beim Prenzlauer Bogen, die Urbanspaces. Die 20er-Jahre-Ästethik passt - wie ich finde - prima in die Neubauareale.


    Inwieweit die Genehmigung für ein seit Jahren geplantes Gesamtkonzept für den Thälmannpark "hinderlich" sein soll(te) ist mir schleierhaft. Dass in zentralen Plattenbauarealen mit gehobenen Wohnungsbau nachverdichtet wird kann doch im Sinner einer sozialen Mischung und einer dringend notwendigen Vergrößerung des Wohnungsbestandes in Berlin nur begrüßenswert sein.

  • Hier noch mal der Entwurf:



    (C) Tobias Nöfer | Urbanspaces


    Schon ein krasser Kontrast zur Plattenbausiedlung direkt nebenan. Der Auwertungsdruck wird sich demnächst sicherlich auch hier in Form großflächiger Sanierungen bemerkbar machen.
    In den Prenzlauerberg Nachrichten spielt man dieses Szenario bereits durch. Man erwarte nicht, dass der Bezirk aktiv Stadtentwicklung betreiben werde sondern der Markt selbst für die Entwicklung des Quartiers sorge.

  • ^ Na das macht doch schon richtig was her. Besonders gefällt mir der erhöhte (Backstein?)-Anteil, das darf gern so bleiben, er verleiht der Fassade mehr Abwechslung.


    Abgesehen vom Gebäude bin ich ebenfalls sehr gespannt darauf, welche Veränderungen die Ecke in näherer Zukunft erleben wird. Ich hoffe, dass ein einigermaßen ausgewogenes Miteinander der Neubau- bzw. Plattenbaubewohner nicht nur eine Utopie ist.

  • ^ Ich habe auch nicht auf den sozialen Habitus der Bewohner angespielt. Vielmehr kollidieren hier auch nicht die Einkommensverhältnisse - das geht bestimmt noch krasser - sondern der optische Unterschied. Eine zehngeschossige braune Betonwand gegenüber dem hier geposteten Entwurf. Der könnte bei manchem Bewohner Kopfschütteln auslösen.

  • das geht bestimmt noch krasser - sondern der optische Unterschied. Eine zehngeschossige braune Betonwand gegenüber dem hier geposteten Entwurf.


    Ich wüsste nicht, wo irgendwo noch originale Sichtbeton-Platten in nennenswerter Zahl rumstehen würden... die meisten ziert doch längst irgendein ein quietschebuntes Fassadensystem.

  • Ich wüsste nicht, wo irgendwo noch originale Sichtbeton-Platten in nennenswerter Zahl rumstehen würden... die meisten ziert doch längst irgendein ein quietschebuntes Fassadensystem.


    Im Ernst-Thälmann-Park an der Greifswalder- Ecke Danziger Straße.

  • Den Sozialismus in seinem Lauf

    Na ja. Ich bin ja auch kein Freund von urbanem Sozialismus. Aber ich finde die Ensembles am Leninplatz und Thälmannpark durchaus als Geschichtsfragment erhaltenswert. Ich meine die drei Häuschen am Leninplatz. Zumindest sind diese Sachen mehr erwägenswert als der ganze Rest im Innenstadtbereich.


    Da haben die Sozialismusverfechter durchaus Argumente auf ihrer Seite. Blöd finde ich es nur, wenn man jede x-beliebige Platte im Zentrum erhalten will.


    Im Grunde finde ich es ja auch nicht schön, aber wenn ich mir ein Berlin in ferner Zukunft vorstelle, können neben klassizistischer Stalinallee und Rathausforum der Thälmannpark und Leninplatz auch noch erhalten bleiben. Das wären dann die Souvenire aus der Zeit der Teilung.


    Man muß sich auch immer klarmachen, wie diese Platten und Areale wirken, wenn wir wieder eine sehr dominante Blockrand- und Traufhöhenästhetik in Ostberlin haben. Irgendwann wird es auch eine Sehnsucht danach geben, wenigstens etwas Sozialistisches zu bewahren.


    Nur so für die ferne Zukunft.

  • ^bedenke dabei bitte dass die thematisierte Stadtplanung/Architektur NICHTS mit "Sozialismus" zu tun hat. In allen Teilen der Welt, ganz egal unter welcher politischen Regie, herrschte die Mode vor Wohnen und Arbeit funktionell stark zu trennen, Menschen in große freistehende Mietshäuser aus Stahlbeton umzusiedeln (vor dem Hintergrund des unsanierten Altbestandes, mit noch zahlreichen Erschwernissen wie Etagentoiletten, durchaus verständlich aus damaliger Sicht!) und die Städte sozusagen zu de-urbanisieren. Die "städtische Enge" war damals noch etwas sehr negatives und Altstädte wurden, zu Beginn unter Jubel der Bevölkerung, in Ost wie West großflächig "geschliffen" und mit industrieller Massenarchitektur neu überbaut. Bis hinein in die Zentren auch in Westdeutschland, die "autogerechte Stadt" war z.B. in Köln maßgebliches Leitbild für den Wiederaufba, wie man noch heute schmerzlich sieht.


    Im Ostblock mag es da nur zwei Besonderheiten gegeben haben, einerseits gab es besonderen ideologischen Eifer und man wollte demonstrativ mit der Vergangenheit brechen und die eigenen kulturellen Wurzeln leugnen, der Sozialismus wollte ja ausdrücklich einen "neuen Menschen". Daher wurde dann in Berlin bekanntermaßen auch demonstrativ das alte Stadtschloss gesprengt, strukturell noch stärker zerbombte Gebäudekomplexe konnten auch wiederaufgebaut werden das war rein ideologisch begründet, um dort später das Zentrum des eigenen Systems zu bauen. Im Westen hat man die Schlösser früherer Monarchen/Despoten halt einfach zu Museen oder anderen öffentlichen Gebäuden wie Verwaltungsräumen umfunktioniert und recht pragmatisch weiter genutzt. Siehe das Schloss Nymphenburg in München, worin sich heute u.a. eine Grundschule und ein Naturkundemuseum befinden.


    Die andere Besonderheit war dass der Ostblock materiell durchgehend schlechter gestellt war im Vergleich und daher die Materialien simpler waren, die Ausstattung minimalistischer, die Architektur einheitlich - die Großsiedlungen in Westdeutschland sehen zwar auch nicht schöner aus, aber sind nicht industriell gefertigt sondern jede Siedlung wurde individuell von Architekten entworfen. Und dabei hat man die städtebaulichen Ideale der frühen Moderne (frühes 20. Jahrhundert) noch konsequenter umgesetzt, beispielsweise Friseur, Videothek und Getränkemarkt im Erdgeschoss, darüber 10 Stockwerke mit Wohnungen. In der Provinz, weit weg von Berlin, haben in solchen Neubausiedlungen in der DDR bis zur "Wende" sogar teilweise gepflasterte Zugangswege zu den Plattenbauten gefehlt, so dass die Bewohner über Jahre durch den Schlamm waten mussten sobald es regnete (hat mir ein Freund erzählt der in der DDR geboren wurde und dort auch tatsächlich einen Teil seines Erwachsenenlebens verbringen musste, also nicht nur vom "Hörensagen", bei dem war das so, er ist Sachse - den konkreten Ortsnamen habe ich vergessen).


    Mit Verlaub aber diese Art von Städtebau ist gescheitert und nicht erhaltenswert, ich will niemand zumuten so leben zu müssen wenn es doch anders geht. In Ost wie West. Besonders aus sozialen Gründen (!) finde ich "sanierte Kieze" überaus wünschenswert. Nur aber bitte solidarisch finanziert, so dass sich auch Kleinverdiener entsprechende Wohnungen leisten können. Die Antwort auf "Gentrifizierung" kann doch nicht sein die Aufwertung von Wohnungen und Kiezen zu verhindern, damit diese so unattraktiv und häßlich sind dass da niemand mit besserem Einkommen hinziehen will. Was ist denn das für ein Menschenbild, in Bezug auf die Menschen die da wohnen müssen. Die älteren Leute, die einfach einen nachgerüsteten Aufzug brauchen wenn sie nicht im Erdgeschoss wohnen - das hat mit "Luxussanierung" nichts zu tun. Oder die modernen Fenster und gedämmten Fassaden die einfach klimapolitisch geboten sind und auch den Geldbeutel gerade von Geringverdienern langfristig entlasten (Energiekosten rennen davon). Ich habe in Berlin kaum "gentrifizierte" Wohnungen und Wohngebiete gesehen die im Standard über das hinausgehen was in Süddeutschland jedes neugebaute Reihenhaus eines Facharbeiters bietet. Das Problem in Berlin ist der Immomarkt, dass sich der Staat aus dem sozialen Wohnungsbau zurückgezogen hat und nicht genügend reguliert, nicht nachverdichtet in zentralen Bereichen - und hier wäre die Neuplanung von überaus "platzvergeudenden" DDR Wohngebieten meiner Meinung nach notwendig. Es sind ja in Wahrheit im Alltag verwaiste Flächen, diese großen Freiflächen zwischen den Wohnblöcken, Menschen halten sich da nicht auf sondern hasten vorbei.

    Einmal editiert, zuletzt von Baumeista ()

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    Erster Absatz: Zustimmung!
    Du vergisst jedoch in deiner "Besonderheiten des Ostblocks"-Aufzählung eine ganz entscheidende Besonderheit: das Fehlen des Kapitalismus und damit das Fehlen von Geschäftszentren in westlichen Dimensionen. Dichte in nichtsozialistischen Stadtzentren hatte und hat immer mit Bodenpreisen zu tun (Chicago oder New York als besonders auffällige Beispiele). Der Verwertungs- und Renditedruck eines kapitalistischen Stadtzentrums war im Sozialismus schlicht nicht existent - warum also verdichten, wenn man so schön der (zeitgeistigen internationalen) Utopie von aufgelockerter Stadtlandschaft folgen konnte?
    PS: Die Wittelsbacher bewohnen noch immer einen Flügel des Nymphenburger Schlosses...:Koenig:
    Sorry für OT.

  • Das sehe ich anders: natürlich hat die "Moderne" mit Sozialismus zu tun. Die Moderne war von Anfang an ein sozialutopisches Projekt mit dem Ziel den Menschen umzuerziehen und besser zu machen - im Osten und im Westen.


    Im Osten waren nur die Mittel umfänglicher vorhanden. Die Verfügung über Grund und Boden und die Mechanismen einer Dikatur verstärken eine Tendenz natürlich. Aber auch im Westen ist aus ideologischen Gründen Erhaltenswertes abgerissen und durch Hochstraßen und funktionsgetrennte Ghettos ersetzt worden.


    Allein der Mensch hat sich nicht geändert, wie eigentlich vorgesehen - und wird dies auch in Zukunft nicht tun.

  • Die Berliner Zeitung berichtet über die Entwicklungen auf dem Areal. Zum einen über den hier bereits angesprochenen Neubau. Zum anderen aber auch über die geplante Wohnanlage am Güterbahnhof Greifswalder Straße. Dort wollte Investor Christian Gérôme eigentlich Häuser mit 600 Wohnungen bauen.
    Er plane eine Art Gartenstadt zu entwickeln. Die Wohnungen würden sich im unteren Preissegment bewegen und seien teilweise zum Selbstausbau geeignet. Eine Baugenehmigung existiere noch nicht.
    Auch beim leerstehenden Krankhaus an der Danziger Straße tut sich was. Ein Investor will aus dem alten Gebäude ein Seniorendomizil machen. Zudem sollen noch an der Danziger Straße und zum Fröbelplatz hin 2 Neubauten entstehen.


    Allgemein befürchten die Anwohner eine massive Aufwertung und damit einhergehende Gentrifizierung. Eine BI hat sich bereits gebildet um bei der Entwicklung des Gebiets ein Wörtchen mitzureden.
    Website AI Thälmannpark


    Das Unternehmen Stattbau soll nun das städtebauliche Leitbild entwickeln um Anwohner- und Investoreninteressen zusammenzubringen.


    Artikel Berliner Zeitung (alternativ)
    Artikel Tagesspiegel
    Artikel Prenzlauer Berg Nachrichten