Zensus 2011 und was er für Berlin bedeutet

  • Zensus 2011 und was er für Berlin bedeutet

    Der Zensus 2011 ist wirklich aufschlussreich. Interessant ist, dass Berlin ganze 153.000 Einwohner weniger hat, als den offziellen Statistiken bisher entnommen werden konnte. Man darf gespannt sein, wie sich diese Zahlen auf die Bautätigkeit und Projektentwicklungen auswirken werden.


    Ich persönlich war in der letzten Zeit sowieso der Meinung, das sich in Berlin eine Blase bildet. Aber das ist nur mein persönliches empfinden, ich bin da kein Experte.


    Ein Schelm wer böses denkt und glaubt, die Stadt Berlin hat sich bewusst, Stichwort= Schlüsselzuweisungen, größer gerechnet als Sie wirklich ist. :nono:


    Interessant auch, dass die Stadt, was die Einwohnerzahl betrifft, auf den Stand von 1987/88 zurückgeworfen wird.


    http://www.morgenpost.de/polit…igrationshintergrund.html

  • ^ Je nach dem, was man bisher als Einwohnerzahl heranzieht, ist der Unterschied noch größer. Vor nicht allzu langer Zeit wurde ja das Durchbrechen der 3,5 Mio-Schallmauer verkündet. Der Zensus ermittelte jedoch nur 3.292.365 Einwohner - das sind über 200.000 weniger.


    Böse Absicht würde ich nicht unterstellen, die Problematik der alten Zahlen war bekannt und es haben auch viele andere deutsche Großstädte deutlich an Einwohnern "verloren".


    Die Zahlen des Zensus 2011, die heute vormittag bekannt gegeben wurden, werden hier im DAF ausführlich im Thead "Einwohnerzahlentwicklung großer Städte" diskutiert.

  • Ich erlaube mir noch eine kleine Anmerkung: Die Zahlen sind vom 09. Mai 2011. Insofern ist die weitere Einwohnerentwicklung von 2011 und 12 nun noch für einen aktuellen Stand hinzuzurechnen. Grobgeschätzt müsste der Einwohnerstand Berlins jetzt also bei knapp unter 3,5 Mio. liegen (die letzten beiden Jahre hatte Berlin einen Wachstumsdurchschnitt von etwas über 40tsd/Jahr).

  • Ob das nicht bereits berücksichtigt wurde?


    Da ja auch eine Menge Geld dahintersteckt (Stichwort: Länderfinanzausgleich) stellt sich auch die Frage inwiefern man mit Absicht die Einwohnerzahl Berlins höher angesetzt hat. Bei diesem Senat würde es mich nicht wundern...


    Berlin sollte endlich mal aktiv versuchen vom Länderfinanzausgleich wegzukommen. Aber der Wille fehlt einfach.

  • Die Zahlen sind vom 09. Mai 2011.


    Grobgeschätzt müsste der Einwohnerstand Berlins jetzt also bei knapp unter 3,5 Mio.
    liegen


    die letzten beiden Jahre hatte Berlin einen Wachstumsdurchschnitt von etwas über 40tsd/Jahr).


    3.292.365 + 80.000 + (40.000/12) = 3.375.698

  • Doch nur 3,3 Mio Berliner!

    Berlin mag weiter wachsen, aber tatsächlich hat man noch nicht einmal das vor Jahren angenommene Niveau von ca. 3,4 Mio erreicht. Laut Zensus 2011 gibt es nämlich offiziell nur 3,3 Mio Berlinerinnen und Berliner. Das wird teuer für die Stadt. Allein für 2011 und 2012 muss sie nun insgesamt 940 Mio an den Länderfinanzausgleich zurückzahlen. Übrigens gibt es auch nur ca. 80 Mio Einwohner in Deutschland und darunter sind vor allem weniger Menschen ohne deutschen Pass als man bisher glaubte. Die Zahlen sind sehr interessant. Da mein Internet im Moment lahmt, verweise ich nur auf einen Artikel auf GMX, aber ich nehme an die lokale Presse hat noch mehr zu den Auswirkungen auf die Hauptstadt zu berichten...


    http://www.gmx.net/themen/wiss…um%20hat%20Folgen.331.801

  • So ist das, wenn man Meinungsäußerungen vom politischen Standpunkt abhängig macht.


    Da der politische Standpunkt ebenfalls eine Meinung ist, nimmt sich das ja nicht viel.

    Einmal editiert, zuletzt von Hobbyist () aus folgendem Grund: Ich bitte um Verzeihung

  • .... Man darf gespannt sein, wie sich diese Zahlen auf die Bautätigkeit und Projektentwicklungen auswirken werden.


    Überhaupt nicht. Denn die Karteileichen haben bisher keine Nachfrage ausgelöst,also fällt jetzt auch keine weg.Es handelt sich hier um eine Niveauänderung,an den seit 10 Jahren steigenden Einwohnerzahlen ändert das nichts.



    Interessant auch, dass die Stadt, was die Einwohnerzahl betrifft, auf den Stand von 1987/88 zurückgeworfen wird.


    Berlin konnte erst nach der Wiedervereinigung der Stadt suburbanisieren.In Westdeutschland war die Suburbanisierung schon seit den 60er Jahren im Gang. Ab Mitte der 90er bis Mitte der 2000er Jahre gab es massive Wanderungsverluste ins Umland,dadurch sank die Einwohnerzahl stark.Bei der Fernwanderung hat es immer positive Salden gegeben.In den letzten Jahren steigt die Bevölkerung wieder schneller,nicht zuletzt wegen geringerer Wanderungsverluste ins Umland ( heute ~ - 5000 p.a.) . Aufgrund der für eine Stadt dieser Größe relativ geringen Wirtschadftskraft,wird sich der Einwohnerzuwachs in Grenzen halten. Wichtig ist für die Zukunft,dass man lernt,solche Berge von Karteileichen nicht erst aufzubauen.Aber das betrifft nicht nur Berlin,sondern auch andere Städte,die ähnliche oder noch höhere prozentuale Verluste an Einwohnern bescheinigt bekommen haben.

  • Die Statistiken der Einwohnerzahlen sind für international beeinflusste Städte weniger relevant, da die Anzahl an Besuchern den Nachfragesog prägt. 2012 gab es in der Hauptstadt 25 Millionen Übernachtungen und dies nur in den offiziellen Hotels (London 46 Millionen und Paris 37 Millionen Übernachtungen). Die Entwicklung kann man gut am Hauptbahnhof und BBI verfolgen; beide Projekte in den 90er Jahren als viel zu überdimensioniert, gar als größenwahnsinnig abgestempelt und heute schon wieder zu klein, trotz gering wachsender Bevölkerung.


    Anzahl der monatlichen Übernachtungen in Hamburg und Berlin, 1992 - März 2013.


  • Wichtig ist für die Zukunft,dass man lernt,solche Berge von Karteileichen nicht erst aufzubauen.Aber das betrifft nicht nur Berlin,sondern auch andere Städte,die ähnliche oder noch höhere prozentuale Verluste an Einwohnern bescheinigt bekommen haben.


    Soweit ich es verstanden habe sind die Zahlen des Zensus auch nur Hochrechnungen auf Basis einer Teilbefragung der Einwohnerschaft. Dadurch sind die Melderegister also nicht bereinigt worden.


    Ich denke man müsste alle mit Erstwohnsitz gemeldeten Einwohner regelmäßig zu einer persönlichen Meldung bei einer Behörde mit Vorlage eines Ausweispapiers auffordern um Karteileichen einigermaßen zu vermeiden. Aber der Kosten- und Personalaufwand dafür und der politische Widerstand dagegen (bei der Ankündigung dessen) wären groß.


    Oder einen regelmäßigen Datenabgleich des Einwohnerregisters mit allen Kranken- und Rentenversicherungen usw. usf. machen, was aber wohl die Datenschützer stören würde.


    Die Statistiken der Einwohnerzahlen sind für international beeinflusste Städte weniger relevant, da die Anzahl an Besuchern den Nachfragesog prägt. 2012 gab es in der Hauptstadt 25 Millionen Übernachtungen ....


    Naja, das ergibt im Tagesdurchschnitt 63.500 zusätzliche Einwohner in der Stadt die aber für die Finanzzuweisungen an die Kommunen nicht zählen.

    3 Mal editiert, zuletzt von Chandler ()

  • Ob das nicht bereits berücksichtigt wurde?


    Da ja auch eine Menge Geld dahintersteckt (Stichwort: Länderfinanzausgleich) stellt sich auch die Frage inwiefern man mit Absicht die Einwohnerzahl Berlins höher angesetzt hat. Bei diesem Senat würde es mich nicht wundern...


    Passend dazu wird im Tagesspiegel der etwas laxe Umgang mit An- und Abmeldungen in den Einwohnermeldeämtern der Bezirke kritisiert, der die falschen Einwohnerzahlen Berlin begünstigt:
    http://www.tagesspiegel.de/ber…geahnt-haben/8294162.html