Alexanderplatz - Abkehr vom Kollhoff-Plan?

  • Es geht in die nächste Runde, http://www.tagesspiegel.de/ber…-so-bleiben-/8640672.html leider hat sich Fr. Lüscher noch immer nicht gemeldet...




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    Bato


    PS Unsere allgemeinen Richtlinien kannst du gleich auch noch mitbeachten - insbesondere #1.

  • Vielleicht sollte man noch einen Tagesspiegel-Artikel von gestern mit in die Debatte nehmen. Darin beurteilt Ralf Schönball die Chancen der einzelnen Bauwerke zum Denkmal erklärt zu werden.
    Da es nur noch wenige Bauten gibt die nicht bereits ihr ursprüngliches Äußeres nahzu komplett verloren haben sieht er vor allem für das HdR, dem Brunnen der Völkerfreundschaft und der Weltzeituhr sowie mit Abstrichen für das HdP (Berliner Verlag) eine Chance auf Erteilung des Denkmalstatus.


    westwerk
    Noch mehr als die Wortmeldungen von Kleihues und Kollhoff finde ich das Statement der TLG interessant. Diese wolle weiterhin an den Kollhoff-Plänen für ihr Grundstück festhalten und Neubauten realisieren sobald es der Markt zulasse.
    M.M.n. wäre dem Areal schon viel geholfen wenn es zu einer Umgestaltung des TLG-Riegels käme.

  • @ Batō: Habe ich mit Absicht überlesen...tut mir leid, aber ich kann die TLG nicht erstnehmen...wenn sich WIRKLICH beabsichtigen würde, dort ein Hochhaus zu bauen, dann würde man sich das durchrechnen, ein Büro beauftragen und Werbung machen, als ob sich in diesen Zeiten (in denen alles gekauft wird, was nur nach Wohnung aussieht und sich in der Innenstadt befinden) nicht so ein Bau verwirklichen lassen würde...


    Beispiel: "de Kroon" in den Haag.
    - 60Mio€ Baukosten (ich gehe mal davon aus KG 300 ist gemeint)


    Sind bei 253 Whg. ein Preis pro Einheit von ~240.000€
    Die 9000m² Bürofläche und 2400m² Gewerbeflächen mal Außen vor... ist man vielleicht bei 150.000€ Wohnungspreis. Das soll man in Berlin (am Alex!) nicht verkaufen können? :confused:


    ps.: Nebenbei, de Kroon beherrbergt in den unteren Etagen sogar noch sozialen Wohnungsbau..

  • ^Die TLG ist vor einem halben Jahr an den Finanzinvestor Lone Star verkauft worden, der nun beginnt das Unternehmen zu zerschlagen. Die ersten Angebote sind die Kaisers Supermärkte am Prenzlauer Berg; Lone Star will bei dem guten Markt offenbar Kasse machen.


    Insofern will die TLG siher nicht selbst bauen sondern die Grundstücke verkaufen - mit soviel Baurecht wie möglich.

  • Dieser postmoderne Platzentwurf von Jahn mit seinem Hochhaus ist interessant, die anderen Hochhäuser wirken dagegen plumb. Aber warum sollte man ein Hochhaus bauen, das so groß (bzw. größer) ist als der Fernsehturm? Es rechnet sich in keiner Weise und bringt nur die Botschaft "Wir können noch höher als die Sozialisten!".
    Bisher ist der Fernsehturm ein Fremdkörper, mir ist nicht klar, warum man ihn entwerten würde, wenn er von deutlich niedrigeren Hochhäusern umstellt wäre - das würde ihn nur einbinden und aufwerten. Fierls Argumente verstehe ich nur in dem Punkt, dass einige der Hochhäuser prägnante Sichtachsen versperren könnten.

  • @ Konstantin: trotzdem darf man doch die Ambitionen der TLG eher als gering einstufen.
    Der angespannte Wohnungsmarkt besteht ja nun schon einwenig länger, als das Engagement der Lone Star bei der TLG...


    Vertigo : finde ich auch, die Kollhoff-Variante, ist doch die Variante, welche den Fernsehturm am stärksten respektiert.. die meisten anderen Entwürfe (vorallem Jahn) mit einem zweiten Turm flachen die Wirkung des Fernsehturms eher ab, als das er davon profitiert.

  • Warum auch? Das HdE wurde erst vor 13 Jahren vollständig saniert und ist im Inneren ein modernes Bürogebäude.


    Gut..wenn wir so rangehen, warum dann überhaupt der Masterplan? Warum nicht einfach alle Gebäude sanieren und gut ist? Sie sind doch dann moderne Gebäude! :nono:


    Nein, mal im Ernst, entweder verfolgt man den Masterplan oder nicht.
    Das Problem ist doch, dass damals (1993) eine Fläche beplant wurde, die (fast) komplett bebaut war/ist - also keine leichte Ausgangslage, anders zum Beispiel die Entwicklung am Potsdamer Platz.
    Das momentan lieber saniert, als neugebaut wird, ist den Besitzern ja nicht zu verübeln, und verbieten noch viel schwieriger (auch wenn das der m.E. beste Weg wäre).



    Was ist eigentlich daraus geworden?


    http://pape-architektur.de/wp-…2013/02/Berlin-Alex-5.jpg
    Quelle: PAPE ARCHITEKTURBÜRO


    Gut, das Park-Inn hätte man vielleicht eleganter einbinden können, aber es wird weitergenutzt. Also ein Schritt in Richtung realistische Entwicklung.


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    Bato

  • Das Problem ist doch, dass damals (1993) eine Fläche beplant wurde, die (fast) komplett bebaut war/ist


    Nein, die Annahmen bezüglich der künftigen Flächennachfrage wurden falsch eingeschätzt. Und obwohl schon damals die Nachwendewehen heftig wirkten und sich viele andere Großprojekte in der Pipline befanden und den Nachfragekuchen immer mehr dezimierten hielt man trotzdem stur an den geplanten 1,6 Mio m² BGF fest.
    Zudem war die Komplexität der baulichen Konstruktion - ein aus einem Sockel herauswachsendes Hochhaus - ein großes Hindernis. Lediglich beim Hines-Projekt scheinen Investor und Senat mit der Änderung des B-Plans eine Lösung gefunden zu haben.


    Nein, mal im Ernst, entweder verfolgt man den Masterplan oder nicht.


    Oder man passt ihn an die Gegebenheiten an. Letztlich kannst du ja niemanden dazu zwingen diesen Plan zu verwirklichen.


    Was ist eigentlich daraus geworden?


    Die Sattler-Studie war eben nur eine Studie, keine konkrete Planung.

  • Ich denke, es ist ganz sinnvoll, ein paar Informationen zur jetzigen Gestaltung des Alexanderplatzes liefern, um diesen Stadtraum besser verstehen zu können.


    Zunächst einmal war die Umgestaltung des Alexanderplatzes zwischen 1961 und 1973 kein isoliertes Vorhaben, sondern Teil einer größer angelegten Neugestaltung der Innenstadt. Ziel dieser Neugestaltung war die Schaffung eines einheitlich gestalteten "Gesamtkunstwerkes", in dem die unterschiedlichen Stadträume, Höhenakzente und Baukörper eine organische Einheit bilden sollten. Besonders großer Wert wurde auf die Gestaltung von attraktiven Fernsichten gelegt, durch die wichtige Gebäude erlebbar gemacht werden sollten. Die damaligen Planer fertigten genaue Analysen an, welche Bereiche der Passant mit einem natürlichen Blickwinkel von 27 Grad erfassen kann und wie groß daher die Abstände zwischen den Gebäuden sein müssen.


    Eine herausgehobene Rolle spielten in diesem Zentrumskonzept drei Räume:
    1. Das Zentrumsband von der Karl-Marx-Allee über den Alexanderplatz und das Rathausforum zur Straße Unter den Linden
    2. Die Spree
    und 3. Die Friedrichstraße
    Diese Bereiche sollten als eine Abfolge von wechselnden Raumerlebnissen inszeniert werden.


    Der Alexanderplatz war daher Teil des Zentrumsbandes, und er hatte in ihm eine besonders wichtige städtebauliche Funktion zu erfüllen: Denn hier erfolgte die Drehung des Zentrumsbandes von der Karl-Marx-Allee zum Rathausforum. Gleichzeitig erfolgte eine Aufweitung des Stadtraumes. Die Planung für den Alexanderplatz hatte daher vor allem das Ziel, diese Drehung bei gleichzeitiger Aufweitung städtebaulich zu bewältigen. Die Planer (ein Kollektiv unter der Leitung von Joachim Näther und Peter Schweizer) lösten diese Aufgabe durch ein sorgfältig komponiertes Arrangement aus unterschiedlich hohen Gebäuden, durch das diese Drehung inszeniert wird und in dem jedes Gebäude eine genau kalkulierte städtebauliche Funktion hat.


    Hier gibt es ein Modellfoto, das die Grundstruktur des Platzes zeigt:



    Quelle: Bundesarchiv, gemeinfrei


    Das Luftbild von 1985 zeigt, dass dieses Konzept auch umgesetzt worden ist.



    Quelle: Bundesarchiv, gemeinfrei


    Nun zur Praxis: Hier sehen wir die Annäherung an den Alexanderplatz aus Richtung Osten. Das ist die Karl-Marx-Allee kurz vor dem Strausberger Platz: Man sieht, dass der Blick auf den Fernsehturm fällt, der Fernsehturm ist in seiner ganzen Größe erlebbar und wirkt daher sehr eindrucksvoll. (Das war den Planern sehr wichtig.)



    Am Strausberger Platz knickt die Karl-Marx-Allee nach Norden ab, der Fernsehturm verschwindet aus dem Blick, stattdessen rückt das Park Inn - Hotel (1967-1970, Roland Korn) in das Bild.




    Dieses Hochhaus wirkt einerseits als Landmarke, es markiert den Alexanderplatz als einen städtebaulich wichtigen Platz, andererseits verweist es auf den zu erwartenden Richtungswechsel. Auch das Hotel ist hier in seiner gesamten Größe erfahrbar und sorgt daher für einen eindruckvolles Panorama. Weiterhin kann man erkennen, dass das Park Inn - Hotel von den ungefähr gleich hohen Punkthäusern des Hauses des Lehrers (1961-1964, Hermann Henselmann) und des Hauses des Reisens (1969-1971, Roland Korn) flankiert wird. Beide Gebäude markieren eine Torsituation.




    Kurz hinter dem Kino "International" ändert sich die Perspektive erneut. Denn nun vollzieht die Karl-Marx-Allee einen ganz leichten Schwenk nach Norden. Der Blick streift jetzt für einen Moment das Haus des Reisens mit der plastischen Fußbebauung um dem Wandrelief "Der Mensch überwindet Zeit und Raum" von Walter Womacka, das mit dem ebenfalls von Walter Womacka geschaffenen Wandmosaik am Haus des Lehrers korrespondiert.






    Beachtenswert sind auch die riesigen Leuchtkörper:



    Dann folgt, als Schlusspunkt dieser Achse, ein Gebäudearrangement aus dem Haus des Berliner Verlages mit dem vorgelagerten Pressecafe.



    Diese Verbindung von Hochhaus und Flachbau hat folgenden Effekt: In Höhe Grunerstraße können beide Gebäude erfasst werden, bei der weiteren Annäherung rückt dann das Pressecafe in den Vordergrund und wirkt als Blickfang. Zur Steigerung dieser Wirkung wurde das Pressecafe mit dem Wandbild von Willi Neubert verblendet. (Dieses Wandbild ist jetzt leider durch die Verkleidung des Steakhouses verdeckt.) Dieser Gebäudekomplex vermittelt die Drehung aus Richtung Karl-Marx-Allee in Richtung Karl-Liebknecht-Straße.





    Hier gibt es noch eine Ansicht ohne Verkleidung. Hier erkennt man das Wandbild von Willi Neubert:



    Quelle: Bundesarchiv, gemeinfrei


    Und das ist ein Eindruck vom Innenraum des Cafes, der ursprünglich sehr luftig wirkte und der einen weiten Panoramablick zum Strausberger Platz bot.



    Quelle: Bundesarchiv, gemeinfrei


    Nicht mehr vorhanden ist die große Öffnung zwischen Karl-Marx-Allee und Alexanderplatz. Diese sollte, in Verbindung mit einer spiralförmigen Bodengestaltung, eine optische Verbindung zwischen beiden Räumen schaffen und die Überleitung zwischen Karl-Marx-Allee und Rathausstraße herstellen. Auf berechtigte Kritik stieß allerdings die Tatsache, dass diese großzügige Öffnung durch Fußgänger nur durch einen langen Tunnel passiert werden konnte. Das ist die große Öffnung in der Vergangenheit:



    Quelle: Bundesarchiv, gemeinfrei


    Das ist der jetzige Zustand, durch den Bau des Saturn-Gebäudes wurde diese Öffnung deutlich reduziert:



    Dennoch stellt der Alexanderplatz einen wichtigen Stadtraum der Nachkriegsmoderne dar, und ich denke, dass die Voraussetzungen sowohl für einen Ensembleschutz für das Gesamtensemble aus auch den Denkmalschutz für Einzelgebäude gegeben sind. Schön wäre es, wenn man das unter der Verkleidung vorhandene Wandbild von Willi Neubert wieder sichtbar machen würde, weiterhin kann man sicher in puncto Freiraumgestaltung noch einiges verbessern.


    Alle Fotos, soweit nicht anders vermerkt: Klarenbach

  • ^ Vielen Dank für die Dokumentation.


    Ich finde den Gegenwärtigen Bestand - und damit die ja weitgehend realisierte Planung von 1961 - einfach zu minderwertig, um sie als abschließende Lösung unter Denkmalschutz zu stellen. Einige Sichtachsen mögen ganz nett sein, aber diese Pläne werden m.E. zurecht als die manifeste Zerstörung des Berliner Zentrums angesehen. Die meisten Bauten sind zu minderwertig und die Frei- und Verkehrsflächen sind in diesem Bereich überdimensioniert. Die Ödnis, die man hier hat, ist schon ziemlich traurig. Ich hoffe sehr auf eine Initialzündung durch den Hines-Turm.

  • Sehr schöner und informativer Beitrag von Klarenbach.


    Obwohl kein großer Freund der DDR Architektur im Allgemeinen, empfand ich die Luftigkeit und den großzügigen Umgang mit Fläche im Zentrum um den Alex immer als sehr angenehm.


    Heute kommt einen der Alex fast beengt vor,der Bau der neuen Mitte stellt m.E. ein großes Mißgeschick dar.Am meisten stört mich die Stadtbahntrasse, sie zerschneidet das Zentrum völlig. Aber sie ist unverzichtbar.


    Die Hochhausbauabsichten halte ich für vorgeschobene Lippenbekenntnisse um die Grundstücks und Immobilienpreise hoch zu halten. Sobald es entschädigungsfrei möglich ist,würde ich den Kollhoff Plan gern gekippt sehen. Er steht einer weiteren, realistischeren Entwicklung nur im Wege. (Wohn) Hochhäuser würde ich eher westlich des Potsdamer Platzes am ERP / hinter dem Bahnhof Zoo oder in der EC sehen wollen.

  • Sehr guter Überblick, allerdings sind einige Dinge meiner Meinung nach diskussionswürdig:

    Denn hier erfolgte die Drehung des Zentrumsbandes von der Karl-Marx-Allee zum Rathausforum. Gleichzeitig erfolgte eine Aufweitung des Stadtraumes.


    Das hätte man mit dem alten Grundriss ebenso, teilweise sogar besser machen können, denn Greifswalder Straße, Landsberger Allee und Frankfurter Allee haben in der Vorkriegssituation noch besser den Alex zu einem Schnittpunkt des Zentrums gemacht und weiter zu den Linden geführt. Hier wurde bewusst die Vorkriegssituation (meiner Meinung nach zum Schlechteren) verändert.

    Weiterhin kann man erkennen, dass das Park Inn - Hotel von den ungefähr gleich hohen Punkthäusern des Hauses des Lehrers (1961-1964, Hermann Henselmann) und des Hauses des Reisens (1969-1971, Roland Korn) flankiert wird. Beide Gebäude markieren eine Torsituation.


    Diese Torsituation scheint mir hier etwas konstruiert, denn man sieht
    1. eine viel stimmige Torsituation am Straußberger Platz, die so auch wirklich erfahrbahr ist.
    2. Haus des Lehrers und Haus des Reisens sind zu klein und zu weit auseinander, um wirklich eine Torsituation zu bilden. die Frage ist auch: "Tor zu was?" Das Park Inn benötigt kein Tor.

    Beachtenswert sind auch die riesigen Leuchtkörper:


    Ja, für ein Stadion. An die Laternen an den Stalinbauten kommen sie ästhetisch nicht ran. Aber das ist natürlich Geschmackssache.

    Nicht mehr vorhanden ist die große Öffnung zwischen Karl-Marx-Allee und Alexanderplatz.


    Meiner Meinung nach eine Verbesserung, denn die Weite zuvor machte den Menschen an sich klein. Dies ist, wie ich finde, eine Sicht auf den Einzelnen, die der Sozialismus auch mit einer gewissen anderen Ideologie teilt. Diese Bemerkung mag jetzt von einigen heftige Kritik bringen, aber architektonisch kann man dies sehr gut sehen, wenn man die Stalinallee mit der geplanten Speer'schen Nord-Süd-Achse mal vergleicht.


    Allgemein bin ich relativ offen für den Erhalt des Haus des Lehrers und der Halle. Beim HdE ist das meiner Meinung nach nicht nötig. HdR bin ich selbst relativ meinungslos: wenn es bleibt ok, wenn es weg kommt, auch nicht schlimm, das Gleiche beim Berliner Verlag und dem Escados.


    Bei Berliner Verlag und Escados frage ich mich allerdings: wenn man sich soviel Gedanken wegen der von Klarenbach beschriebenen Wirkung machte, warum um Gottes Willen hat man dann dieses hässliche braune Wohnhaus in der Sichtachse gebaut? Das ergibt garkeinen Sinn.


  • Zunächst einmal war die Umgestaltung des Alexanderplatzes zwischen 1961 und 1973 kein isoliertes Vorhaben, sondern Teil einer größer angelegten Neugestaltung der Innenstadt. Ziel dieser Neugestaltung war die Schaffung eines einheitlich gestalteten "Gesamtkunstwerkes"


    Das ist ja mal eine wahrlich euphemistische Umschreibung für eine der größten Stadtzerstörungsmaßnahmen der jüngeren Geschichte... Auch alles Schönreden kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier der Ungeist einer antiurbanen Kulturbarbarei in Beton gegossen wurde, mit dem Ziel der Stadt ihr Gesicht und ihr historisches Bewusstsein auszulöschen. Wenn man so will eine architektonische Gehirnwäsche, die selbst heute noch in Form der unsäglichen Denkmalschutzdebatte nachwirkt.
    Vielen Dank jedoch für die vielen Bilder - sie dokumentieren das Desaster recht eindrucksvoll.
    Edit: Auch der Tagesspiegel nimmt sich aktuell des Themas wieder an - unter dem Motto 'Schrecken statt Schönheit - Berlin bleibt Pjöngjang'.
    Wie wahr.
    http://www.tagesspiegel.de/mei…t-schoenheit/8635116.html

  • Vielen dank Klarenbach, du hast sehr gut herausgearbeitet, was man wissen muss eine Idee davon zu bekommen, was im Sozialismus die "neue Stadt" sein sollte.


    Ich kann das nur unterstreichen, absolut denkmalwürdig, wenn nicht ein unwiderlegliches Argument dagegen stehen würde:


    Die Planung, die so auch realisiert wurde, ist schlichtweg überdimensional, und der Denkmalstatus würde diese gigantische Stadtfläche einfrieren und für jede weitere Entwicklung unbrauchbar machen. ers drängt sich auch der Vergleich mit Germania auf, wie es Speer und Hitler ersonnen hatten. Letztlich ist das nichts anderes. Und schon aus diesem, politischen Grund würde ich den Denkmalstatus dafür ungern haben wollen. Für Einzelbauten ja, das Pressecafe ist doch ein echter Kracher, der auch an einem neubebauten Alex nach Kollhoff's Idee bestens funktionieren würde. Andere Bauten haben einen gigantomanischen Anspruch, wie das HdE, das meiner Meinung nach dort mehr Schaden anrichtet als es nutzt. ich bin grundsätzlich nicht dafür, den Alex so zu lassen wie er ist. Allerdings sollten Hochhäuser sich in der Höhe nicht über das ehem. "Hotel Stadt Berlin", heute Parc Inn, erheben. Das sollte das Maximum bleiben.

  • Auch ich bedanke mich für die ausführliche Darstellung, Klarenbach.


    Ich kann, vieleicht auch mangels Interesse, an den Planungen für den Alexanderplatz, außer dass es sich hier (de facto) um die Hauptstadt der DDR handelte, wenig revolutionäres oder außergewöhnlich besonderes erkennen. Ähnliche Planungen für große Verkehrsachsen wurden seinerzeit für viele Städte aufgestellt (Halle, Chemnitz, Erfurt, Zwickau, Suhl) und zum Teil auch umgesetzt.
    Von einer Einheit des Alexanderplatzes und Karl-Marx-Allee mag ich auch nicht so wirklich sprechen. Dafür ist der stilistische Bruch einfach zu eklatant auch wenn die Baumassen sich nicht wesentlich veränderten. Die ökonomischen Zwänge sind bei der Ausführung doch klar ersichtlich und haben meiner Ansicht nach zu nicht wirklich schmeichelhaften Ergebnissen geführt.


    Ich wäre daher dafür, sich optisch bemühende Gebäude wie das Haus des Lehrers zu erhalten und ansonsten wenig Rücksicht auf den Bestand zu nehmen.

  • Schade, dass das Scheibenhochhaus des Berliner Verlags in den 90ern so überformt wurde. Die ursprüngliche Fassade war viel plastischer, differenzierter gestaltet, als diese belanglose Blechpanelverkleidung. Hier würde mir eine Herstellung des Originalzustands durchaus gefallen. Im Zusammenhang mit dem Pressecafe wäre das ein Hingucker.