Tiergarten und Hansaviertel | Kleinere Projekte

  • Ich denke im Nachhinein sieht man erst wie vielfältig die IBA Bauten alle waren. Sie waren und sind wirklich eine Bereicherung für die Stadt ob hier oder in Kreuzberg, wo es wirklich jede Menge interessanter Beispiele gibt.

    Im Gegensatz zu heute - habe ich wirklich den Eindruck, dass sich Architekten glaubwürdig und sehr engagiert mit der Wohnsituation auseinander gesetzt haben, um eine Optimierung von Kosten, Wohnqualität und architektonischen Anspruch zu erreichen.

    Ebenso beeindruckend die Vielfalt der Wohnanlagen, nicht dieses elende Einerlei (Fischerinsel), das aussieht wie beim Obi erworben (Gang sieben hinten links)

  • Ja die Pflasterung und Bepflanzung find ich auch toll auch der hässliche Riegel über der Straße bewirkt ein intimes Flair, hat schon fast was von Gated Community.

    Die Bauten mögen für ihre Zeit reformerisch wirken heute wirken sie auf mich eher wie eine typisierte, piefige Reihenhaussiedlung einer Vorstadt aus den 90ern.


    Die billigen Fenster und Geländer gibts im Baumarkt sicher auch.

    Ich kann mich einer gewissen Banalität der Fassaden und deren Oberflächen nicht erwehren und hier ins lobhudelnde Horn zu blasen fällt mir da etwas schwer auch wenn’s mythische Ibabauten sind deren Intention und Denkanstöße zu loben sind.

  • Urbanist: Skurril war in diesem Fall auch nicht unbedingt negativ gemeint. Da ich das Stadthaus-Quartier an der Lützowstraße zuvor noch nie besucht habe, war ich zunächst überrascht, hier im rückwärtigen Bereich zum lauten Lützowufer unerwartet auf dieses, städebaulich andersgeartete IBA-Quartier zu stoßen.


    Darüberhinaus war ich aus dem von dir genannten Grund überrascht, wie man hier vor 40 Jahren das Thema 'Stadthaus' umgesetzt hat. Die Häuser sind fast ausschließlich verputzt, zeigen aber viel Varianz in der Anordnung der Fenster und in der Farbgebung.

    Über die Qualität der Umsetzung bzw. das Ergebnis der Veränderungen in den letzten Jahrzehnten lässt sich durchaus diskutieren, da schließe ich mich meinem Vorredner an. Aber meines Erachtens ist es gelungen, das homogene Bild der Bebauung, dem sich trotz der Unterschiede jedes Gebäude unterordnet, zu erhalten.

  • Ich denke die Iba 82/87 kann man eher als Friedensangebot lesen.


    Die vorausgegangenen Prozesse im Namen der Flächensanierung (Kahlschlagsanierung) begründete eigentlich das Misstrauen gegenüber Architekten, Wohnungsbauträgern und Politik und deren modernem Stadtverständniss.


    Die Aggressivität mit der man teilweise durch spontanes mutwilliges unnutzbarmachen, Vernachlässigung, Nacht und Nebelabrisse, Entmietungszwang bis hin zum hinzuziehen der stationierten US Streitkräfte, vorging gingen dem Voraus.


    Die damit einhergehende Wahrnehmung eines weiteren unnötigen, mutwilligen Zerstörens der traditionellen Stadt und deren Vorzüge die, die Moderne so nicht in der Lage war/ist adäquat nachbilden zu können, ist durchaus auch Grund für eine Entfremdung zwischen den Gestaltern/Akteuren des modernen Stadtbildes und den Ihres Produktes, Bedachten.


    Kurz vor der Wende drohte sich dieses Szenario der Kahlschlagsanierung bspw. im Prenzlauer Berg zu wiederholen und rief erneut Widerstand hervor.


    Ich denke damit verjüngte sich die skeptische bis ablehnende Haltung gegenüber einer oft als missliebig, zerstörerisch, hereinbrechend wahrgenommenen Moderne und deren Vertretern.


    Auch in den Frühen Nachwendejahren wurde diese Haltung kaum widerlegt fand aber nicht ein so fokossiertes Echo - da Umbruch, Abriss und Abwicklung allgegenwärtig waren -


    Ich kann mich noch gut an die Situation unserer Altstadt nach der Wende erinnern- wo der Vollzogene Abriss ganzer Straßenzüge mittelalterlicher Giebelhäuser, historischer fabrikgebäude und Kaufhäuser zwar betrauert wurden aber in Anbetracht der wirtschaftlichen Unsicherheit man sich an jeden potentiellen Investor bedingungslos klammerte -

  • Ja die Pflasterung und Bepflanzung find ich auch toll auch der hässliche Riegel über der Straße bewirkt ein intimes Flair, hat schon fast was von Gated Community.

    Die Bauten mögen für ihre Zeit reformerisch wirken heute wirken sie auf mich eher wie eine typisierte, piefige Reihenhaussiedlung einer Vorstadt aus den 90ern.


    Die billigen Fenster und Geländer gibts im Baumarkt sicher auch.

    Ich kann mich einer gewissen Banalität der Fassaden und deren Oberflächen nicht erwehren und hier ins lobhudelnde Horn zu blasen fällt mir da etwas schwer auch wenn’s mythische Ibabauten sind deren Intention und Denkanstöße zu loben sind.

    Zur Errichtungszeit waren diese Häuser tatsächlich "Vorstadt". Jenseits des Kanals gab es das Diplomatenviertel nicht. Es handelte sich um eine Brache, die in den Tiergarten überging, nach Osten kam die Mauer. Sie waren extrem teuer und sind keineswegs billig ausgeführt.

  • Neu- und Umbauten am Café am Neuen See im südlichen Tiergarten

    Das beliebte Café am Neuen See nutzt die Winter- und Coronapause und hat sich neue Gebäude für Küche, Ausschank und Indoor-Betrieb gebaut. Der alte Ausschank-Pavillon nördlich des Haupteingangs wurde abgerissen. Bis auf den südlichen Neubau, der eine angenehme Ziegelfassade bekommen hat, handelt es sich umschlichte Styropor-verkleidete Funktionskästen. Immerhin könnten dieser später berankt werden, worauf die kleinen Metallhalterungen an den Außenwänden hinweisen.


    Ansichten von der Lichtensteinallee:


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    Haupteingang, links dürfte der künftige Ausschank sein, rechts die Reste des abgerissenen alten Ausschank-Pavillons:


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  • Sanierung Wohngebäude Bartningallee 23-25

    Ganz nah an Moabit, zwischen Moabiter Brücke bzw. Spree und dem S-Bf. Bellevue, wurde ein gößeres schlichtes Nachkriegs-Wohnhaus saniert.


    So richtig toll ist das Ergebnis nicht gerade, wenn auch immehin hell und freundlich und mit etwas kräftiger Farbakzentuierung (um das Positive zu sehen):


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    Die Rückseite:


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    Der Vorzustand ist in Street View teils verpixelt zu sehen, aber für einen Eindruck reicht es:


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  • Der Tod des Architekten Helmuth Jahn verdient hier eine kleine Erwähnung. Mich hat sein Stil zwar nie inspiriert, es stand für nichts, was mir zukunftsweisend und verheißungsvoll erschien, aber er hat u.a. mit Sony-Center und Bahntower am Potsdamer Platz sowie dem Neuen Kranzler Eck am Ku'damm unbestreitbar auch in Berlin markante Bauten geschaffen. Der gebürtige Franke Jahn starb am 8. Mai 2021 im Alter von 81 Jahren bei einem Fahrradunfall in Campton Hills (USA).

  • Das Projekt Schönegarten wird auch langsam fertig. Es ist schon ein ziemlich großer Block . Insgesamt im Berliner Mainstream was Neubauprojekte für die Besserverdienenden betrifft.





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    Hier die Rückseite zum Möbel Höffner




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    Der übliche Fassadenmix








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    Diese hier gefällt mir noch am besten mit etwas Betonoptik


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    Balkone gibt's auch jede Menge




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    Und hier die Seite zur Kurfürsten





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    Beitrag thematisch gesplittet und auf 2 Threads verteilt, dieser Teil ist nun hier.

  • Ich bin trotzdem der Ansicht dass hier zu viele Dunkle Fassaden aneinander Dümpeln.

    Ein hellroter Ziegel neben der Putzfassadenecke hätte da schon auflockernder Gewirkt. Wenn man schon alles auf Staffelgeschoss trimmt wären ein paar Brüche und Sprünge zwischen den Häusern auch nicht schlimm gewesen- so sieht’s erst mal aus wie ein gestreiftes 60er Jahre Sesselpolster. Na wenigstens war man um Kleinteilige Abwechlungsreiche Fassadeninterpretationen bemüht und besser als das was bisher da so an baulichem Gerümpel rumlungerte ist es allemal.

  • 3 Höfe / Lützowstraße 107-112

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    Update zum Baufortschritt. Die Rohbauten haben allesamt ihre finale wuchtige Dimesnion erreicht. An der Nordseite zur Lützowstraße wird bereits die Klinkerfassade angebracht:


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  • BV Schönegarten

    Zuletzt hier


    Und auch zu diesem großen BV nochmals ein aktueller Rundumschlag. An einzelnen Fassadenteilbereichen finden immer noch Restarbeiten statt, aber das „Gesamtkunstwerk“ lässt sich schon ganz gut beurteilen.


    Die Nordwestecke an der Genthiner Straße neben Möbel Hübner:


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    Die Nordseite. Hier haben die Bewohner eine phantastische Aussicht auf den Möbel-Hübner-Klotz:


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    Detailansicht einiger Fassaden an der Genthiner Straße (Westseite):


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    Die Südostecke (Genthiner- Ecke Kurfürstenstraße):


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    Das Holzkabuff rechts dürfte eine sog. Verrichtungsbox sein:


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    Fassaden an der Kurfürstenstraße:


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  • War letztens dort und empfand das Ensemble als unglaublich starr und steril. Vielleicht wäre es nicht von Nachteil gewesen die Balkonformen nach Fassade zu variieren der Einheitslook der Balkone arbeitet eigentlich gegen die Bemühung um eine Fassadenvielfalt.

    Bei dem Backsteinbau hat mans wenigstens noch versucht.

    Diese Neigung zu-ausgestellten Schubladen als Balkon find ich in der Masse mühsam und billig erst recht mit der Stangenware als Balustrade.

    In Zusammenhang mit der Einheitstraufe

    und dem durchgezogen Staffelgeschoss wirkt das ganze schon sehr retortenhaft.


    Der Versatz auf dem vorletzten Bild ist schon ne Wohltat. Die Balkone über der Durchfahrt find ich merkwürdig platziert warum greift man die Breite der Durchfahrt nicht für die Balkonbreite auf oder macht einen Gefangenen Balkon oder eine Loggia über die Breite, die Angedachte Symmetrie wird doch durch die repräsentative Durchfahrt sowieso ausgehebelt.


    Ich kann mir nich helfen aber irgendwie wirkt das ganze wie eine Musterbauzeile aus einem Steckbaukasten. Das wirkt bisher alles so deutlich vorgefertigt und durchstandardisiert und die individuelle Note dadurch recht unglaubhaft.

  • ^auch wenn mich die Balkone weniger stören, treffen Endells Worte zur unglaubwürdigen Individualität so ziemlich meinen ersten Eindruck.

    Ich frage mich, aus welchem Grund man Traufblech und Geländer - wie auf dem ersten und fünften Bild von #183 zu sehen - durchzieht, obwohl sogar die Geschosshöhe des Eckgebäudes zu seinen Nachbarn abweicht. Selbst wenn man bis zum letzten Zentimeter an die Grenze der erlaubten Höhe heranbaut, hätte man dann nicht auch im Dachbereich und Staffelgeschoss konsequenter eine individuelle Differenzierung anstreben können? Offensichtlich war das nicht gewollt. Nur warum? Warum dann doch der Wunsch nach Homogenität?


    Übrigens bin ich insgesamt - abgesehen von meiner Frage - ganz zufrieden mit dem Block. Die Materialität mag ich. Und die städtebauliche Gesundung an dieser Ecke sowieso.

  • Das BV Schönegarten ist mMn vor allem an der Kurfürstenstraße doch recht gelungen. Durch die unterschiedliche Gestaltung der einzelnen Abschnitte wirkt es kleinteilig und angenehm. Als abschreckendes Gegenbeispiel sei hier das BV an der Bachstraße Ecke Altonaer genannt. Blockrand gut gemeint, absolut grauenhaft realisiert. Beim Projekt hier hätte ich mir lediglich zur Kurfürstenstraße hin Erker über 3 Etagen statt dieser absurden Balkone gewünscht. Letztere haben eh kaum einen Mehrwert. Wer setzt sich schon freiwillig an dieser Straße mit dem Verkehr (höhö) auf einen Balkon zum gemütlich verweilen.

  • Zum BV Schönegarten:


    Nun, es ist ein riesiger Baukomplex, der im Rohbau aus einem weitestgehend gleichförmigen Klotz besteht und eindeutig der maximalen Rendite unterworfen ist. Wie so viele größere Bauprojekte, mit denen ein Investor Geld verdienen will und das ist ja meistens der Fall. :)


    Man hat nun zwei Möglichkeiten: Man schafft (wie hier) eine Pseudo-Individualität in Altbau-Dimensionen, in dem man verschiedene Farben, Fassadenmaterialien und -muster vorsetzt oder man gestaltet den ganzen Block im einheitlichen Stil wie beim Carré Voltaire schräg gegenüber,


    Beides kann einigermaßen gelingen oder in die Hose gehen. Hier ist es m. E. mittelmäßig gelungen. Die von euch zuvor beschriebenen Defizite lassen sich nicht leugnen. Dafür bin auch ich froh, dass hier durchgehend Kunst-/Naturstein und Klinker als Fassadenmaterialien verwendet wurden und kein bemaltes Styropor mit Hang zu schnellen Schimmeln. Mit z. T. unterschiedlichen Balkon- und Fensterbrüstungen sowie Fenstergrößen (teils versetzt) werden weitere zaghafte Individualisierungen erreicht - auch wenn es oft etwas bemüht und bieder wirkt. Der einheitliche Großklotz, der dahinter steckt, lässt sich dadruch nur ein wenig kaschieren, aber nicht verbergen. Dennoch, eine Verbesserung für diese arg geschundene Gegend ist es allemal.


    Der von Endell als Wohltat empundene „Versatz auf dem vorletzten Bild“ ist wohl dem Übergang zum sich östlich anschließenden Bestands-Altbau geschuldet. Immerhin. Zudem scheinen die EG viele Ladenlokale aufzuweisen, was hier ja oft gefordert wird und tatsächlich zu einer Belebung (abseits des Verrichtunsgeschäfts:) beitragen sollte.