Boyenstraße + Hafenquartier Mitte

  • JimmyMcGill Hochemotional ist ja wohl etwas übertrieben. Da geht noch deutlich mehr, wenn man denn wirklich wollte ;) Ich persönlich finde es aber sogar anregend, wenn auch mal etwas Leidenschaft in eine Diskussion kommt (so lange zugleich auch Argumente eingebracht und andere Teilnehmer sowie ihre Standpunkte respektiert werden). Gerade die scheinbare Gleichgültigkeit hat mich hier sogar erst zu einem Beitrag bewegt. Da sind wir eben alle verschieden. Das Bewertungssystem kann man von mir aus aber wirklich gerne abschaffen. Zum Einen gruppieren sich da wie passend von Dir beschrieben ohnehin oft Gleichgesinnte. Zum Anderen führt es mE eher zu Ablenkung/Störfeuern als zu qualitativ hochwertigeren Beiträgen. Wenn das dann sogar noch wie von Dir angedeutet zum Selbstzweck wird, dann läuft da ohnehin was verkehrt.


    BTT:

    Der Übersichtsplan ist interessant. Den Spielhügel konnte man auf Backsteins Fotos ja schon einigermaßen gut sehen und das war auch eine der positiven Überraschungen (definitiv nett und auch nicht Standard aber scheinbar recht klein). Ein richtiger Bolzplatz ist dagegen nicht zu erkennen. Vermutlich werden einfach gelegentlich Tore auf dem kleinen Stück Wiese aufgestellt, was ja auch ok ist. Sandspielflächen sind dagegen Standard und in dem Fall mE sogar eher klein dimensioniert. Das Gelände ist leider aber auch insgesamt nicht sehr groß und dazu schmal geschnitten - und etwas gepflasterte Fläche muss natürlich auch sein. Ist so schon etwas anspruchsvoll. In Kombination mit dem dunklen Holz und den kantigen Übergängen finde ich es aber noch weniger einladend, als auch unter diesen Voraussetzungen sonst möglich gewesen wäre. Warum zum Beispiel nicht so ein schöner Holzton wie beim Eingangstor oder einfach ein schöner Anstrich? Dann noch verschiedene Farben für die Eingangsbereiche und schon wäre es deutlich freundlicher und weniger streng ausgefallen.

  • Der Vorwurf der Kinderfeindlichkeit kommt so gut wie bei jedem Kitaneubau. In den meisten Fällen löst der sich dann in Luft auf, spätestens dann, wenn die Kinder die Räumlichkeiten adaptieren.

    Dem Umfeld würde ich schon ein bisschen Zeit geben. Wer will denn Natur aus dem Katalog. Bestellt und ready made. Brrrr.


    Dass Endell so gut wie kein Neubau positiv kommentiert ist ja nichts Neues. Alles was nicht nach min. Gründerzeit aussieht, wird schlecht bewertet. Und wenn es wider erwarten doch einmal gut benotet wird, steht der Bau schlichtweg am falschen Platz.

    Ich glaube der Begriff Kinderfeindlichkeit auf diese Anlage bezogen hast nur du ins Spiel gebracht. Die Gestaltung der Anlage wird bestenfalls als äußerlich wenig ersichtlich Kindsbezogen und wenig freundlich gestaltet beschrieben. Vorrangig macht man das hier an der visualisierten lustlosen Geländegestaltung und Farbigkeit des Gebäudes fest.

    Der hier visualisierte Eindruck lässt sich auch nicht durch etwaige gestalterische Aneignung und prognostizierte Patina ausräumen da für mich hier kein gestalterischer Wert mit deutlicher Absicht erkennbar ist. Dann hätte man die Kita auch in irgendeinem Bestandsbau mit Hofgarten oder Vorgarten unterbringen können und bräuchte keinen thematisch fokussierten Neubau der sich für die Verarbeitung und Berücksichtigung aktueller pädagogischer Anforderungen anbietet.

    Niemand kritisiert hier die Grundarchitektur und ihr Innenleben auch erwartet niemand eine ausgeklügelte Landschaftsplanung, ein Bälleparadies oder hohe Gartenkunst.


    Ist es so schwer nachzuvollziehen dass man deutliche didaktische und sensorische Elemente und eine einladende Aussenwirkung bei einem modernen Kitabau gern gesehen hätte und man nicht unbedingt mit grauer Lattenverkleidung, abgestellten abstrakten Betonelementen und schick verlegten Bodenplatten überzeugt wird, ich denke da darf man zu recht einfach etwas anderes Erwarten und braucht sich nicht für seine Kritik zu genieren.

    Wenn man die Vereinnahmung der Fassade durch kindliche Gestaltung einpreist warum setzt man nicht deutlich auf eine Anzeichengestaltung in diesem Sinne. Schultafellack, ein paar bunte Latten und „Wasserflöhe?!?“ an der Fassade hätten jetzt trotzdem auch niemandem Geschadet und die Wirkung wäre doch schon eine ganz andere.

    Dankenswerter Weise hat Jimmy Mc Gill ein paar Hintergrundinformationen zur Geländegestaltung und zu den Innenräumen präsentiert - haut mich jetzt nicht als Ausdruck innovativer Gestaltung vom Hocker, erkennbar Ikea Hemnes 😉 - ist aber solide und praktisch der Rest kommt durch die Dynamik des laufenden Betriebs mehr war auch nicht zu erwarten.


    Ps ich kenne gar keine gelungene neuere Architektur in berlin die Gründerzeitlich wäre - und Architektur die Kontextfrei in funktionierende Ensembles eingefügt wird steht für mich halt falsch ich denke ich gebe mir Mühe meine Haltung zu den Neubauten wie jeder andere zu begründen, vieles spricht mich aus verschiedensten Gründen nicht an, ist langweilig oder ist einfach dreister Nepp. Entweder man teilt diese subjektiven Einschätzungen, wird getriggert, überzeugt anderweitig oder ignorierts ich seh da jetzt kein großes Problem.

  • Ich denke, man sollte die Architektur von Kindergärten nicht überbewerten. Diese hier ist solide, wenn auch nicht spektakulär. Und die Außenanlagen werden noch positiv dazuwirken.


    Aber wenn ich an die Kindergärten meiner Kinder und Enkelkinder denke, war keiner architektonisch spektakulär. Den Kindern waren die Erzieher/innen und die Freund/innen wichtiger. Den Eltern das pädagogische Konzept.


    Beispiele: In Berlin Biesdorf war es eine Baracke aus DDR-Zeiten, dafür mit einem tollen Außenbereich. In Köln war die Kita in einen Wohnneubau integriert. Völlig unspektakulär, aber unser Enkelsohn ist gerne hingegangen. In Stuttgart schließlich ist eine Enkeltochter im Waldkindergarten ganz ohne Architektur. Und in Berlin Prenzlauer Berg ist die Kita in einen Gründerzeit-Altbau integriert. Zum Toben müssen die Kinder auf einen öffentlichen Spielplatz. Dafür wird Spanisch gesprochen und vegetarisch gekocht.


    Viele Kindergärten, auch hier in meiner neuen Heimat, sind äußerlich eher unspektakulär, weil sie in der Regel von innen nach außen geplant werden. Also Raumkonzept plus Außenanlage sind wichtiger als die ganz große Baukunst.

  • Ich denke, man sollte die Architektur von Kindergärten nicht überbewerten.


    Aber wenn ich an die Kindergärten meiner Kinder und Enkelkinder denke, war keiner architektonisch spektakulär. Den Kindern waren die Erzieher/innen und die Freund/innen wichtiger. Den Eltern das pädagogische Konzept.


    Viele Kindergärten, auch hier in meiner neuen Heimat, sind äußerlich eher unspektakulär, weil sie in der Regel von innen nach außen geplant werden. Also Raumkonzept plus Außenanlage sind wichtiger als die ganz große Baukunst.


    Dem kann ich weiterhin nicht zustimmen.


    Dass viele andere Dinge auch wichtig sind, ist ja klar. Auch in Villen leben einsame, unzufriedene Menschen. Oder umgekehrt: Menschen in Haiti, die teilweise regelmäßig nach Naturkatastrophen ihre Wellblechhütten neu aufbauen dürfen und als Familie in einer Hütte leben, sind statistisch oft glücklicher als wir. Ich habe meine Grundschulzeit selbst in einem alten Plattenbau verbracht und die ersten Jahre der Oberschule sogar erst in zugigen, stinkenden Blechcontainern und dann in funktionalen Modulbauten. Habe ich alles überstanden und mein Abitur geschafft. Trotzdem fand ich es nie angenehm (meine Mitschülerinnen und Mitschüler und die Lehrkräfte auch nicht) und ich würde als Architekt niemals so eine Schule entwerfen, sondern würde mich natürlich auch mit Lernpsychologie etc. beschäftigen.


    Die Existenz von mehr oder weniger funktionierenden Notlösungen ist doch kein Argument dagegen, dass ein Neubau vom Start weg möglichst bedarfsgerecht und freundlich gestaltet ist und ggf. für alle Beteiligten zusätzliche positive Emotionen weckt. Ein helleres Holz zu wählen oder dem Holz einen farbenfrohen Anstrich zu verpassen, wäre ja wohl auch kaum ein Mehraufwand gewesen.


    Und es gibt nun einmal nicht wenige Kinder, die mindestens zunächst oder aber generell nicht gerne in die Kita gehen, was es dann auch für die Erzieherinnen/Erzieher und die anderen Kinder anstrengender macht. Das gilt besonders für einige der sehr kleinen Kinder, die mit der Trennung von den Eltern nicht gut zurechtkommen und denen das ja auch kein Mensch vernünftig erklären kann (diese konkrete Kita hat ja auch einen U3-Bereich, wo sicher auch Babies und kaum sprachfähige Kleinkinder dabei sein werden) und ganz besonders während der Eingewöhnungsphase. Warum also NICHT schon Außen beim Ankommen mit Farben arbeiten, die dann wenigstens positive Emotionen ansprechen? Oder ein Außengelände schaffen, was trotz wenig Fläche zumindest etwas die Fantasie anregt? Sicher kann man noch nachlegen aber aus einem strengen Rasterformat werden keine weichen organischen Formen mehr und zwischen Pflaster und rechteckigen Rasenflächen sind auch kaum Lücken für mögliche Pflanzungen zu erkennen.


    Backstein: Auf den Bildern mit hellem Himmel sieht das Haus etwas heller aus aber es bleibt ein dunkles Graubraun, was gerade kleine Kinder nachweislich nicht positiv anspricht. Und es gibt ja auch häufiger Wetter wie bei Deinen Aufnahmen, wo es dann noch dunkler wirkt. Es ergibt mE einfach keinen Sinn, sich bei einer Kita für so eine Farbe zu entscheiden. Es gibt schöne Backsteine in warmen Tönen und es gibt schönes helles Holz oder eben Farben und Lacke...