Bestandsaufnahme Bürostadt Niederrad / Lyoner Quartier

  • Bestandsaufnahme Bürostadt Niederrad / Lyoner Quartier

    Wie sich selbst an einem Samstagnachmittag zeigt, tut eine Belebung des Viertels, das zwischen der A5 im Westen, der Goldsteinstraße im Norden, der Hahnstraße im Osten und der Straßburger / Lyoner Straße im Süden begrenzt ist, Not. Trotz Ambitionen zur Weiterentwicklung eines Teilgebietes namens "Lyoner Viertel" zum gemischten Büro- und Wohnstandort sind sämtliche Straßenzüge nach wie vor von lockerer Bürohochhausbebauung geprägt.


    Mit den nachfolgenden Bildern möchte ich einerseits den aktuellen Zustand dokumentieren, indem ich zunächst eine Auswahl durchaus herausragender Hochhäuser vorstelle. Später folgen kleinere Bauten und Übersichtsfotos.


    Zunächst eine Übersichtskarte mit zusätzlichen Hausnummerbeschriftungen an der Lyoner und Herriotstraße: (Klicken für etwas größer oder hier für die interaktive Karte):



    Karte: OpenStreetMap (c) OpenStreetMap and Contributors unter der CC-BY-SA-Lizenz. Markierungen von www.dafmap.de


    Die nachfolgenden Bilder von mir stelle ich unter die Creative-Commons-Lizenz 3.0 (Wikipedia) zur freien Verwendung (werden demnächst auch bei Wikimedia zu finden sein).

  • Lyoner Straße 14, 20, 23 32, 34, 36, 40, 44

    Die Lyoner Straße schlängelt sich durch das gesamte Viertel. Die Nummer 14 beherbergt ein buntes Sammelsurium an Mietern, darunter auch - wichtig zum mittäglichen Überleben in dem Viertel - ein Restaurant. Eine schlanke Doppelscheibe aus längst vergangenen Zeiten:



    Die Nummer 15 an der Ecke zur Herriotstraße bietet eines der spektakulären Atrien der Bürostadt:



    An der Nummer 20 wurde vor gut zehn Jahren das Vorgängergebäude von 1972 abgerissen und kurz darauf das folgende Haus mit kreuzförmigem Grundriss errichtet. Das Google Satellitenfoto von ca. 2003 zeigt noch eine große Baustelle:



    Die Lyoner Straße 19 war ein Bürogebäude und wurde als erstes großes Umbauprojekt 2010 zu einem Wohnhochhaus mit 98 Mietwohnungen (und mit eigenem Thread). Der Entwurf stammt vom Büro Stefan Forster aus Frankfurt. Aktueller Zustand:



    Prägend für das Gesicht der Bürostadt ist die Kette von Gebäuden an der westlichen Seite der Lyoner Straße zwischen Nummer 28 und 36. Hier die Nummern 32 und 34:



    Die Nummer 32 ist ein Komplex aus (zweieiigen) Zwillingstürmen und einem Eingangsbau in der Mitte. Das Ganze nennt sich "Blue Towers" und sucht händeringend nach Mietern:



    Den Olivetti-Türmen nebenan (Nr. 34) geht es nicht besser. Die bekannten Doppeltürme mit Sockelbebauung entstammen der Feder des legendären Egon Eiermann (Wikipedia) und tragen noch den Namen des Erstmieters. Der Blick auf den Komplex von Nordwest:



    Der höhere Nordturm von Osten:



    In der Nummer 23 gegenüber residiert die Deutschland-Zentrale von Nestlé:



    Am südwestlichsten Zipfel, der Nummer 36, befindet sich der glatte, aber verschachtelte "Access Tower":



    Einer der östlichen Nachbarn wiederum von ihm ist mit der Nummer 40 ein Hochhaus, in dem sich die Steigenberger Hotel Group befindet:



    Seltsam von der Straße abgerückt liegt die Nummer 44, der fast 100 Meter hohe, sogenannte Arabella-Turm. Im Vordergrund sind die Wiesen des Frankfurt International Equestrian Center zu sehen:



    Bilder: epizentrum

  • Herriotstraße 1, 3, 5

    Die Herriotstraße mündet an beiden Enden in die Lyoner Straße und verläuft parallel zum mittleren Nord-Süd-Abschnitt der Lyoner Straße. Auf die Nordseite der Herriotstraße 1 hat man wegen der Brache an der Lyoner Straße 13 (Vordergrund) derzeit einen schönen Blick:



    Das verschachtelte Gebäude von Nordwest:



    Die Nummer 3 befindet sich gerade in einem Umbau:



    In der Nummer 4 gegenüber mit dem markanten roten Eingang residiert seit Jahr und Tag die Telekommunikationsfirma Colt:



    Bilder: epizentrum

  • Lyoner Straße 32 sind keine Zwillinge sondern großer und kleiner Bruder.


    Das auf deinem Foto rechte Gebäude stammt aus den 1970ern, gebaut noch von der Nixdorf Computer AG im damals bei Nixdorf üblichen "Egons-Lampenladen-Stil" mit einer Fassade aus brüniertem Alu und gold-metallisierten Scheiben. Hier auf dem dritten Bild von Links das Musterbeispiel. Keine zentrale Klimaanlage sondern Wärmetauscher unter jedem Fenster, so dass nur kalt und Warmwasser verlegt werden mussten - zentral wurde belüftet.


    Im Mittelteil war der Empfang und ein großes Rechenzentrum, auf der Fläche des kleineren Bruders stand bis ca. 1989 das Parkhaus, darunter fand sich nach dem Abriss eine Fliegerbombe.


    Nach Neubau des kleinen Bruders und Komplettsanierung des großen Bruders zog zunächst die IG Metall ein.

  • Ein wirklich interessanter Themenstrang, den du ins Leben gerufen hast, epizenturm!


    Die Bürostadt Niederrad hat eine beachtliche Anzahl von Bürohochhäusern, wenn man so will, mit einer eigenen kleinen Skyline, umgeben von Wald.


    Zwei Luftbilder aus dem Jahr 2009 geben einen Überblick über die Bürostadt:



  • DekaBank

    Als spektakulär kann das Bürogebäude der DekaBank in der Lyoner Straße bezeichnet werden. Auffällig ist der dreieckige Grundriss mit zwei spitzen Winkeln. Die Glasfassade ändert je nach Wetterlage ihr Erscheinungsbild.



  • Wer war denn der Architekt? Erinnert irgendwie stark an das Piano-Hochhaus am Potsdamer Platz in Berlin.

  • Um die Bürostadt Niederrad besser verstehen zu können, hilft gewiss auch ein Blick auf die Eigentümerstrukturen. Während heute dort fast alle nur noch bei irgendwelchen Fondsgesellschaften mieten, gab es den ersten Jahre eigentlich nur Bestellbauten für Unternehmenssitze aus Industrie und Handel.


    Heute gibt es dort leider kaum noch Eigennutzerbauten (da längst aus den Bilanzen der Firmen rausgedreht an Finanzvehikel), die große Ausnahme ist vor allem die Deutschlandzentrale der Nestle. Ein dauerhafter (Eigen-)Nutzer der Bürostadt von Anfang an, ähnlich wie einige wichtige Verbände.


    Was haben sich zwischenzeitlich -ohne entsprechenden Ersatz- für Ikonen der Wirtschaftsgeschichte verabschiedet, Olivetti hat uns ein (leeres) Denkmal hinterlassen und den neuen Eigentümern kein Glück gebracht. Auch die Ex-Zentrale von Hertie, revitalisiert von Mäckler mit großen Hoffnungen, dümpelt nur noch teilgenutzt vor sich hin (und Colt wollte mal in den Telekomwunderjahren das ganze große Haus füllen...). Coop als einer der größten Einzelhändler legte eine krachende Pleite hin, während Woolworth über die Jahre dahinsiechte. Und so weiter....


    Dennoch hat die Bürostadt wohl das Schlimmste hinter sich, erfindet sich gerade wieder neu und die (potentiellen) Nutzer werden wieder verstärkt die Vorteile sehen: Flughafennähe, direkter (neuer) Autobahnanschluß, der kommende Nutzungsmix mit Wohnungen und Infrastruktur sowie die günstigen Mieten, die Bürostadt ist noch lange nicht tot, im Gegenteil. Hätte sie evtl. noch den Gewerbesteuersatz von Eschborn, ginge es auch ganz schnell mit dem Leerstandsabbau.

  • Lyoner Straße 52, frühere Zentrale Deutsche Woolworth

    Im Architektur-Zoo Bürostadt leben viele Tierchen. Darunter auch die frühere Zentrale der DWW Woolworth Deutschland an der Lyoner Straße. Das zu den Pionieren in der Bürostadt gehörende Gebäude stellt in meinen Augen ein schönes Beispiel für die Architektur der ausgehenden Wirtschaftwunderjahre dar. Es ist davon auszugehen, was ich sehr bedauere, dass der seit seiner Erbauung offensichtlich äußerlich unverändert gebliebene Komplex mittel- bis langfristig abgerissen wird. Weil er seit Jahren leer steht, weil das an den Stadtwald grenzende Areal für Wohnungsbau besonders geeignet erscheint und weil angesichts der Bausubstanz sowie den Gegebenheiten in der Bürostadt eine Neu- oder Umnutzung kaum vorstellbar ist. Dementsprechend sieht auch ein hier vorgestellter Bebauungsvorschlag zum Rahmenplan Lyoner Viertel an dieser Stelle Abbruch und Neubau vor.


    Die folgenden Fotos sind von März 2009. Damals arbeiten hier noch rund 200 Menschen für die Deutsche Woolworth (Q). Schon im folgenden Monat wurde Insolvenzantrag gestellt, 2010 wurde die Frankfurter Zentrale geschlossen.




    Bilder: Schmittchen

  • Ein wirklich sehr interessanter Fund! Ist ja klar, dass ausgerechnet dieser abseits der ganzen Scheußlichkeiten in dieser Ecke wieder der Abrissbirne zum Opfer fallen muss. Die Bauzeit dürfte wohl um 1960 anzusetzen sein, oder?

  • In der Unternehmensgeschichte steht: "Die Zentrale wurde 1966 nach Frankfurt am Main in die Bürostadt Niederrad verlegt, in der Woolworth einen eigenen Bau in Auftrag gab. Von 1968 bis 2010 diente dieses Gebäude Woolworth als deutscher Firmensitz."


    Das Gebäude steht noch nicht komplett leer, 1-2 mal im Jahr ist hier immerhin noch der Hessische Rundfunk zugange. Wer das Innere des Gebäudes sehen möchte, sollte sich den Frankfurter Tatort ansehen. In den aktuellen Folgen des HR-Tatorts dient das Gebäude als Drehort für die Szenen im Polizeipräsidium. Joachim Król und Nina Kunzendorf alias Steier und Mey haben demnach ihre Büros in einem der unteren beiden Stockwerke im Sockel hinter der Fassade mit den markanten türkisfarbenen Glasbausteinen. Viele Wände in den Räumen und Fluren sind verklinkert, was dem Gebäude ein eigenes Flair verleiht. Abwarten wieviele Tatorte hier noch gedreht werden können...


    Das Woolworth-Gebäude gefällt mir - innen wie außen - es ist ein durchaus gelungenes Beispiel für die Architektur seiner Zeit.