Tempelhof-Schöneberg | Kleinere Projekte

  • < ... die Tankstellenfrage ist zukünftig hoffentlich eine, die uns hier im Forum öfter als bislang beschäftigen wird. Und das in Bezug auf die Bebauung der meist sehr attraktiven Eckgrundstücke.

    Was die Architektur des vorgestellten BV betrifft, so hätte ich einen solchen Entwurf vor 10 Jahren zähneknirschend akzeptiert. Heute fehlt mir für so eine einfallslose Burg gerade in diesem innovativen Bereich des Innsbrucker Platzes wo soviele unterschiedliche Architekturen aufeinanderstossen, das Verständnis.

  • Das Gebäude welches Georges Henri zeigt ist von Volker Staab entworfen. Alle Zutaten sind ja zu sehen: Ein gestalterisches Übermaß an Fenstervarianten (außenbündig, innenbündig, stark stehend, liegend fix mit Lüftungsflügel etc.) Sehnsucht nach ausgeblechten Schießscharten, Backstein mit Gradientoptik von oben nach unten. Sein eigenes Domizil in Schönberg referenziert so wahlweise die Hochschule in Ansbach oder das Zentraldepot in Potsdam aus dem eigenen Büroschaffen. Einen inhaltlichen oder formalen Ortsbezug zum Nollendorfplatz oder zum Tiergartenviertel lässt es indes vermissen. Seine West-Berliner Nachbarn des Wiederaufbaus macht das Haus durch seinen Vorwitz und seinen albernen, vorgeklinkerten WDVS-Ausdruck auch nicht besser.

  • Der Neubau für den Innsbrucker Platz ist stumpfe billige Katalogware die über das bloße Zitieren mit angeklebtem klassizistischem Gehabe nicht hinaus kommt.


    Eine ungute Melange aus Lüschers Kistenrezept und der untersten Schublade einer Patzschkebaumassenstudie.


    Das passt gut zu dem außerordentlich hässlichen und chaotischen Gelümmel aus zusammengeschusterten architektonischen Versatzstücken dass die geschweifte Wohnbebauung gegenüber dem DeGeWo Hochhaus bietet. Der Bau dominiert für mich schon durch seine Flächenbesetzung die Bauliche Fassung des Platzes gegen die keine noch so ambitionierte Bebauung wirklich anstehen kann.


    Zusammen mit dem umgesetzten Wettbewerbsbeitrag von 1996 ist das ganze einfach alles städtebaulich disharmonischer, architektonischer Murks und wird dem verkehrsplanerisch begründetem stadtbildlichen Deseaster dort auch nicht Herr.

    Die Ecke bleibt dauerhaft auch mit noch so viel Energie ein Flicken- Ort der den Namen Platz nicht verdient.


    Selbst das degewo Haus ist jetzt nicht unbedingt ne Perle und der Denkmalwert erschließt sich mir eher architekturhistorisch als frühes Bsp für ein Wohnhochhaus.


    Das Staabgebäude erinnert mich wirklich an Italien allerdings eher an wilde Baustellen der Mafia oder Erdbebenopfer - ich kann mit dem Gebäude nicht wirklich was anfangen- ich dachte zunächst bei dem Rötlichen Bewuchs handelte es sich um etwas wild raufgekippte altrömische Ziegel was ja nicht unstimmig gewesen wäre.

  • Der Neubau steht ca. 400m weit vom "innovativen Bereich" Innsbrucker PLatz entfernt und ist durch die Ringbahn auch optisch getrennt. Der Einfluss des Hauses hält sich also mehr als in Grenzen.


    Immerhin greift er die Blockrandbebauung auf. Zur Tankstelle hin wird es wohl keine Fenster bekommen, sodass man den Block - eines Tages - wieder ganz schließen kann.

  • An der Hauptstraße 90 (Ecke Sponholzstraße) wurde ein Getränke Hoffmann-Flachbau abgerissen. Dieser Neubau soll hier enstehen. Nichts besonderes, aber ganz OK. Hoffentlich kommt die Tankstelle dann als nächstes.

    Hmm, irgendwie passt der gezeigte Entwurf nicht zur Geometrie der rot markierten Grundriss-Übersicht. Die rechte Flanke dürfte eigentlich nicht rechtwinklig abgehen, wenn der angrenzende Altbau der aus der Sponholzstraße ist.


    Ansonsten doch ganz solide, der größte Pluspunkt dürfte die Fortführung des Blockrands sein. Über den Entwurf ansich kann man natürlich streiten.

  • ^ Das täuscht sicherlich, da es auf der Visualisierung auch noch einen gewissen Tilt-Shift-Weitwinkel gibt. Sehe das anonsten wie Ben, hier wird einfach der architektonisch recht heterogene Blockrand weitergebaut, mit dem Innsbrucker Platz hat das wenig zu tun. Selbst der irgendwann sicherlich entstehende Anschlussbau auf dem Gelände der Tankstelle wird minimalen Einfluss auf das Platzgefüge haben, eher eine Torfunktion zur südlichen Hauptstraße bilden.

  • Endlich tut sich etwas am Nollendorfplatz und die grässliche Spielothek neben dem Metropol-Theater soll verschwinden. Für das Grundstück hat der Immobilienentwickler Bauwens gemeinsam mit dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg ein Gutachterverfahren durchgeführt, um den besten Entwurf für ein Nullemissionsgebäude mit Büronutzung zu finden. Gewonnen hat HENN mit einem sehr eleganten Entwurf. Der Entwurf der Zweitplatzierten (ACME) mit seinen skulpturalen Stützen gefällt mir aber auch sehr gut. Ich wünsche mir eine solche hohe architektonische Qualität auch an zentraleren Orten der Stadt. Auf Baunetz kann man die Entwürfe einsehen.

  • ^ Aus meiner Sicht ist der erstplatzierte Entwurf auch der beste Entwurf. Insbesondere die großen Fensterscheiben wirken sehr elegant. Das Ergebnis stellt eine Verbesserung der aktuellen Situation dar.


    Dennoch kann ich nicht verstehen, warum den Architekten nichts Anderes einfällt als die immer gleichen Fassadenmuster und Fassadengliederungen. Immer nur rechte Winkel. Ein paar horizontale Linien. Ein paar vertikale Linien. Bisschen Stein. Bisschen Glas. Und fertig ist der Fassadenentwurf.

  • Danke Katzengold für den Hinweis - die Spielhölle da ist wirklich völlig entbehrlich allerdings hab ich deinen Beschreibungen zu folge etwas gänzlich anderes erwartet als das womit man im Baunetz so überschwänglich gelobt, dann aufwartet.


    Bei der Betrachtung solcher Entwürfe werde ich mittlerweile echt schnell müde.

    Auf Anhieb sieht das Henn für mich aus als hätte die Spielhölle nur n paar Fenster bekommen - so berauschend find ich die Fassade für einen potenten Raum wie den Nollendorfplatz jetzt nicht.

    Wenig repräsentativ und gängiges Raster seh ich da, derartige Bürofinkas hat man in Berlin nun wirklich mittlerweile überall egal ob an prominenter Stelle oder als Baulückenfüller. Den bedauerten eingebüßten Charme wird der ehemalige Schmuck-Platz sich wohl auch mit diesem Bau sicher bewahren, die Kiste ist einfach nur neu und emot..emissionslos.


    Für mich eher kein Gebäude für ein prominentes schnuckliges kleines Platzensemble / das vom Theater schon durch die Größe und Opulenz dominiert wird, eher was zum drüber hinweg sehen weil man kaum erwarten kann dass das langweilige platte Fensterraster endlich in eine spannende Fassade eines Metropol wechselt. Die Defileecour fällt also weiterhin für diese Hausnummer flach und man hastet vom Parkplatz zielgerichtet zum Döner Frisör oder eben ins metropol.


    Dass man da im Stark Gründerzeitlich geprägten Gebiet ausgerechnet die ranzigen 70er/80er am Platz und Block unbedingt zum Massstab nehmen muss an denen der Platz wie erkannt eher leidet um die Zeile aufzuwerten finde ich bedauerlich.

    Für mich ist der Entwurf eher n Flop.


    Den 2ten Entwurf find ich auch ansprechender vor allem weil er mal wieder vertikalen und Farbigkeit bietet obwohl ich die Spielerei mit den am Platz gedrehten Stützen noch nicht so recht einordnen kann.

    Skulpturales hätte ich da auf Anhieb nicht ausmachen können.

  • Ich möchte mal auf die Übergangsmieter „Die Dixons“ in der Spielhölle hinweisen. Derzeit toben sich auf liebenswerte und interessante Art und Weise, Künstler dort aus und Haben sich herzig bei der Nachbarschaft vorgestellt. Man ist eingeladen und Fenstern kann man da sowieso immer und kriegt eine Ahnung was da präsentiert wird. Was ich so sehen konnte, Vorrangig interessante Streetart u.a. Cartoons, Graffiti und witzige Beobachtungen wie Strassenschriften. Eine schöne Belebung und interessante Ergänzung wenn auch befristet, bis zum Bau von Büros an der Stelle 🙄

  • Alboingärten

    Zuletzt hier


    Mittlerweile wurden alle Wohnbauten weitgehend fertiggestellt und abgerüstet. An den EG- und Einganbsbereichen wird tw. noch gearbeitet, danach müssen noch die Außenanlagen gemacht werden.


    Während an der Nordseite z. T. grauer Klinker als Fassadenmaterial verwendet wurde, präsentiert sich die Südseite fast komplett weiß verputzt.


    Baustellenzufahrt Bessemerstr., Blick nach Westen auf die Nordseite des Wohnparks:


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    Ansichten der Nordseite:


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    Nach Westen hin läuft das Baufeld leicht spitz zu, daher macht die Gebäudefront hier zunehemend eine leichte Kurve. Blick nach Osten (bzw. O-NO);


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    Der westliche Abschluss ist dieses leicht spitzwinklige Gebäude mit gerundeter Ecke:


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    Kommen wir zur Südseite. Diese ist in einem weiten Bogen etwas zurückgesetzt, daher können dort später Grünflächen angelegt werden:


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    Nur das westlichste Gebäude hat hier verklinkerte bereiche bekommen, ansonsten hat man sich auf hellen/weißen Putz beschränkt.

    Ich hoffe mal, dass die olle Betonmauer zur südlichen Wohnanlage aus den 20/30ern noch abgerissen wird:


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    Die Südostecke:


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  • Zunächst vielen Dank, Backstein, für die Aufnahmen von diesem Projekt.


    Der Begriff 'Alboinfestung' passt hierbei sehr gut, aber im durchaus positiven Sinne. Städtebaulich wie auch architektonisch greift der Gebäudekomplex ganz bewusst monumentale Großstrukturen des Roten Wiens auf. Die strikte Orientierung an den Wiener Wohnungsbauten der 20er Jahre passt auch deswegen sehr gut, da das Bauvorhaben stadträumlich den südlich angrenzenden Wohnkomplex aus der gleichen Zeit nach Norden hin ergänzt. Der Städtebau wird damit zu einem in sich schlüssigen Abschluss gebracht. Perfekt gelöst, würde ich sagen. Zum Verständnis füge ich noch ein schematisches 3D-Modell ein, welches auch zeigt, wie groß die drei Höfe ausfallen.


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    Quelle: GeWoSüd


    Während die Schauseiten nach Norden, typisch für die damaligen Bauten, deutlich repräsentativer ausfallen, werden die Fassaden zu den Gärten auf der Südseite schlicht und in Weiß gehalten. Die aufgegriffenen Details (Riemchensockel sowie vertikale Betonungen, Kastenfenster, starke Vor- und Rücksprünge) sind aus meiner Sicht sehr gelungen. Die einheitliche Farbgebung des gewählten Riemchens sorgt zudem dafür, dass das ganze Quartier optisch zu einer Einheit zusammenwächst. Meines Erachtens ist hier ein sehr schönes, helles und zur Straße abwechslungsreiches Quartier entstanden.



    Da in verschiedenen Strängen regelmäßig Kritik an Fallleitungen aufkommt, möchte ich hierzu gerne noch folgendes loswerden:

    Entscheidet sich der Bauherr in Abstimmung mit Architekt und Haustechnik gegen eine innenliegende Entwässerung, bleibt in der Konsequenz nur die Ableitung des Regenwassers über außenliegende Fallrohre. An Regenwasserfallleitungen von Dachentwässerungen dürfen gemäß der normativen Anforderungen zur Vermeidung von Überflutungen auf den darunterliegenden Etagen keine Abläufe von Balkonen oder Loggien mit geschlossener Brüstung angeschlossen werden. Dies gilt auch für Terrassenabläufe. Nur wenn Balkone oder Loggien keine geschlossene Brüstung haben, kann auf getrennte Fallleitungen für die Dach- und Balkonentwässerung verzichtet werden.

    Im Ergebnis müssen damit in vielen Fällen, wie ganz offensichtlich auch hier, mehrere Fallleitungen zur Ableitung des anfallenden Regenwassers geplant werden, um unter Wahrung der anerkannten Regeln der Technik Schäden an der Bausubstanz verhindern zu können. Eine Einbindung von Fallleitungen in die Dämmebene stellt darüberhinaus aus verschiedenen Gründen ein Risiko für den Bauherrn dar, welches verständlicherweise oftmals nicht eingegangen wird.


    Wer sich eine miserable Objektplanung in Bezug auf Fallleitungen anschauen möchte, dem empfehle ich das Bauvorhaben Dora-Benjamin-Park auf der Stralauer Halbinsel. Das oben gezeigte Objekt hat dagegen das Thema durchweg pragmatisch gelöst.

  • ^ Danke, RianMa, für die aufschlussreichen ergänzenden Infos.


    ich möchte den Komplex keinesfalls in den Himmel loben, aber ein paar Dinge finde ich doch bemerkenswert:


    Die Gestaltung ist sicher nicht spektakulär, aber es erstaunt mich doch im positiven Sinne, dass man sich nach Norden zu einer etwas aufwändigeren Gliederung und Gestaltung der Gebäudefront mit Vor-und Rücksprüngen, verklinkerten Bereichen, Simsen, Erkern usw. entschlossen hat und ein Wechsel zwischen horizontaler und vertikaler Betonung stattfindet. Und auch die Südseite ist durchaus passabel.


    Erstaunlich daher, da sich die Gebäude und deren Fassadenfronten kaum einer breiteren Öffentlichkeit zeigen. Von der Bessemerstraße aus, die wahrlich keine Flaniermeile ist, erhascht man allenfalls einen seitlichen Blick auf die Gebäude, wenn man entlang der künftigen Tiefgarageneinfaht mal nach Westen schaut. In die Privatstraßen bzw. -wege, die entlang der beiden Längsseiten führen, wird sich kaum mal ein Normalsterblicher verirren. Keiner hätte sich groß aufgeregt, wenn man hier einfache Styroporklötze hingesetzt hätte - dazu liegt der Wohnpark einfach zu abseits.


    Thema Fallrohre: Die fallen mir eigentlich immer erst dann auf, wenn mich jmd. darauf aufmerksam macht. :)

  • Gar nicht schlecht. Ich finde den 20er Jahre Stil mit den typischen Fenstern und horizontalen Linien durchaus schick und deutlich vorteilhafter für Bauten mit niedrigeren Decken. Wir haben ja schon häufig gesehen, wie ein klassisch angehauchter Neubau mit hochkantigen Fenstern seine harmonische Wirkung vor allem wegen der gedrungenen Geschosse vergeigt.
    Ich hoffe hier wird nicht zu viel während des Baus gespart, das Material des Sockels wird auch hoffentlich ein Naturstein sein. So ein wenig fürchte ich, dass die Visu einen texturierten Putz zeigt...


    Und gab es hier nicht Anwohnerprotest? Scheint sich wohl geklärt zu haben.

  • << hier gab es einen wesentlich besseren und moderneren Entwurf von HKA-Architekten. Hatte ich vor eineinhalb Jahren gepostet. Leider gibt es das Büro und die HP nicht mehr. Das hier ist inzwischen die übliche Styroporstangenware mit zu ausgreifenden Balkonen.

    Jedenfalls gibt es einen Anschluss an die rückversetzte 50er Jahre Bebauung in der Gleditschstrasse, das lässt hoffen, dass diese erhalten bleibt.