Bezahlbares Wohnen in der Stadt - ein Auslaufmodell?

  • Ich mag nicht einsehen, dass Menschen schon in Nachbarstädte ziehen, weil sie sich ihren Wohnort nicht mehr leisten können. Ich rede hier von arbeitenden Bürgern, wie Krankenschwestern, kleinen Handwerkern oder alleinerziehenden Verkäuferinnen.


    Aber genau die zahlen doch dann für andere Leute, die besser als sie selber wohnen würden. Ich glaube wir reden hier aneinandervorbei oder ich verstehe Deinen Punkt nicht. Klar ist jedenfalls, dass es schon rein physikalisch unmöglich ist, dass alle Bürger im Villenviertel wohnen, es sei denn es gäbe nur noch Villenviertel, womit wir dann hier angekommen wären:


    Optimalerweise bleiben dann am Ende irgendwann keine Sozialghettos mehr übrig. Aber der Weg dahin ist je nach Gegend sehr unterschiedlich weit.


    Wer soll denn in einer miesen Wohngegend wohnen, wenn nicht diejenigen, die sich etwas anderes nicht leisten können? Wenn man keine miesen Gegenden mehr haben möchte, dann muß man sie wohl abreißen und neue bessere Wohnungen bauen bzw. erst gar keine Betonsilos bauen, die dann über kurz oder lang zur miesen Gegend werden.


    P.S.: Gibt es bei euch in Braunschweig überhaupt so richtig miese Gegenden? Die Stadt ist mir bisher jedenfalls nicht gerade als sozialer Brennpunkt in Erinnerung.

  • Naja, zum Teil werden miese Gegenden ja nicht allein durch die Bebauung zur miesen Gegend, sondern durch ihre Bewohner. Es gibt ja duchaus abgestiegene bessere Gegenden, sowie auch die sog. gentrifizierung, bei der eine miese Gegend auf einmal zur Nobelgegend wird - meist mit den gleichen Häusern.
    Ansonstem muss man eben feststellen, dass wenn Leute die in A leben wollen,auf B ausweichen, weil sie sich A nicht leistenkönnen, dann ist nicht der Fehler, dass A zu teuer ist.Die Leute könnten in A auch nicht leben wenn man mit Gewalt die Mieten/Kaufpreise halbieren würde. die Leute können schlicht deswegen nicht in A wohnen, weil in Amehr leute wohnen wollen als Wohnraum da ist. Die Entscheidung, wer dann dort wohnen "darf" und wer nicht erfolgt dann schlicht über den Preis.
    Abhilfe schafft da nur,in A den Bau von mehr Wohnungen zuzulasen. (Bebauungspläne, zulassen dichterer Bauweise), da die Preise dort höher sind, wird sich das für potentielle Bauherren durchaus rechnen.
    Dann gibt es die nachgefragten Wohnungen, und die Leute die dort wohnen wollen, können das auch.

  • Die Leute könnten in A auch nicht leben wenn man mit Gewalt die Mieten/Kaufpreise halbieren würde. die Leute können schlicht deswegen nicht in A wohnen, weil in Amehr leute wohnen wollen als Wohnraum da ist.


    Genau das ist der Punkt, auf den ich die ganze Zeit anspiele.


    Abhilfe schafft da nur,in A den Bau von mehr Wohnungen zuzulassen.


    Irgendwann ist auch das mal ausgeschöpft. Wenn man es auf die Spitze treiben würde, dann lebten am Ende alle Leute in einem riesigen Hochhaus. Und dann ginge wahrscheinlich die Diskussion los, dass man sich nicht über die Stockwerke differenzieren dürfte.


    Letztlich sollte man meiner Meinung nach auf keinen Fall noch zusätzliche Billigwohnblöcke bauen, da die nie wohlhabendere Klientel anziehen werden uns somit die Entmischung vorprogrammiert ist. Mir würde auch ein aktuelles Beispiel einfallen, dass ich hier lieber nicht erwähne.


    Wenn der Staat günstigen Wohnraum haben möchte und gleichzeitig keine Entmischung, dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als hochwertig zu bauen und zuzubuttern, in welcher Form das dann auch immer geschehen mag.


    Und unattraktive Betonklötze müssen dann weichen. Dummerweise sind genau die aber eben weil sie Klötze sind oft recht energieeffizient. Folglich müßte man häßliche Klötze durch schöne Klötze ersetzen und das ist leider nicht nur mit ein bischen Farbe getan. Wobei ich evtl. ein paar dieser fiktiven häßliche Klötze als Notfallreserve (z.B. zur Aufnahme von Flüchtlingen) unbewohnt stehen lassen würde, selbst wenn genügend besserer Wohnraum vorhanden wäre. Solaranlage aufs Dach, damit ohne fossilen Brennstoffeinsatz eine gewisse Minimumtemperatur halten, damit nix verrottet, regelmäßig inspezieren und ansonsten zusperren.


    Kostet halt leider ein Schweinegeld.

  • Denkbar wäre es schon, auch das innerstädtische Wohnen nicht bedingungslos dem Markt zu überlassen, sondern z. B. auch in A einen Teil an Wohnungen zu fördern bzw. über WBS o. ä. zu steuern, sodass auch Leute mit kleinerem Einkommen dort wohnen können. Das müssen auch nicht unbedingt Sozialblöcke/Billigwohnblöcke sein, sondern eben einfacher ausgestattete Wohnungen in Hoflagen oder ohne Sonnenbalkone. Ich verlange bestimmt keine 5-Euro-kalt-Wohnungen in Mitte mit Südblick auf die Spree. Eine generelle gesunde soziale Durchmischung kommt aber m. E. allen Bewohnern und Einkommensgruppen zugute.


    Natürlich wäre das ein gewisser Eingriff in den freien Markt. Ich bis aber absolut der Meinung, dass man bei der Grundversorgung der Bürger (Wohnungen, ÖPNV, Wasser, Strom/Energie usw.) nicht alles dem freien Markt und damit der max. Rentabilität überlassen sollte. Hier sehe ich den Staat durchaus in der (sozialen) Verantwortung. Beim Trinkwasser z. B. wird ja schon wieder zurückgerudert.

  • In den nächsten Jahren wird es in den meisten Großstädten darum gehen, die Stadt zu verdichten. Da werden in jeder Stadt einige größere Projekte dabei sein, die durchaus 500WE+ haben. Da hat man viele Handlungsspielräume die man nutzen kann, um Wohnen nachhaltig für breite Massen auszulegen, z.B. indem man auf Genossenschaften und kommunale Wohnbaugesellschaften setzt. Das ist weder Luxus, noch sozialer Billigwohnbau, sondern meist gutes Mittelfeld, also das wovon eine Stadt lebt. Ich will gar nicht in einem Villenviertel leben!
    Und man erhält sich auch seine Handlungsfähigkeit. Eine kommunale Wohnbaugesellschaft kann einfach angewiesen werden, bei mehreren Bewerbern auf eine Wohnung, demjenigen den Zuschlag zu geben, der den größten Haushalt hat, sprich Familien mit Kindern oder Großfamilien über mehrere Generationen. Dichte kann man nämlich auch innerhalb einer Wohnung generieren.
    Das kann ich auch machen, wenn ich Bauland verteile: Einfach fragen, wie viele Menschen zum Haushalt gehören und die größten bekommen den Zuschlag. Unser Grundgesetz fordert ja auch die besondere Förderung von Familien.


    In Stadt A ist das Gut Wohnraum knapp, also muss man mehr davon produzieren oder, wenn das nicht, oder nicht zeitnah, möglich ist, auch sparen. Es gibt ja Menschen wie unseren Bundesminister Altmaier, der in einer 240m² großen berliner Wohnung wohnt, oder mein Vater, der alleine ein 380m² großes Haus, mit zwei getrennten Wohneinheiten, par tout nicht zum Teil vermieten möchte. Das empfinde ich nicht als nachhaltig oder stadtverträglich.


    In den letzten Jahren hat sich in Braunschweig ein ganz interessanter Mechanismus herausgebildet: Zum Semesteranfang finden hunderte von Studenten einfach keinen Ort zum Wohnen, werden teilweise in Sporthallen untergebracht, als ob wir in einem Katastrophengebiet wohnen würden. Also werden alle 6 Monate die Bürger aufgerufen ihre Arbeitszimmer, oder alten Kinderzimmer zur Verfügung zu stellen. Das wird auch manchmal, wenn auch selten gemacht. Es ist also nicht unmöglich, den Wohnraum dichter zu belegen, oft zum Nutzen aller Seiten (kenne eine alte Frau, die eine Studentin aufgenommen hat). Früher hatte man das Hausmädchen ja auch in der Wohnung und es kam nicht täglich vom Pflegedienst.


    Leider wird bis heute oft nicht darauf geachtet, dass man Wohnungen gut teilen kann. Teilbare Wohnungen kann ich, wenn meine Kinder aus dem Haus sind und die Wohnung zu groß ist, teilweise untervermieten.


    Übrigens: Ich bin nicht dafür, dass der Staat irgend jemandem die Miete zahlt (Grundsicherung ausgenommen) und halte das auch nicht für notwendig, um die breite Masse der Menschen mit Wohnraum zu versorgen.


    tldr:
    -kommunale Wohnbauträger, Genossenschaften
    -teilbare Wohnungsgrundrisse
    -Vergabe von Bauland nach Größe der Haushalte

  • Das kann ich auch machen, wenn ich Bauland verteile: Einfach fragen, wie viele Menschen zum Haushalt gehören und die größten bekommen den Zuschlag.


    Das setzt voraus, dass das EFH zum Normalfall werden müsste - in den besonders begehrten Metropolen über 500K Einwohner ist es allerdings eher die besonders teure Ausnahme (zum Glück aus städtebaulicher Sicht). Ich würde auch nicht behaupten, dass jemand, der sich den Hausbau leisten könnte, irgend etwas umsonst zugeteilt bekommen müsste. Zum sparsamen Umgang mit der Stadtfläche wäre es besser, sie wird nicht verteilt oder künstlich verbilligt, sondern genau das kostet, was eben der Markt ergibt.

  • ^ Du meinst aber nicht diese Stadt London in England, die ich zweimal jährlich besuche? Ich beobachte dort zahlreiche Geschosswohnungen-Projekte bis zu den Wohnhochhäusern während EFH-Projekte im Umkreis von mehreren Kilometern um die City unmöglich sind, weil es kaum unbebaute Flächen mehr gibt. Alte viktorianische Reihenhäuser etwa um Paddington wurden bereits in Hotels umgebaut, woanders in Appartements - die wenigen in Ganze übriggebliebenen Häuser dort kosten Summen im Millionenbereich. Im Inner London ist EFH-Wohnen die absolute Ausnahme.
    Zurück nach Deutschland - hier zitierte ich einen Bankvorstand, der riet, einfach zu akzeptieren, dass in Düsseldorf keine neuen EFHs zu einem erschwinglichen Preis gebaut werden können. Wer die bezahlbare Sparvariante will, sollte sich gleich auf eine Geschosswohnung einstellen.


    Ein einzelnes Bauprojekt in Braunschweig - welchen Anteil an Bautätigkeit haben Bauherrengemeinschaften? Persönlich hätte ich keine Lust, mich als Mit-Bauherr mit allerlei Widrigkeiten rumschlagen zu müssen - lieber würde ich das fertige Produkt kaufen. Zumindest in meinem Bekanntenkreis geht es den meisten so.
    Auf jeden Fall setzt das Bauen bzw. Kaufen die Verfügbarkeit einer bestimmten Summe voraus - die Überschrift dieses Threads zielt wohl eher auf Einkommensgruppen, die sich nicht nur das Wohneigentum, sondern die Miete kaum leisten können. Auch in diesem Fall gilt - da in großen Metropolen die Grundstückskosten besonders stark wiegen, müssten die Stadtfläche und die vorhandene Infrastruktur möglichst intensiv genutzt werden. Das Sparen ist am ehesten mit Abstrichen möglich, also z.B. frühe Nachkriegszeit statt eines Neubaus usw.

  • In den letzten Jahren hat sich in Braunschweig ein ganz interessanter Mechanismus herausgebildet: Zum Semesteranfang finden hunderte von Studenten einfach keinen Ort zum Wohnen, werden teilweise in Sporthallen untergebracht, als ob wir in einem Katastrophengebiet wohnen würden. Also werden alle 6 Monate die Bürger aufgerufen ihre Arbeitszimmer, oder alten Kinderzimmer zur Verfügung zu stellen.


    Das ist aber Staatsversagen par excellence. Man schafft einen doppelten Abiturjahrgang durch die Umstellung des Gymnasiums von 9 auf 8 Jahre und wundert sich dann, dass mehr Leute studieren. Daran entsprechend zusätzliche Wohnheime zu bauen oder von privat bauen zu lassen und die dafür benötigten Flächen bereitzustellen hat wohl niemand gedacht. Dann Studenten bei Privatleuten fast wie in Kriegszeiten einquartieren zu müssen ist ein Armutszeugnis erster Güte.


    Leider wird bis heute oft nicht darauf geachtet, dass man Wohnungen gut teilen kann. Teilbare Wohnungen kann ich, wenn meine Kinder aus dem Haus sind und die Wohnung zu groß ist, teilweise untervermieten.


    Stellt sich nur die Frage, ob die älteren Leute das überhaupt wollen. Aus deren Position würde ich argumentieren: Kinder groß gezogen und aus dem Haus. Das ist genug Leistung für die Gesellschaft. Da hat man dann (endlich) seine Ruhe und will verständlicherweise nicht auch noch einen fremden Störenfried bei sich zu Hause einquartieren.

  • Wer den Wohnungsmangel in den gefragten Großräumen eindämmen will,kommt an der Ausweisung neuer Bauflächen im Umland bzw.am Stadtrand nicht umher.


    Wozu soll es eine Zuteilung nach Haushaltsgrößen geben ? Wer bauen möchte und es finanzieren kann,der soll bauen,jegliche Einschränkung,z.B. das kinderlose Paare kein Einfamilienhaus bauen dürfen,finde ich absurd,undemokratisch und nicht akzeptabel.


    Auf keinen Fall darf das Bauen in Vororten eingeschränkt werden.Die Zentren sind schon teuer bzw.werden es gerade,wer jetzt die Vororte limitiert,setzt eine Preisspirale nach oben in Gang.Wir brauchen das realtiv günstige Wohnland in der Perepherie,als Ausweichmöglichkeit.Ist dies nicht mehr gegeben,werden sich viel weniger Leute Wohneigentum leisten können.Ausserdem wollen viele lieber im Grünen als in der Stadt wohnen.

  • Man schafft einen doppelten Abiturjahrgang durch die Umstellung des Gymnasiums von 9 auf 8 Jahre und wundert sich dann, dass mehr Leute studieren.


    Kinder groß gezogen und aus dem Haus. Das ist genug Leistung für die Gesellschaft. Da hat man dann (endlich) seine Ruhe und will verständlicherweise nicht auch noch einen fremden Störenfried bei sich zu Hause einquartieren.


    Du vergisst, dass gleichzeitig nicht mehr zum Wehrdienst eingezogen wird. Das kommt noch oben drauf!


    Wer nicht will, muss ja auch nicht. Der fremde Störenfried kann einen im Alter aber auch vor dem Heim bewahren. Es gibt ja durchaus sehr verschiedene Charaktere, und manch einem fehlt ohne Kinder auch etwas. Es kann auch eine Win-Win-Situation sein.


    Bau-Lcfr :


    Ich weiß es nicht. Bist Du prominent, dass ich wissen sollte, wohin Du reist?


    Ob das jetzt in London - als Beispiel gemeint, weil die Stadt zu gefühlten 500% aus Terraced-Houses besteht - bis heute funktioniert oder nicht ist mir recht relativ egal.


    Ich bin der Meinung, dass Stadthäuser, wenn sie dicht gebaut sind, auf das Gesamtsystem gerechnet (also auch mit Kleingärten etc), zu den dichtesten Bauformen gehören. Sie sind für mich ein Baustein, um auf geringer Fläche möglichst viel Wohnraum zu schaffen, der tendenziell sehr stark auf Eigennutzung ausgerichtet ist. Das geht für mich aber immer zusammen, mit gefördertem Geschosswohnbau zusammen. Ich mag nicht nur auf die unteren Einkommen, oder nur die oberen oder die mittleren gucken, weil das so m. E. nicht funktioniert.


    Ich persönlich suche auch eine Baulücke mit meinetwegen auch nur 100m², damit ich mir da was bauen kann. Mit einem Stadthaus erreiche ichn auch eine GFZ von 2, das ist nicht weniger als im (normalen) Geschosswohnungsbau.

  • Also wenn man im Bauexpertenforum mitliest, ist die spätere Teilbarkeit von Häusern durchaus bei etlichen Leuten ein Thema. Nciht bei allen, aber bei manchen durchaus.
    Ich würde sogar eher sagen dass das heute viel mehr ein Thema ist als vor 10 20 oder 30 Jahren. vielleicht auch bedingt durch sinkende Renten. Man möchte die Option haben das in der Immobilie gebundene Kapital für die eigene Altersversorgung nutzen zu können, ohne den angestamten Wohnort verlassen zu müssen.
    Ansonsten besteht die einzige Möglichkeit, bezahlbare Einfamilienhäuser in Ballungsräumen zu bekommen, darin "schöne" Betonklötze an anderen sTellen zu bauen - richtig gross, dicht, und mit schönen grossen angebnehm zu bewohnenden Wohnungen und 1a Verkerhrsanbindung.
    Damit all die, bei denen eine Wohnung passt, ein schönes Zuhause mit kurzen Wegen erhalten können, und für die anderen die am Einfamilienhäuschen hängen die verkehrlich weniger gut erschlossenen Gebiete die aber flächenmässig überwiegen, verbleiben.
    Dass man diverse misratene Betonklötze überarbeiten muss, ist zweifelsfrei richtig. Dabei kann es auch passieren, dass ein nicht sanierbarer Klotz abgerissen werden muss, besonders wenn er an der falschen Stelle, z.B. am Ortsrand steht.
    Bei vielen anderen kann man aber durch egschicktes _hinzufügen_ von Bauteilen vor der Fassade das Gebäude als statische Struktur retten - die technische Ausstattung ist i.d.R. inzwischen so alt, dass sie siowiso getauscht werden muss, ebenso wie die Fassade selbst - womit das ganze dann auch wirtschaftlich wird.
    Mit neuer technik, verbessertem Schallschutz, grösseren Wohnflächen, niedrigerem Energieverbrauch werden sich dann auch andere Schichten als Bewohner finden.
    @ Dvorak - eine Geschossflächenzahl von 2 ist hoch im vergleich zu vielen Zeilenbebauungen oder auch manchen Hochhaussiedlungen mit zu viel Platz ddazwischen - der dann wieder endlose Fusswege produziert - aber wenig im Vergleich zu Gründerzeitvierteln, Altstädten sowie neueren verdichteten Gebieten, die deutlich über 3 gehen.

  • Du vergisst, dass gleichzeitig nicht mehr zum Wehrdienst eingezogen wird. Das kommt noch oben drauf!


    Beides hat mit dem Wohnungsmangel bei Studenten nicht unbedingt so viel zu tun.


    Hier in Heidelberg gibt es eine Werbekampagne mit dem Titel "Student sucht Zimmer", bei der bis zu 2000 Vermieter und 5000 Wohnungen eingeworben werden. Diese Werbekampagne wurde erstmals im Wintersemester 1980/81 gestartet. Anfang 90er schlief die wegen dem Pillenknick dann ein, seit dem Jahr 2000 läuft sie wieder jedes Semester.

  • Ansonsten besteht die einzige Möglichkeit, bezahlbare Einfamilienhäuser in Ballungsräumen zu bekommen, darin "schöne" Betonklötze an anderen sTellen zu bauen - richtig gross, dicht, und mit schönen grossen angebnehm zu bewohnenden Wohnungen und 1a Verkerhrsanbindung.


    @ Dvorak - eine Geschossflächenzahl von 2 ist hoch im vergleich zu vielen Zeilenbebauungen oder auch manchen Hochhaussiedlungen mit zu viel Platz ddazwischen - der dann wieder endlose Fusswege produziert - aber wenig im Vergleich zu Gründerzeitvierteln, Altstädten sowie neueren verdichteten Gebieten, die deutlich über 3 gehen.


    Was oft vergessen wird, ist, dass man, bei hoher Verdichtung auf dem Baugrundstück, oft Bedarf an Flächen generiert, die an einem anderen Ort anfallen. Kleingartenkolonien stehen fast immer im Zusammenhang mit Geschosswohnen und den wunderbaren, ungenutzten Grünflächen im Wohngebiet.


    Betrachtet man die Flächennutzung der Stadt als ganzes, dann sind freistehende Einfamilienhäuser am ineffektivsten. Alles andere nimmt sich nicht viel. Bei einer GFZ von 3 frage ich mich schon, wie man solche Freiraumqualitäten schaffen kann, dass die Menschen nicht in die Kleingärten ausweichen und man am Ende mehr Fläche verbraucht hat und mehr Verkehr generiert.


    Deshalb bin ich der Meinung, dass man mit verdichteten Stadthäusern und damit einer GFZ von 2 sehr sparsam mit dem verfügbaren Raum einer Stadt umgeht. Ich finde 2 auch recht viel, weil in Braunschweig auch die Gründerzeitviertel nicht flächendeckend an die 2 herankommen. Deswegen sehe ich auch darin keinen Preistreiber.


    Im Betonklotz sehe ich das Problem eher, weil er den Bedarf für die Kleingärten schafft. Ich arbeite z. Z. nur an größeren Wohnbauprojekten, die auf Kleingartenflächen entstehen sollen. Die Vorlaufzeit, nur um die Kleingärtner weg zu bekommen liegt bei guten 5-10 Jahren (mag regional unterschiedlich sein). Das führt einfach dazu, dass innenstadtnahe Flächen grandios untergenutzt werden.


    Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich bin auch für den Betonklotz, aber in Zusammenhang mit anderen Typologien, sonst bringt eine Verdichtung irgendwann nichts mehr.

  • Mir ist das zuviel "Skandalgeschrei".


    Das war schon immer so.


    Den Bayern wird doch bei jeder neuen Länderfinanzausgleich Debatte zurecht unter die Nase gerieben, dass Bayern selbst einige Jahre Nehmerland war. Und das heute kriselnde Ruhrgebiet war eine der wohlhabendsten Regionen der ganzen Welt und hat u.a. Bayern subventioniert. Berlin war früher in etwa das, was heute z.B. das "Silicon Valley" ist, berliner Unternehmer und Ingenieure haben einen großen Teil dessen entwickelt, was bis heute unser Alltagsleben auf der ganzen Welt prägt und Weltkonzerne wie Siemens geformt (erst nach dem Krieg, wegen der Teilung, nach München umgesiedelt). Und schaut man Berlin heute an ist davon nichts mehr übrig, zaghafte (vergleichsweise kleine) Erfolge mit irgendwelchen neuen Branchen-Nischen täuschen darüber auch nicht hinweg. Und so kann man das die ganze Geschichte hindurch analysieren, es ist ein Mythos dass "früher alles besser war", ich würde sogar behaupten dass im Grunde, wenn man die Menschen ganz privat nach ihren Verhältnissen und ihrer persönlichen Zufriedenheit befragt, die Deutschen als Volk insgesamt noch nie so frei und wohlhabend wie heute waren. Das ist, trotz allem Geunke und der deutschen Vorliebe dafür, sich ganz besonders auf die eigenen Schwächen zu konzentrieren, eine Position der Stärke. Aus der heraus man sicherlich bestehende Herausforderungen eigentlich selbstbewusst und gemeinschaftlich angehen könnte.


    Das Problem ist in meinen Augen aber: vor lauter Gejammer ist man so deprimiert und erschöpft, dass man es bei der bloßen Zustandsbeschreibung belässt und sich nichts konkretes ändert. Sind doch schon seit Jahren immer die selben Themen um die es geht, wie Niedriglöhne in manchen Regionen aber zu einem richtigen Mindestlohn "ohne Wenn und Aber" konnte sich die Politik bis heute nicht durchringen. So als Beispiel. Stadtentwicklung ist da nur ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung. Es braucht sich keiner täuschen, Deutschland ist ein verdammt reiches Land. Der Wohlstand verteilt sich aber immer ungleicher, das legt jede volkswirtschaftliche Statistik nahe.

  • Diesem Paradoxum widmet sich ein Artikel in SPON:
    http://www.spiegel.de/wirtscha…her-staedte-a-920535.html


    Die zwei letzten Absätze sind absolut vernünftig - die schrumpfenden Gemeinden sollten nicht massiv Bauland ausweisen in der Hoffnung, doch noch ein paar Bewohner anzulocken, sondern sich nach innen entwickeln. Dann werden noch Flächenzertifikate wie jene für CO2 angeregt - plausibel wenn man bedenkt, wie oft die Innenentwicklung etwa im Ruhrgebiet verbalisiert, aber nie gelebt wird.


    Xalinai : Verglichen mit dem, was ich aus Offenbach (wo ich im März drei Tage verbrachte) oder dem Ruhrgebiet kenne, wirken diese moderne Werkswohnungen gar nicht so übel. Gut ausgenutzt wird das Grundstück auf jeden Fall.

  • bezahlbares Leben in der Stadt

    Ich habe mal die pfiffigsten Aktionen im Kontext der bundesweiten Gentrifizierungsdebatte zusammengestellt.



    Ein bishen mehr Phantasie in den Aktionen würde ich mir auch für meinen Kiez wünschen. Hier in Kreuzberg setzt man da eher auf rohe Konfrontation, um sein Anliegen kundzutun. Allein folgende Initiative ging mal in die richtige Richtung:


  • ^ Es gibt keine richtige Richtung der Proteste gegen ziemlich objektive Marktgesetze des Angebots und der Nachfrage. Die Mieten in begehrtesten Wohngegenden steigen nicht weil böhse-böhse Vermieter mehr Geld in der Tasche haben wollen (als ob die Protestierenden nicht selbst mehr in der Tasche durch niedrigere Mieten haben möchten). Sie steigen, weil es genügend Leute gibt, die dorthin ziehen wollen - und die Mieten bezahlen können und wollen. Wo es keine Nachfrage gibt, kann niemand eine höhere Miete verlangen.
    Gleichzeitig wird meist gegen Angebotssteigerung durch Neubau und Nachverdichtungen protestiert - oft sind es dieselben Leute.


    Im Prinzip wird dagegen protestiert, dass jemand sonst mehr verdient und mehr für's Wohnen ausgeben will. Gerade erinnere ich mich an einen, der in der S-Bahn (offensichtlich unter Alkoholeinfluss) wüst über Leute schimpfte, die 1. Klasse fahren. Schließlich rief ihm jemand zu: Hättest Du mehr aus Deinem Leben gemacht, säßest Du auch in der 1. Klasse. Den Spruch könnte man auch in anderen Situationen verwenden.


    Ich selbst wohne übrigens zum Sparen in einem eher wenig begehrten Stadtteil - ist meine bewußte Entscheidung, die jeder für sich treffen kann, statt irgendwelche Protestcamps (für die ich bei 45-50-Stunden-Woche eh keine Zeit hätte) zu bevölkern.