Leipzig: Innside by Meliá (realisiert)

  • Beim Kosmoshaus kann nun auch die Fassade zum Ring begutachtet werden,
    leider sehe ich mich in meinen Befürchtungen hinsichtlich der Wirkung der Aufbauten bestätigt...






    Aus diesem Blickwinkel verbinden sich die Aufbauten mit der aufgehübschten Fassade der gegenüberliegenden Galerie in eher unvorteilhafter Weise...
    Wenn man schon unbedingt die Nutzfläche vergrößern will, warum muss dann fast schon krampfhaft in Gestaltung und Farbgebung ein möglichst deutlicher Kontrast erreicht werden?
    Kann es nicht auch einfach mal eine eher unauffällige oder gar stilistisch passende Erweiterung sein?





  • Das Kosmos-Haus hat ohne den kleinen Giebel mit dem Schriftzug leider deutlich an Flair verloren. Die Überläufe sind auch sehr prägnant. Finde die sowieso reichlich witzlos, Vorschrift hin oder her.

  • Rundling :
    deine einschätzung kann ich nicht teilen.


    ich halte es für konsequenter und ehrlicher,
    - erstens die historische fassade in ihren ursprünglinglichen zustand zurück zu versetzen,
    - zweitens dabei nachträglich hinzugefügte aufstockungen zu entfernen
    - und drittens diese durch erkennbar moderne aufbauten zu ersetzen.


    der zustand vor der sanierung


    http://abload.de/img/047217_115d8be7b4chu.jpg


    entsprach nicht dem original. ich kenne keinen grund, wieso er hätte konserviert werden sollen.
    in der neufassung sind nun erstmals originale und später ergänzte bestandteile klar unterscheidbar.


    auch wer mit den modernen aufbauten nichts anzufangen weiss, wird somit künftig wieder die originale spätklassizistische fassade wahrnehmen können.


    ich halte das für einen grossen fortschritt und eine hervorragende sanierungsleistung.

  • Die Gestaltung zuletzt beruht auf einen Umbau um 1920 zum Messehaus Kosmos. Wie das Gebäude ursprünglich nach seiner Errichtung um 1853 aussah, entzieht sich meiner Kenntnis, könnte mir aber vorstellen, dass die Dachpartie (ohne gläserne Aufbauten freilich) in den Ursprungszustand zurückversetzt wurde. Das wird besonders entlang der Gottschedstraße deutlich (vgl. Aufnahmen von Rundling). Dies mit dem Segen des Leipziger Denkmalschutzes ist eher unüblich, fand er schon bei der Rückversetzung des Daches in den frühbarocken Zustand (statt in den gründerzeitlichen wie bis zuletzt vor der Sanierung) bei Webers Hof schon keinen Gefallen.


    Die LVZ war am Freitag zur Bauabnahme des künftigen Hotels zugegen. Eröffnung ist wie hier schon geschrieben am 1. September. Vom 1. bis zum 3. September besteht für Interessierte die Möglichkeit, mit einer Führung hinter die Kulissen des Hotels zu schauen. Noch diese Woche sollen dann auch die Gerüste am Neubau mit der rekonstruierten Fassade am Dittrichring fallen. In den nächsten Tagen werden noch die zwei neuen Brücken über den Pleißemühlgraben geschlagen.


    Ein Highlight dürfte die Aussicht von den gläsernen Aufbauten sowie von der 550 Quadratmeter großen Dachterrasse am Dittrichring auf die Innenstadt werden. Da, wo sich früher die Räume des White Choccolate in der Gottschedstraße befanden, zieht der Schweizer Gastrokonzern Marché-Mövenpick ein. Ja, schon wieder Marché, aber man verspricht, mit einem für Deutschland "ganz neuen Konzept" zu starten. Es heißt "White Monkey - Pizza Lab & Bar". Na, mal sehen.


    50 Festangestellte und etwa noch einmal so viele externe Mitarbeiter werden sich später um das Wohl der Gäste kümmern.


    Eine Fotogalerie gibt es auch noch.


  • Wenn deine Begeisterung für diesen Neubau darauf beruht, dass dir das Ergebnis gefällt, kann und will ich dir das nicht ausreden, die angegebene Begründung ist für mich aber nicht nachvollziehbar.
    Gerade der von dir gezeigte Zustand vor "Sanierung" lässt doch deutlich erkennen, dass die Fassade vom Umbau zum Kosmoshaus der 20er Jahre erhalten geblieben ist und der "spätklassizistische" Zustand zum Ring hin nur noch ansatzweise im Bereich der 4. Etage wahrgenommen werden könnte, wenn der Blick nicht von den Aufbauten abgelenkt werden würde.
    Insofern wäre es nur konsequent gewesen, den Kosmos-Giebel zu erhalten (oder im Neuaufbau Bezug darauf zu nehmen).
    Dann wäre tatsächlich ein immerhin "ehrlicher" Gesamtzustand vorhanden statt eines unpassenden Mischmaschs aus 3 verschiedenen Bauphasen.
    Zudem verstehe ich nicht, wieso die An- und Umbauten zum Kosmoshaus "unehrlicher" sein sollen als die von dir bevorzugten neuen Aufbauten - sie waren sicher keine herausragende Architektur, aber im Ergebnis jedenfalls stimmiger als der jetzige Zustand.

  • aus zeitgründen leider nur eine kurze antwort:


    das gebäude hat bei jeder umnutzung umbauten erfahren, die dem jeweiligen zweck dienten. diese tradition wird jetzt mit den gläsernen sky-bars des hotels fortgeführt.


    stilistisch betrachtet bilden die gläsernen staffelgeschosse die horizontale klammer zwischen kosmoshaus und neubau, während der vertikale gläserne einschub zwischen kosmoshaus und der rekonstruierten fassade entlang des pleissemühlgrabens als scharnier zwischen den beiden gebäudeteilen fungiert.
    ich finde die lösung funktional wie ästhetisch stimmig.


    und um auf deine frage zurückzukommen: auch ehrlicher, als hinter, über und neben einem nutz- und fensterlosen giebel-aufbau aus den 20ern etwas basteln, was der neuen funktion des neuen kosmoshauses-ensembles weniger gerecht werden würde.

  • Also Ehrlichkeit ist für mich überhaupt kein erstrebenswertes Merkmal von Architektur. Dann dürften Toilettenhäuschen ja auch nur in braun rumstehen. Der 20er Jahre Umbau des Kosmos war doch alles andere als entstellend. Bis auf den fehlenden Giebel muss man schon genau hinschauen um die Unterschiede zu erkennen. Die Glasaufbauten sind halt funktionaler. Das will ich nicht in Abrede stellen. Einen gestalterischen Mehrwert sehe ich allerdings nicht, eher im Gegenteil.

  • Gerade von der Thomaskirche macht der neue Aufbau schon Sinn. Das Gebäude war für seine prominente Lage, noch dazu direkt am Ring immer etwas zu niedrig. Durch den recht hohen Aufbau wirkt die Ecke nun weniger weitläufig und verloren. Gefällt mir sowie ganz gut. Den kleinen Giebel hätte man aber dennoch erhalten und in den Aufbau integrieren können.

  • Soweit sieht das ganz gut aus. Bis auf dieses Gestänge vor den Fenstern. Bin gespannt wie es live vor Ort wirkt wenn alles abgerüstet ist und auch die Karyatiden dran sind.

  • ^ Also aus der Fußgängerperspektive wirkt der gläserne Aufbau doch ein wenig erträglicher als reingezoomt, mich stören aber weiterhin ein paar der unnötigen Assymetrien (Technikaufbau links, Säulenposition im Saal rechts). Die Glasverbindung beider Fassaden geht in Ordnung, auch wenn sich hier ein wenig die Frage stellt, ob die organischen Streben nicht ein wenig zu modisch sind und in ein paar Jahren schon altbacken wirken. Ansonsten natürlich eine Top-Reko-Fassade, mit den zwei zusätzlichen Brücken wird das 1A.

  • Ich habe mir heute Morgen auch einen Überblick verschafft und bin ebenso ein wenig hin- und hergerissen. Zum einen ist die mustergültige Rekonstruktion der Fassade hervorzuheben, von der bis zu ihrem Abriss vor 10 Jahren schon kaum mehr was übrig war. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich annehmen, es handelt sich hierbei um eine ganz normale Sanierung der Fassade. Große Klasse.


    Und das beste kommt ja noch mit dem Anbringen der Karyatiden.


    Andererseits ist es der Technikaufbau, der mich auch am meisten stört. Mit dem gläsernen Aufbau an sich kann ich mich hingegen anfreunden.


    Der Anblick von Süden entlang des Dittrichrings finde ich phänomenal. Dass diese Lücke wieder geschlossen wurde, ist somit auch in städtebaulicher Hinsicht ein großer Segen.





    Die rekonstruierte Altbaufassade von 1860, einst von keinem Geringeren als Arwed Rossbach errichtet, und jetzt sieht sie so aus, als wäre sie nie weg gewesen.





    Nicht so schön hingegen die Lösung mit der Technik






    Blick rüber zum ehemaligen Kosmos-Haus.






    Übergang zwischen Alt- und Neubau.




    Überblick

    Bilder: Cowboy

  • Bilder von heute Abend:



    Die Stuckateure wollten verständlicherweise auch mit auf's Bild.


















    Mal sehen, ob sich bis morgen noch jemand findet, der Neptun seinen Dreizack in die Hand drückt. :D

  • Großes Kino. Am meisten entzücken mich ja die Balkongeländer. Soll noch einer sagen, mit den heutigen Sicherheitsstandards sei es nicht mehr möglich, hier Ansehnliches zu fabrizieren.
    Man sieht auch wie wichtig es war, den blinden Seitenflügel des Palais zu rekonstruieren. Andernfalls würde die Fassade tatsächlich nur wie drangeklatscht aussehen.

  • Zitat von Rundling

    Mal sehen, ob sich bis morgen noch jemand findet, der Neptun seinen Dreizack in die Hand drückt.


    Damit kann ich schon heute dienen. Wenn ich das richtig sehe, haben wir uns heute knapp verpasst.




    Die rekonstruierte Fassade am Neubau Dittrichring 11 sieht wirklich klasse aus. Ich hätte nicht gedacht, dass sie einmal so authentisch wirken würde, mal abgesehen davon, welch enorme Aufwertung dieser Neubau mit sich bringt. Zur Erinnerung: So sah es fast 10 Jahre zuvor aus.




    Rundling hat schon tolle Bilder vom Dittrichring gezeigt, ich binde noch ein paar Bilder von den Fassaden in der Gottschedstraße ein. Hierbei handelt es sich um eine Sanierung, aber auch hier wurden Details wie folgende Figuren ergänzt.






    Die gläsernen Aufbauten wirken zumindest wertig, vielleicht werde ich mit denen noch warm.



    Bilder: Cowboy

  • Herzlichen Glückwunsch Leipzig - wieder ein Stück schöner geworden! Ich kann zwar nicht beurteilen, ob der Fassadenschmuck der rekonstruierten Fassade wirklich gut gearbeitet ist (das 2006 abgerissene Gebäude war ja komplett entstuckt und konnte nicht als Vorlage dienen), doch sieht es für mich hochwertig aus.
    Nur zwei Kritikpunkte habe ich: Der gläserne Dachaufbau ist nicht wirklich elegant. Das geht in Glas wirklich filigraner. Der zweite Punkt ist nur ein Detail: Auf den Visualisierungen war der Hotelname "Innside" im Schriftstil des Kosmos- Hauses gestaltet. Das war eine schöne Brücke in die Vergangenheit. Das hat man jetzt leider nicht so umgesetzt. Das Gesamtergebnis ist trotzdem großartig.

  • Da freut sich der Arwed ;-)))))
    Nein, im Ernst, ganz wunderbar. Ein gutes Stück Pionierarbeit von Leipzig bei der Reko einer Gründerzeitfassade(!). Da kann ich auch mit den Aufbauten leben.
    Evt. erwartet uns - mit deutlichen Abstrichen zwar, aber immerhin - Ähnliches in der Ebert-Straße bem Henriette-Goldschmidt-Haus. Gut so, Dogmen sind dazu eingerissen zu werden. Danke, Leipzig! :daumen:

  • Diese Steilvorlage konnte ja nicht ungenutzt bleiben ;-) Aber kein Problem, den Namen habe ich mir ja nicht zufällig ausgesucht.
    Ich habe mal nach dem Henriette-Goldschmidt-Haus gegoogelt. Das war mir bisher leider nicht bekannt. Der Abriss dieses Hauses zugunsten einer geplanten Straßenverbreiterung war in Anbetracht seiner geschichtlichen Bedeutung definitiv ein Skandal! Ob eine Rekonstruktion der Fassade davon etwas retten kann, bin ich mir nicht sicher. Architektonisch herausragend war das Haus eher nicht - schaden kann es aber auch nicht!
    Was da allerdings als Fassadenrekonstruktion verkauft wird, ist schon eher ein schlechter Witz: http://www.juden-in-sachsen.de…uluecken_verschwinden.pdf
    Weder die Geschoss- noch die Achsanzahl stimmen, der Erker fehlt. Was soll das?

  • ^ es gehört zwar in einen anderen Thread, aber immer langsam - noch ist ja nichts gebaut! Wenn der Denkmalschutz hier aussagt: "in allen wesentlichen Elementen wird die Fassade exakt wieder auferstehen", dann gehe ich davon aus, dass die Visualisierung nicht detailgetreu ist. Ansonsten wären die Aussagen von allen Beteiligten so ziemlich absurd.


    Zum Hotel: kann man sich den Vorrednern nur anschließen. Es ist wahrlich eine der wichtigsten Sanierung/Rekonstruierungen am, für Leipzig so wichtigen, Ring. Das geht von der fantastischen Fassade, über die für mich bessere Höhe der Gebäude durch die Aufbauten, bis hin zur Lückenfüllung. Ein interessanter Aspekt und bei manchen gezeigten Bildern zu erahnen, ist der Kontext mit dem benachbarten Bankgebäude aus den 1990er Jahren. Hier zeigt sich auch noch einmal die Qualität des Baus mit dem auskragenden Lamellendach. Die ganze Front vor dem Pleißemühlgraben hat nun wieder richtig architektonische Qualität. Und das aus zwei Jahrhunderten. Das macht eine spannende urbane Landschaft aus!