BG Simplon + Revaler Spitze

  • In der Tat: Sieht schlicht und elegant aus. Mir gefallen besonders die horizontale Gliederung mittels der Streifen und die vertikal gegliederten Fenster, die "richtige" Fenster sind, und keine der gerade so angesagten bodenlangen. Ich finde, das ergibt eine sehr viel harmonischere Verteilung von Putz- und Glasflächen. Schön natürlich auch die Entscheidung, sich auf vier Stockwerke bis zur Traufe zu beschränken und eine Dachzone anstelle eines Staffelgeschosses zu bauen.


    Nur das mit der Aufwertung löst bei mir ambivalente Gefühle aus: Die Gegend war bisher immer sehr lebendig mit ihrer Mischung aus Wohnhäusern, Clubs und improvisiert genutzten Brachflächen - klar wird es jetzt schöner und ruihger, aber ich fürchte, dadurch wird auch einiges an Leben verschwinden. In fünf bis zehn Jahren wird es ein ganz normales Wohngebiet der gehobenen Preisklasse sein...

  • Also ich sehe ja recht viel bodentiefe Fenster, innen wie außen. Die horizontale Gliederung ist minimal, aber wirkungsvoll. Ich hoffe, sie bleibt auch während der Ausführung erhalten.


    Dachschrägen (im Gegensatz zu Staffelgeschoss) werden immer wieder als Merkmal harmonischer Stadtbauten genannt. Ich finde sie im typischen Berliner Blockrand überbewertet, da man sie von der Strasse aus ohnehin kaum sieht. An dem visualisierten Neubau hier trotzdem ok.


    Zuletzt: Die Brachen in der Umgebung liegen teilweise Richtung Revaler/Warschauer. Der dort ansässige Ballermann/Technostrich-Betrieb hat in letzter Zeit nur negative Schlagzeilen gemacht, und wird sich ändern müssen. Nicht nur wegen der zuziehenden Neubewohner, sondern weil es auch für viele der Eingesessenen untragbar geworden ist.


    Zum anderen gibt es Clubs/Brachen Richtung Ostbahnhof und in der zukünftigen Stadtautobahnbrache. Die sind wohl von den Projekten in der hier besprochenen Ecke nicht betroffen.


    Soweit zumindest meine Meinung zu Thema.


    M.


  • Dachschrägen (im Gegensatz zu Staffelgeschoss) werden immer wieder als Merkmal harmonischer Stadtbauten genannt. Ich finde sie im typischen Berliner Blockrand überbewertet, da man sie von der Strasse aus ohnehin kaum sieht.


    Man sieht sie aber und man nimmt sie wahr, sogar wenn sie kaum zu sehen sind. Man sieht das Dach aber schon von der ggü. liegenden Straßenseite sehr gut, oder wenn man die Straße hinunterschaut, besonders bei einem Eckbau wie hier. Ich finde, die Frage ob Dach oder kein Dach macht einen Unterschied wie Tag und Nacht. Es nimmt einem Baukörper seine Wuchtigkeit und Klobigkeit und setzt einen immens wichtigen Akzent. Ich freue mich daher riesig über jede Dachschräge. Auch der Rest des Gebäudes gefällt mir.

  • Bei dem großen Baugruppenprojekt in der Haasestraße werden langsam Fassaden sichtbar. Hier ein Beispiel:



    Diese irgenwie rauh, fast militärisch anmutende Gestaltung gefällt mir weniger als die Investorenbauten gegenüber, die viel freundlicher wirken:



    Mut zur Hässlichkeit ist meiner Ansicht nach kein gutes Rezept beim Bauen. :Nieder:

  • ^ Stimme dir zu, ich glaube ich habe noch kein Baugruppenprojekt gesehen, dass mir halbwegs gefallen hätte. Denen scheint es meist nur um's Kosten senken zu gehen, die Gestaltung reicht regelmäßig von einfach und billig bis geschmacklos. Eigentlich unverständlich, ich hätte gedacht, dass es bei solchen Projekten eine stärkere Identifikation der Bauherren gibt. Vielleicht fehlt zudem auch das architektonische Verständnis / Interesse.

  • Zitat

    Diese irgenwie rauh, fast militärisch anmutende Gestaltung gefällt mir weniger als die Investorenbauten gegenüber, die viel freundlicher wirken:


    Mut zur Hässlichkeit ist meiner Ansicht nach kein gutes Rezept beim Bauen. :Nieder:


    Die architektonische Qualität der Baugruppen-Projekte ist tatsächlich in der Regel unterdurchschnittlich, das ist ein strukturelles Problem. Hier ein Versuch zur Erklärung.


    Die Arbeit mit den Baugruppen erfordert von den Architekten ein sehr hohes Maß an Begleitung, weil der „Bauherr“ nicht eine Person ist, sondern eine heterogene Gruppe von Gleichberechtigten. Neben den Kenntnissen zum Bauen und der Gestaltung wird vor allem ein großes Maß an Diplomatie und einen sehr langen Atem verlangt. Die Mitglieder der Baugruppen rekrutieren sich aus den gebildeten Bürgerschichten: Lehrer, Rechtsanwälte, Journalisten, etc. Menschen die in ihren Berufen gut formulieren können müssen, aber in der Regel das erste Mal im Leben bauen. Auch sind die Einkommen nicht so hoch, dass sie für sich selber bauen können.

    Durch diese Rahmenbedingungen findet eine natürliche Auslese unter den zu Verfügung stehenden Architekten statt. Die Architekten die erfolgreich sind und ausreichend Aufträge haben, sind auf diesen Auftraggebern nicht angewiesen, weil sie wissen, dass es ein Zuschussgeschäft sein wird und dazu eine hohe Konfliktbereitschaft abverlangt wird. Auch kann er die Ideen zur Architektur häufig nicht umsetzen weil das Budget klein ist (oder sein muss) und gruppendynamische Kompromisse notwendig sind.

    Aus diesem reduzierten Kreis von Baufachleuten bleiben häufig die schwachbeschäftigten oder junge ehrgeizige, aber gestalterisch noch nicht gefestigten Architekten übrig. Ein von einer Baugruppen durchgeführten Architektenwettbewerb, zwar nicht immer der Königsweg aber trotzdem bewährt, hat Seltenheitswert. Die Bereitschaft das notwendige Geld dafür zu bezahlen ist nicht vorhanden. Eine nicht seltene Spielart ist, dass der Architekt gleichzeitig selber Mitglied einer Baugruppe ist.


    Eine gute Architektur kann unter den gegebenen Bedingungen nur als glückliche Ausnahme und nicht als Regel entstehen.

  • An der Baustelle der Baugruppe Haasestraße gab es einen Fassadenbrand mit erheblichem Sachschaden. Berichtet wurde darüber nur wenig, lediglich einen Bericht in der BZ habe ich gefunden, der darauf hinwies, dass es wohl Brandstiftung am Brückentag letzte Woche war (keine Arbeiter auf der Baustelle). Aus welchen Kreisen die Brandstifter kamen lässt sich an drein Fingern abzählen und kümmert in Berlin offenbar schon keinen mehr. Kein gutes Zeichen, wie ich meine.


    Mir ist dabei aufgefallen, dass die rasch voranschreitende Baustelle (bereits drei Kranfundamente, ein Kran steht schon) auf der anderen Seite der Haasestraße bis zur Revaler durchgeht. Entwürfe hatten wir bisher nur an der Ecke zur Simplonstraße. Würde mich interessieren, was hier kommt. Dieser komische Club daneben, wird wohl kaum bleiben können mit angrenzender Wohnbebauung.



  • ^ Mal abgesehen davon, dass so ein kleinerer Brand ohne Personenschaden nun wirklich keine "Breaking News" wert ist, sollte man mit einem voreiligen Pauschalverdacht vorsichtig sein. Selbst die Mopo berichtet nur kurz, sachlich und vor allem neutral, dass dort ein "Feuer ausgebrochen" war und niemand verletzt wurde.


    Schaut man sich das gelagerte Zeugs an der Baustelle an, könnte es auch einfach eine hingeworfenen Kippe gewesen sein oder irgendein Besoffski ohne konkretes Motiv.

  • ^ Genau diese Bagatellisierung finde ich sehr bedenklich. Ich lebe in dem Viertel und massive linke Gewalt gegen Objekte ist an der Tagesordnung mit Brandstiftungen, Farben, Entglasungen usw. Personenschäden (außer Polizisten) sind zum Glück bisher sehr selten.


    Wenn eine gewisse Spekulation verboten ist, so kommt man mangels Aufklärung in der Analyse und deren Implikation in solchen Fällen gar nicht weiter.


    Ich finde es vollkommen richtig, wenn man nach einer Brandstiftung an einem im Bau befindlichen Asylbewerberheim, von einem rechtsradikalen Tathintergrund zunächst ausgeht. Ich erwarte das, in einem Umfeld wie unserem Bezirk, dann aber auch für Täter aus dem autonomen antigentrifizierungs-Lager. Aber klar, das ist auch für Dich etwas gaaaaaanz anderes. Ich finde das ziemlich unerträglich und hätte ganz persönlich gerne einen besseren Schutz. Sowohl durch die Behörden als auch durch eine wachsame Öffentlichkeit, die durchaus sachlich Druck auf die Politik ausübt.


    Wir haben besonders Richtung Rigaer zur Zeit ständig Polizeieinsätze, sehr häufig mit Hubschraubern, oft Nachts über mehrere Stunden. Dabei ist die Aufklärungsquote dennoch sehr gering. Die politischen Aussagen und Kampfansagen der üblichen Verdächtigen kann man an einigen Fassaden der linken Wohnprojekte direkt ablesen, weil sie dort aggressiv plakatiert werden. Ich finde nicht, dass das so sein muss.


    Ich kenne übrigens die Architektin der Baugruppe Haasestraße flüchtig persönlich. Wie auch viele der Bauherren, kann man sie einem alternativ-bürgerlichen Berliner Milieu zurechnen, typisch Kreuzberg mit Wurzeln bis vor den Mauerfall. Der Standard der Wohnungen ist sicher gut, aber kein Luxus (mit Ausnahme der Dachgeschosse). Die Verbrämung als Luxuswohnungen durch die Presse senkt die Schwelle für Anschläge natürlich erheblich ab. Ein gewisses Maß an Reflexion wäre hier schon angebracht. Aber leider nicht im heutigen Berlin. Hauptsache man hat Feindbilder. :Nieder::Nieder:


  • Schaut man sich das gelagerte Zeugs an der Baustelle an, könnte es auch einfach eine hingeworfenen Kippe gewesen sein oder irgendein Besoffski ohne konkretes Motiv.


    Auch nicht unbedingt beruhigend, wenn eine achtlos weggeworfene Zigarette zum abfackeln eines styropordgedämmten Rohbaus reicht.

  • Nur mal so zur Klarstellung:
    Ich halte es für genauso falsch, bei jedem hingekritzelten Hakenkreuz gleich einen rechtsradikalen Hintergrund zu unterstellen mit dem pflichtmäßigen Zusatz "der Staatsschutz ermittelt". Auch da sind es oft nur irgendwelche Kids oder Spinner, die allenfalls provozieren wollen.


    Ich denke, solange es keine konkreten Hinweise oder besser noch Beweise gibt, sollte man nicht voreilige Schlüsse ziehen. Nach dem Motto: Das können ja nur (je nach Gusto) links- oder rechtsradikale Täter sein. Es gibt auch einfach Idioten oder andere Ursachen.

  • Ja sicher; Strenggenommen hast Du recht. Wollen wir es hoffen. Zumal sicher irgendeine Versicherung aufkommt.


    Wobei rechtsradikale Täter im konkreten Fall kaum in Frage kommen.


    Ich würde mir dennoch wünschen, dass man den linken Projekten im Kiez, mit denen ich sonst kein Problem habe, klar macht das eine gewalttätige Haltung nicht toleriert wird.

  • JIch würde mir dennoch wünschen, dass man den linken Projekten im Kiez, mit denen ich sonst kein Problem habe, klar macht das eine gewalttätige Haltung nicht toleriert wird.


    Haste mal einen Vorschlag, wie dieses "klar machen" aussehen könnte?

  • Das Problem ist doch, dass die linken und alternativen Projekte im Kiez mit dem Rücken zur Wand stehen.
    Natürlich bringt es nichts, Häuser anzuzünden, das ist eine Verzweiflungstat.
    Was sind denn die Alternativen?

  • Was mich stört, ist, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird.
    Was wäre denn die Reaktion gewesen, wenn dieser Neubau, der in wenigen Wochen fertig gewesen wäre, der Unterbringung von Flüchtlingen hätte dienen sollen?


    Noch ist die Täterschaft hier ebensowenig geklärt wie die eines vergleichbar zerstörerischen Brandanschlages von Münster-Hiltrup auf ein fast fertiges Flüchtlingsheim.
    Das es von den Tätern und ihrer Klientel als "Verzweiflungstat" ( wie es ouyawei ausdrückte ) gerechtfertigt würde, macht die Sache nicht besser. Sie ist schlicht kriminell.


    In Münster hat es bereits zwei Demonstrationen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassenhass und für Willkommenskultur gegeben.
    Ist in Berlin nun eine machtvolle Demonstration gegen Sozialneid, Klassenhass und für sichere Altersvorsorge zu erwarten?
    Nein?
    Das ist leider nicht komisch...