Goetheviertel: Junghof Plaza, ma'ro, Luginsland¹, Junghof Retail

  • Goetheviertel: Junghof Plaza, ma'ro, Luginsland¹, Junghof Retail

    Die Bürogebäude Neue Mainzer Straße 74 und 80, diese stehen jeweils an einer Ecke zur Neuen Rothofstraße, werden neu entwickelt. Der Fondsmanager Peakside Capital und der Projektentwickler Gross & Partner haben die beiden leer stehenden Bürogebäude zu diesem Zweck in einem Joint Venture erworben (Quelle). Verkäufer und früherer Nutzer ist die BHF-Bank, eine Tochter der Deutschen Bank.


    Geplant sind rund 12.000 m² Büro- und Geschäftsflächen (wohl eher durch Umbau als durch Abriss und Neubau). Neu ist die Schaffung von zuvor nicht vorhandenen Ladenflächen. Beachtliche 2.900 m² Verkaufsfläche sind neben 9.100 m² Bürofläche geplant. Auch das ist als eine Erweiterung der nahen Goethestraße anzusehen, dort herrscht eine starke Nachfrage nach hochwertigen Ladenflächen. Ähnliches ist auf dem östlich an die Neue Mainzer Straße 80 anschließenden Grundstück Luginsland 1 geplant, dort, wie zuletzt zu vernehmen war, durch Abriss und Neubau.

  • Die Läden sind eine gute Nachricht für die Ecke. Wer einmal als Fußgänger an der zugigen Kreuzung Neue Mainzer / Junghofstraße stand und schnell wieder in die Zivilisation (= Shopping-Meile Goethestraße ;) ) zurückkehren wollte, der musste immer noch zweihundert Meter vorbei an den abweisenden Sockeln der Bürogebäude an der Neuen Mainzer und Neuen Rothofstraße überwinden, bis er dann nach links ins Luginsland abbiegen konnte. Letztere ist als toter Arm der Goethestraße mit gefühlt monatlich wechselnden Läden bekannt. Also auch noch kein Lichtblick. Mosch Mosch konnte sich lange wacker halten. Diese Shopping-Lücke würde die Neuentwicklung prinzipiell schließen. Fragt sich nur, ob genügend Laufkundschaft vorhanden sein wird, um diesen Nebenpfad zu beleben. Möglicherweise geht die Rechnung auf. Die schwierige Lage an der Hochstraße zwischen Freßgass und Kleiner Hochstraße funktioniert ja erstaunlicherweise ebenfalls.

  • Fotos des Bestands, das Licht war leider schlecht. Das Gebäude Neue Mainzer Straße 80:



    Das Bürohaus steht mittlerweile leer. Neben dem Portal weisen Aushänge auf dem Umzug des bisher hier ansässigen "Frankfurt Trust" in die Bockenheimer Landstraße 10 hin. Das ist das BHF-Hochhaus.



    An der Ecke zur Neue Mainzer Straße 80 ein prächtiges Portal aus Guss- und Schmiedeeisen. Es wird wohl von einem nicht existierenden (Vorgänger-) Gebäude stammen. Die umgebenden Marmorplatten wurden bereits abgenommen, die Demontage dürfte bevorstehen.



    Einmal mehr wird voraussichtlich eine Verbindungsbrücke über eine öffentliche Straße abgebrochen. Im Hintergrund übrigens der Umbau der Goethestraße 25 (Bauschild), dieser wird hauptsächlich von der Rückseite zur Neuen Rothofstraße aus erledigt.



    Die Neue Mainzer Straße 74:



    Auch dieses Gebäude dürfte inzwischen leer stehen.



    Bilder: Schmittchen

  • Alte Tür

    Die schmiedeeiserne Tür gehörte zu Frankfurter Bank, deren Hauptsitz an der gleichen Stelle stand.


    Die Frankfurter Bank fusionierte dann mit der Berliner Handelsgesellschaft zur BHF BANK.

  • Verbindungsbrücke

    Ob es wieder eine neue Verbindung zwischen den Gebäuden geben wird, ist noch nicht entschieden. Es gibt wohl verschiedene Entwürfe...

  • Danke, frank353. Dazu auch ein Artikel bei Wikipedia. Der ursprüngliche Sitz der Bank war aber die Neue Mainzer Straße 69, schräg gegenüber der Gebäude um die es hier geht. Das 1891 errichtete Bauwerk (Foto) wurde im Januar 1944 bei einem Luftangriff stark beschädigt. 1949 wurde ein vereinfachter Wiederaufbau und 1951 ein Erweiterungsgebäude fertig gestellt, diese zeigt ein Bild von Kurt Liese. Darauf ist wieder das von mir fotografierte Portal zu sehen, bereits damals nicht mehr an ursprünglicher Stelle eingebaut.


    1957 wurde vis-a-vis ein Neubau errichtet, eben die Neue Mainzer Straße 74, einige Jahre später ein weiteres Gebäude, die Hausnummer 80. Zwischen der Neue Mainzer Straße 74 und der Neue Mainzer Straße 69 gab es eine Verbindungsbrücke, an der Ostseite führte diese in den turmartigen Bauteil der Neuen Mainzer Straße 74. Die heutige Fassade aus durchaus attraktivem Naturstein dürften die Gebäude bei einem späteren Umbau erhalten haben (und das eiserne Portal seinen dritten Einbauort).


    Nach der erwähnten Fusion zog die Bank 1970 in das Hochhaus Bockenheimer Landstraße 10, das Architekt Sep Ruf 1962-65 noch im Auftrag der Berliner Handels-Gesellschaft errichtet hatte. In die Nachkriegsbauten an der Ostseite der Neuen Mainzer Straße zog die Stadtfiliale der Bank. Der alte Sitz Neue Mainzer Straße 69 gegenüber wurde verkauft und in der Folge abgerissen. 1981-84 wurde dort das "Bürohaus an der Alten Oper" (auch "Citibank-Hochhaus") gebaut. Nachzulesen ist das alles in einer "Historienbroschüre" der Bank im PDF-Format (Link).

  • Luginsland 1

    Ich füge das mal hier an, da unmittelbar nebenan gelegen: Zwar wird das Gebäude Luginsland 1 sukzessive geräumt, für den Abbruch statt Sanierung gab es bisher aber nur eine kleine Meldung in einer Gastronomie-Fachzeitschrift.


    Jetzt wurde eine Abbruch-Genehmigung erteilt, das Bauschild ist online. Als Entwurfsverfasser zur Abbruchgenehmigung ist das Büro msm Meyer Schmitz-Morkramer genannt. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Entwurf des Neubaus auch von diesen Architekten stammen (was zweifellos eine gute Nachricht ist). Bauherr ist eine Objekt Frankfurt Luginsland GmbH mit Sitz in Kronberg im Taunus. Auch wegen des benannten Vertreters der Gesellschaft wird es kein Zufall sein, dass die weitaus bekanntere FGI Frankfurter Gewerbeimmobilien GmbH unter derselben Anschrift ansässig ist. Den Abbruch übernimmt die Frankfurter Gesellschaft für Projektmanagement und Sanierung (Web).


    Foto von Mitte 2012:



    Bild: Schmittchen

  • Ja und nun wird auch klar, warum die Neue Mainzer für die Filialisten interessant werden kann und dass ein Rundlauf für die Shopping-Victims durch die Neubauten erzeugt wird. Genial wie die Goethestraße verlängert wird und man plötzlich auch große Ladenflächen (auf mehreren Etagen) anbieten kann. Das erhöht massiv die Attraktivität der Einkaufsstadt Frankfurt und dessen Einzugsgebiet. Das Goetheplaza macht Schule.

  • ^^ Schade. Das ist doch ein Gründerzeitler, oder? Nur mit weitgehend fehlendem Schmuck und aufgesetztem Dachgeschoss. Eine Sanierung wäre sicher die bessere Alternative gewesen...

  • Das ist meines Erachtens noch nicht mal ein Gründerzeitler. Das Baujahr dürfte um 1860 liegen. Da das Gebäude unbegreiflicherweise nicht denkmalgeschützt ist, besteht hier allerdings kaum Handhabe. Und was will man schon dagegen sagen, dass ein paar Leute aus dem Vordertaunus in einem schnieken neuen Gebäude ihre Prada-Handtaschen* kaufen, für das offenbar eigens eine GmbH gegründet wurde?


    * für den Vorwurf des Sozialneids, ich brauche nämlich keine Prada-Handtasche, auch nicht an Fasching

  • Für die paar Vorstadtdamen aus dem Vordertaunus kommt hier kein Bagger angerollt, dieses Potential reicht bei weitem nicht für die kommenden Ladenkapazitäten. Die Goethestraße lebt immer stärker vom Flughafen, der die Kaufkraft weltweit anspült. Macht Euch morgens mal den Spaß und schaut Euch die ausgeschlafenen Asiaten (dank Zeitverschiebung) an, die es kaum abwarten können, dass die Läden endlich aufmachen. Immer wieder ein kleines Schauspiel, das man morgens Touris beobachten kann, als ob man in einer Weltstadt wäre. Frankfurt mausert sich, das freut nicht zuletzt die Hotels.


    Übrigens, etwas mehr Wertschätzung und Begeisterung für die ausgesprochen wertigen und handwerklich hochwertigsten (Leder-)Waren von Louis Karton, Prada und Co. würden evtl. dem einen oder anderen Schreiber hier auch gut tun. Es gibt über Fassaden hinaus auch noch anderes wahres und schönes .....

  • Luginsland 1

    Der unter #7 angekündigte Abbruch hat begonnen, zumindest seine Vorarbeiten. Das folgende Bild zeigt den Blick von der Goethestraße in die kurze Seitenstraße. Ob die beiden Vertreterinnen der vielzitierten Vordertaunusdamen in 1-2 Jahren nach rechts abbiegen werden anstatt fröhlich geradeaus weiterzugehen?



    Bild: epizentrum

  • Was am Wochenende von Luginsland 1 übrig war - Sandsteinbrocken und altes Gemäuer inklusive ein wenig historische Substanz in der Brandmauer. Im mittleren Bereich scheint es früher Durchgänge gegeben zu haben:



    Bild: epizentrum

  • Realisierungswettbewerb entschieden

    Zwischenzeitlich wurde ein nichtoffener Realisierungswettbewerb für die Neubebauung der beiden Grundstücke ausgerichtet. Es wird also keinen Umbau geben, beide Bestandsgebäude sollen abgerissen werden. Mittel- bis langfristig ist es übrigens Ziel, die Neue Rothofstraße zur Fußgängerzone zu widmen. Damit dürfte sich die Straße dann endgültig vom Hinterhof zur Goethestraße 2.0 wandeln.


    Zwei Varianten waren im Wettbewerb zu erarbeiten. Erste Variante war eine Volumen- und Fassadenstudie für ein Büro- und Geschäftshaus mit sechs Geschossen plus Staffelgeschoss. Die zweite ein 60 Meter hoher Turm mit Geschäften im Erdgeschoss, Büros in der Mitte und Wohnen ab dem siebten Geschoss. Die Überbauung der Neuen Rothofstraße kam dabei nicht in Betracht. Die Stadtplanung forderte einen denkmalgerechten Anschluss an die Nachbargebäude.


    Das Preisgericht vergab den ersten Preis an das Büro Eike Becker Architekten (Berlin), den zweiten an UN Studio (Amsterdam) und den dritten Preis an KSP Jürgen Engel Architekten (Frankfurt). Offenbar wurde jeweils die erste der beiden oben beschriebenen Varianten bevorzugt.


    Den erstplatzierten Entwurf hielt die Jury für "besonders interessant", vor allem sei der Anschluss an das denkmalgeschützte Gebäude Neue Mainzer Straße 72 gelungen. Die Architekten schlagen für die Neue Mainzer Straße 80 eine zweigeschossige Gliederung vor, während die Fassade der neuen Hausnummer 74 "in ablesbare Boxen" gegliedert werden soll. Dies und den modularen Aufbau bezeichnete das Preisgericht als "spannend, lebendig und modern".


    Der Wettbewerb wurde Ende April 2013 entschieden. Eike Becker Architekten schreiben nun unter dem Datum 1. Juli 2013 auf ihrer Website, das Büro sei "zwischenzeitlich mit der Planung beauftragt" worden.


    Am Wettbewerbsentwurf kann sich natürlich noch einiges ändern - sehr wahrscheinlich wird es das auch. Das jedenfalls ist der Entwurf der den ersten Preis erhalten hat:



    Bild: Eike Becker Architekten


    Von den weiteren Platzierungen habe ich nur kleine Visualisierungen gefunden: Der zweite Preis und der dritte Preis.


    Das Ergebnis des Wettbewerbs wird für Reibung sorgen, denke ich. Die Diskussion ist eröffnet!

  • ^ Das Rendering der Front zur Neuen Mainzer ist wie üblich gnadenlos geschönt, hier insbesondere wegen der Suggestion, die beiden Häuser würden quasi im Park an einer verkehrsberuhigten Spielstraße liegen. In Wirklichkeit tobt der Verkehr an dieser Stelle, auch wenn gegenüber der Häuser tatsächlich ein grüner Übergang von der Taunusanlage zur Neuen Mainzer liegt. Wie auch immer. Über Geschmack kann man sicher streiten, in jedem Fall gelingt Eike Beckers Team, ein klar ablesbares Tor zur Neuen Rothofstraße zu schaffen, indem sie die beiden Fassaden zum Durchgang ausrichtet. Es entsteht fast ein zwingender Sog für Fußgänger, bitte bitte nicht nach links oder rechts abzubiegen, sondern in die Straße zu schlüpfen. Kompliment!


    Die Fassade ist hell, transparent, freundlich, modern. Wie immer, wird am Ende der Eindruck stark von den gewählten Materialien geprägt sein. Die weißen Bänder in hellem Stein à la Taunusturm, das hätte was! Nicht ganz klar ist mir die Gestaltung der Tiefgarageneinfahrt rechts. Erwartungsgemäß sollen zweigeschossige Ladenflächen die Passage beleben. Mit angedeuteten Namensschildern wie "Gucci" ist die Zielgruppe ebenso klar wie die identitätsstiftende, individuelle Gliederung der Läden. Die Gestaltung wirkt angenehm verspielt.


    Eine andere Sache ist freilich der Anschluss an das Baudenkmal Junghofstraße 26. Der Neubau stuft sich auf die Höhe der Neorenaissance-Gebäudes ab, seine Front sheint aber so nach vorne zu springen, wie es der Bestandsbau tut. Und er wird sich, von der Seite betrachtet, deutlich über das alte repräsentative Gebäude erheben - mehr als der jetzige Bürobau es tut. Man kann sich beides anhand Schmittchens Bildern und des folgenden Bildes mit Blick auf die Kreuzung Neue Mainzer / Junghofstraße vorstellen:



    Bild: epizentrum (Größerer Ausschnitt eines Bildes auf Wikimedia unter der Lizenz CC-BY-SA 3.0)


    Dennoch: Die Neubauten werden die erhofften Ziele nach Aufwertung des Abschnitts sowie Belebung durch und "Einsaugen" von Fußgängern in die Neue Rothofstraße erreichen. Davon bin ich überzeugt.

  • Ähm ja, was soll man da noch sagen? Da passt gar nichts, Höhe, Material, horizontale und vertikale Gliederung, Abschluss, Anschluss an den historistischen und postmodernen Bestand – Architektur wie Auswurf. Wo ist das Dach, das beide Anschlussbauten haben? Lasst mich raten, es gibt keine Satzung, die das vorschreibt oder wieder irgendeine Ausnahmeregelung, so dass sie eh für die Füße ist. Oder Mr. Baugenehmigungsstempel beim Stadtplanungs- / Hochbauamt hat sie wie immer vergessen.


    Für mich einer der schlimmsten Entwürfe innerhalb der Wallanlagen seit Jahren. Klar, man fährt eh nur vorbei, wie epizentrum schon ganz richtig bemerkt hat, aber solche Planungsüberlegungen gehören eigentlich in die 1970er Jahre. Erschreckend ist da eigentlich nur noch, dass der zweite und dritte Platz der gleiche Schlag in die Fresse sind. Und dass dafür ein 140 Jahre altes Gebäude abgerissen wurde.

  • Dafür wurde kein 140 Jahre altes Gebäude abgerissen. Das Grundstück Luginsland 1 grenzt zwar direkt an, wird aber sehr wahrscheinlich gesondert entwickelt. Man sieht auch im Rendering des Eike-Becker-Entwurfs, dass die Planung nicht weiter in die Tiefe der Neuen Rothofstraße reicht als dies der Bestand tut. Wie oben erwähnt, wird wohl msm Meyer Schmitz-Morkramer den Neubau Luginsland 1 planen.

  • Ich finde es ist den Architekten gut gelungen. Es wirkt freundlich, hell, modern und großstädtisch. Definitiv eine enorme Verbesserung gegenüber das was da vorher stand. Jetzt wird diese Ecke auch langsam lebendig. Früher hat es bei der Fressgasse geendet oder höchstens beim Sushi Circle war der Spass vorbei. Ecken die tot sind müssen in die Rest der Stadt eingegliedert werden. Ein weiterer guter Schritt gegen das Zeil-Monopol. Ich hoffe die Neue Rothofstrasse profitiert davon schnell.

  • Alle drei Entwürfe orientieren sich rein am Kundeninteresse. Es soll möglichst billig ein Maximum an vermarktbarer Fläche entstehen. Die Stadt Frankfurt klatscht noch Beifall.


    Ähnliche Entgleisungen sieht man bei MyZeil und GoethePlaza: Zeil Reloaded.


    Das Haus an der Rothofstrasse steht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Opernplatz, wo sich Sofitel (Planung), Calyon und Opernturm hervorragend einpassen, sogar die Welle mit Abstrichen. Die Alte Oper gibt dort als Baukörper den Ton an, an dem sich die anderen Gebäude orientieren.


    Ein großstädtische Architektur kann und muss sogar auch mit Rücksicht auf die Umgebung gestaltet werden.