Leipzig: Adina-Hotel im ehemaligen Brühlpelzhaus (eröffnet)

  • Einige kurze Anmerkungen zu DaseBLN:


    Wenn es um einen bestimmten Ort geht, dann doch ;-) Der Gedanke hinter dem Konzept mag universell gewesen sein, die konkreten Planungen schließlich – auch in Leipzig – waren ortsgebunden und stellen deshalb selbstverständlich eine regionale Interpretation derselben dar. Man darf doch nicht erwarten, dass es keine Ähnlichkeiten zwischen zeitgleichem Städtebau in verschiedenen Regionen gab. Historisch gesehen war das doch zu jeder Zeit der Fall. Ein römisches Forum in der kleinasiatischen Provinz hatte trotz frappierender Ähnlichkeiten mit einem zeitgleichen Forum in Spanien trotzdem regionale Besonderheiten und Anpassungen aufzuweisen. Als Höhendominante fungierte in Leipzig nun einmal das Brühlpelz-Hochhaus. Ein derartiges Gebäude mit dieser Anknüpfung an historische Handelstradition macht nur in Leipzig Sinn, Punkt.


    Deiner Logik zu Folge impliziert jede konkrete Implementierung eines Baustils bzw. eines städtebaulichen Konzepts eine regionale Ausprägung desselben. Das Neorenaissance-Gebäude in der Wettiner Straße, in dem meine Eltern wohnen, folgt dann vermutlich der dem Waldstraße-Wettinerischen Regionaltyp. Der Hintergedanke, dass ein Kombinatssitz als Höhendominante gebaut wird, ist jedenfalls keineswegs typisch oder auch nur annähernd besonders für den Sachsenplatz.



    Warum Du Dir diese Frage überhaupt stellst, erschließt sich mir kein Stück. Ich würde zunächst gern wissen, wie Du darauf kommst, dass die leipziger Innenstadt zu klein sein könnte, für Architektur die dort seit über 40 Jahren steht. Es muss kein Platz „zur Verfügung“ gestellt werden, er wird bereits genutzt – ein kleiner Unterschied, nicht wahr?


    Selbstverständlich muss Platz zur Verfügung gestellt werden, wenn du den dauerhaften Erhalt missglückter städtebaulicher Konzepte, die heute eine mehr schlechte als rechte Nutzung erfahren, plädierst. Ich darf nochmal an den Ausgangspunkt der Diskussion erinnern: sofern keine adäquate Nutzung erfolgen kann, ist mittelfristig ein Abriss wünschenswert. Du bzw. raubbau plädiert dagegen an einen Erhalt, der mehr oder weniger einem Denkmalschutzstatus entsprechen würde. Dagegen wird hier argumentiert.



    Und was wenn anstelle des Brühlpelz-Hochhauses etwas Neues gebaut wird? Hoffentlich bleiben wir davor gewahrt, dass es andernorts etwas Ähnliches, vielleicht sogar Konsequenteres moderner Architektur geben könnte!


    Augenscheinlich schreib ich chinesisch, also nochmal:


    1. Der langfristige Abriss des Ensembles ist unabhängig von der architektonischen Qualität wünschenswert, weil er grundsätzliche Parameter der Bebauung der Leipziger Innenstadt ignoriert
    2. Unabhängig von der architektonischen Qualität oder Individualität eines eventuellen Nachfolgebaus ist davon auszugehen, dass dieser entsprechend den städtebaulichen Leitlinien der Stadt Leipzig die alten Grundstücksgrenzen beachtet und damit, wie vielfach seit Beginn der 90er geschehen, neue Urbanität in das Areal bringt.


    Irrelevant bleibt für mich also auch weiterhin, dass andernorts in der DDR in den 60er Jahren auch Städtebau betrieben wurde. Bei Deiner Argumentation nach dem Muster: ‚Anderswo gibt’s noch genug Besseres, also weg damit‘ bekomm ich förmlich Pickel! Da fällt mir tatsächlich, insbesondere weil Du so darauf beharrst, nichts mehr ein, außer Dir mein Entsetzen zu bekunden.


    Deine Hautprobleme sind mir grundsätzlich erst einmal egal. Die ganze Diskussion ist überhaupt erst entstanden, weil einige Herrschaften, dich eingeschlossen, diesem Enemble architektonische Qualität, Einzigartigkeit oder Regionalprägung andichten wollen, die es nach Meinung Anderer nicht hat. Also mal bitte schön die Kausalitäten beachten.


    Die Fragmentierung ist tatsächlich weit fortgeschritten. „nichtssagend“ ist aber definitiv über das Ziel hinausgeschossen. Das Brühlpelz-Hochhaus bleibt als Höhendominante bestimmend für diesen Teil der Innenstadt, sogar ohne die Weite des Sachsenplatzes und die Wohnhäuser zum Ring. Der kleine Vorplatz zur Reichsstraße samt dortigem Wohnblock gibt weiterhin immerhin einen kleinen Einblick in die Konzeption der Gesamtanlage.


    Ich sag doch: Museum gescheiterter Architektur für architekturhistorisch interessierte Menschen. Leider völlig irrelevant für den Großteil der Nutzer der Innenstadt.


    Das Brühlpelz-Hochhaus als Teil des Sachsenplatzes ist ein repräsentatives und regional gefärbtes Beispiel modernen Städtebaus der 1960er Jahre in der DDR. Soweit wirst Du mir doch vielleicht zustimmen?!


    Nope. Nur weil das Gebäude für Brühlpelz auf einem Grundstück am Brühl erbaut wurde ist es eben nicht regional gefärbt oder was auch immer. Selbst eine Hauptpost ist nicht regional gefärbt, dafür als Gebäude an sich aber einzigartig.


    Kriterium für den Erhalt von Bausubstanz vergangener Epochen war in der Geschichte seltener Qualität als Funktionalität. Kleinteilige mittelalterliche Architektur beispielsweise ist den großen Messehäusern- und höfen nicht gewichen, weil es anderswo bessere Beispiele gab und sie so verzichtbar wurden, sondern weil sie den Anforderungen an moderne Funktionalität nicht mehr entsprochen haben.


    Eben - es gab beides: den Verlust und den Erhalt wertvoller Bausaubstanz. Aber eben nie den expliziten Erhalt von Bausubstanz mit mangelnder Nutzbarkeit und fragwürdiger architektonischer Qualität nur aus bauhistorischen bzw architekturintellektuellen Gründen.

  • Ich könnte viel antworten, will mich diesmal aber wirklich kurz halten und nur auf eine zentrale Stelle eingehen:


    Du bzw. raubbau plädiert dagegen an einen Erhalt, der mehr oder weniger einem Denkmalschutzstatus entsprechen würde. Dagegen wird hier argumentiert.


    Diese Aussage zeigt deutlich, was hier in der Diskussion verkehrt läuft - nach meiner Auffasung jedenfalls.
    Erstens begann die Diskussion anders herum: Du hast Dir einen Abriss des Gebäudes gewünscht und anstelle endlich einmal vernünftige Gründe dafür zu liefern, warum das denn in Deinen Augen so unumgänglich ist, forderst Du ständig irgendwelche Argumente ein, die dafür sprechen, nicht morgen mit der Abrissbirne vorzufahren. Wir haben bereits Deine wesentlichen Punkte ausreichend diskutiert. Nutzbarkeit und Architekturqualität. Während ich das Objekt für durchaus fähig halte, modernen Nutzungsformen gerecht zu werden, Dir also gern energisch diesbezüglkich widerspreche, haben wir über die Architekturqualität inzwischen genug gestritten, um zu wissen, dass wir uns hier uneins darin sind, wie besonders ein Gebäude sein muss, damit über die handwerkliche Qualität (bautechnisch weist das Gebäude ja keine Mängel auf) auch eine architektonische Qualität steht. Wie wichtig mir hierbei die Einordnung im Zeitkontext ist, habe ich schon erwähnt. Ein recht aktueller Beitrag, in dem das Brühlpelz-Hochhaus wundersamerweise gar nicht ignoriert wird, tut dies ebenfalls: http://edoc.hu-berlin.de/kunst…-mark-2/PDF/escherich.pdf


    Zweitens wird von vielen hier nicht gegen einen Denkmalstatus argumentiert, sondern gegen DDR-Architektur für sich. Das ist ein Unterschied. Wer beispielsweise auf die vielen ähnlichen Bauten andernorts verweist, der will sich gar nicht mit dem Gebäude selbst befassen sondern begnügt sich damit die Architektur dieser Zeit wahllos über einen Kamm zu scheren. Dieser Blick verhindert schon im Ansatz jede unvoreingenomme Betrachtung eines einzelnen Beispiels der modernen DDR-Architektur und ist deshalb meiner Meinung nach nicht zielführend. Architekturepochen sind aber nunmal keine gleichförmigen Massen, die keine individuelle Präfung zulassen. Selbst Typenbauten haben prinzipiell das Potential ortsspezifische Adaptionen zu sein. Nur weil eine Bauweise standardisiert ist, muss es der spezifische Bauzweck nicht automatisch auch sein. Das Brühlpelz-Hochhaus erhielt beispielweise eine inhaltlich-historische Aufladung, die nur hier funktioniert hat und nur hier auch im vollen Kontext verstanden werden konnte. Mag Dir die Bauweise nicht besonders genug sein, der Bauzweck war es allemal, weil hier eben kein Kombinatssitz allein, sondern auch ein Anknüpfungspunkt an historische Handelstraditionen und regionaltypische Besonderheiten stattfand.

  • Die beiden Tatras sind in der Tat elegant!
    Das Gebäude ist auf diesem Photo vielleicht nicht schlecht - es steht halt nur in der Leipziger Innenstadt und paßt da mit Bezug auf Raumkanten, Straßenfluchten und Höhe nicht hinein und Nutzer finden sich offensichtlich nicht.
    Und wie DaseBLN beinahe schon singt: es widerspricht einen Stadtratsbeschluß zur Wiederherstellung der gewachsenen und gern mit modernen Gebäuden bebaubaren Struktur der Innenstadt.

  • Die beiden Tatras sind in der Tat elegant!
    Das Gebäude ist auf diesem Photo vielleicht nicht schlecht - es steht halt nur in der Leipziger Innenstadt und paßt da mit Bezug auf Raumkanten, Straßenfluchten und Höhe nicht hinein und Nutzer finden sich offensichtlich nicht.
    Und wie DaseBLN beinahe schon singt: es widerspricht einen Stadtratsbeschluß zur Wiederherstellung der gewachsenen und gern mit modernen Gebäuden bebaubaren Struktur der Innenstadt.


    Dafür passt es in Anbetracht der Stadtgeschichte ganz gut in die Leipziger Innenstadt. Und es bleibt ja wohl trotz des Stadtratsbeschlußes auch noch ne Weile stehen, weil es wohl doch ein Nutzungskonzept gibt. Auch wenn mir innerstädtischer Wohnraum lieber wäre. Es gibt es auch immerhin zum Teil aktuell eine Nutzung des Gebäudes. Und wahrscheinlich wird es noch länger stehen als die gegenüberliegenden Höfe. ;) Es sei denn die Firma Unister plant eine Erweiterung ihre Bürofläche oder spezialisiert sich in Zukunft auf die Schaffung innerstädtischer Freiflächen.

  • Also ich find es sehr elegant:


    ^ Dem schliesse ich mich an. Schon aufgrund seiner - meiner Meinung nach beinahe zeitlos - eleganten Erscheinung ist das Pelzgebäude nicht mit den gefallenen Wohnplatten am Brühl und anderen x-beliebigen Bauten aus jener Zeit auf eine Stufe zu stellen.

  • ^ Dem schliesse ich mich an. Schon aufgrund seiner - meiner Meinung nach beinahe zeitlos - eleganten Erscheinung ist das Pelzgebäude nicht mit den gefallenen Wohnplatten am Brühl und anderen x-beliebigen Bauten aus jener Zeit auf eine Stufe zu stellen.


    Genau. Im Gegensatz zu den Wohnscheiben, die quer zur Straße hineingesetzt wurden, passt sich der Pelz dem Verlauf des Brühls an und schafft es, das Straßengewirr behutsam aufzubrechen, aber nicht zu zerstören. Zudem entstehen damit kleinere Plätze zum "durchatmen", die bspw. mit dem kleinen innerstädtischen "Spielplatz" doch eine schöne und ungewöhnliche Nutzung bieten können. Wer sagt denn das die alten Raumkanten zwingend mit Gebäudekanten ausgeprägt werden müssen? Das die Schließung des Karrees trotzdem nötig ist, ist denke ich konsens, kann aber nicht dem Gebäude angelastet werden. Und den Sachsenplatz möchte ich zumindest auch nicht zurück.

  • Nun ja, dem Brühl paßt sich der Bau bei einer Höhe ab 30 km grob an - der Reichsstraße gar nicht. Eine Raumkante mit einem Spielplatz füllen zu wollen, ist - ich gebe es zu - nur wenig schlechter als die Idee des dunklen Waldes.
    Daß Dinge, die nötig sind, nicht einem Gebäude angelastet werden können, ist zumindest semantisch schwer nachzuvollziehen. ;)

  • Saxonia / #78
    Deine Frage, was das Interpelzgebäude erhaltenswerter macht als bspw. die alte Brühlbebauung, ist in Bezug auf die Vergleichbarkeit und den bereits vollzogenen Verlust etwas paradox, oder?


    Warum sollte das paradox sein? Die Gestalt der Brühlplatten ist dir doch sicherlich noch bekannt. So dass es keinerlei Problem darstellen sollte, darüber eine Aussage zu treffen. Ansonsten ist diese alte Brühlbebauung in das selbe städtebauliche Leitmotiv eingebunden gewesen wie das Pelzgebäude und meine Frage nach den unterschiedlichen Bewertungskriterien für und gegen den Erhalt damit gerechtfertigt.


    Den Grund für die sehr unsachliche Debatte sehe ich im übrigen darin, dass jede Kritik an dem Gebäude, wie auch bei Dir, in erster Linie von der Ablehnung der damaligen städtebaulichen Leitbilder getragen wird. Wenn man diese Leitbilder also ablehnt, kann man demzufolge auch nichts Gutes an dem Gebäude finden.


    Nein, das stimmt schlichtweg nicht. Ich lehne auch die städtebaulichen Leitbilder ab die zum Bau des Uniriesen oder dem Wintergartenhochhaus geführt haben (die ja logischerweise nicht so verschieden sind wie die am Brühl). Dennoch finde ich die Gebäude absolut erhaltenswert. Die Frage ist ob ich alles erhaltenswert finden muss, nur weil es einmal gebaut wurde. Da ich das Leitmotiv welches zum Bau der Mehrzahl von aus dem Stadtgefüge herausscherenden DDR-Gebäuden im Leipziger Zentrum geführt hat ablehne, muss mAn auch der Großteil der daraus resultierenden Bebauung weichen.



    Problematisch wird es für mich, wenn man sich aber nicht einmal mehr die Mühe gibt sich mit dem damaligen Kontext auseinanderzusetzten oder einfach unterstellt, es war damals schon schlecht und deswegen heute erst recht.


    Mit dem Kontext hab ich mich zur Genüge auseinandergesetzt. Ich habe Begründungen von Architekten gelesen und und und. Leipzig ist da übrigens nichts besonderes. Die Begründungen für eine derartige Umgestaltung von Stadträumen gleichen sich und dennoch halte ich es für gescheitert, wie viele andere ja auch. Das hat nichts mit Oberflächlichkeit oder ähnlichem zu tun sondern wie ja gerade im Falle Leipzig mit rund 40 Jahre währender Empirie.

  • Und es bleibt ja wohl trotz des Stadtratsbeschlußes auch noch ne Weile stehen, weil es wohl doch ein Nutzungskonzept gibt. Auch wenn mir innerstädtischer Wohnraum lieber wäre. Es gibt es auch immerhin zum Teil aktuell eine Nutzung des Gebäudes.


    Das aktuelle Nutzungskonzept ist aber mit dem von dir und Valjean als "elegant" benannten Gebäude in dieser Form nicht zu haben. Aktuell gibt es also entweder ein "elegantes" Gebäude oder ein schlüssiges Nutzungskonzept.

  • "Zur falschen Zeit am falschen Ort"


    Das trifft es glaube ich ganz gut :-)
    Die revolutionäre Änderung von neohistoristischer stalinistischer Architektur im Zuckerbäckerstil hin zu funktionaler und moderner – auch typisierter und standardisierter – Architektur vermisst vielmals noch ihre gerechte Würdigung. Trösten kann man sich immerhin damit, dass auch die sachliche und funktionale Architektur der 20er Jahre in Ablösung des Historismus seine Zeit brauchte, um kunsthistorisch und denkmalpflegerisch, aber vor allem in den Köpfen der Allgemeinheit, als erhaltenswert anerkannt zu werden. Ungleich schwerer macht es aber die ideologische Aufladung der DDR-Architektur, die nur schwerlich ignoriert werden kann und darf, jedoch auch nicht als Ausrede dafür missbraucht werden sollte, diese Architekturepoche grundsätzlich abzulehnen.
    Viel schwerer als diese politische Dimension wiegt aber in vielen Köpfen noch die ästhetische Ablehnung der Moderne per se. Das liest man hier im Forum des Öfteren auch dann, wenn heutige Neubauten vorgestellt werden. Dann wird der Bezug zur historistischen Umgebung vermisst, zu starke Horizontalität bemängelt oder gleich abwerten eine Verbindung zu DDR-Architektur gezogen. Rationalität, Funktionalität und Sachlichkeit haben es immer noch (oder wieder?) ziemlich schwer akzeptiert zu werden. Stellenweise, etwa bei Katharinum am Bildermuseum, geht der Trend sogar zurück zu einer Art Neoklassizismus. Dieser Trend hin zum Dekorativen oder zum Ornament spiegelt sich meiner Meinung nach auch im Widerstreben einer wertfreien Auseinandersetzung mit DDR-Architektur wieder, die unabhängig von ideologischen Umständen als nahezu kompromisslos modern und funktional betrachtet werden kann und sich gerade durch Ablehnung von nicht funktional begründeten Elementen auszeichnet. Die Kompromisslosigkeit führte schließlich auch zu Typisierung. Die damit einhergehenden Ähnlichkeiten dürfen aber nicht automatisch gleichbedeutend sein mit der Verzichtbarkeit der Einzelarchitektur in der vermeintlich homogenen Masse. Der zuletzt zitierte Artikel zeigte dies deutlich.
    Weiterhin sollten sich einige nichts vormachen: Selbst die Architekten des Historismus folgten größtenteils nur einem akademisch gelehrten Formenkatalog. Auch das war nur eine Art Typisierung, die nicht weniger für Gleichförmigkeit und Ähnlichkeiten unter den Bauten dieser Zeit sorgte, als wir sie in den Typenbauten der DDR finden.
    Was einigen Diskutanten hier fehlte – man darf das hier also innerhalb des Themas als eine Art Abschlussstatement meinerseits verstehen – war eine gesunde Distanz zum eigen Geschmack bzw. zur selbst favorisierten Ästhetik, denn wie ich bereits sagte: Man muss Architektur nicht mögen, um sich für ihren Erhalt einzusetzen.
    Nüchtern betrachtet, ganz wertfrei und fern von ästhetischen Vorlieben bleibt deshalb für das Brühlpelz-Hochhaus für mich folgendes stehen: Es handelt sich um ein Gebäude, welches seit mehr als 40 Jahren die Umgebung der nördlichen Innenstadt prägte. Die Funktion des Gebäudes schließt an historische Handelstraditionen genau dieses Standortes an. Dementsprechend fand auch eine inhaltliche und propagandistisch nutzbare Anknüpfung an diese regionale Besonderheit statt. Städtebaulich fungierte das Brühlpelz-Hochhaus als Dominante eines modernen Konzeptes der Stadtgestaltung, welches bewusst mit historischen Raumkanten brechen wollte und den (gescheiterten) Versuch unternahm eine neue Ordnung des Stadtraumes vorzunehmen. Dieses Konzept fand zeitgleich große Verbreitung in differenzierten Ausprägungen quer durch die DDR, aber auch weltweit. Es fußt auf Ideen, die bereits ideologieunabhängig in den 1920er Jahren entwickelt wurden, aber in den 60er Jahren staatspolitisch nutzbar gemacht werden sollten. Architektonisch handelt es sich um Stahlbeton-Skelettbauweise. In der Verwendung der „Bandfassaden mit massig wirkenden Betonelementen“ als Ergänzung zu den noch zeitgleich aktuellen Glasfassaden darf das Brühlpelz-Hochhaus als eines der früheren dieser Beispiele angesehen werden.*
    Weiterhin steht die Architektur aufgrund ihres Grundrisses und dem Negieren von Raumkanten der Vorkriegszeit im Widerspruch zu aktuellen stadtplanerischen Ansprüchen. Die Hinterhofsituation, entstanden aufgrund des anschließenden Flachbaus, darf heute als unbefriedigend benannt werden.
    Die Möglichkeiten aktueller Nutzungen sind beschränkt. Die EG-Zone eignet sich nur bedingt für modernen Einzelhandel, die übrigen Geschosse sind jedenfalls nach Konzeption der Stadtbau potentiell sowohl für Büro-, als auch für Hotelnutzung geeignet.
    Nach dieser kurzen Übersicht, in Ausblendung ästhetischer Vorlieben und im Nachklang der Diskussion bleibt mir weiterhin der Eindruck erhalten, dass sich keine dringende Notwendigkeit für einen Abriss ergibt, jedenfalls keine mir hinreichend erscheinende Argumente vorgetragen wurden. Eine breiter angelegte und von Prinzipalobjekten abgehende Forschung zu DDR-Architektur ist im Wachsen und liefert neuerdings auch kleine, aber bemerkenswerte Hinweise zu bisher vernachlässigten Bauten wie dem Brühlpelz-Hochhaus. Dem folgend verfestigen sich eher die Punkte, die für einen Erhalt der Bausubstanz in jetziger Gestalt sprechen.
    Soviel noch zum Abschluss von mir.
    * http://edoc.hu-berlin.de/kunst…-mark-2/PDF/escherich.pdf (S.4)

  • Internat. Konferenz: Das architektonische Erbe des Sozialismus

    Hier mal noch grundsätzlicher:


    Am morgigen Freitag und am Samstag, dem 23. und 24. November 2012, veranstaltet die Projektgruppe "Spielplätze der Verweigerung" des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig (GWZO) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Nationalkomitee von ICOMOS und der Leipziger Messe GmbH eine internationale Konferenz zum Thema "Zwischen Ablehnung und Aneignung. Das architektonische Erbe des Sozialismus in Mittel- und Osteuropa". Die Konferenz findet im Rahmenprogramm der Fachmesse "denkmal 2012" an zwei Orten statt: Am 23. November, 10:00-17:30, im Congress Center Leipzig (CCL) auf dem Messegelände, am 24. November, 9:00-18:00, im GWZO.


    Das Programm kann unter http://www.uni-leipzig.de/~gwz…ferenzen/12_SV_ICOMOS.pdf heruntergeladen werden.


    Am Sonnabend referiert von 9:00–9:30 Uhr Prof. Dr. Thomas Topfstedt (Universität Leipzig) über das Thema "Das Bauerbe des Sozialismus in Leipzig". Daran schließt sich bis 12:30 Uhr ein thematischer Stadtrundgang unter Leitung von Dr. Wolfgang Hocquél (Kulturstiftung Leipzig) und Dr. Peter Leonhardt (Stadt Leipzig, Amt für Bauordnung und Denkmalpflege, Abteilung Denkmalpflege) an.

  • Die städtebauliche Situation am ehemaligen Sachsenplatz ist ja heute eine völlig andere als 1973. Mit der Wiederherstellung der historischen Platzkanten am Bildermuseum und den Höfen am Brühl ist das Brühlpelzhaus nur noch weiter aus dem städtischen Kontext gerückt. Einen gewissen architektonischen Charme kann man dem Gebäude auf den hier gezeigten älteren Fotos jedoch wirklich nicht absprechen. Aber dieser Charme ist auch schon ziemlich lange verblasst und wenn man ihm wie geplant jetzt dieses dem Zeitgeist angepasste Kostüm überstülpen will, ist wohl keiner der beiden Parteien hier geholfen.

  • HOTEL IN BESTER LAGE MIT BLICK ÜBER DIE STADT!!!

    Zufallsfund:


    http://home.immobilienscout24.de/5619752/expose/66318412


    HOTEL IN BESTER LAGE MIT BLICK ÜBER DIE STADT!!!


    Brühl 34-50
    Pacht-/Kaufobjekt: Pacht
    Gesamtfläche: 10000.00 m²
    Pachtpreis: Preis auf Anfrage
    Objektart: Hotel
    Verfügbar ab: nach Sanierung
    Objektzustand: Erstbezug nach Sanierung
    Baujahr: 1966
    Qualität der Ausstattung: Gehoben
    Etage(n): 10


  • Hier mal eine aktuelle Ansicht des Brühlpelzgebäudes aus Richtung Osten. Die verbliebenen Mieter ziehen nach und nach aus. Ob der Umbau deshalb bald beginnt, weiß ich allerdings nicht.

    Bild: Cowboy

  • Brühlpelz soll 4*-Hotel werden

    In der LVZ wirt heute 'exklusiv' berichtet, dass der Projektentwickler StadtbauAG einen Investor für ein mindestens 4*-Hotel im Brühlpelzgebäude gefunden hat.


    - noch keine Unterschrift unter den Plänen
    - es soll ein Fassadenwettbewerb stattfinden
    - ohne Tiefgarage


    Quelle: LVZ vom 23.07.2014 von Herrn Nößler