Die Oldenburger Stadtviertel

  • Die Oldenburger Stadtviertel

    Die Oldenburger Stadtviertel



    Roonstraße am Oldenburgischen Staatstheater


    Moin Moin!
    Da mein anderer Oldenburg-Strang mir keine Freude mehr macht, eröffne ich nun diesen neuen. Hier möchte ich die klassizistischen und gründerzeitlichen Stadterweiterungen Oldenburgs vorstellen, d.h. die Stadtviertel in Innenstadtnähe. Im Eröffnungsbeitrag sollen zunächst einige allgemeine Bemerkungen über die Oldenburger Architektur des langen 19. Jahrhunderts fallen, ferner soll der charakteristische Oldenburger Häusertyp der Gründerzeit (die "Hundehütte") erläutert werden. Später folgen Fototouren der einzelnen sehenswerten Stadtviertel.



    Die unmittelbar an die Oldenburger Innenstadt anschließenden Bereiche konnten erst nach Schleifung der weit ausgedehnten Festungsanlagen ab 1790 bebaut werden. Zunächst entsteht unter Herzog Peter Friedrich Ludwig die frühklassizistische Stadterweiterung am Damm mit dem Prinzenpalais und den Kavaliershäusern. Ab 1820 werden die Kasernen am Pferdemarkt und das nördlich anschließende Johannisviertel bebaut, um 1837 die Peterstraße angelegt, deren Bebauung allerdings erst ab 1842 erfolgt. Ab etwa 1850 wird das spätklassizistische Haareneschviertel erschlossen, das in der Kaiserzeit aber noch maßgeblich nachverdichtet und erweitert wird. Das repräsentativste gründerzeitliche Viertel ist das ab etwa 1880 bebaute Dobbenviertel, wo noch während des 1. Weltkrieges der große Komplex des Oldenburgischen Landtages entsteht (Oldenburg war ein eigener nicht zu Preußen gehöriger Staat). Weitere Viertel von Interesse sind das Nordstadtviertel, das Bahnhofsviertel, Alt-Osternburg, das Gerichtsviertel und der Bereich um den Stau.



    Vom Charakter her war die Hauptstadt Oldenburg im 19. Jh. (ja, bis in die 1970er-Jahre hinein - inzwischen ist es etwas durchmischter geworden) eine ziemlich reine Beamten- und Garnisonsstadt. Man war hier in dieser Zeit zwar nicht so reich wie etwa in Sachsen, doch konnten und wollten sich die vielen bürgerlichen Familien ihre eigenen Häuser leisten. Fast sämtliche Altbauten der Oldenburger Stadtviertel sind kleinere freistehende Ein- oder Zweifamilienhäuser, die fast immer von einem schön gepflegten und umzäunten Garten umgeben sind. Hierdurch erscheint Oldenburg v.a. im Sommer als eine Art großer Gartenstadt - nicht sonderlich urban, dafür sehr angenehm und freundlich.



    Oldenburg wurde im 2. Weltkrieg zu lediglich 1% zerstört, dafür wütete man aber zwischen 1960 und 1980 ziemlich heftig. Ich schätze den Verlust durch Abrisse auf etwa 10% bis 20% des Gebäudebestandes von 1950, wobei vor allem die Innenstadt schwerer betroffen wurde. Die historischen Stadtviertel bestehen meistens zu rund 10% aus Neubauten, die ich aber in dieser Galerie größtenteils nicht zeigen (d.h. oft geschickt ausblenden) werde ;).


    Das Oldenburger Giebelhaus
    Siehe hierzu auch die Monografie Das Oldenburger Giebelhaus : Betrachtungen zur "Hundehütte" / Karsten Friedrichs-Tuchenhagen (Hg.) - Oldeburg : Isensee 1997, ISBN 3-89598-461-2, aus der ich ein Großteil meiner Informationen insbes. die Typologie der Giebelhäuser entnehme. Folgende drei Doppelseiten sind aus besagter Monografie entnommen, da sie eine sehr gute Übersicht verleihen (s. auch diese Seite):
    Vorformen des Giebelhauses (5,0 MB)
    Frühformen des Giebelhauses (5,3 MB)
    Spätformen des Giebelhauses (4,2 MB)


    Wie im benachbarten Bremen im 19. Jh. mit dem Bremer Haus eine charakteristische Häuserform entstand, so entwickelte sich auch in Oldenburg in jener Zeit ein eigener Häusertyp, der aber vom Bremer Pendant grundverschieden ist. Das Oldenburger Giebelhaus, auch Hundehütte oder selten Huntehütte genannt, wurde vor allem zwischen 1850 und 1910 in allen Stadtvierteln Oldenburgs außerhalb der Innenstadt gebaut, und macht heute noch in diesen Vierteln oft 30% bis 40% des Wohnhausbestandes aus. Es handelt sich hierbei um ein freistehendes eineinhalb-stöckiges ursprünglich für eine oder zwei Familien erbautes giebelständiges Haus, das fast immer von einem umzäunten Garten umgeben ist. Obige Merkmale treffen allgemein auf alle Oldenburger Giebelhäuser zu, doch änderte sich der spezifische Stil um einiges im Verlauf vom Spätklassizismus bis zum Jugendstil, wodurch sich eine stilistische und i.a. chronologische Typeneinteilung einführen lässt (s.o.), die ich nun näher erläutern möchte.


    Als Vorform des Giebelhauses gilt das seit dem Mittelalter gebaute norddeutsche Dielentorhaus, ein giebelständiges zentral erschlossenes Fachwerkhaus mit Sattel- oder Krüppelwalmdach, wie dieses 1773 erbaute Beispiel nördlich von Oldenburg:

    Ein älteres Beispiel aus der Innenstadt wäre das Degodehaus.


    Im Laufe der zunehmenden Verstädterung ab Mitte des 18. Jh. zogen ländliche Familien in die Stadt oder in größere Dörfer, und bauten dort ihre an die Bauernhäuser erinnernde Ackerbürgerhäuser allerdings mit stadtverträglichen Fenstern - meistens fünfachsig. Als Beispiel folgendes Haus (Bj. 1745) an der Cloppenburger Straße in Oldenburg. Einst befand sich hier eine ganze Reihe solcher Häuser, doch viele sind nach 1960 abgerissen worden. In Oldenburg existieren vielleicht noch ein oder zwei Dutzend Häuser dieser Art.


    Die erste eigentliche Form des Oldenburger Giebelhauses (Typ a) wird im Spätklassizismus ab 1850 bis in die frühen 1870er-Jahre hinein gebaut. Im Gegensatz zum Ackerbürgerhaus besitzt diese Form ausschließlich ein Satteldach, das oft durch einen ca. 1,5m hohen Drempel erhöht wird. Die Erschließung erfolgt noch hausmittig, obwohl es auch zusätzliche Seiteneingänge geben kann. Typisch sind 5 Achsen, ich kenne auch Exemplare mit 6. Beispielhaft diene dieses einfache 1874 erbaute Haus in der Alexanderstraße:


    Ab 1860 wird die frontale Erschließung nach und nach zugunsten einer seitlichen aufgegeben (Typ b). Die Giebelfront besitzt nunmehr 4 Fensterachsen (manchmal 3), und ist stärker durch Schmuck und Gesimse gegliedert. Ab dieser Zeit verlängert sich der Dachüberstand auch beträchtlich, die Pfetten- und Sparrenköpfe dienen als weitere Schmuckelemente. Reichere Bauherren leisten sich ein zusätzliches Tiefparterre oder einen steinernen Sockel. Noch gibt es keine Altane oder andere vordere oder seitliche Anbauten. Am Wallgraben (Heiligengeistwall) steht dieses ca. 1860 erbaute Beispiel mit typischer spätklassizistischer Fassade:


    Diese Fensterform mit schmuckem Oberlicht ist typisch für den spätklassizistischen Rundbogenstil in Oldenburg ca. 1850-1860.


    Nach 1870 mutiert zunächst der Fassadenschmuck hin zum Historismus, wie diese durchschnittlichen Häuser in der Alexanderstraße zeigen:


    Ab 1875 findet man dann die Hochform des Oldenburger Giebelhauses (Typ c). Das Haus ist nunmehr durch einen gesonderten seitlichen Eingangsanbau erschlossen, die Giebelseite durch einen polygonalen Altan erweitert, auf dem oft eine Terrasse oder ein Wintergarten sitzt. Diese Hausform weist fast immer einen Tiefparterre auf. Edlere Examplare besitzen oft reiches Schnitzwerk oder eine Figurennische in Giebelmitte. Ein mustergültig instand gehaltenes Beispiel hierfür ist dieses sehr durchschnittliche Haus in der äußeren Ziegelhofstraße:


    Im Späthistorismus/Eklektizismus um 1890 kommt dann noch die Sonderform des Halbgiebelhauses auf (Typ d), bei der ein zweiachsiger giebelständiger Baukörper mit einem zweiachsigen traufständigen Baukörper verschmilzt, wie hier in der Margaretenstraße (Bj. 1891):


    Im Jugendstil/Reformstil/Neoklassizismus (1900-1920) wird die 4-achsige Form wieder aufgegriffen. Oft ist der Stil nur oberflächlich wahrzunehmen (anhand der Schmuckelemente), wie hier in der Vereinigungsstraße mit historischem Zaun:


    Manchmal ist der Jugendstil aber auch ausgeprägter, wie etwa hier in der Jägerstraße (Bj. um 1905):


    Ab 1920 dann werden die Häuser endgültig kleinbürgerlicher, schmaler (meist nur zweiachsig) mit höheren Dächern. Diese Häuser zählen dann auch nicht mehr zu den Oldenburger Giebelhäusern i.e.S. Am Melkbrink hat sich eine Reihe expressionistischer Giebelhäuser erhalten:


    Oder dieser wohl um 1930 erbaute Blickfang an der Ecke Ziegelhofstraße / Elsässer Straße:


    Auch heute noch wird die Giebelhausform immer wieder aufgegriffen. Leider sind die modernen Exemplare größtenteils banal (kein Bild daher).


    Das Oldenburger Giebelhaus ist sehr ensemblefähig, und entfaltet seine besondere Wirkung in der erhaltenen Straßenzeile. Hier einfache Giebelhäuser am Steinweg:


    Hier prächtigere Giebel in der Parkstraße:


    Oder hier durchschnittliche Giebelhäuser in der Blumenstraße:


    Im späten Jugendstil und Reformstil wurden zuweilen auch Zeilen von Mansarddachhäusern gebaut, wie hier in der Adlerstraße:




    Das traufständige Handwerkerhaus
    Ein zweiter in den innenstadtnahen Stadtvierteln Oldenburgs oft vorkommender Häusertyp ist das Ende des 18. Jh. aus Preußen importierte einstöckige traufständige Arbeiterhäuschen.


    In der Nelkenstraße, Bj. ca. 1820 (hier übrigens mit einem der typischen Fahrradmittelstreifen, die man bereits 1900 in Oldenburg anlegte):


    Wilhelmstraße, das rosarote Haus, Bj. ca. 1840:


    Dieser Hausstil hält sich durch das ganze 19. Jh. hindurch. Hier eine Zeile am Melkbrink erbaut. ca. 1900:




    Der Pinienzapfenzaun
    Dies ist ein typischer gründerzeitlicher Zaun mit "Pinienzapfen"-Ornamentik, der etwa 1870-1900 Verwendung fand. Er wird schon seit 20 Jahren in Oldenburg wieder hergestellt, und auch bei moderneren Neubauten eingesetzt (z.B. jüngst am Landtag):



    Ich glaube, das reicht für Vorbemerkungen. Die Folgebeiträge werden deutlich wortkarger bzw. bildreicher sein, versprochen!
    (Quelle: Eigene Bilder)

  • Das Dobbenviertel (1)

    Das Dobbenviertel
    Das repräsentativste gründerzeitliche Viertel Oldenburgs ist das südwestlich der Innenstadt gelegene Dobbenviertel. Es wird begrenzt durch den kleinen Fluss Haaren im Norden, dem Schlossgarten im Süden und etwa dem Eversten Holz bzw. der Dobbenwiese im Westen. Teile des Dobbenviertels nahe der Innenstadt wurden schon im Klassizismus angelegt, während die äußersten Bereiche noch während des 1. Weltkrieges bebaut wurden (z.B. die Ministerien). Mitten im Viertel liegt der schmucke Cäcilienplatz. Hauptstraßen sind die Lindenallee, Hindenburgstraße (die möglicherweise bald umbenannt wird!) und Herbartstraße, am Rande die Ofener Straße und die Gartenstraße.


    Wir beginnen an der Haaren, einem kleinen Fluss, der am Julius-Mosen-Platz in den Stadtgraben mündet. Links die Ofener Straße, rechts Haarenufer.


    An der Ofener Straße / Ecke zur Auguststraße steht das frühere Zeughaus, ein Bau aus Stein und Eisen von 1864 im späten Rundbogenstil. Angrenzend stehen mehrere ähnliche militärische Gebäude. Als Überblick diene an dieser Stelle dieses historische Bildvon dieser Seite .



    Beidseits der Haaren entstanden zwischen 1860 und 1920 prächtige Villen.





    ...

  • Das Dobbenviertel (2)

    Am Haarenufer steht der prächtige Stammsitz des Oldenburger Turnerbundes und Turnhalle der Cäcilienschule (der Neubau rechts):





    Hier an der Ecke zur Lindenalle geht es rein ins Dobbenviertel (nach links):


    Und hier geht es das nächste Mal dann auch weiter.


    (Quelle: Eigene Bilder)

  • Das Dobbenviertel (3)

    Lindenallee
    Die lange Lindenallee läuft quer durch die Mitte des Dobbelviertels, und geht am Eversten Holz in die Meinardusstraße über. Es gibt dann über den Marschweg eine geradlinige Verbindung zur A28, was zum erhöhten Verkehr auf der Lindenallee führt.
    Die namensgebenden Linden wurden 1968 gegen den Willen der Anwohner zugunsten verbesserter Parkmöglichkeiten entfernt. Die Häuser an dieser Hauptverkehrsstraße sind seitdem oft nur mäßig gut instandegehalten worden. Etwa 15% der Bebauung enstand ab ca. 1970 vornehmlich an der östlichen Straßenseite. Wegen des morgigen Lichtes habe ich vor allem die Westseite fotografiert.


    Dieses Eckhaus Haarenufer / Lindenallee ist - wie so viele andere - im Detail vereinfacht worden (z.B. Giebel und Altan).


    Die Bebauung der Westseite der Lindenallee entstand etwa 1880-1900. Im mittleren Abschnitt stehen mehrere Giebelhäuser, ansonsten gewöhnlichere Gründerzeithäuser, zwischendurch einige Neubauten. Mal sind die Häuser besser saniert, mal schlechter. Auf der Ostseite sieht es ähnlich aus. Ganz im Hintergrund ist das Eversten Holz zu erahnen.


    Hier stören mich die Plastikfenster und das lieblose Sockelgeschoss.



    Das rechte Haus ist wohl ein Umbau oder Ersatzbau ca. 1930.



    ...

  • Das Dobbenviertel (4)

    Hier die Lindenallee 14, ein sehr schön saniertes Haus:




    Die Hundehütten hier sind zumeist ganz einfache vom Typ b oder c. Dieses Häuserensemble bis zur Kreuzung sollte tatsächlich um 1970 ganz abgerissen werden, was aber glücklicherweise verhindert werden konnte.




    ...

  • Das Dobbenviertel (5)

    Lindenallee 36 und Lindenallee 40 sind fast baugleiche Giebelhäuser vom Typ c:



    Hier wären dringend neue Fenster nötig; die jetztigen sind ja nicht einmal gerade!



    Wir kommen dann zur Kreuzung mit der Hindenburgstraße. Im Hintergrund erhebt sich das Eversten Holz, davor erkennt man den stilbrüchigen Neubau von ca. 1970.


    Hindenburgstraße / Lindenallee mit vor einigen Jahren saniertem Kaffeehaus:


    ...

  • Das Dobbenviertel (6)


    Wenn man schon Blattgold einsetzt, dann bitte auch aufwendigere Fenster!



    Solche Holzschnitzereien im Giebel findet man in Oldenburg zuhauf.




    ...

  • Das Dobbenviertel (7)

    Blick zurück:


    Hier an der Ecke zum Holzweg, wo die Lindenallee in die Meinardusstraße übergeht, stehen zwei prächtige Häuser, von denen das eine gerade saniert wurde:



    Dieses Haus steht dann bereits in der Meinardusstraße:


    Ich konnte das fertige Ergebnis einige Wochen später noch ganz frisch ablichten. Ich sage nur: "Leipziger Qualität" :D






    Das nächste Mal gehts dann durch den Holzweg zur Taubenstraße und zur Parkstraße.


    (Quelle: Eigene Bilder)

  • Vielen Dank für den schönen Rundgang durch eine nur selten gezeigte Stadt! Ich hatte keine Ahnung, dass Oldenburg den Krieg so unbeschadet überstanden hat, ich war bisher davon ausgegangen, dass Heidelberg, Wiesbaden, Erfurt und Regensburg die einzigen deutschen Städte über 100 000 Einwohner seien, die den Krieg halbwegs intakt überlebt haben. Die architektonische Sonderform des historistischen Giebelhauses gefällt mir sehr gut, habe ich in dieser Form vorher noch nie gesehen.

  • ^Freut mich, dass es Dir gefällt! Oldenburg blieb im 2. Weltkrieg in der Tat i.W. unangetastet - es gab nur vereinzelte Bombenangriffe auf v.a. das Bahnhofsgelände, bei denen nicht einmal insgesamt 200 Gebäude zerstört wurden. Mit Regensburg oder Erfurt ist Oldenburg dann aber auch sicher nicht zu vergleichen, da jene beiden im Mittelalter ungleich bedeutender waren, und da leider 1676 ein Stadtbrand fast die gesamte Oldenburger Altstadt zerstörte.
    Oldenburg wurde auch erst 1946 zur Großstadt - z.T. durch zugewanderte Flüchtlinge - und war in der Gründerzeit auch eher klein. Dass es in Oldenburg eine relativ große Anzahl von etwa 5000-6000 Altbauten gibt, liegt daran, dass so viele kleine Einfamilienhäuser gebaut wurden.


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    Zwischen Hindenburgstraße und Gartenstraße vermitteln mehrere kurze Wohnstraßen, darunter diejenigen, die als nächstes vorgestellt werden sollen, nämlich Park- Teich- Tauben- und Dobbenstraße, die allesamt den Holzweg berühren.


    Die Taubenstraße wurde größtenteils erst nach 1900 bebaut. Auf der Ostseite steht eine Zeile schmucker Jugendstilhäuser:


    Die Westseite ist gemischter mit Eklektizismus und späteren Stilen:





    Eine weitere schöne Jugendstilvilla mit (auf dem Bild freilich schwer zu erkennenden) typischen grünverglasten Fensteroberlichten.


    ...

  • Die Parkstraße ist eine besonders schöne Straße, wo in letzter Zeit viele Häuser saniert wurden. Das prächtige Eckhaus auf dem nächsten Bild wurde z.B. 2009 sehr aufwendig saniert. Man vergleiche den Vorzustand!


    Hier die Rückseite desselben Hauses vom Holzweg aus gesehen. Hier stimmt wirklich jedes Detail.



    Die Parkstraße ist vollständig erhalten, und besteht hauptsächlich aus Giebelhäusern vom Typ c.




    ...

  • Das Dobbenviertel (10)



    Andere Straßenseite:




    Das nächste Mal gehts dann durch die parallelen Teich- und Dobbenstraßen.


    (Quelle: Eigene Bilder)

  • Das Dobbenviertel (11)

    Die zu Tauben- und Parkstraße parallel verlaufenden Dobben- und Teichstraßen sind von der Substanz her nicht minder wohl erhalten, dafür leicht mäßiger gut saniert (v.a. die Dobbenstraße).


    Blick auf die Westseite der Dobbenstraße etwa von der Gartenstraße aus:


    Dobbenstraße 1 von 1897 mit ungewöhnlichem offenem Altan:


    Die gelbliche Hundehütte rechts (Dobbenstraße 9) und das ähnliche angeschnitte Haus (Dobbenstraße 11) stammen von 1881, das Haus mit steilem Dach (Dobbenstraße 7) dagegen eher von 1910-1920.


    Dobbenstraße 13 von 1891 mit tlw. geglätteter Fassade:


    Dobbenstraße 19 (um 1900); Verbesserung erwünscht:


    ...

  • Das Dobbenviertel (12)

    An dieser Ecke treffen Dobbenstraße Holzweg und Teichstraße zusammen:


    Teichstraße 15 von 1888 mit modernisiertem "Dreifachfenster" im Drempelgeschoss (war früher ein Zwillingsfenster):


    Teichstraße 14 (links, Bj. 1891) und 12:




    Teichstraße 8 und 6 (rechts, Bj. 1893):


    ...

  • Das Dobbenviertel (13)

    Rechts die Teichstraße 4 von 1889 als frühes Beispiel für ein Halbgiebelhaus (Typ d):


    Blick durch die Teichstraße von etwa der Hindenburgstraße aus bis zum Holzweg am fernen Ende:


    In diesem Abschnitt der Hindenburgstraße ggü. von Park- und Teichstraße sind die meisten Häuser noch nicht so gut saniert worden. Hier z.B. die Hindenburgstraße 16 (rechts) und 18, beide von 1889 nach Entwurf des Oldenburger Architekten Carl F. Spieske:


    Häuser an der Hindenburgstraße mit Blick zur Lindenallee:


    (Quelle: Eigene Bilder)

  • Vielen Dank für diesen sorgfältig bebilderten und architekturgeschichtlich äußerst interessanten und lehrreichen Spaziergang durch Oldenburg!
    Einen Eindruck vom Zentrum konnte ich ja in Deinem alten Strang und anlässlich eines eigenen Kurzbesuchs 2010 gewinnen.
    Oldenburg ist vielleicht ein Beispiel dafür, wie die meisten westdeutschen Städte heute aussehen würden, wären sie im Krieg nicht bombardiert worden. Das Problem sind die eklatanten Bausünden der 60er bis 80er Jahre, die im Groben den Stadtgrundriss respektierten. Sie befinden sich in der Regel in Privatbesitz und werfen wegen der zentralen Lage gute Mieteinnahmen ab. Es gibt folglich für die Eigentümer wenig Motivation, hier groß umzugestalten oder gar abzureissen und neu zu bauen, und auch die Stadt hat hier - auch bei gutem Willen - nur wenig Möglichkeiten, den Status quo zu verändern. Im Ergebnis werden wir diese Bausünden wohl zu unseren Lebzeiten nicht mehr verschwinden sehen, und vielleicht kann man sie irgendwann zähneknirschend als architekturgeschichtliche Zeugen ihrer Entstehungszeit betrachten und einordnen. Aber das harmonische Vorkriegsbild bleibt für immer gestört.
    Die Städte im Osten hatten da insofern etwas mehr Glück, als ein Bauboom der Nachkriegszeit in den Zentren eigentlich fehlte. Und wenn dort gebaut wurde, dann vorwiegend Verwaltungsbauten (ich denke hier an die Potsdamer Fachhochschule am Alten Markt, das Potsdamer Rechenzentrum an der Breiten Straße oder auch das Polizeiverwaltungsgebäude am Neumarkt in Dresden), deren Nutzung aufgegeben werden kann/konnte, womit der Weg zum Abriss - anders als bei Wirtschafts- und Wohnbauten (Staudenhof in Potsdam) frei gemacht werden konnte/kann. (Zumal die genannten Bauten auch den historischen Stadtgrundriss nicht respektierten).
    Aber zurück zu Oldenburg: Das Schloss gefiel mir sehr, auch die vielen klassizistischen Bauten, und überhaupt habe ich die städtische, dabei ruhig getaktete Atmosphäre in Oldenburg an jenem sonnigen Frühlingstag als sehr angenehm empfunden.

  • Das Dobbenviertel (14)

    ^Ja, genau diese Bausünden tragen viel zur Hässlichkeit deutscher Städte bei. Oldenburg hat nicht wenige davon, gerade in der Innenstadt... leider. Auf den Klassizismus komme ich noch ausführlicher zu sprechen, wenns durch die Peterstraße geht, zunächst aber weiter mit dem Dobbenviertel.


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    Herbartstraße
    Die nach dem in Oldenburg geborenen Pädagogen Johann Friedrich Herbart benannte Herbartstraße verbindet wie die parallele Lindenallee Hindenburg- und Ofener Straße dabei die Bismarck- und Cäcilienstraßen aufnehmend. Die Herbartstraße besitzt mehrere unschöne Neubauten, und außerdem sind leider die meisten Altbauten wie in der Hindenburgstraße etwas vernachlässigt worden, darunter das fassadenmäßig stark verunstaltetes Herbartgymnasium (ehemals Hindenburg-Schule). Ich würde sogar sagen, dass die Herbartstraße im gesamten Dobbenviertel optisch am schlechtesten daherkommt. Wir wollen zunächst nur bis zur Bismarckstraße, dann - dieser folgend - an der Westseite des Cäcilienplatzes entlang bis hin zur Roggemannstraße gelangen.



    Blick in die Herbartstraße von der Hindenburgstraße aus:


    Etwas vernachlässigte Häuser (Herbartstraße 14 und 13), die aber früher sicher prächtig waren:



    Herbartstraße 12, schlichtes (vermutlich vereinfachtes) Giebelhaus von 1885:


    Herbartstraße 10, 9, 8, letzteres um 1880:


    ...

  • Das Dobbenviertel (15)


    Blick von der Ecke Bismarckstraße zurück zur Hindenburgstraße; links erahnt man einen großen Neubau


    Eckhaus Bismarckstraße 15, mäßig gut saniert mit Veränderungen:


    Blick durch die Bismarckstraße; am linken Rand befindet sich der Cäcilienplatz, dessen historische Bebauung bis auf den einen hier zu sehenden Neubau vollständig erhalten ist. Später im Laufe dieser Tour gibt es mehr vom Cäcilienplatz, zunächst nur die Westseite:



    ...

  • Das Dobbenviertel (16)

    Dies ist ein schön saniertes Haus am Cäcilienplatz, bei dem die Farbgebung außnahmsweise eher dem gründerzeitlichen Original entspricht. In der Gründerzeit war die Grundfarbe der Fassade oft dunkel, z.B. braun, rot, zuweilen dunkelblau, während die Akzente heller waren. Derzeit ist es in Oldenburg allerdings Mode, die Häuser strahlend weiß zu übertünchen, was eher zum Klassizismus oder Neoklassizismus passt.


    Dieses Haus z.B. war zu Erbauungszeit sicherlich nicht so rein weiß.


    Das Zwillingshaus kommt da schon näher, nur sind hier die Akzente falsch gesetzt worden.


    Blick zurück durch die Bismarckstraße mit Cäcilienplatz rechts:


    Bismarckstraße / Hindenburgstraße:


    Blick zurück zur Lindenallee durch die Hindenburgstraße. Rechts sieht man, dass ein Haus gerade saniert wird.


    Das nächste Mal geht es dann durch die Roggemannstraße zur Gartenstraße.


    (Quelle: Eigene Bilder)

  • Das Dobbenviertel (17)

    Roggemannstraße
    Wohnstraße zwischen Hindenburgstraße und Gartenstraße; wohl erhalten und größtenteils schön saniert (Paar Ausnahmen)


    An dieser Ecke trennen sich Bismarckstraße (links) und Roggemannstraße:


    Roggemannstraße 29 wurde wohl leicht postmodern überformt, was aber in Ordnung geht. Im Altan ist ein kleines Geschäft untergebracht:


    Links das Giebelhaus Roggemannstraße 27 (Bj. 1890) mit häufig vorzufindender Konche mit Figurenplastik:


    Das mächtige "Gelbes Schloss" genannte Haus Roggemannstraße 25 (Bj. 1887, Ludwig Klingenberg) im Stil der Neorenaissance mit Ornamentik tlw. in Anlehnung an das Oldenburger Schloss (das eigentliche gelbe Schloss :D):




    ...