Wilhelmstraße - Plattenbaumoderne vs Neubebauung

  • Lieber Architektur- Fan, versäumt hat man hier bestimmt nichts. Wenn Du magst, versuch einfach mal den ganzen Entscheidungsfindungsprozess der zu eben dieser Standortwahl geführt hat zu recherchieren. Diese Reflexhaltung dass alle Mahnmale der Stadt und des Landes am besten vor dem Reichstag aufgehoben seien auch beim Einheitsdenkmal zu sehen, aber insbesondere bei diesem, führen in eine Sackgasse und sind auch durch überhaubt nichts begründet und zeigen nur, dass Du vielleicht nicht jeden Deiner Einfälle gleich posten solltest.

  • @Architektur-Fan Das sehe ich wiederum anders.


    Der Reichstag würde jedes Denkmal symbolisch und atmosphärisch in den Schatten stellen und andersherum finde ich es nicht richtig Tagespolitik mit einem Denkmal für Massenmord in Beziehung zu setzten. Eine solche Symbiose wird den Opfern, aber auch der Politik nicht gerecht.


    Nach anfänglicher Skepsis finde ich das Denkmal und den Standort großartig. Aus meiner Sicht hätte es in seiner ursprünglichen Größe errichtet werden müssen. Das Konzept des Denkmals lebt doch räumlich gerade davon, dass es einen Bogen zwischen Urbanität und der Natur (Tiergarten) spannt. Ursprünglich waren hier die Ministergärten als Übergang zum Tiergarten und in diesen Ministerien wurde der Massenmord beschlossen. Eine Bebauung bis an die Ebertstrasse fände ich daher fatal - konzeptionell und städtebaulich halte ich den Standort für ideal.


    Dafür das dort Luxuswohnungen, Investorenkisten und ein Architekturzoo namens Landesvertretungen errichtet werden, kann das Denkmal nichts.

  • Ich ganz persönlich hätte hypothetisch lieber dort eine Wohnung, mit diesem bedeutungsvollen aber schwierigen Ausblick auf ein Mahnmal, dass mir etwas sagt, welches ich wichtig und sinnvoll finde, als eine Wohnung mit manch anderem Ausblick.


    Die Fressbudenzeile vorher fand ich wesentlich unwürdiger als repräsentatives Wohnen. Die nun entstehende Architektur scheint aber mal wieder ernüchternd, besonders, dass der Blockrand aufgeschnitten bleibt. 👎

  • Wobei man hier letzlich auf ein Zeugnis der frühen 2000er Jahre blickt. Man betrachtet hier also eher die Gegenwart, wie sie auf die Vergangenheit blickt. Wenn der private Blick auf ein Mahnmal bereits als obszön gelten würde, wo dürfte man dann noch wohnen? Vermutlich auch in keiner Straße mit Stolperstein. Grundsätzlich kann man am Mahnmal vermutlich genauso 'mit Vergangenheit' leben wie sonst auch, zumal es in Berlin kaum einen Ort ohne (NS-)Vergangeheit gibt. Nur dass an dieser Stelle die Auseinandersetzung mit Vergangenheit besonders stark in den Blick fällt, allerdings als Ausdruck der Gegenwart.

  • @ Gerorges Henri

    Naja, das ist hier schon eine ambivalente Angelegenheit. Das Mahnmal erinnert ja nicht an einen speziellen Ort. Hier in den Ministergärten stand kein Konzentrationslager, hier wurden keine Menschen zu Tode gequält und auch keine folgenreichen schrecklichen Beschlüsse gefasst. Hier wird stellvertretend an alle Orte des Schreckens und des Todes an denen Menschen jüdischen Glaubens getötet wurden, und natürlich der Ermordeten selbst, gedacht. Der Ort selbst hat nichts mit der Aussage des Mahnmals gemein, so wie es sich auch mit dem Mahnmal für die von den Nationalsozialisten verfolgten und getöteten Homosexuellen oder dem für die ebenso verfolgten und ermordeten Sinti und Roma verhhält. Im Gegensatz zum Ort der Topografie des Terrors der sich an Ort und Stelle der früheren GeStaPo Zentrale befindet, oder der Wannseevilla in der der Beschluss zur Vernichtung der europäischen Juden gefasst wurde. Es verhält sich auch nicht so wie bei den Stolpersteinen, die jüdisches Leben ganz konkret in jedem Haus vor dem sie installiert sind, erfahrbar machen. Somit könnte man schon dem Ort des Mahnmals für die im Holocaust ermordeten Juden, eine Art Carte Blanche ausstellen. Damit wird es unbedarfteren Gemütern auch leichter fallen sich in den angrenzenden Immobilien einzurichten und den dekorativen Aspekt des Mahnmals höher zu gewichten.

  • ^Da bin ich ganz bei dir. Gleichzeitig ist dieser Ort immerhin dem Thema gewidmet und in seiner gesamten Gestalt als Materialisierung des Themas gemeint. Das kann einen aber dennoch kalt lassen, wenn man so argumentiert wie du, was ich gut nachvollziehen kann. Grundsätzlich müsste man an dieser Stelle allerdings auch nur 5 Meter nach links oder rechts schauen und man stieße auf konkrete Orte dieser dunklen Vergangenheit. Zumal man auch für die Errichtung des Mahnmals Reste von einem Bunker Goebbels überbauen musste, s.u..


    https://www.tagesspiegel.de/be…ird-ueberbaut/446544.html

  • Update vom 08.03.2021, fotografiert von mir


    Endlich scheinen die Tiefbauarbeiten fahrt aufzunehmen...

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    Währenddessen laufen die Fassadenarbeiten eine Ecke weiter

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    Der Raumeindruck hat sich durch den Riegel insgesamt schon verbessert, es bildet sich ein Rahmen um das Mahnmal...


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    d.

  • Man arbeitet an der Fassade und mir gefällt sie ganz gut, was ich so erkennen kann. Weitaus besser als dieser peinliche Wilhelm, der zwei Blöcke weiter entsteht.

    Ich bin gespannt wie dann der Gesamteindruck ausfallen wird. Eine Unterteilung in drei oder vier verschieden Fassaden ähnlich wie am Schinkelplatz wäre bestimmt abwechslungsreicher, allerdings könnte ich mir vorstellen, dass aufgrund des Denkmals davor die Vorschriften ziemlich rigide waren.


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  • Update vom 10.06.2021, fotografiert von mir


    Zuerst ein kurzer Blick auf das "Palais am Brandenburger Tor", weiterhin mit Baugerüst...

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    Dann ein Blick in die Baugrube des "The Wilhelm", sie wächst weiter...

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    d.

  • Nachdem wir immer nur die Schokoladenseite - die Westansicht - gesehen haben, sind jetzt mal die anderen dran.

    Die Fassadenarbeiten sehen schon recht fortgeschritten aus hinter dem Gerüst, wird nicht mehr allzu lange dauern denke ich.


    Bin mal gespannt ob da ab und an mal paar faule Tomaten rübergeworfen werden, dafür dass der schöne Blick futsch ist....





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    Und hier die Südseite






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    Und nochmal von der Französischen Strasse der Blick nach Norden, im Hintergrund das Adlon


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  • Und doch nochmal die Frontseite. Ich bin doch etwas überrascht, dass der Glasanteil relativ hoch sein wird.




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    Der Plattenbau wirkt aus der Perspektive geradezu klein


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    Und nochmal die volle Breitseite


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  • < .... "Erwecken Sie Ihre Visionen zum Leben" ... "Mitten im politischen Kern Berlins, zwischen internationalen Botschaften, am Brandenburger Tor und neben dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas: Das Umfeld, in dem die Embassy of Exchange entsteht, ist so facettenreich wie die Themen und Menschen, die sie unter ihrem Dach vereint."

    Im Ernst.... ich bin sprachlos. Die Marketingtexte sind grenzwertigst geschmacklos.

    und das letzte gezeigte Bild ist der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Kännchen Kaffe trinken unter Pseudo-PH Leuchten in Nischen einer langen Loggia mit freier Sicht auf das Steelenfeld.


    ... und wieso wird nicht das gebaut was man uns weissgemacht hat? Wer bestimmt eigentlich was gebaut wird, hier an diesem wichtigen Ort? hier in Berlin?...

  • und wieso wird nicht das gebaut was man uns weissgemacht hat?

    Ein absolutes Unding ist das. Jahrelang denkt man ein gewisser Entwurf, der als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorging, wird realisiert, und dann wird einfach was vollkommen anderes gebaut.


    In der Fernwirkung kommt der Bau leider auch schon recht plattenmäßig rüber, meiner Meinung nach.


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    © MUC Real Estate GmbH

  • Ich bin auch entsetzt. Die Fernsicht, wtf?! Das Ding sieht aus wie eine Regalwand von Ikea. Der alte Entwurf war auch nicht perfekt, wirkte aber zurückhaltend und gediegen und hatte durchaus Stärken. Nichts von dem finde ich hier noch, weder Zurückhaltung noch Gediegenheit. Wo ist denn Frau Lüscher wenn man sie braucht?