Rheinhessen: Bauprojekte

  • Rheinhessen: Bauprojekte

    Die Region Rheinhessen rund um Mainz ist eine dynamische Region. Inmitten einer trockenen Landschaft, die manche auf Grund der vielen mit Weinreben bewachsenen Hügel die "Toskana Deutschlands" nennen, wachsen derzeit viele kleine Gemeinden zu kleinstädtischer Größe heran. Kleinere Zentren wiederum - man nehme Wörrstadt, Nierstein oder Ingelheim - gewinnen langsam auch architektonisch an Profil. Vielleicht schaffen wir es ja, diesem neuen Strang - den es so hoffentlich noch nicht gibt - etwas mit Leben zu befüllen.


    Ich fange direkt einmal mit dem Projekt "Neuer Markt" in Ingelheim an. Jüngst wurde das Ergebnis eines Architektenwettbewerbs für das Projekt veröffentlicht, das aus einem Hallen-Neubau, einem neuen Weiterbildungszentrum sowie einer Rathauserweiterung besteht. 92 Büros hatten an dem Wettbewerb teilgenommen. Gewonnen hat schließlich das Büro Lieb + Lieb aus Freudenstadt.


    Ingelheim, das in seiner jetzigen Form eine Mixtur aus verschiedenen Stadtteilen ist, versucht in den letzten Jahren sich ein Zentrum und dort auch ein architektonisches Gesicht zu geben - zuletzt mit der "Neuen Mitte". Generell dürfte das Projekt "Neuer Markt" ein gutes Stück dazu beitragen.


    Der Entwurf für den "Neuen Markt" gefällt mir gut. Die Verwendung eines - vermutlich - hellen Sandsteins passt gut zur Region, wo v.a. bis zum 20. Jahrhundert ganze Straßenzüge mit diesem Material erbaut wurden. Auch zeigt der Entwurf mehr Mut als viele in letzter Zeit realisierte Projekte wie beispielsweise der gähnend langweilige Neubau für Eckes Granini in Nieder-Olm unweit von Mainz.


    http://www.ingelheim.de/blog/w…507_Perspektive01-kl1.jpg
    Bild: 2012, emptyform


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  • Nun - in Rheinhessen wird offenbar nichts gebaut. Ausser vielleicht mässig interessante EFH-Siedlungen ?


    Für die Freunde von Verkehrsbauten und 'wandernden' Bahnunterführungen:


    Seit März 2022 wird in Nierstein ( so 20 Km südlich von Mainz ) die Unterführung der B420 unter der Bahnlinie Mainz-Worms neu gebaut.

    Die alte Unterführung stammte von 1915 (!), hatte nur 7 Meter lichte Breite und 3,8 Meter Höhe.


    Einen Überblick über das Projekt bietet dieser Link : lbm.rlp.de/fileadmin/LBM/Bilder/Grossprojekte/B_420_OU


    Am ersten Advent (vom 1.12. 21.00 Uhr bis 4.12. 5:00 Uhr ) sollen nun die drei neuen Brücken ( eine pro Gleis ) eingeschoben werden. Da vorher die Behelfsbrücken entfernt werden müssen, werden wohl auch ein paar nicht so kleine Krane auftauchen.


    Für historisch interessierte : ganz in der Nähe der Baustelle steht am Rhein das 'Rhine Crossing Memorial' - das erinnert an die Rheinüberquerung amerikanischer Truppen im März 1945.

  • In Nieder-Olm gibt es an der Oppenheimer Strasse auf dem Gelände der ehemaligen Raiffeisen-Zentrale eine größere Baustelle - gebaut werden

    - 25 Wohnungen für betreutes Wohnen

    - 25 geförderte Miet-Wohnungen ( ein Haus hat die Kreiswohnungsbaugesellschaft des Kreises Mainz-Bingen zusammen mit der Kommune gekauft )

    - 38 Eigentumswohnungen - die werden bei Immoscout ab 5.750 EUR pro qm angeboten ( ob man den Preis wohl gerade bekommt ? )

    - 6 'Stadtvillen' (vulgo Doppelhaushälften)

    - knapp 100 PKW-Stellplätze in der Tiefgarage


    Wie es mal aussehen soll : www.deutsche-bautec.de/quartier-an-der-oppenheimer-strasse-nieder-olm


    Im Vorfeld hatte es eine Petition der Anwohner gegeben, die sich für eine geringere Bebauung ausgesprochen hatte - vorallem unter Verweis auf den Verkehr auf der Oppenheimer Strasse. Diese ist die Direktverbindung vom Ortszentrum nach Süden - recht eng, auf Tempo 30 beschränkt und gefühlt alle 100 Meter mit Rechts-vor-Links-Kreuzung. Und wenn die Schülerschaft nach dem Unterricht vom Schulzentrum Richtung Bahnhof zieht, könnte das jetzt schon als Spielstrasse deklarieren.


    Ein paar Bilder von der Baustelle:


    Von Norden :

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    Von Süden:


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    Im Hintergrund zwischen den beiden Kranen ist die Bebauung des ehemaligen Eckes-Geländes, wo man so vor 10 Jahren Wohnhäuser und ein kleines Einkaufszentrum gebaut hat.


    Alle Bilder von mir.

  • ( Bingerbrück ist ja eigentlich schon nicht mehr Rheinhessen, das streng genommen an der Nahe endet. Daher die Bitte an die Moderatoren, den Beitrag ggf. zu verschieben. )


    Kaum hat man den goldenen Radweg auf der rechten Rheinseite fertig (B42), wird es gegenüber an der B9 In Bingerbrück eine große Baustelle geben.

    Ab April 2024 wird an der Beseitigung der Binger 'Darmverschlingung' gebaut: Tagesschau: bauarbeiten-an-darmverschlingung-bingen-beginnen. Was eigentlich eine in Nord-Süd-Richtung platt geklopfte Kreuzung zwischen der B9 und der B48/L214 ist.

    Tatsächlich ( aus eigener Erfahrung ) eine Stelle, die für Nicht-Ortskundige eine gewisse Herausforderung darstellt.

    Geplant ist, diese 'Verschlingung' durch einen Kreisel zu ersetzen, an dem die B9 als Durchfahrtsstrasse tangential vorbeiführt.

    Fertig sein will man damit 2026 - wobei dies nur der erste Abschnitt zur Umgestaltung der Durchfahrt der B9 in Bingerbrück sein soll.


    Die Unterlagen zum Umbau : Bingen.de/ Präsentation B 9-B 48-L 214 Rupertsberger Kreisel Bürgerinfo in Bingerbrück


    Die weiteren Planungen zum Umbau der B9 in Bingerbrück : lbm.rlp.de/B9_Ausbau-OD-Bingerbrueck


    Insgesamt möchte man damit dann bis zur BUGA 2029 fertig sein - also sollte man in den nächsten Jahren ein bißchen mehr Zeit einplanen, wenn man mit dem Auto linksrheinisch in das Mittelrheintal will.


    Die heutige Verkehrsführung auf der B9 stammt wohl vom Ende der 50ziger Jahre - auf der Seite der Stadt Bingen gibt es ein Foto aus der Bauzeit: bingen.de/die-b9-umgehungsstrasse-in-bingerbrueck

  • Rhein-Selz-Park in Nierstein

    Das Areal der Anderson Barracks, von 1953 bis Ende 2009 eine Kaserne der US-amerikanischen Streitkräfte mit einer Fläche von 75 Hektar, gehört seit 2014 dem Mainzer Investor Wolfram Richter. Auf dem seitdem als Rhein-Selz-Park vermarkteten Gelände ist nun der Bau eines Rechenzentrums geplant. Dazu soll eine etwa 50 Hektar große Teilfläche im Westen der früheren Kaserne an einen noch ungenannten Investor verkauft werden, der sie dann bebauen soll.


    Der Niersteiner Stadtrat hat den Plänen bereits 2022 zugestimmt (Q). Der Merkurist und heute auch die IZ schreiben nun von einer geplanten Rechenzentrums-Leistung von mehr als 500 Megawatt. Damit würde die Anlage zu den größten Rechenzentren Europas gehören.


    Edit 23. Mai: Bauherr soll die japanische NTT Data Group werden.

  • Rhein-Selz-Park in Nierstein

    Könnte man ja sagen 'Ende gut, alles gut' - so ganz glaube ich aber erst daran, wenn da wirklich gebaut wird.

    Und man darf mal träumen - auf den restlichen 25 Hektar baut man ein grosses Thermal-Bad - was man ja mit 500 MW Leistung (=Abwärme) locker beheizen könnte :) .

    Bisher war dieses Areal ein Beispiel dafür, was passiert, wenn eine relativ kleine Gemeinde ( Nierstein hat so knapp 9000 Einwohner ) planungsrechtlich ein grosses Stück Kuchen bekommt - nichts gescheites.

    Dass die Amerikaner abziehen würden, stand schon ein paar Jahre vor 2009 fest. Als dann das Gelände an die Bima fiel, standen die Bauten jahrelang leer und unbewacht in der Gegend herum - was einige Leute dazu anregte, dort mal private 'Urban Mining'-Projekte zu starten.

    2014 kaufte dann die Richter-Gruppe das Areal und sagte 'Habt ihr keine Pläne, dann haben wir welche !'.

    Und zwar einen Off-Road-Park ausgerechnet an der östlichen, dem Niersteiner Stadtteil Schwabsburg zugewandten Ecke. Grollende SUVs, kreischende MotoCross-Maschinen, Abgaswolken - und das in der rheinhessischen Weinromantik :huh: .

    Die Gemeinde erließ eine Veränderungssperre und stellte hektisch einen Bebauungsplan auf. Die Richter-Gruppe klagte dagegen. Der Streit ging bis zum OVG Koblenz - wo die Gemeinde zuletzt 2021 verlor. Keine Ahnung. ob man mit einem Off-Road-Park wirklich soviel Geld machen kann, dass sich dieser Hickhack lohnt. Ebensowenig, ob ein solcher Off-Road-Park lauter ist als der rheinhessische Winzer, der ja öfter mal mit heulenden Gebläsen am Traktor seine Trauben vor dem Pilzbefall rettet. Da war von 'zerschnittenen Tischtüchern' die Rede.

    Ein bizarres Zwischenspiel mit den Geld-Prinzen aus dem Morgenland gab es auch noch - 2018 kauften Kuwaitische Investoren die 'Housing Area' - also die Offiziersvillen und die Kasernen, um daraus ein Urlaubsressort für Besucher vom persischen Golf zu machen. Wein, grüne Landschaft und im Winterhalbjahr gepflegter Nieselregen - hätte klappen können. Nur leider kam dann wiedermal ein Urteil über den Bebauungsplan dazwischen - die Investoren meldeten die Pleite an.

    Zwar hatte man wohl nie den Kaufpreis bezahlt - aber man hat schon mal angefangen, die Bauten gründlich auszuräumen. Und den ganzen Bauschutt einfach auf Haufen unter freiem Himmel geschüttet. Nicht wirklich überraschend, dass sich in dem Müll ziemlich viel Asbest fand - war schliesslich in den 50ziger und 60ziger Jahren ein normaler Baustoff. Die letzten dieser Haufen hat man wohl 2023 auf Sondermülldeponien verfrachtet - wobei alle Beteiligten und auch der eigentlich für Abfallwirtschaft zuständige Kreis Mainz-Bingen dem Treiben jahrelang zugesehen haben.

    Einmal editiert, zuletzt von WOVA1 ()

  • In der Lokalpresse wurde das angedachte Rechenzentrum schon als größerer Coup als Eli Lilly in Alzey gefeiert und Verwunderung geäußert, dass die Landesregierung sich so bedeckt halte.


    Auch ich glaube erst daran, wenn gebaut wird. Und ob ein Rechenzentrum an dieser Stelle sinnvoll ist, weiß ich auch nicht. Wohin mit der Abwärme? Wieviel Arbeitsplätze bringt so ein Rechenzentrum? Gut, darüber werden sich kompetentere Menschen als ich Gedanken machen. Bei der von WOVA1 geschilderten Geschichte des Areals ist Skepsis aber sicherlich angebracht. Die ganze Sache ist schon so ein bisschen zum Running Gag verkommen in der Region.

  • Bodenheim, Bebauungsplan Eichweg-Nord

    In Bodenheim hat man im April dieses Jahres den Bebauungsplan 'Eichweg-Nord' beschlossen. Dabei geht es um die Umwandlung eines Teils des ehemaligen 'Kümmerling'-Geländes in ein Mischgebiet. Link zum Bebauungplan : vg-bodenheim.de/ortsgemeinden/bodenheim/bauleitplanung.

    Die Firma Kümmerling siedelte sich 1963 in Bodenheim an und produzierte dort ihren Kräuterlikör. 2001 wurde an einen britischen Konzern verkauft - nach einigen Umwegen landete die Firma 2010 bei Henkell & Co.. Die Produktion wurde dann 2018 nach Wiesbaden verlagert - die Verwaltung war schon vorher umgezogen.

    Das ehemalige Verwaltungsgebäude wurde schon 2011 umgebaut und als Gesundheitszentrum 'Vitanum' neu eröffnet - da sind Arztpraxen, eine Tagesklinik für ambulante OPs, Physiotherapeuten, Sanitätshaus und Apotheke eingezogen. Dies dürfte mit seinen sieben Stockwerken auch das höchste Gebäude in Bodenheim sein. Daneben entstand ein Rewe-Markt.


    Vorgesehen ist jetzt:


    - das Vitanum bekommt einen modernen Zwilling in gleicher Höhe - Projektname auf neu-rheinhessisch 'The Cube'.

    - der Rewe-Markt bekommt einen separaten Getränke-Markt - über dem dann auch 20 Sozialwohnungen enstehen sollen.

    - auf den restlichen Gelände sollen dann 100 - 120 Wohnungen in zwei bis dreigeschossiger Bauweise entstehen.


    Besonders die Wohnbebauung ist da kommunalpolitisch ziemlich strittig.


    Der grössere südlich des Eichwegs gelegene Teil des Kümmerling-Geländes bleibt Gewerbegebiet - in der ehemaligen Produktionshalle hat sich inzwischen wohl ein Secondhand-Modehändler eingemietet. Ansonsten wird auf den Freiflächen Baumaterial gelagert.


    Ein paar Bilder, wie es jetzt dort aussieht :

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    Links das Vitanum. Der namensgebende Eichweg verläuft links des Vitanums. Der Zwilling des Vitanums stände aus dieser Blickrichtung vor dem Vitanum.

    Der flache Bau rechts im Bild war mal das private Schwimmbad des Kümmerling-Eigners. Die Villa stand ungefähr da, wo die Schotterfläche ist.


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    Nochmal das Schwimmbad - daneben die ehemalige Glashütte (?).


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    Die 'Heli'-Halle - die wird derzeit mietfrei durch einen Ukraine-Hilfsverein genutzt.


    Alle Bilder von mir - so aus dem Frühjahr dieses Jahres.

  • Oppenheim, Neubau des Hallenbades

    Der SWR berichtete Ende letzten Jahres über den Neubau des Hallenbades in Oppenheim an der Stelle des alten Hallenbades: swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/mainz/neues-hallenbad-der-vg-rhein-selz-wird-in-oppenheim-gebaut


    Das alte Bad (Anfang der 70ziger gebaut) war im September 2020 endgültig geschlossen worden, da die Dachkonstruktion durchfeuchtet und korrodiert war. Ursprünglich wollte man wohl nur die Innenbeleuchtung auswechseln, als man dies feststellte, Ein neues Dach auf das alte Bad zu bauen wäre ziemlich unwirtschaftlich gewesen.


    Vom Bauprogramm her ist das neue Bad das, was man sich im kleinstädtisch-ländlichen Raum leisten kann und will: 25-Meter-Becken, separates Lehrschwimmbecken und Planschbecken für Kleinkinder. Also das, was für Vereine und Schulen unbedingt gebraucht wird. Eine Sauna wird es nicht wieder geben.


    Bauherr ist die Verbandsgemeinde Rhein-Selz - dazu zählen neben Oppenhein und Nierstein noch 18 weitere Gemeinden.

    Der Entwurf stammt von 4a-Architekten (Stuttgart) und sieht mit seinem 'schwebenden' keilförmigen Dach schon gut aus - hier anzusehen: 4a-architekten.de/projekte/hallenbad-oppenheim


    Kosten soll es 22 Mio.EUR - fertig sein soll es 2027.


    Eine Besonderheit ist das Thema Strom/Wärme - das wird über die EDG EnergieDienstleistungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe realisiert, die dafür zusätzlich 8,3 Mio. EUR investiert. Die EDG ist eine Art kommunales Gemeinschaftsunternehmen - größter Gesellschafter ist der Landkreis Mainz-Bingen mit 46,66%. Andere Gesellschafter sind die Kreise Alzey-Worms und Bad Kreuznach sowie diverse Verbandsgemeinden in Rheinhessen und dem Nahegebiet. Die EDG betreibt bisher Nahwärmenetze, Blockheizkraftwerke, fünf Windräder sowie diverse Photovoltaik-Anlagen.

    Bei dem Oppenheimer Bad will man offenbar technisch in die Vollen gehen - die Rede ist von "einem Kraftwerk mit angeschlossenem Hallenbad" : www.energie-und-management.de/die-edg-ist-eine-sehr-gute-blaupause


    Die VG Rhein-Selz zahlt dafür dann für 20 Jahre 400.000 EUR pro Jahr, danach die Häfte als Flatrate. Dafür darf die EDG die erhofften Energie-Überschüsse vermarkten.

    Nun ja, wenn es technisch funktioniert und sich als wirtschaftlich erweist, könnte man sicher noch etwas Geld mit Führungen für Vertreter energiekosten-geplagter Gemeinden verdienen. Wenn nicht, ist die VG Rhein-Selz nur mit gut 10% am Risiko beteilgt - so hoch ist deren Anteil an der EDG.