Leipzig: Westlich des Hbf (RE-Urbanisierung und Neubau in Pl.)

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    Woran merkt man, dass der Investor keinerlei Bezug zur Stadt herstellen will?
    - Die Straßenbahnen sind völlig falsch animiert, sehen eher aus wie Eisenbahnen (bei fast allen anderen Architektenentwürfen wird die LVB korrekt visualisiert)
    - Die Häuser im Hintergrund sind teilweise viel zu flach dargestellt, haben sie doch meist die gleiche Höhe wie der Neubau
    - das Flachdach wirkt im Umfeld von Schrägdächern wie ein Fremdkörper, die Eckbetonung ist an so einer vielbefahrenen, sichtbaren Stelle viel zu gering
    - die Fassade ist einfallslos und eintöntig weiß, keinerlei Struktur, Akzent oder Muster erkennbar, da hilft auch nicht der Fake-Billig-Klinker im EG und 1.OG
    - die Darstellung der Bäume und Straßen ist ebenso Nonsens, denn die Straßenbahn donnert wenige Meter neben dem Haus vorbei - dort, wo angeblich Rasen und Bäume stehen, ist ein Fußweg, den man bei Umsetzung der Visu auf die Berliner Straße verlegen müsste, da auf dem schmalen Weg kein Platz für Bäume ist
    und unabhängig davon...
    - die Anordnung von Schlafräumen direkt zu den stark befahrenen Straßen und Gleisen grenzt schon an Wahnsinn, da die Zimmer Studentenbuden werden und somit keine "zwei Seiten" haben, d.h. wer ein Zimmer zur Straße/TRAM mietet, hat den Lärm täglich von 4 bis 1 Uhr ... und dann vermutlich aufgrund der Lage zu Warmmieten von 15 Euro pro qm (vgl. ähnliche studentische Neubauappartments, i.d.R. um 15 Euro/m²) - wer da einzieht, muss eindeutig zu viel Geld haben und keinen Wert auf seine Gesundheit (Atemwege, Lärm, ...) legen

  • ^ Ja, und die Autos sind auch völlig falsch dargestellt. Was sollen denn das für Marken sein? Auf anderen Visualisierungen ist immer deutlich ein Cayenne vorm neuen Luxuswohnhaus zu sehen. Da kann man doch jetzt vor der überteuerten Studentenbude wenigstens einen von Vati bezahlten TT oder Mini im Parkverbot stehen sehen. Und die Straßenlaternen und die Ampeln sind auch falsch abgebildet. Weiß der Investor eigentlich, wie "Leipsch" geschrieben wird, vordammschnochemal?

  • Das geplante Projekt in der Berliner Str. 22-30 (zuletzt hier) nimmt Formen an. Laut deal-Magazin wurde das angedachte Hotel-/Bürogebäude verpachtet. Es entsteht ein Radisson mit 228 Zimmern. Die Eröffnung ist für 2022, die Fertigstellung des Gesamtkomplexes für 2023 vorgesehen.


    Schön, dass dieses optisch vielversprechende Projekt realisiert und damit der Bereich weiter belebt wird.

  • ^ Danke für die Info. Unsere Lokalgazette berichtet auch über besagte Hotelansiedlung in der Berliner Straße und verweist einmal mehr auf den rasanten Hotelzuwachs in Leipzig. Für mich ist dieses Projekt gleich in zweifacher Hinsicht glücklich: Das Viertel nordwestlich des Hauptbahnhofes wurde vor über 70 Jahren kaputt gebombt und bis heute ist dort keine nennenswerte Entwicklung auszumachen. Mit der geplanten Quartiersentwicklung wird sich das ändern und auch die Parthe rückt wieder in den Fokus urbanen Lebens. Und dass mit dem Radisson-Hotel kein Budgethotel, sondern ein gehobenes Mittelklasse-Hotel wahrscheinlich im 4-Sterne-Segment gewonnen werden konnte, spricht ebenso dafür, dass es mit dem Viertel bergauf geht.


    Der Neubau entlang der Berliner Straße wirkt sicher etwas monoton, aber die lebhaften Materialien der Fassade machen da sicher einiges wieder wett. Unterm Strich besser als erhofft.

  • ^ Hierzu ergänzend auch der Artikel aus der LIZ, enthalten ist darin eine gute Visu inkl. des angrenzenden Areals. Sehr optimistisch gestaltet ist aus meiner Sicht auf den verschiedenen Grafiken die Wasseroberfläche der Parthe, immer so schön hellblau. Es bleibt zu hoffen, dass dieser in diesem Bereich biologlisch völlig tote Fluss mit seinen bisweilen auch "ganz eigenen Gerüchen" endlich im Zuge der Bauarbeiten in diesem Bereich ein natürliches/naturnahes Umfeld (zurück) erhält.


    An-der-Berliner-Strasse-soll-bis-2022-ein-weiteres-Hotel-mit-224-Zimmern-entstehen-306235?fbclid=IwAR2ygTM6rqc1AzD_Fb9DNK7-u6ksV3o0XCpzrr3wxcLDzwRcGtE_NivQU14

  • ^ Leider ist der Entwurf für die Gebäude an der Parthe vereinfacht worden. Sieht nach Rotstift und Flächenoptimierung aus. Und ich fand es gerade schick, dass sich die Gebäude zur Parthe hin öffneten. Das ist wohl jetzt passé.

  • Es bleibt zu hoffen, dass dieser in diesem Bereich biologlisch völlig tote Fluss mit seinen bisweilen auch "ganz eigenen Gerüchen" endlich im Zuge der Bauarbeiten in diesem Bereich ein natürliches/naturnahes Umfeld (zurück) erhält

    Das solltest Du genauer ausführen. Was bedeutet "biologisch völlig tot"? Es ist schon einige Jahre her, dass ich das Hinterland der Berliner Straße in Augenschein genommen habe. Sonderlich einladend war es dort tatsächlich nicht. An besondere (pleißenähnliche) Gerüche kann ich mich jetzt auch nicht erinnern. Ich glaube auch nicht, dass es dort jemals wieder ein natürliches Umfeld geben werden kann. Wie sollte es auch auch: Im Nahbereich der Eisenbahninfrastruktur des Leipziger Hauptbahnhofs.




    Was mich dann doch wundert: Wenige Kilometer flussabwärts kann man einen glasklaren Fluss erleben.





    Eigene Fotos.

  • Es scheint, als ob wir tatsächlich bald eine neue Situation zwischen Parthe und Berliner Straße vorfinden werden. Daher ein paar Fotos aus dem Jahr 2013. Die Parte wurde damals neu überwölbt.








    Eigene Fotos.

  • Das führe ich gerne genauer aus: Biologisch tot bedeutet genau das hier:

    Das völlige Fehlen der natürliche Reinigungskraft des Gewässers. Woher soll die auch kommen bei einem Flussbett aus Beton?

    Die Parthe ist über weite Strecken ohne Fische und Wasserpflanzen, Krebse, Kies, Mulm, Muscheln usw. besetzt. Wer ein Aquarium daheim besitzt, der weiß, dass sich in solch einem Becken niemals ein irgendwie geartetes Ökosystem entwickeln wird.


    Laut einer Puplikation des Umweltamtes der Stadt Leipzig zum ökologischen Zustand bzw. des ökologisches Potenzials der Oberflächenwasserkörper in der Stadt sind 77 % mit schlecht bewertet, 17 % unbefriedigend und nur 6 % gut.

    (https://static.leipzig.de/file…richt/UB2013_internet.pdf) Seite 31

    Eine Landtagsanfrage von 2016 bescheinigte folgenden Zustand der Leipziger Gewässer:

    Die Noten für Leipzigs Fließgewässer:

    Floßgraben 4

    Pösgraben 5

    Lösegraben 5

    Zschampert 5

    Nördliche Rietzschke 5

    Östliche Rietzschke 5

    Krebsgraben 5

    Threne 5

    Parthe 5

    Alte Luppe 5

    Neue Luppe 5

    Elstermühlgraben 5

    Weiße Elster 5, abschnittsweise auch 4

    (https://www.l-iz.de/wp-content…/11/6_drs_2749_1_1_1_.pdf)


    Die Note 5 ist im Übrigen das Ende der Fahnenstange - der ökologische Tod des Gewässers. Und tote Gewässer stinken. Vor allem im Sommer und/oder bei Niedrigwasser.


    Und trotz der Gegebenheiten des Umfeldes wäre man problemlos in der Lage, das Flussbett weitestgehend zu renaturieren. Natürlich wird das nie eine ausgeprägte Auenlandschaft werden, aber naturnah geht das durchaus. Dass so etwas selbst auf engerem Raum funktioniert, zeigt bspw. ein Projekt in einer so großen Stadt wie München mit der Isar (http://www.wrrl-info.de/docs/wrrl_steckbrief_isar.pdf).


    Ich denke, dem gesamten Areal käme eine Aufwertung in diesem Sinne letztlich zugute. Wer will schon aus seinem Hotelzimnmer (wohlgemerkt mit noblen 4 Sternen) auf einen Betonkanal a la Abwasserkanal San Francisco starren, Geruch inklusive.

  • Ich halte die Ideen, die in der LIZ und z.B. vom AHA propagiert werden, für schwierig umsetzbar, wenn nicht gar realitätsfern.


    Die Parthe mit der Isar zu vergleichen, ist auch mehr als schwierig.

  • Da reagiert wohl jemand reflexartig allergisch auf ökologische Forderungen. Dabei standen diese bei meinen Bedenken gar nicht im Vordergrund. Die LIZ hatte hier übrigens lediglich die Anfrage an den LT zum Anhang, welche ich zum Gegenstand meines Posts gemacht habe. Es geht hier nicht um eine Idee der LIZ. Die Parthe ist nicht die Isar, selbstredend. Aber das Beispiel demonstriert sehr wohl, dass eine Renaturierung auch auf engem Raum möglich ist. Das könnte man gerne auch an Beispielen anderer, vergleichbarer Flüsse verdeutlichen. Ihre schiere Behauptung, dass dies wegen der angrenzenden Bahnanlagen nicht möglich sei, kann man demnach so nicht stehen lassen. Wenn Sie ernsthaft meinen, dass das doch nun alles schick ist, weil rechts und links ein paar Pflanzen in den Kanal herunter hängen, oben Rasen gesät und ein paar Bäume gepflanzt wurden und ein paar Grasbüschel aus dem Wasser heraus schauen und nun so tolle gelbe Steinchen auf dem Grund verbaut wurden, dann verkennen Sie schlichtweg bewusst das dargestellte Problem. Zumal dieser Teil nicht der Teil des Kanals ist, der dem künftigen Hotel gegenüberliegen wird. Aber warten warten wir es einfach ab wie die Hotelgäste und Anwohner das finden werden...

  • Letzten Sommer bin ich den Floßgraben entlang gepaddelt, in Zeitlupe auf der Suche nach Getier usw... Eine Note 4 hätte dich dort nicht vergeben. Voller Leben, Pflanzen und auch ohne den Eisvogel gesehen zu haben auch reichlich andere seltene Tiere (z.B. Ringelnattern).


    Die Parthe ist zu DDR Zeiten so gut wie tot gewesen, der faulige Schlamm sitzt nach wie vor in natürlichen Flussbetten unter der aktuellen Schicht. Fische gibt es scheinbar sonst würden die Graureiher dort nicht herum stehen.


    Außerhalb der Eisenbahnüberführung besteht dort an der Berliner Str. nun kein Platzmangel mehr, welcher eine Rinnsalkanalisierung erzwingt.

  • Das Problem ist vermutlich der Unterschied zwischen Normalwasser und Hochwasser. Für beides muss das Flußbett oder wegen mir das Kanalbett ausgelegt sein. Wenn ein Hochwasser auftritt, muss das Wasser sicher abfließen können. An den meisten Tagen wird aber eher Niedrigwasser anstehen. Wie bei allen Flüssen in Leipzig. Im Übrigen kann man sich problemlos in Naunhof ansehen, wie die Parthe im naturnahen Zustand aussieht. Das gibt dann völlig neue Möglichkeiten. Ich fürchte aber, dass das nicht das gewünschte Bild ist. Und eine Isar wird die Parthe nie werden.

  • Die Gewässergüte ist kein Eindruck, sondern das sind Fakten und Angaben bzw. Messungen des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft. Dem sollten wir schon Glauben schenken. Und dem Problem, dass ein natürliches Flussbett bei extremer Trockenheit mal austrocknet, kann man nicht nicht damit begegnen, dass man es einbetoniert.

  • Und dem Problem, dass ein natürliches Flussbett bei extremer Trockenheit mal austrocknet, kann man nicht nicht damit begegnen, dass man es einbetoniert

    Ich glaube, keiner hier ist besonders glücklich mit der Situation an der Berliner Straße. Welche Wassergüte wird eigentlich angegeben, wenn gar kein Wasser da ist. Das UFZ spricht nicht von "mal" bei "extremer Trockenheit" sondern von lang anhaltenden Niedrigwasserständen im Sommer. Also: Was tun?

  • > Die Gewässergüte ist kein Eindruck, sondern das sind Fakten und Angaben bzw. Messungen des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt


    Das kann schon sein. Aber ein "Schlimmer gehts nicht" für einen Fluß zu vergeben, in dem bis zur Rohrteichstraße zumindest Pflanzen wachsen und Fische drin sind, weicht doch ganz schön von den allgemeinen Erwartungen ab. Und verstellt auch den Blick dafür, dass sich der Fluß seit Ende der DDR erheblich erholt hat.

  • Soweit ich das verstanden habe, zählt für die Gewässergüteeinstufung vor allem die Artenvielfalt, da kann es gut sein, dass der gleiche Spulwurm war viel Leben bedeutet doch dies eben ein eintöniges ist.

    Umso unverständlicher ist die Einstufung mit Note 4 für den Floßgraben.

  • ^ Leider ist der Entwurf für die Gebäude an der Parthe vereinfacht worden. Sieht nach Rotstift und Flächenoptimierung aus. Und ich fand es gerade schick, dass sich die Gebäude zur Parthe hin öffneten. Das ist wohl jetzt passé.


    Ja, hier hat man leider die Flächenoptimierung angesetzt. Aber das neue Radisson ist schon besser als ich es erwartet hatte. Interessant wäre ja, ob damit auch etwas mit dem Radisson am Augustusplatz passiert. Ich hatte mal gehört, dass das Gebäude über kurz ode lang weichen wird, um die komplette Ecke bis vor zum Johannisplatz neu zu planen.