Leipzig: Westlich des Hbf (RE-Urbanisierung und Neubau in Pl.)

  • Es geht voran! Danke auch von mir.


    Super finde ich, dass die Projektentwickler auch schon die geplante TRAM-Haltestelle (Linie 9) auf der Berliner Straße Ecke Roscherstraße eingezeichnet haben. Im Moment lohnt sich hier kein Halt, aber mit der Erschließung dann schon. Dann kann mit Sicherheit auch die Haltestelle Wittenberger Straße (nur landwärts) aufgehoben werden - hier ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie verschwindet.

  • Ich finde es gar nicht so schlecht, kann aber 'Birte's' Einwurf verstehen. Es gibt sicher kreativere Ansätze für neue Quartiere. Dennoch zählt für mich hier erstmal die Umsetzung einer Gestaltung einer ehemaligen Bahnfläche und derzeitigen Brachfläche über die Details der Ausführung.


    Ich nehme an, die Gebäudezeile an den Schienen werden die Bürogebäude und im inneren liegen die Wohngebäude. Positiv ist def. die Höhendominante in Richtung Berliner Straße. Eine weitere Höhendominanten wäre aber auch vorne am Kopfbau des Hauptbahnhofs schlüssig gewesen. Positiv auch das Einbeziehen der Parthe in einen weiteren und späteren öffentlichen Park. Ein Anschluß an den grünen Bogen des neuen Quartiers am Eutritzscher Bahnhof sinnvoll und eigentlich unerlässlich.


    Wir sollten grundsätzlich nicht vergessen, dass es sich bei dem Gebiet um eine stark urbanisierte Ecke der Stadt handelt. Umgeben von Bahngleisen, semi-industriell genutzten Anlagen, und Hauptverkehrsstraßen. Dabei ein grünes Quartier mit einem Eigenleben zu schaffen ist da schon sehr viel wert. Außerdem bekommt die Nordvorstadt - bis heute eine der perforiertesten Ecken der Stadt - langsam eine Raumdefinition zurück.


    Ich sehe das Projekt wirklich positiv. Auch wenn wir uns dabei an die neuen Quartiere an den Bahnanlagen in halb Europa erinnert fühlen. Aber hey - das kann eine Initialzündung bis zur so verbrauchten Gerberstraße sein. Genau so wie zur Wittenbergerstraße hin. Und mit diesem Projekt wie mit dem Eutritzscher Bahnhof, wird man die komplette Hbf.-Westseite bis spätestens 2030 völlig verwandelt und in die Stadtstruktur integriert haben. Vor allem, weil man in Leipzig nicht dem Druck der Büroflächen den Raum bei solchen Projekten komplett überlassen muss.

  • Bei der neuen Straße "Preußenseite" zwischen Kurt-Schumacher und Berliner Straße sehe ich einen neuen MIV-Link drohen, der an seiner südlichen Einbindung am Best Western Hotel zu erheblichen Konflikten mit Fußgängern und Bahn führen könnte.


    Am Ende entsteht dort eine weitere Ampel, die den ÖPNV entschleunigt ... :confused:

  • ^^ Das sehe ich anders.


    Gerade, weil das Projekt in so "urbanisierter Lage" liegt (wieder ein neues Wort gelernt) - und vermutlich auch nicht so ganz billig sein wird, braucht man doch Leute, die dort wohnen WOLLEN.


    Was erwarte ich, wenn ich in die Innenstadt neben den Hauptbahnhof ziehe? Ich erwarte ein quirliges Durcheinander von Gastronomie, Wohnen in jeder Wohnform, Büros, etwas Einzelhandel zur Nahversorgung und jede Menge Menschen.
    Was ich nicht erwarte ist ein blankgelecktes Paunsdorf 2.0 (Zumindest was die Gebäudekubaturen und -abstände angeht).


    Als Zielgruppe des Projekts würde ich nicht Familien mit kleinen Kindern sehen - aber auch nicht die 200 qm-pro Person-Yuppies. Weder der Bahnhof noch die Straße verschwindet so eben mal und verstummt auch nicht.


    Meiner Meinung nach braucht man dafür Leute, die das zu schätzen wissen und gerade wegen einer solchen Lage dort hinziehen. Und diese Leute wohnen nun mal ungern in "Quadratisch-praktisch-abwaschbar" - auch nicht, wenn sie Geld haben.


    Aber die Zeit wird es zeigen, bis zum Baubeginn sind es noch zwei Jahre und konkrete Fassadenplanungen hat ja auch noch niemand gesehen. Vielleicht irre ich mich auch und das wird das neue In-Viertel - Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.


    Hoffentlich ist bis dahin klar, wie die Kurt-Schumacher-Straße aussehen wird und eine Sanierung derselben bereits geplant.
    Auch ich denke, dass das Projekt Signalwirkung für die im Moment leicht ranzige Umgebung haben kann. Dafür müsste aber mindestens die Mauer weg und ein bespielbarer Platz entstehen, der sehr gut beleuchtet ist. Mit Mauer und dem einsamen Haus in der Wendeschleife fürchte ich, dass es so eine Art Insel werden wird.


    Verkehrstechnisch gesehen hoffe ich ebenfalls auf eine Lösung à la "Anlieger und ÖPNV frei" und Tempo 30 mit Blitzer, um den Durchgangsverkehr auszubremsen.

  • Wenn ich den aktuellen Leipziger Wohnungsmarkt auf die geplante Fertigstellung der dortigen Häuser extrapoliere, werden dort die Leute wohnen, die dort eine Wohnung kriegen. Soll heißen: die Wohnungen werden ihre Mieter finden, weil Wohnungen knapp sind. :cool:

  • ^^Das stimmt sicher. Aber deswegen heißt es ja trotzdem nicht, dass man nicht etwas ambitionierter planen kann. Weshalb ist der alte Plan denn so stark verändert worden? Vorher sah es aus wie ein in die Stadt integriertes Viertel, jetzt wie ein Gewerbegebiet, dass sich so weit aus dem urbanen Rahmen zurückzieht, dass man es kaum bemerken dürfte, falls man sich nicht zufällig hineinverirrt. Da sehe ich dann auch nicht, dass es groß mit der Nordvorstadt kommuniziert, denn diese ist von der Parthe abgetrennt und mit diesem Plan wird auch nichts dagegen unternommen (Fußgängerbrücken zum neuen Park zB).

  • Ein "Urbanes Gebiet" kann ich dort auch nicht erkennen. Die Baumassen sehen für mich allesamt wie Bürogebäude und nicht wie urbane Wohnhäuser aus. Was direkt am Hbf ja auch logisch wäre. Es würde mich wirklich wundern, wenn dort hauptsächlich Wohnungen hinkämen, das hätte dann etwas von Plattenviertel mitten in der Innenstadt.

  • Bin auch mäßig begeistert. Hier ein Quader, da ein Riegel und fertig ist das neue "Stadtviertel". Auch das Hochhaus macht aus meiner Sicht am Rand der Gleisvorfeldwüste gar keinen Sinn. Die städtebauliche Wirkung, die ein Hochhaus haben könnte, verpufft dort fast völlig.
    Hoffentlich kommt niemand auf die Idee, das ganze noch "Europaviertel" oder gar "Europacity" zu taufen. Wundern würds mich jedenfalls nicht.

  • ^
    Das Hochhaus an dieser Stelle macht überhaupt keinen Sinn. Im nördlichen Quartier Freiladebahnhof (416) ist dort hinten eine Erhebung im Gelände, von wo aus man über die Stadt gucken kann. Dieser Südzipfel wird vermutlich nicht oder nur wenig bebaut. Dort wäre das Hochhaus "Alter Zoll" dann im Weg und würde die Sichtachse versperren.


    Ansonsten wirkt das Areal beliebig und austauschbar, könnte man überall bauen. Null Bezug zur Stadtsituation. Investorenarchitektur 0815 in Reinform

  • ^ Naja, ein von der Stadt entwickelten Bebauungsplan als "Investorenarchitektur 0815" zu bezeichnen, ist auch nicht gerade dufte. Um die Architektur geht es hoffentlich später in einem vom Investor ausgelobten Architekturwettbewerb.


    Die Anordnung erinnert schon ein wenig an die Quartiersentwicklung westdeutscher Großstädte unmittelbar an den Gleisen, wie zum Beispiel hier in München. Wobei mir der südliche Teil mehr zusagt als der nördliche rund um das geplante Hochhaus.


    Vielleicht wäre es besser, zuerst die städtebaulich völlig unterentwickelte nördliche Vorstadt ähnlich zu verdichten und urbaner zu gestalten wie es derzeit in der Ostvorstadt geschieht, um dann einen neuen Anlauf zu starten, der dann besser auf das Quartier westlich davon abgestimmt ist.

  • kurze aktuelle Info dazu: Es soll sich vorerst um ein Baumassekonzept handeln, die fehlenden Quartiersquerungen (z.B. zum Leihhaus) sind auf dem Schirm, schwierig ist natürlich der Grundbesitz nördlich der Parthe.


    Hoffen wir, dass noch mal ein Qualitätsschub kommt!

  • Die LVZ berichtete in den letzten Tagen in zwei Artikeln, dass es jetzt langsam los geht: die Rathausspitze hat gestern Grünes Licht für den Bebauungsplan 323 gegeben, als nächstes könnte dann im September der Stadtrat den Auslegungsbeschluss fassen und daraufhin dann die Bürgerbeteiligung starten. Die Visualisierungen sind immer noch die Gleichen, wie hier von miumiuwonwon gezeigt, daher verzichte ich auf eine erneute Einbindung.


    Wie bereits bekannt sind auf dem Areal Neubauten mit 120 000 Quadratmetern BGF vorgesehen, davon ein Drittel für Gewerbe. Zudem sind etwa 700 Wohnungen, davon 30% als geförderter Wohnraum, ein fünfzügiges Gymnasium samt Turnhalle und Sportplatz, dass 2023 eröffnen und entweder vom Investor direkt oder von der Stadt errichtet werden soll, ein Hotel und eine Kita geplant. Für die größeren öffentlichen Gebäude soll es gesonderte Architekturwettbewerbe geben, man darf also weiterhin davon ausgehen, dass wir es auf den Visualisierungen mit Baumassenstudien zu tun haben. Entlang der Parthe ist ein Park und ein Radschnellweg geplant, wobei in dem Bereich, in dem es keine historischen Ufermauern mehr gibt, ein Wasserplatz angelegt werden soll. Im Süden ist eine Treppenanlage zur Kurt-Schumacher-Straße geplant, im Norden wie bereits bekannt eine neue Brücke über die Parthe, weitere Querungen wird es aber augenscheinlich nicht geben.


    Artikel 1: Pläne für neues Stadtviertel am Leipziger Hauptbahnhof stehen


    Artikel 2: Neues Stadtviertel in Leipzig kostet 300 Millionen Euro

  • ^ Danke für die Zusammenfassung. Die Pläne finde ich sehr überzeugend, allerdings sollte es bei Bauprojekten dieser Größenordnung, von denen inzwischen einige in der Planung sind, auch langsam mal losgehen. Mit bloßen Lückenschließungen und der Sanierung der allerletzten Altbauten ist bei diesem Bevölkerungswachstum schon längst kein Blumentopf mehr zu gewinnen.


    Des weiteren verspreche ich mir von diesem Bauvorhaben sowie der Sanierung des Hotel Astorias eine Aufwertung des stark in Mitleidenschaft geratene westliche Bahnhofsumfeld und der Kurt-Schumacher-Straße. Im Prinzip ist das eine Gegend, in der es sogar zu DDR-Zeiten besser bestellt war.


    Das Konzept finde ich durchdacht und nachhaltig. Aus der Visualisierung lässt sich noch nicht ableiten, wie das neue Viertel letztendlich mal aussehen wird. Selbst die Riegel sind sicher nicht gesetzt. Andererseits erwarte ich auch keine architektonischen Aushängeschilder für die Stadt, aber eine solide Architektur.

  • ^ Tatsächlich finde ich das Konzept wenig überzeugend: Die umliegenden Quartiere werden überhaupt nicht eingebunden. Weder werden bestehende Wegeführungen beachtet oder fortgeführt, es gibt quasi keine Brücken über die Parthe, die das Gebiet um die Berliner Straße einbinden, noch wird ein Bezug zum Wasser hergestellt - abgesehen von diesem Wasserpark, der aber auf den Visualisierungen nicht wirklich zu erkennen ist. Auch der Hochpunkt wirkt in der letzten Ecke sehr verloren...

  • ^ frage mich nur, welche Quartiere und Wegeführungen hier eingebunden werden sollen? Auf einem Gebiet zwischen einem der größten Gleisvorfelder Europas, Industrieflächen wie den Stadtwerken, und einem der Stadtteile mit dem höchsten Zerstörungsgrad durch den WKII in Leipzig. Dazu kommt eine in DDR-Zeiten höchst unvorteilhaft geplante Lückenfüllungen durch große und kleine Riegel und einfach aufgelassenen Freiflächen ohne städtebaulichen Bezug.


    Die einzigen direkten Zeugen eines ehemaligen Quartieres sind die zwei Gebäudezeilen an der Kurt-Schumacher-Straße und Berlin Straße. Letztere mit dem Rücken zur Parthe. Also welche Wegeführung aufnehmen? Jene aus der Nordvorstadt, bei welcher kleine und kurze Straße spitz auf das Gleisvorfeld laufen würden? Auch wird es eine Verbindung zur Berliner Straße geben - ist ja auf dem Plan eingezeichnet bzw. im Artikel erwähnt. Auch wird die Parthe im Gegensatz zur dortigen kanalartigen Anlage, etwas aufgeweitet und mit direktem Zugang versehen.


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    Ich kann die Kritik an der hinteren Höhendominante verstehen. Jene Dominante im vorderen Teil wäre konsequenter im Kontext und hätte eine bessere Wirkung im Schnitt mit dem 'Wintergartenhochhaus', dem 'Westin', und dem 'Löhr's Carre'. Ein schlüssiges Gegenargument für eine Realisierung im vorderen Bereich ist allerdings die Möglichkeit eines baulichen "Cuts" durch eine höhere Baumasse zwischen der Kurt-Schumacher Straße und dem neuen Quartier. Der hier eigentlich größte Kritikpunkt. Und etwas, was die große Freitreppe zur Straße eigentlich ganz gut kontert.



    Es ist eine erste Baumassestudie aber finde die Planungen durch die Mischnutzung und langsamere Realisierung eigentlich recht vielversprechend. Eine schnelle Komplettrealisierung mit einer durchweg gleichen Gestaltung hätte wesentlich negativere Folgen. Außerdem pflichte ich 'Cowboy' bei und denke, dass ein solches Projekt im Kontext der Erneuerung der Nordvorstadt und den diversen Realisierungen einen weiteren positiven Effekt auf das gesamte Gebiet haben wird. Explizit die Verbesserung der Situation der LWB-Riegel entlang der Gerberstraße.

  • das Gleisvorfeld ist inzwischen arg geschrumpft, da ist fast nichts mehr da, was rechts und links der Bahnsteigverlängerungen zu Bahnbetrieb führen kann.


    Wegebeziehungen: Die wichtigste wird sein, auf sehr kurzem Weg zur Haltestelle Wilhelm-Liebknecht-Platz zu gelangen, denn auch eine neue Station an der Einmündung Roscherstraße der einzelnen Linie 9 ersetzt diese Anbindung nicht. Dann einen Weg für Rad-Fußverkehr nahe der Ufer/Berliner Str. gen Westen Richtung Zoo. Die übrigen zum Hbf und Roscherstr. sind ja vorhanden. Perspektivisch wird sich ergeben, welchen Wegebedarf es über oder unter den Gleisanlagen noch gibt.

  • ^^ Gerade der starke Zerstörungsgrad der historischen Struktur um die Berliner Straße herum bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Verzahnung der beiden Gebiete durch eine neue Wegeführung zu verbessern. Dass dort aktuell nicht viel ist, was sich verbinden lässt, sollte kein generelles Ausschlusskriterium sein. Beispielsweise könnte im rechten Winkel zur Berliner Straße die Erich-Weigert-Straße als Promenade über die Parthe ins Gebiet laufen. Parallel dazu würde sich eine weitere Fußgängerverbindung von der Berliner Straße abgehend zwischen den Hausnummern 20 und 32 anbieten.


    Den fehlenden städtebaulichen Bezug, den du zurecht der DDR-Bebbauung (im Bereich Gerberstraße) unterstellst, sehe ich in der aktuellen Planung ebenso.

  • ^ Schön und gut, nur bedingen deine Wünsche stadtplanerische Maßnahmen auf Grundstücken, die nichts mit dem hier beplanten Gebiet zu tun haben. Da kann man dann tausend Mal eine weitere Brücke über die Parthe planen, am Grundstück gegenüber, das irgendwann bebaut werden wird, ist dann einfach Schluss. Ich gehe davon aus, dass genau dies zum Verlust der Fußgängerbrücken im Vergleich zur Ursprungsplanung geführt hat.


    Und selbst wenn man weitere Parthequerungen auf einem Abschnitt von ~ 700 Metern, die keinerlei neue Wegebeziehungen nördlich der Berliner Straße ermöglichen würden, für wünschenswert hält, verstehe ich den Vorwurf, umliegende Quartiere würden gar nicht eingebunden, nicht verstehen - was sind denn dann die Rad- und Fußwegverbindung zur nördlichen Kurt-Schumacher-Straße sowie die Straßen- und Fußwegverbindung sowie der gesonderte Radweg zur Berliner Straße im Norden?

  • ^ Schon klar, dass die Grundstücke außerhalb des Gebietes liegen - über einen B-Plan und gegebenenfalls einem Flächentausch der notwendigen Flächen, kann die Verwaltung Einfluss auf die Entwicklung und Verzahnung des Gebietes nehmen. Im Endeffekt betrifft es auch nur zwei der zahlreichen Brachflächen im Bereich der Berliner Straße. Das ist gängige Praxis. Nimmt halt etwas Zeit in Anspruch, dafür wäre der Alte Zoll aber weniger stark isoliert.

  • ^ es sei dabei auch noch mal an die Planungen des zukünftigen Wohngebiets hinter dem Bayerischen Bahnhof verwiesen. Dort lässt sich ganz anders das neue Quartier in das alte Quartier integrieren. Zumindest auf der Seite der Südvorstadt. Das ist hier am "Alten Zoll", so aus besagten Gründen überhaupt zu realisieren.