Allgemeine Meldungen St. Johannis - Nordstadt


  • Selbstbewusste Bauherrenschaft sieht anders aus, hier wird eher versucht "unter dem Radar" einen Block hochzuziehen und zu verkaufen.



    Das ist bereits alles verkauft. Irgendwo hatte ich gelesen, dass die Fa. S. das Gebäude bereits lange vor Baustart komplett an einen Investor, der ungenannt bleiben möchte, verkauft hat. Insofern können sie sich den Vertrieb sparen (und damit die Information der Öffentlichkeit).

  • Bangen um die Bronzegiesserei Lenz

    https://www.nordbayern.de/regi…uwerk-in-gefahr-1.9512252

    Eigenes Foto


    Wie die Medien berichten macht sich der Bürgerverein Johannis ernste Sorgen um die ehrwürdige Bronzegießerei Lenz in der Burgschmietstraße. Hier habe ich sie letztes Jahr kurz vorgestellt. Offenbar haben die Eigentümer schon lange nichts mehr in die Instandhaltung investiert, womit der über 150 Jahre alte denkmalgeschützte Bau nun Sanierungsstau hat, z.B. ist das Dach undicht und die Mauern deshalb feucht. Unglaublich, wenn man sich vor Augen führt dass 10 Jahre Wirtschaftsboom trotzdem nicht ausreichen, genug beiseite zu legen um Kulturgut zu sichern. Ich kann nur hoffen, dass man hier eine Lösung findet - mit oder eben ohne die jetzigen Eigentümer.

  • Wettbewerbsergebnis Neubebauung ehem. Radloff-Gelände am Nordwestring

    Wie hier bereits besprochen kann man die Ergebnisse des Architektenwettbewerbes für die Neubebauung des großen Eckgrundstücks Nordwestring Ecke Schnieglinger Straße in der Zentrale der Schultheiss Wohnbau AG am Lerchenweg noch bis Morgen Nachmittag anschauen. In der NZ war online ja nur einer der beiden zweitplatzierten Siegerentwürfe abgebildet, in der Printausgabe beide zweitplatzierte. Damit sich jeder, der es nicht schaffen sollte das kurze Zeitfenster für die Inaugenscheinnahme der Wettbewerbsbeiträge zu nutzen, ein Bild machen kann, waren wir heute vor Ort. Zuerst also der offenbar favorisierte Siegerentwurf:


    erster 2. Preis: Gräßel Architekten, Erlangen


    Radloff-Schnieg_004_Greassel.jpg


    zweiter 2. Preis: H2M Architekten + Stadtplaner, Kulmbach und München


    Radloff-Schnieg_010_H2M.jpg


    3. Preis: WWA Architekten, München


    Radloff-Schnieg_001_WWA_Muenchen.jpg


    Ausgeschieden sind folgende Beiträge:


    KJS+ Architekten GbR, Erlangen:


    Radloff-Schnieg_00x_KJS+Erlangen.jpg



    SSP+ Architekten GbR, Erlangen:


    Radloff-Schnieg_003_ssp+Architekten.jpg



    Maisch Wolf, München:


    Radloff-Schnieg_006_Maisch%20Wolf_Muenchen.jpg



    querwärts Architekten, Nürnberg:


    Radloff-Schnieg_007_querwaerts.jpg


    VIVA Architects, Istanbul


    Radloff-Schnieg_011_viva-Istanbul.jpg



    Hierl Architekten, München:


    Radloff-Schnieg_Hierl_Muenchen.jpg


    Babler + Lodde Architekten, Herzogenaurach:


    Radloff-Schnieg_002_Babler+Lodde.jpg


    Bei der Wettbewerbsentscheidung ist natürlich die städtebauliche Dimension nicht alleinentscheidend. Dabei spielt auch immer eine große Rolle wie das Grundstück insgesamt organisiert ist, sondern auch welche Qualität die Wohnungen im Einzelnen erhalten, was Belichtung, Erschließung usw. anbelangt. Außerdem ist das Baugrundstück deutlich größer als das, was man hier in den Visus sehen kann. Dennoch, finde ich, ist die Gestaltung der Ecke für alle übrigen Betrachter das Wichtigste, denn hier wird ein das Stadtbild prägendes Projekt kommen.

    Und jetzt ihr! Findet ihr, dass die Jury eine gute Auswahl getroffen hat für die Ecke?

  • Naja, vieles was man hier sieht, beamt einen eher in die 70-er Jahre zurück. Ich hatte gedacht, man hat diese Phase des destruktiven Städtebaus hinter sich, aber naja, die Entwürfe sprechen Bände.


    Die Beiträge von SSP+ Architekten GbR und Maisch Wolf sind übelste Rückfälle in das Horrorkabinett der missratenen Karstadt, Kaufhof und Horten-Häuser, die bis heute die Innenstädte verschandeln. Wie man so etwas heute nochmal bauen will, es lässt mich sprachlos zurück.


    Wie man sich mit der Bestandsbebauung so einfach mal gar nicht beschäftigen will, zeigen die Entwürfe von querwärts Architekten und VIVA Architects. Anstatt sich zu überlegen, wie man sinnvoll an die Brandwand des Altbaus andocken kann, ignoriert man das einfach völlig und setzt in bester copy-and-paste Manier einfach irgendwas daran. Das Konzept von VIVA Architects will sich mir aber auch in der Folge nicht erschließen. Das Ganze sieht völlig wild zusammengestückelt aus. Als hätte man aus dem PC-Bestand einfach irgendwelche Fassaden zusammen kopiert. Auch diese Hochhausscheibe bei querwärts Architekten hat man in den 70-ern x-fach gesehen und immer war es gerade in solche Ecksituationen zum Schaden des Stadtbildes.


    Die einzigen, die sich wenigstens um einen Anschluss an die Altbauten gekümmert haben, waren Hierl Architekten . Auch wenn ich deren Planung für viel zu massiv und blockhaft halte.


    Was kann man zu den Wettbewerbssiegern sagen? Das es keinen ersten Preis gab, spricht wohl für sich. Wobei man der Jury nicht vorwerfen kann, dass sie nicht versucht haben, den Einäugigen unter den Blinden zu finden. Was blieb am Ende? Eine abgespeckte Nöfer-Variante, die man in Berlin mittlerweile auch an jeder Ecke sieht. Die Form ist ganz gefällig, aber auch hier gibt es keinen sinnvollen Übergang zur Anschlussbebauung. Ansonsten riecht man schon wieder die Dämmpappe und die ausgeklebten 5mm starken Riemchenbänder.


    Der Entwurf von H2M Architekten + Stadtplaner ist mal wieder so eine typische Visufälschung, denn nie im Leben werden die Fenster so transparent. Vielmehr wird es am Ende eine dunkle Kiste, auch wieder in 70-er Jahre Retrooptik.


    Mir gefällt ehrlich gesagt keiner der Entwürfe. Ich finde, keiner hat die Bauaufgabe hier zufriedenstellend erfüllt. Gräßel Architekten wären vielleicht das geringste Übel, wobei es schlimm ist, dass man danach Entwürfe auswählt.



  • Danke nothor für die Entwürfe!
    Ich würde gerne sagen wirklich spannend was da alles abgeliefert wurde, aber ich kann Odysseus einfach nur in jedem einzelnen Punkt zustimmen...
    Den Entwurf von Babler + Lodde Architekten, Herzogenaurach finde ich noch recht gelungen, zumindest was den Übergang zum Altbau und die Fassade angeht. Die ist zwar auch nicht gerade spannend, bringt aber mit ihrer Strukturiertheit im Vergleich zu den anderen Entwürfen Ruhe in die Situation. Lediglich die Ladenzeile finde ich etwas zu weit nach innen gerückt und die Öffnung des Blocks an der Ringstraße etwas missglückt. Ein bis zwei Stockwerke mehr an der Ecke wären sicherlich auch nicht verkehrt gewesen.

  • Als ich die beiden 2. Plätze in der Zeitung gesehen hatte, war mein erster Gedanke: "ist die Zeit der hohen schmalen Fenster (= türähnlich) in Nürnberg vorbei? Kommen die vertikalen Fensterbänder zurück?". Nachdem ich die anderen Entwürfe gesehen hatte, wusste ich, dem ist nicht so.


    Gräßel Architekten erinnert mich etwas an die Häuser gegenüber dem Justizpalast in der Fürther Straße, die ich aber recht gelungen finde. Ebenso wie diesen Entwurf, der stimmig und gut gegliedert ist.


    H2M Architekten + Stadtplaner gefällt mir dagegen gar nicht. Die Kreuzung ist aktuell ein ziemlicher Verhau, v.a. der Supermarktflachbau diagonal gegenüber. Dieser Entwurf passt sich dem konsequent an und würde die grausame Situation auf Jahrzehnte hinaus manisfestieren.


    WWA Architekten gefällt mir ebenfalls nicht. Kein Bezug zum Nachbarn. Kaum Fenster zum Ring bzw. nach Osten => wie sollen diese Wohnungen aussehen?


    VIVA Architects und SSP+ sind schon fast lustig...


    Maisch Wolf fand ich im ersten Moment auch fast lustig bzw. Themaverfehlung, ist hier doch weder Einkaufszentrum noch Kulturtempel geplant. Der Entwurf könnte aber als Ideengeber dienen. Nämlich das "Nürnberger Fenster" oder den typischen Erker der Gründerzeit wieder nutzen. Würde das konsequent umgesetzt, könnte es vielleicht sogar was werden.


    Hierl Architekten ist der andere Entwurf, der den Übergang zum Bestand im Westen herstellt. Es ist ein protziger Entwurf, aber warum nicht. Diese Kreuzung ist, wie oben geschrieben, sowieso total vermurkst. Warum nicht einen Solitär hinstellen, der ein "Ausrufezeichen" setzen (will).


    Der Rest ist Stangenware... Fast verwunderlich, dass der Bauträger keinen genommen hat.



    Mir ist noch etwas anderes aufgefallen:
    die regionalen Büros haben die Gebäude überwiegend bis zur Gehsteigkante geplant und auf Bäume verzichtet. Die auswärtigen Büros, v.a. die Münchner, haben am Ring mehrheitlich hohe und große Bäume reingesetzt. Vielleicht ein Grund für die trostlose Baumsituation in Nbg. im Vergleich zu anderen Städten?

  • grau in grau: Bucher Straße 80-82


    Eine Weitere Posse aus dem Programm "Unsere Stadt soll grauer werden" ist die jüngste Renovierung des gründerzeitlichen Wohnhauses Bucher Straße 82. Ebenso ist das Nachbarhaus Nr. 80 vor etwas längerer Zeit renoviert worden, zwar war es bereits grau, hat nun aber seinen restlichen Zierrat verloren zugunsten einer Dämmstoffschicht.


    Vorher:



    jetzt:



    Zugegeben, das Eckhaus ist wohl nicht die attraktivste Immobilie, und war auch vorher keine Perle. Aber nun ist es gekonnt gelungen mit den augenscheinlichst billigsten Dachziegeln, den billigsten Zinkblechverkleidungen, den billigsten Kunststofffenstern und der billigsten Farbe das hässlichste herauszuholen was geht.

  • Schauderhaft!!


    Man sollte beim Kultusministerium einen Antrag stellen, dass an Nürnberger Grundschulen schnellstmöglich das Fach „Ästhetik und Geschmack“ eingeführt wird. Dringend. Von der ersten bis zur vierten Jahrgangsstufe mindestens 4 Wochenstunden!

  • Ja, nützt aber vielleicht nix, ich bin ja hier auch nicht in die Schule gegangen. Es sollte ein Gestaltungs- und Geschmackshandbuch geben für alle, die in Nürnberg ein Gerüst aufstellen lassen. Typisch sind in Nürnberg z.B. farblich abgesetzte Fensterrahmungen und tendenziell auch erdfarbene Fassadenfarben, zumindest in von altem bestand geprägten Straßenzügen. Was die in den Neubauvierteln machen ist mir da eigentlich egal, da gelten andere Regeln.

    Am Bielingplatz

    Unterdessen sind am Bielingplatz gleich zwei Neubauvorhaben fertig gestellt worden. Zunächst der bereits in der Presse gelobte Anbau der Peter-Vischer-Schule, den ich auch für gelungen halte:


    IMG_8671.jpg


    Ebenfalls fertig geworden ist der Neubau eines Mehrgenerationenprojektes direkt am Bielingplatz. Der Neubau ist an die Straßenecke gesetzt und fasst den Platz nun endlich nach Süden, sehr erfreulich. Denn bislang entfaltet der Bielingplatz nun nicht wirklich Platzcharakter, weil man nicht genau fassen kann was Platz ist und was unbebautes Gründstück ist. Der Neubau an sich ist eigentlich ganz erfrischend. Kein Grau sondern Erdfarben (wie vorbildlich!!), streng waagerecht gegliedert und durch ein mittig gelegenes Treppenhaus gestützt. Es erinnert stark an die Architektur der Wiederaufbaujahre.


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    Allerdings stören mich im Detail dann doch die vielen Gitter, die sämtlichst schmucklos geblieben sind und dem gesamten Baukörper ein abweisendes Äußeres geben. Geländer kann man ja auch attraktiver gestalten, das beginnt schon bei der Farbe.


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    Im Detail zeigt sich aber auch, dass hier wenig Standard verbaut wurde, sondern allein schon die Zugangstüren Sonderanfertigungen sind, um dem Haus ein Gesicht zu geben. Auch dieser ausgebauchte Bereich, der aussieht wie eine Pförtnerloge, verleiht dem Haus ein Gesicht und im Innern Platz um auch mit sperrigen Dingen zu rangieren.


    IMG_8677.jpg


    Wie schon gesagt, der Bielingplatz wird erst dann zu einem Platz, wenn er baulich gefasst ist, d.h. seine Platzkanten bebaut sind und den Platz so erst erlebbar machen. Dazu müsste alsbald noch etwas mit dem westlich gelegenen Grundstück geschehen:


    IMG_8680.jpg


    Das Grundstück gehört der Stadt Nürnberg und wurde lange für die Abstellung von Gerät und Containern während des U-Bahn-Baus genutzt. Die Stadt plant, soweit ich weiß, den Bau einer Kita usw. auf dem Grundstück, während sich der Bürgerverein dort eine Erweiterung des Platzes wünscht und Bäume und Begrünung fordert. Ich bin der Meinung dass man dort ruhig bauen sollte, aber wenn dann auch gescheit und mit mind. 4 Geschossen.

  • Hier ginge auch ein höheres Gebäude und Warum kann die KITA nicht im EG sein. In anderen Städten geht das auch und wäre bei Miete für die Stadt auch

    kostengünstiger

  • nothor : Was das Mehrgenerationenhaus angeht, bin ich anderer Meinung. Das sieht mit diesen vergitterten Umlaufbalkonen aus wie ein von innen nach außen gestülpter Knast. Oder bestenfalls wie ein doppelt aufgestocktes amerikanisches Billig-Motel. Das ist Hinterhofflair. Der Bau streckt dem Platz sein Hinterteil entgegen. Michi würde interessieren, wie die andere Seite zum Innenhof hin ausschaut. Wahrscheinlich schöne große Fensterfronten. Diese Ausrichtung ist eine bauliche Unsitte unserer Zeit, bei der jegliche ästhetisch-gestalterische Verantwortung dem öffentlichen Raum gegenüber negiert wird.


    Das ist einer der Gründe, warum es in Nürnberg nur wenige schöne Plätze gibt. Die Stadtplaner verstehen unter einem schönen Platz einen Ort, an dem „Stadtmöblierung“ wie Bänke, Brunnen, Spielplatz und Mülleimer schön angeordnet sind. Zur Not auch der eine oder andere baum. Dass eine Raum-Wirkung durch die umstehenden Gebäude und deren Qualität entsteht, dass es dabei gerade auch darauf ankommt, dass ein Platz durch höher aufragende Bebauung eingefasst und definiert wird – Fehlanzeige. Insofern sind wir, was die Bebauung des für die KITA vorgesehenen Grundstücks wieder ganz einer Meinung.


    Der Anbau der Peter-Vischer-Schule ist für mich OK, aber wirklich "lobenswert" finde ich ihn nur dann, wenn man schon kaum noch Ansprüche stellt. Es ist halt ein ordentlicher Funktionsbau. Da er nicht direkt zum Platz hin steht, ist das so aber auch akzeptabel.

  • Ja das stimmt, wobei ich einschränken muss, dass deine Kritik deshalb einschlägt, weil man eben bei den Gittern so gepatzt hat. Während die Haustüren im Erdgeschoss erfrischend individuell sind, in Hellbau und mit Rundbogen und ein sich nach unten verschlankendes Fenster, hat man bei dem wesentlich gewichteren Gitterelementen komplett versagt. Hätten wir hier eine etwas phantasievollere Geländergestaltung, würde das Haus wesentlich erfreulicher aussehen. Ich hätte mir hier konsequenterweise hellblau gestrichene Geländer gewünscht, die womöglich sogar noch attraktiv geformt sind, Sie könnten z.B. wie Rundbögen nach oben laufen und so wie eine Renaissance-Innenhoffassade ein individuelles Bild erzeugen. Im Sommer mit dem einen oder anderen Blumenschmuck versehen würde das komplett anders aussehen. Ich bin gespannt was die Bewohner daraus machen. Die Laubengänge könnten liebevoll geschmückt aufgewertet werden, oder mit Gerümpel wie Spielsachen, Rollatoren und alten Matratzen zugemüllt werden. Wir werden sehen.


    Und mea culpa, auf die Idee mir die Südfassade anzusehen, bin ich gar nicht gekommen. Es wird so sein wie du sagst, große Fenster und womöglich Balkone, ist aber eben auch für den Stadtraum völlig unbedeutend.