Kleinere Projekte Rennweg, Schoppershof, Gärten b. Wöhrd

  • Fichtestraße 42

    Der Vollständigkeit halber, vor allem meiner empfindlichen Kritik wegen, Scritch, erscheint die Fichtestraße noch einmal hier. Bestimmt ein letztes mal, denn mein Geschmacksempfinden entspricht anscheinend genau dem des Bauherrn, der nun die brutal großen Dachfenster - wobei es sicherlich eher Türen sind - entschärft hat und eine neue Haustür eingebaut hat.


    Beides finde ich sehr geschmackvoll und rundet die gelungene Sanierung ab. Mögen sich Mitbewerber am Markt hieran orientieren.




    Die Wohnungen sind übrigens wohl schon verkauft.

  • Spielwarenkontor "Hermann Auge" Fichtestraße

    Mittlerweile ist auch der Neubau als Teil des Gesamtprojektes fast fertig gestellt. Dessen Vermarktung hat sich ja etwas hingezogen, während die Wohnungen im Altbau schneller weg waren. Vorzustand: Beitrag.
    Der Bau ist exakt so geworden wie es die Visualisierungen haben erwarten lassen...




    ... und was soll ich sagen: Das Haus gefällt mir persönlich sogar besser als die verunstaltete Altbaufassade nebenan:



    Die Fenster sitzen nicht in tiefen Höhlen und wirken dadurch größer, und die gesamte Kubatur ist etwas lebendiger als der ungegliederte weisse Styroporklotz.

  • Schoppershofstraße 51

    Und zuguterletzt - auf dieses Wochenende bezogen - ist die Schoppershofstraße 51 endlich eingerüstet worden. Das Haus steht nun auch schon über 1 Jahr leer.



    Je Etage sollen zwei Wohnungen zu einer zusammengelegt werden, das Erdgeschoss erhält zwei Kleinwohnungen. Die aufwändige und für Nürnberg aus sehr seltene Jugendstil-Stuckfassade wird wohl erhalten bleiben, die Fassade zur Seite wird gedämmt. Sehe ich etwas kritisch, da Nordwand, niemals Sonnenlicht und -wärme sehend und damit recht schnell veralgend. Naja, trotzdem wird das sicherlich ganz schön. Bin gespannt auf das Farbkonzept für die Fassade.

  • Adamstrasse 15

    Die Adamstrasse 15, vor einem Jahr zuletzt hier erwähnt, ist nun eingerüstet und eingehüllt. Der neue Dachstuhl mit der Giebelwand steht schon. Die Sanierung wird über das ganze Jahr dauern schätze ich, und am Ende wird wohl ein Gebäude stehen, dass nichteinmal mehr dem heutigen Zustand weitgehend entspricht: Ein WDVS wird drauf gepappt und darauf ein banaler Putz mit hoffentlich nicht poppiger knallbunter Bemalung. Fenstergewände, und seien sie nur farbig abgesetzt, sind leider bei WDVS nicht üblich. Ich weiss nicht weshalb nicht, aber das outet diese Sanierungen zusätzlich schon gestalterisch als kritikwürdig.




    Immerhin, die Adamstraße ist in diesem Abschnitt sehr heterogen und von diversen Baustilen geprägt.

  • Mathildenstrasse 22

    Aktuell ist die Fassade der Mathildenstraße 22 eingerüstet. Hier scheint es Modernisierungsarbeiten an der Dachlandschaft zu geben:




    Das Gebäude steht, wie sein nördlicher Nachbar Nummer 24 unter Denkmalschutz. Das lässt also eine geschmackvolle und behutsame Modernisierung erwarten. Die Nummer 22 ist ein Vertreter des typischen Nürnberg Jugendstils, in denen der Architekt einen spannenden Wechsel zwischen glatt verputzen Oberflächen und dezent gestalteten Sandsteinelementen erzeugt, wie sie sich ab 1906 zunehmend als modern durchsetzen:



    Leider sind die Fenster keine Zierde für das Gebäude, im Original waren sie sicherlich etwas filigraner. Aber das ist eine Krankheit, die man in der gesamten Stadt findet. Details:




    Der Architekt war Wolfgang Wiesnet, der insbesondere dem Viertel Rennweg sein Gepräge gegeben hat. Glücklicherweise sind einige seiner Entwürfe bis heute sehr gut erhalten geblieben. Heute mal ein kleine Galerie seiner Beiträge für das Viertel.


    Welserstraße 41 (1905, Haus rechts), die Fenster im 1. OG sind noch original:



    Nicht weit davon und deutlich später am damaligen oberen Ende der Adamstraße, heute "Am Messehaus" die Nummer 26 (rechts):



    Auch die Fröbelstraße trägt deutlich seine Handschrift, die attraktivsten Gebäude dort stammen vom Zeichentisch Wiesnets. Zunächst das wunderbare Eckhaus Fröbelstraße 6 (1907)...



    ... und die Nummer 4 (1908)


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    In der Fichtestraße hat Wiesnet für eher kleinen Investorengeldbeutel ein schlichtes Jugendstilhaus mit geometrisch gegliederter Stuckfassade entworfen, die Nummer 50 (1908):


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    Auch in der Schoppershofstraße steuerte Wiesnet die Nummer 16 (1906) bei (Sandsteinfassade):


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    In der Ludwig-Feuerbach-Straße ist das Eckhaus Nr. 94 (1909) von Wiesnet, sicherlich in der Dachlandschaft stark überformt, und besonders auffällig: Das zur Straßenseite gerichtete Treppenhaus:


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    Und schließlich die hochwertigsten Wohnanlagen, im Ensemble Rennweg die Nummern 72 (1908), wo er das linke Sandsteinhaus beisteuerte, das hochelegant den Versatz zwischen den Nummern 70 und 74 überwindet...



    ....und 64 (1901), ganz rechts mit den Putten:



    Quelle: Knud Willenberg, Bausteine zu einer Geschichte der Jugendstilarchitektur in Nürnberg, 1988


    Sicherlich gibt es noch einige weitere seiner Gebäude in Nürnberg, die Willenberg aufgrund ihrem bis zur Unkenntlichkeit veränderten Äußeren nicht aufführt, z.B. die Bismarckstraße 8 in ebendiesem Viertel, oder die komplett verschwunden sind.


    Nachtrag 26.02.2014:


    Bei der Nummer Rennweg 72 habe ich mich geirrt. Es handelt sich bei der Nummer 72 nicht um den oben beschriebenen Sandsteinbau, sondern um das Eckgebäude, das teils in Putz, teils in Sandstein mit den beiden markanten Giebeln erstellt wurde:



    Dieses Haus ähnelt dem eingangs behandelten Haus Mathildenstraße 22 dann wieder deutlich eher hinsichtlich Material, Farbe und Formensprache und schließt somit auch die kurze Führung "Wiesnet im Rennweg" sehr passend ab.

  • Adamstrasse 44

    Die Arbeiten am Wohnhaus Adamstrasse 44 haben begonnen. Zustand 2012.



    Bei dem Gebäude handelt es sich um ein 5-geschossiges Wohnhaus um 1907, das im Zuge der Ereignisse um die Adamstraße 42 im Laufe des Jahres 2013 als Einzeldenkmal ausgewiesen wurde. Im Innern ist das Haus noch mit Zahlreichen Details der Entstehungszeit ausgestattet, allen voran das einzigartige Treppenhaus mit schmiedeeisernem Geländer, die aufwändigen Wohnungseingangstüren mit Oberlicht, wunderbare Kassettentüren mit reich floral beschnitzten Türrahmen, Stuckhohlkehle und gemaltem Deckenspiegel. Vor außen ist das Haus nicht ganz so auffällig. Es wurde von einem Schmied in Auftrag gegeben, der seine Werkstatt im Rückgebäude einrichtete, und für das Gebäude das Treppenhausgeländer und die schmiedeeiserne Eingangstüre herstellte.



    Die Werkstatt Wittkopf wurde 2013 aufgelöst, das Interieur ging an das Museum Industriekultur.
    Wenn man es gut macht, und hier hat sicherlich der Denkmalschutz seine Argusaugen drauf, entstehen hier ganz phantastische Wohnungen, die problemlos ihre Liebhaber finden. Ich wünsche dem Projekt gutes Gelingen.

  • [GEFA Feldgasse]: Zentral - Wohnen am Tor zur Altstadt

    Eines der letzten Industriehöfe in Nürnbergs Nordosten wird demnächst ebenfalls im Rahmen des Programmes "Konversion - Umnutzung von Industriebrachen in Wohnraum" umgenutzt. In der Feldgasse wurde bis vor Kurzem Schnaps und Glühwein produziert - oder wenigstens vertrieben, die Marken kennt jeder der einmal über den Christkindlesmarkt spaziert ist:



    Auf das Gelände kommt man direkt wenn man von der Sulzbacher Straße aus die Krellerstraße nach Norden geht:



    Das Gelände ist an der Straße eher unauffällig und erstreckt sich vor allem über den Hofbereich:



    Quelle: google maps


    Unter dem Projektnamen "Zentral - Wohnen am Tor zur Altstadt" hat sich Schultheiss Wohnbau das Areal gesichert und wird es zu Wohnraum umgestalten. Die Vermarktung hat zu Ostern diesen Jahres bereits begonnen. Das gesamte Projekt wird wohl laut Exposé in zwei Abschnitten erfolgen, in der Errichtung von Haus 1 und Haus 2:



    Quelle: Schultheiss Wohnbau AG


    Vom Vorderhaus präsentiert man selbstbewusst eine Skizze. Das Haus wird die nördliche Baukante zur Feldgasse schließen, und den heutigen Anblick (Bild oben) komplett ersetzen.



    Quelle: Schultheiss Wohnbau AG


    Leider wird die Visualisierung durch den Vermerk ergänzt "Darstellungsbeispiel, kann von endgültiger Bauausführung abweichen", denn mir persönlich gefällt der Entwurf eigentlich ganz gut. Doch der eigentliche Hingucker des Areals ist ein typisches 50'er-Jahre Wohnhaus, das hier mit üppigem Schmuck der Zeit versehen ist. Laut obiger Visualisierung und der Grundstücksplanung wird an das Gebäude direkt angebaut. An dessen Westwand, wo sich jetzt noch Fenster und Balkone befinden, wir die Brandwand des Neubaus direkt anschließen und die Räume dahinter verdunkeln. Wurde dafür eine Entschädigung gezahlt?



    Das riesige Sgraffito zeigt wohl den gesamten Produktionsprozess von Schnaps bis hin zum Verkauf. Man beachte auch die schmuckvollen Buchstaben GEFA:




    Ein kurzer Spaziergang über das Gelände zeigt, was alles verschwinden wird. Doch zunächst fällt auf, dass es sich um ein stark abschüssiges Gelände handelt. Ich weiss es nicht genau, aber hinter dem Gelände, auf dem Grundstück des heutigen Brundwick Bowling, befand sich vor dem 2. Weltkrieg ein Biergarten an der Äußeren Bayreuther Straße, hinter dem sich das Brauchereigelände und Bierkeller erstreckt haben. Vermutlich ist die heutige Geländegestalt ein Ergebnis der Umbauten nach dem 2. Weltkrieg. Denn bei der Begehung fällt auf, dass das Gelände mit bemerkenswert wenig Kubikmeter Raum bebaut ist.






    Es ist wohl anzunehmen, dass die Konversion des Geländes sehr aufwändig ist und sicherlich einiges an Überraschungen auftauchen wird. Das Haus 2 (Hinterhaus) wird in einem zweiten Abschnitt realisiert.

  • GEFA

    Cool sieht eigentlich ganz gut aus.
    Danke für die Bilder.
    Soweit ich weiß sollen die Keller die noch von der Bierbrauerei stammen, von GEFA genutzt worden sein. Wohl auch ein Grund dafür das oberirdisch nicht so viel zu sehen ist.

  • Hier noch ein Foto dass das Gelände um 1927 zeigt. Unten die Brauerei. Bei dem Gebäude weiter oben, vor dem Schienen zu sehen sind, handelt es sich um ein Werksgebäude der Straßenbahn.

    img151 von Danko.Green auf Flickr

  • Es gibt ein paar nicht ganz uninteressante Luftaufnahmen aus den 1940'ern, die erste Schäden durch den Bombenkrieg dokumentieren sollen im Marburger Bildindex.


    http://www.bildindex.de/#|home


    Eine andere Internetquelle ist mir nicht bekannt. Das Stadtarchiv Nürnberg in der Norishalle hat aber noch einiges anzubieten, dazu sollte man sich etwas Zeit mitnehmen.

  • Tolles Foto. Danke.
    Ich bin auf der Suche nach ähnlichem vom Rennweg. Hat da jemand evtl. eine Quelle / Aufnahmen?


    Es gibt zahlreiche Bücher mit super Luftaufnahmen aus Nürnberg
    Sehr zu empfehlen ist die Reihe Bild und Erinnerung - Luftaufnahmen 1944/der 50er jahre http://www.amazon.de/Bild-Erinnerung.../dp/3418003737
    http://www.amazon.de/Bild-Erinnerung.../dp/3418003915
    Und das Buch - Nürnberg von oben - Damals und Heute http://www.amazon.de/N%C3%BCrnberg-v.../dp/3897057875


    Bei Amazon oder einfach im Buchhandel


  • Ergebniss: So lala - die Farbe an dieser Stelle sehr schwierig - sieht in 2-3 Jahren bestimmt mega ranzig aus.


    Mir gefällt der Neubau eigentlich, er passt wirklich gut in die Lücke. Das Penthouse ist auch absolut gandios, es wurde aber auch für rund 650.000 EUR angeboten.
    Allerdings hast du was die Fassadenfarbe anbelangt sicherlich Recht, das Gebäude wird ziemlich schnell schmutzig werden, und dann auch ungepflegter aussehen als seine Nachbarn. Ich denke dass der Trend der weißen Fassadenfarben in den Innenstädten nicht lange halten kann, wenn man dauernd neu streichen muss. Etwas Erdfarbenes würde vielleicht besser passen, wobei die linke Fensterachse mit den ausgestellten Panoramafenstern weiss bleiben könnte... naja, trotzdem ein gutes Stück Stadtentwicklung.


  • Dieses Haus ähnelt dem eingangs behandelten Haus Mathildenstraße 22 dann wieder deutlich eher hinsichtlich Material, Farbe und Formensprache und schließt somit auch die kurze Führung "Wiesnet im Rennweg" sehr passend ab.


    Die Angabe im Nürnberger Künstlerlexikon ist falsch. Das Eckhaus ist von dem Architekten Michael Wiessner und / oder Johann Berz 1902/1903 erbaut worden. M. Wiessner ist auch der Architekt des Nachbarhauses Adamstraße 45.

  • Fassadenrenovierung Bismarckstraße 2+4

    Im Zuge der energetischen Modernisierung des Dachstuhls wurde das Haus Bismarckstraße 2/4 auch an der Fassade renoviert.


    Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Nachkriegsbau von 1958, Architekt R.Böbel, der auf den sandsteinernen Grundmauern der gründerzeitlichen und im Krieg zerstörten Vorgängerbauten dort entstanden ist.


    So spricht das Gebäude die Sprache und Ästhetik der späten 50'er Jahre (Vorzustand):



    Nach der Renovierung zeigt es sich in frischem Kleid:



    Hier hat man darauf verzichtet, eine Dämmung aufzubringen. Die Fassade wurde lediglich instand gesetzt und frisch gestrichen. Man erkennt aber an der Dachkante gut, dass die Dachhaut dick eingepackt und frisch gedeckt wurde. Die entsprechende Beratung hat wohl diese Maßnahme als sinnvollste und nachhaltigste erkannt und zur Umsetzung empfohlen. Vermutlich war man dabei unabhängig genug um der sicherlich von handwerkerseite erfolgten Empfehlung, gleich auch die Fassade einzupacken, nicht zu folgen. Man kann sich gut vorstellen was das bedeutet hätte. Wenn man es richtig machen will, müssen auch die Fensterlaibungen einbezogen werden, was die an sich schon kleinen Fenster deutlich reduziert hätte. Und bei schattigen Nordseiten zählt jedes LUX natürlichen Lichts! Von der Zerstörung der sensiblen Ästhetik des Hauses mal ganz zu schweigen.


    Die Plakette, gleichsam selbstbewusster Qualitätsbeweis der damaligen Architekturszene, ist weiterhin sichtbar:



    Mir gefällt das Ergebnis, die etwas angegammelte Fassade sieht nun wieder frisch aus, und Algenbefall ist an der riesigen Nordwand sicherlich nicht zu erwarten. Hätte man auch die dezent dunkel abgesetzten horizontalen Bänder wieder aufgenommen, wäre es perfekt!

  • eine weitere Fassadenrenovierung Äußere Sulzbacher Straße

    Nach dem es schon im November 2013 eine erfreuliche Meldung aus diesem Straßenabschnitt über eine Fassadenauffrischung gegeben hat, haben es Nachbarn in der Umgebung gleich getan: Das Jugendstil-Eckhaus aus der Zeit kurz vor dem 2. Weltkrieg wurde frisch gestrichen und die Sandsteinapplikationen aufgearbeitet:



    Vorzustand 2013:



    Wesentliche Änderungen: Die maroden Fensterläden hat es leider erwischt, an einigen Fenstern waren diese schon teilweise abgestürzt oder ganz weg. Dennoch, dieses Stilelement war immerhin prägend für die Architektur des Hauses. Hoffentlich werden stattdessen nicht irgendwann diese hässlichen Außenrollos eingebaut. Das dach ist frisch gedeckt und die Schleppgauben haben neue Verblechung in Zink erhalten. Wesentlich natürlich der erfolgte Wechsel von grün auf rot. Insgesamt erfreulich, dennoch schade um die fehlenden Fensterläden.

  • Abbrucharbeiten Adamstraße 44

    In der Adamstraße wird nun endlich wieder gearbeitet. Links: Adamstraße 44, Rechts: Adamstraße 42.



    Ein Abbruchunternehmen hat die mittlere Mauer und das Werkstattgebäude des Schlossermeisters Wittkopf weg gerissen. Die Maschinen stehen noch vor Ort, darunter auch eine Werkstattmaschine aus Eisen, die wie ich dachte mittlerweile alle im Museum Industiekultur zu abgestellt wurden.



    Vermutlich werden diese Bestandteile nicht vom Einzeldenkmalstatus umfasst, denn beide Häuser sind eingetragene Einzeldenkmale - zu Recht!