Kleinere Projekte Rennweg, Schoppershof, Gärten b. Wöhrd

  • Update zu Beitrag Nr. 12 B23:


    Die bestandsgebäude sind zwischenzeitlich komplett abgerissen worden. Bei Schachtungen im Hofbereich, wo die Luxuswohnungen in 3 Geschossen entstehen sollen, wurde gestern eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, die heute erfolgreich entschärft wurde. Die Kosten hierfür trägt ja der Bauherr, soweit ich weiss. Naja is ja zum Glück nix schief gegangen:


  • Adamstraße 41

    Gerade entdeckt, treibt es mir das blanke Entsetzen ins Gesicht!


    In der Adamstraße plant die WONEO-Gruppe ein echtes Sakrileg: Ein intaktes Sandsteinwohnhaus der Jahrhundertwende in einem komplett erhalten Jugendstil-Straßenzug mit komplett erhaltenen Häuserzeilen soll ein einzelnes Gebäude komplett verunstaltet werden, die Nummer 41. Es entsetzt mich gerade extrem. OH Mein Gott! Der Stadtteil lebt gerade von seinem Charme und der herrlichen Bausubstanz, die Straße ist eine der wenigen Flecken, in der man sich um 360 Grad drehen kann und in jeder Richtung komplett erhaltene Substanz sieht. Das gibts so fast kein zweites mal hier, und jetzt das:



    Quelle: WONEO-Gruppe, Link: http://www.woneo.de/adamstrasse-architektur.html ; Stand: 09.10.2012


    Ist-Zustand:
    https://maps.google.de/maps?q=…A&cbp=12,295.81,,0,-22.19


    Bing Maps Luftbild:
    http://www.bing.com/maps/?v=2&…N%C3%BCrnberg&form=LMLTCC


    Impresionen der Straße. Na wenn das nicht von sich aus schon vermarktungsfördernd ist. Um so bedauerlicher, dass man sich selbst von Stil und Architektur distanzieren will. Die Umgebung wirds sicherlich nicht mögen:



    Das in Rede stehende Haus. Die Fassade präsentiert sich in sehr gutem Zustand!


    Weitere Gebäude:



    Bin fassungslos....
    Ich dachte das sei zwischenzeitlich vorbei mit diesem Brutalismus, auch in Nürnberg, und vor allem das sich herum gesprochen hat, dass die raren Altbaubestände zu gefragten Objekten geworden sind. Noch prekärer wird dies in Anbetracht der folgenden Studie:
    http://www.welt.de/finanzen/im…in-die-Hoehe-treiben.html


    Deutschland ruiniert sich sukzessive seine Stadtbilder. Man wendet viel Energie auf für energetische Sanierung, und das auch noch fehlerhaft und mit fragwürdigen Effekt. Man stelle sich nur mal vor wie Wien es aussähe, wären die Häuser mit Styropor gedämmt.

  • Das ist in der Tat traurig. Wie kann es sein, daß so etwas an der Öffentlichkeit vorbei geht?!? Zudem dachte ich immer, daß es so etwas wie "Esembleschutz" gibt.


    Ein Schreckensszenarie wie vor kurzem erst in der Schweppermannstraße scheint sich zu wiederholen. Qualität wird durch Billigarchitektur ersetzt. Natürlich alles andere ressourcenschonend.

  • Ja, da hat jemand bei der Stadt oder dem Baukunstbeirat ziemlich geschlafen. In dieser Situation sollte eine Sanierung dieser Machart eigentlich nicht möglich sein. Zumal, wenn man sich die übrigen Projekte der Gruppe WONEO ansieht, sie es auch anders können. Ich wundere mich umso mehr, weil das Unternehmen sich ja auch ganz andere Ziele auf die Fahne schreibt. In den übrigen Exposès steht mehr oder weniger geschrieben "behutsam sanieren, schönes bewahren usw...". Ich kann nur hoffen dass sich das alles als schlechter Scherz entpuppt, denn da vergeht einem auch jedes Engagement und Interesse an Architektur in dieser Stadt.

  • Jetzt hätte es mich fast vom Stuhl gehauen.


    Das ist seit langem die dilletantischte Sanierung die ich gesehen habe:
    Das Tor wird einfach zugemauert, und mit einer 08/15 Tür versehen.
    Die Fassade zur Straße wird aufgerissen und mit einem großen Fenster versehen. Im Normalfall sind diese dann tagsüber mit Sonnenschutz / Vorhang geschlossen, sonst wird es ja zu heiss, oder es kann jemand hereinschauen...


    Also im Baukunstbeirat war das noch nicht, und falls hier wirklich schon eine Baugenehmigung erteilt worden ist, sollte man hier mal das Thema Stadtbild groß in der Presse aufmachen und auch mal bei der Verwaltung nachfragen.

  • :nono:


    Ich habe eine kurze und möglichst sachlich gehaltene E-Mail an das Baureferat der Stadt Nürnberg, an die Online-Redaktion der Nürnberger Nachrichten und auch an den Projekträger WONEO geschrieben, allerdings bislang noch keine Reaktion erhalten.
    Beim Baukunstbeirat werden ja immer wieder Projekte unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt, ich hoffte vielleicht auch dieses. Aber scheinbar doch nicht. Meine letzte Hoffnung ist der Ansatz, wonach im Exposee zur Adamstraße 41 nichts über die Fassadengestaltung zu lesen ist, als sei diese noch nicht final. Aber meine Skepsis ist groß, zu schnell wird soetwas in die Tat umgesetzt. Es wäre doch ein allzu leichtes, die Fassade einfach so zu belassen. Sie hat ausserdem auch noch Südostausrichtung, bekommt also Sonne! Im Innern kann man ja meinetwegen modernisieren, das ist ja in Ordnung.
    :nono:

  • Wow, hoffentlich kann das noch verhindert werden. Das wäre echt eine Schande. Keine Ahnung wie ein halbwegs normal denkender Mensch sich sowas ausdenken kann und was es bringt, ein schönes Haus so zu verunstalten. Vielleicht weil man Geld vom Staat bekommt.

  • ^ Auf jeden Fall sollte das in die richtige Richtung gehen.


    Die WONEO-Gruppe kauft nun auch noch die Hausnummern Adamstraße 42 und Adamstraße 44. Vermutlich steht diesen Häusern das gleiche bevor. Wenn das so weitergeht ist die ganze Straße in 5 Jahren verschwunden.


    Haus Nummer 44



    Haus Nummer 42
    Bei diesem überrascht es mich besonders, da es von aussen bereits Luxussaniert wirkt. Da kommt dann wohl auch Styropor und weisser Kunststoffputz drüber?


  • Der Nummer 41, wie im Exposé. Das Haus wurde erst vor kurzem leer und schon gehts los. Mir macht das irgendwie Angst.
    Immerhin lief gestern auf dem 3sat eine entsprechende Sendung "Dämmfieber - eine Nation isoliert sich" Link: http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=32192


    .... Das schöne Sandsteinhaus.... die schöne Straße....



    Edit:


    So ein Projekt wurde ja schon vor einigen Jahren am Mammutgelände, der Ludwig-Feuerbach-Straße 45 durchgezogen. Das gebäude wurde um seine gesamte Charakteristik beraubt:
    Vorzustand Google street view.


    So schaut der Gründerzeitler heute aus:



    Anderer Blickwinkel:



    Dann lieber doch Abriss und astreiner Neubau, mit großen Fenstern und anständiger Dachlandschaft.

  • In Nürnberg Schoppershof verändert sich einiges. Zwei weitere Häuser stehen fast leer.
    Neben der hier bereits vorgestellten Maßnahme in der Schoppershofstraße ist schon zwei Hausnummern weiter die Nummer 55 ebenfalls dran. Es wird entrümpelt. Denkmal- oder Ensembleschutz besteht leider nicht:



    Das Gebäude ist scheinbar seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr saniert worden. Es trägt noch immer die Zeichnungen der Luftschutzmaßnahmen aus dem Bombenkrieg mit sich. Wenn das nicht ein Statement für die Sandsteinfassaden ist, die durchaus 70 Jahre wartungsfrei überdauern!




    Ich hoffe nur, es kommt niemand auf die Idee das Gebäude ebenfalls mit Styropor WDVS zu verkleben. Hinter dem Baum - so er denn stehen bleibt - ist die Fassade ruckzuck grün veralgt und verpilzt. Wenn man den Baum beseitigt, hätte man wiederum den Blick frei auf eine dann äußerst unattraktive Fassade. Im jetzigen Zustand bietet das Haus ein herrlich urbanes Motiv. Die Devise sollte heissen: Fassade aufarbeiten, Wohnungen modernisieren, hinten Balkone dran. Das vermarktet sich dann von alleine.


    Blick auf die Rückfassade. Die gelb verputzte Seite ohne Balkone:




    Und zum Schluss in der Werderstraße 24, gegenüber der ehem. Federnfabrik, die ich hier bereits vorstellte (und bei der sich seither nichts getan hat).



    Das Haus steht ebenfalls fast leer, nur eine Wohnung ist noch bewohnt. In der Werderstraße gibt es an der Nummer 12 ein durchaus gelungenes Beispiel für eine gute Sanierung. Hoffen wir, dass das Schule macht. Heutiger Zustand der Werderstraße 12:



    Durchaus passabel, schade zwar um die verschwundenen Klinker, aber der Charakter blieb weitestgehend erhalten. Schade auch um die nicht wieder hergestellten Kassettenfenster und die Giebelkrone. Allerdings ist die Sanierung von privater Hand, ohne Denkmalschutz und für die Nürnberger Verhältnisse, in der diesbezüglich rücksichtslos wie kaum anderswo saniert wird (siehe Adamstraße 41) regelrecht vorbildlich!

  • Die Kilian Wohnbau GmbH / WONEO pokert sehr hoch. Für eine Dachgeschoss-Galeriewohnung in dem zu sanierenden Gründerzeithaus Adamstraße 41 werden aktuell sagenhafte 459.000 EUR aufgerufen. Rekordverdächtig. Dabei ist das Haus nach der Sanierung weder ein Jugendstil-Denkmalschutzobjekt mit Stil, noch ein großzügiger Neubau mit allen Finessen. Bei hoch angesetzter Miete amortisiert sich die Investition bei >30Jahre, ohne zu berücksichtigen dass gedämmte Fassaden in dieser Zeit mehrfach renoviert werden müssen. Wahrscheinlich ist es ein Testballon für die Attraktivität Nürnbergs als Investmentstandort.

  • Neuigkeiten zur Adamstraße: Der Bauträger WONEO hat seine Pläne bezüglich der Fassade wohl insoweit geändert, dass sie nun erhalten bleibt! Das sind doch mal ganz tolle Nachrichten aus Nürnberg!!! Warum auch nicht, was in der Valznerweiherstraße geht sollte doch auch Standard für hochwertiges Bauen andernorts sein.


    Weiterhin wird überlegt, ob man Fassadenveränderungen nicht grundsätzlich anzeigepflichtig macht. Das würde sanierungswillige Eigentümer zumindest hinsichtlich ihrer Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit nachhaltig sensibilisieren.


    Denn wenn man den Gedanken weiterspinnt bedeutet das, dass nach und nach - bis auf wenige Denkmale - ganze Straßen und Viertel hinter weisser Außendämmung verschwinden und somit ihren Charakter verlieren. Und die Bewohner finden es dann naturgemäß in ihrer Umgebung nicht mehr schön und bekommen fernweh - und fliegen oder autofahren in den Urlaub, wo man keine gedämmten Fassaden sieht und alles so herrlich schön ist.... Italien, Frankreich, Spanien oder Ungarn und Österreich...

  • Zum Fall Adamstraße hat die Stadt Nürnberg am 31.10. eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der sich die Stadt erfreut darüber zeigt, dass die Adamstraße in ihrer jetzigen Ausstrahlung erhalten werden kann. Sehr erfreuliche Nachricht!


    Link: http://www.nuernberg.de/presse…ilungen/presse_33398.html


    Ich denke dass diese Lösung die werthaltigere, nachhaltigere, ökologischere und auch verantwortungsbewusstere Variante ist. Die Käufer der Wohnungen werden zumindest nicht so schnell ein neues Gerüst vor ihren Fenstern ertragen müssen.

  • Spielwarenkontor Auge in der Fichtestraße

    Zwischenzeitlich ist das Haus (Beitrag Nr. 2) komplett eingerüstet, ein Kran steht davor und man beginnt die Alu-Panele von der Fassade zu nehmen. Gleichzeitig werden die Durchbrüche für die Loggien erstellt.
    Unter den Panelen zeigt sich die ursprüngliche Fassade: Industriebau-typisch eine Klinkerfassade mit Sandsteinsockel und Sandsteingesims als Dachabschluss. Wird leider alles unter weißem WDVS verschwinden.


  • Nürnbergs erstes Mehrfamilienhaus im Passivhausstandard

    entsteht in der Wieselerstraße 14 in Schoppershof direkt vis à vis der neuen Berufsschule für Hauswirtschaft in der Deumentenstraße, in der Baulücke in der Mitte des Bildes Bing Maps Link.


    Die Visualisierung des Bauherrn Dena zeigt indes nichts aufsehenerregendes:

    Quelle: Deutsche Energie-Agentur; Link: http://docs.mediastore.immowel…04E4481D7B4DDD7FA3FB5.pdf Stand 19.11.2012


    Ein Projekt das deutlich zum Ausdruck bringt, dass heutzutage Architekten keinen gestaltenden Auftrag mehr haben, sondern einen kaufmännischen. Das Haus muss bestimmte energetische Normen erfüllen, um als soundso-Haus eingestuft zu werden und diese und jene Plakette und damit kfW-Förderung zu erhalten. Der Aufwand spiegelt sich auch im Kaufpreis nieder. Gestalterische Elemente findet man keine. Immerhin wirkt das Treppenhaus sehr großzügig, das ist immerhin ein Pluspunkt.
    In dieser eher wenig attraktiven Straße werden immernoch 330 kEUR für eine 115 qm Wohnetage aufgerufen. Ob sich da je rechnet? Naja ein Experiment ist immer spannend, solange niemand zu schaden kommt. Schönes wird jedenfalls nicht geopfert. Bei Erdwärme muss ich immer an die Stadt Staufen denken (link).

  • Du sagst es, das ist ein klassischer Fall von "die inneren Werte [sollen] zählen", schade nur dass sich nach außen hin nichts in diese Richtung abbildet. Ich warte schon sehnsüchtig auf die Enthülung der Fassade der Berufsschule an der Deumentenstraße. Violett-roter Klinker, schwarze große Fenster, das wird meines Erachtens der hochwertigste Bau BJ 2012 in Nürnberg.


    Zum Projekt "Radio City" von Berger Immobilien ist ein Artikel in der NN-Online erschienen. Link: http://www.nordbayern.de/nuern…-wird-radiocity-1.2535935


    In dem Artikel wird ein weiteres Berger-Projekt in St. Peter angesprochen. Vielleicht ist damit das Projekt in der Peterstraße, hier angesprochen, gemeint? Weiss jemand mehr?

  • Ein paar kleinere Neuigkeiten vom Adventsspaziergang in der Nordoststadt. Das denkmalgeschützte Haus Fenitzer Platz 2 hat eine neue Erdgeschossverglasung bekommen. Zustand September 2012:



    Zustand seit Dezember 2012:




    Sehr schön wurde das Haus hier um hochwertige Teile ergänzt; eine aufwändige Türe aus Eiche und Holzfenster sollten eine Nutzung doch langsam mal möglich machen. Ich habe mich gefreut!


    Und dann noch die fertig aufgearbeitete Fassade des Hauses Berckhauser Straße 5 (rechts) in der Nordstadt. Vorher waren Teile der Fassade Backsteinsichtig, möglicherweise reparierte Kriegsschäden. Sehr schön, dass man sich hier die Mühe machte das Haus wieder herzustellen. Interessant ist doch die absolut gleiche Traufkantenhöhe. Der Neubau links ist schon seit etwa einem halben Jahr fertig. Ich bin mal gespannt we lange die Fassade noch so klinisch rein aussieht. Gerade die drei Abluftauslässe je Stockwerk werden bestimmt bald ziemliche Schlieren und Algen hinterlassen.



    So in etwa wie dieses noch nicht sehr alte Haus an der Südspitze des Stadtparks, das mittlerweile eine sumpfig-süffige Melange aus Lichtgrau und Moosgrün geworden ist: