Potsdam: Wiederherstellung historische Mitte (Projekte, News)

  • Ich würde das offensiv entkräften.


    Wieso nicht alles nochmal umplanen und das Areal 100 % öffentlich entwickeln? Es wird doch eine kommunale Immobiliengesellschaft in Potsdam geben. Die kann sich genauso fremd finanzieren, wie ein privater Bauträger. Mit der Kommunalbürgschaft ja sogar nochmal günstiger. Wohnen und Gewerbe werden nur vermietet bzw. verpachtet, alle Einnahmen kommen dauerhaft der kommunalen Immobiliengesellschaft zu, die Immobilien werden auch unter Gesichtspunkten des Allgemeinwohls entwickelt (Preise im Bereich der Kostendeckung, damit sich zB auch inhabergeführte Geschäfte mit geringen Umsätzen die Miete leisten können).


    Damit demontiert man nicht nur offensiv die neue Taktik, auf die soziale Tränendrüse zu drücken, sondern macht plötzlich jene, die den ollen FH Klotz als Refugium für Partikularinteressen (Vereine oder Künstler oder was sonst so vorgeschlagen wird) reserviert haben wollen, zu einem elitären Zirkel. Denn womit können sich die normalen Potsdamer wohl eher identifizieren, mit einem kleinteilig entwickelten neuen Viertel, mit normalem und bezahlbarem Wohnen und normalem Handel und Gewerbe oder mit Künstlern, die einen verfallenen Betonklotz bespielen wollen? Das ist wesentlich mehr "Privatisierung des öffentlichen Raums", wenn auch nicht per Grundbuch. Dazu waren unter Gegnern des Abriß insgesamt auch viele Leute, die ganz persönlich profitieren, wenn die FH für diese erhalten wird. Da ist dann die Sorge vor Privatisierung heiligen öffentlichen Eigentums am Ende für mich nur ein Feigenblatt, um für ganz eigene Privatinteressen zu kämpfen. Auch das sollte man durchaus desavouieren.


    Die Stadt würde bei einer Revidierung der Privatisierung auch kein Gesicht verlieren, das allgemeine politische Klima geht ja wieder etwas weg von "Privatisierung ist immer besser" und an der Grundsatzentscheidung von Abriß und Neuentwicklung ändert sich dadurch ja nichts. Die Profite, die Private damit realisieren können, kann auch ein kommunales Unternehmen realisieren - oder aus Gemeinwohlerwägungen darauf verzichten und zum Selbstkostenpreis vermieten. Und damit wäre das Areal öffentlicher als je zuvor in den letzten Jahrzehnten, wo es doch immer nur einem begrenzten Zirkel dienlich war (zuerst der abgekapselten Sphäre einer Hochschule, dann der Sphäre von Künstlern oder sonstigen Nachnutzern, die man gesucht hat).

  • Schlauberger. Das passiert doch schon für etwa 30 % des Areals, Pumpernickel.


    Aber kennst Du eine lebendige, urbane Stadt aus 100 % öff. Eigentum? Das hat noch keine öff. Hand geschafft. Wenn der Staat selbst versucht Urbanität zu erzeugen ging das - zumindest in den letzten paar 100 Jahren - schief.

  • Das ist ja nicht "die Stadt", sondern nur eine Neuentwicklung eines räumlich begrenzten, öffentlichen Grundstücks, wo bisher Großbauten standen, durch kleinteilige Neubebauung. Und wenn man die Grundstücke per Erbpacht vergibt.


    Aber in Berlin/Brandenburg, wo es nur all zu leicht ist antikapitalistische Ressentiments zu schüren, darum geht es ja wenn man verklausuliert von "Privatisierung" spricht, sollte man es den Gegnern nicht so einfach machen, wenn es evtl. auch ohne Auflassung der Immobilienparzellen geht und die öffentliche Hand im Eigentum bleiben könnte. Und sei es nur, indem man den prozentualen öffentlichen Anteil erhöht und nur 30 % voll veräußert, statt nur 30 % im öffentlichen Eigentum zu halten. Für die Öffentlichkeit, die nur mit wenigen Schlagwörtern wirklich erreichbar ist und selten Zeit und Lust hat fein ziselierte, dialektische Diskussion nachzuvollziehen, sähe das dann schon ganz anders aus.


    Es könnte dem Vorhaben nichts schlimmeres passieren, als zum Stellvertreter-Zankapfel für sozial-gesellschaftlichen Frust zu werden.

  • Es handelt sich keineswegs um "ein Grundstück" sondern das Sanierungsgebiet, um dass es hier geht, umfasst mehrere Grundstücke. Zusammen mit dem angrenzenden Umgestaltungsgebiet bis zur Garnisonkirche, das ebenfalls angegriffen wird, umfasst der Umbauberech rund sechs Hektar - etwa die fünffache Größe des Domrömer-Areals in Frankfurt oder des Neumarktes in Dresden.


    Gerade hier ist es wichtig, dass durch Kleinteiligkeit und Vielfalt in Architektur UND Nutzung Urbanität hergestellt wird - das kann keine stadteigenen Gesellschaft am grünen Tisch emulieren. Die ideologischen Kämpfe gegen das Privateigentum grassieren im übrigen auch deshalb zu ungehemmt im Großraum Berlin, weil diesem Unsinn nicht widersprochen wird. Für die meisten - Pumpernickel ist ein gutes Beispiel - kann man solche Forderungen einfach erfüllen weil es ohnehin nicht wirklich wichtig ist. Wenn das Schule macht können wir uns jedenfalls weiter Barberinis an den Hut stecken - oder meint jemand, dass die öff. Hand so etwas hinbekäme?

  • Ich bin ehrlich, vor dem aktuellen Hintergrund ist architektonisch wenig zu erwarten. Bei dem Anteil an Sozialwohnungen, den man hier plant, was soll da an architektonischer Qualität herauskommen? Schaut man neben das Barberini, weiß man was kommt und selbst das wird vor dem Hintegrund der aktuellen Situation schwer zu realisieren.


    Ich sehe die Wiedergewinnung der historischen Mitte daher als zweistufigen Prozess. In der ersten Stufe gilt es jetzt den historischen Stadtgrundriss und die wenigen Rekonstruktionen auf die Bahn zu bringen. Diese in guter Qualität hinzustellen wird Aufgabe genug. Insbesondere bei der Reko der Kommandantur hoffe ich, dass man da nicht am Ende eine Alte Post 2.0 bekommt, weil sich für das Areal kein Käufer findet, der die doch sehr aufwändige Fassade unter den sich abzeichnenden Bedingungen realisieren will.


    Für die Füllbauten dazwischen, noch dazu gebaut von Genossenschaften, was will man da architektonisch bei sehr knappem Budget erwarten? Vermutlich geht man da dann leider eher in die Dresdner Schiene als dass man sich bei den modernen Neuentwürfen an Frankfurt orientiert. Und das wäre sehr schade.


    Daher hoffe ich dann in einem zweiten Schritt in vielleicht 30 Jahren darauf, dass man dann auch die Lücken in einer wertigen Architektursprache füllen wird, wenn der Bestand dann ohnehin saniert oder abgerissen werden muss. Wichtig ist aktuell, dass man endlich die jetzigen Bestandsbauten los wird und die Grundstruktur für ein gesundes Quartier legt. Ich fürchte, mehr kann man aktuell nicht erwarten!

  • Barberini-Verriss

    In der Deutschen Bauzeitung durfte der Architekturkritiker Jürgen Tietz unter dem Motto "Rekonstruierter Spatz in der Hand – das Museum Barberini in Potsdam" über das neue Museum in Potsdam herziehen. In einem kleinen Seitenhieb bekommt die Garnisonskirche auch gleich eins mit weg.


    Ich empfinde den Kommentar etwas "verzwungen". So nach dem Motto, wenn alle loben, muss doch auch mal einer tadeln.


    Aber lest bitte selbst, weil so ein persönlicher Text natürlich schlecht indirekt widergegeben erden kann.

  • "Baugeschichtspegida" - wieder ein neues Wort gelernt. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Polemik ist müßig. Ihm gefällts halt nicht. Die als beispielhaft gepriesenen Projekte (Europaallee Zürich oder Ulmer Innenstadt) zeigen allerdings wiedermal, wie weit entfernt das Geschmacksempfinden der Allgemeinheit von dem seiner Zunft ist. Das Gebaue rund um die Ulmer Nachkriegsschneise Neue Straße lockt nun wirklich niemand hinterm Ofen vor.

  • Barberini-Verriss

    Offensichtlich ist die von der verschwindend geringen Zahl rekonstruierter Bauten ausgehende „Bedrohung“ so immens, dass Herr Tietz sich genötigt fühlt die ganz große Moralkeule auszupacken: preußischer Militarismus und Nazitum sind zweifelsfrei die Trittbrettfahrer dieses Phänomens. Der großzügige Einsatz von pejorativen Adjektiven für alles was mit dem Museum Barberini im engeren Sinn und Rekonstruktion im Allgemeinen in Verbindung steht, deutet auf die von Ihm empfundene Wut hin.


    Bedenklich wird es dann wenn das favorisierte Gegenmodell des (bau-)kulturellen Selbstverständnisses aufgerufen wird: die Tate Modern von Herzog de Meuron, ein Neubauvorhaben in Zürich (wo sonst), irgendwelche Bauten in Ulm, die synthetische Welt des Dortmunder Phönix-Sees. Alles Beispiele für Bauten und Architekturen die es in Berlin und Potsdam ebenfalls zu Hauf gibt, oder demnächst (HdM) geben wird.


    Herr Tietz bleibt in seinem aufgewühltem Artikel die Erklärung schuldig, wie es sein kann, dass einige wenige rekonstruierte Bauten („Kopien von Kopien“) es schaffen die überwältigende Bauproduktion, die nach den anscheinend moralisch überlegenen Dogmen der Moderne und des Denkmalschutzes errichtet wird, so erfolgreich auszuhebeln.

    Eine grundlegende Hinterfragung seines Wertemodells wäre dafür von Nöten.

  • Mehr Schaum vorm Mund geht nicht. Hier kotzt sich Herr Tietz richtig aus. Offensichtlich hat Bauen doch viel mit Politik zu tun. Habe ich ja schon immer gesagt. Die Rekonstruktionsbefürworter sind eigentlich PEGIDA - Anhänger! Primitiver geht die Argumentation nicht. Und weil Monet noch nie in Potsdam war, darf er dort nicht ausgestellt werden. Mein Gott, wie billig.
    Er spricht Dortmund und den Phönix-See an. Da ist viel gebaut worden, stand ja vorher ein Stahlwerk, also war dort viel Platz. Aber, bei aller Heimatliebe, mehr als Schuhkartons sind es nicht geworden, sicherlich eine gelungene Umwandlung eines Industriegebietes, aber ohne wirklichen Solitär. Wir fragen uns schon immer, was denn das architektonische Highlight dort ist. Hier einen Vergleich mit dem Barberini vorzunehmen, ist lachhaft. Der Mann hat keinen Geist und keinen Stil.

  • Neubauvorhaben östlich des Museums Barberini

    Einen Monat nach den letzten Aufnahmen von Backstein (#661) möchte ich neue Eindrücke von der Baustelle in Potsdams Mitte östlich des Museums Barberini beisteuern.
    Die Erd- und Fundamentarbeiten sind in vollem Gange.





  • Interessenbekundungsverfahren beginnt

    Heute beginnt laut einer Pressemitteilung der ProPotsdam das Interessenbekundungsverfahren für die Neubebauung von Block III in der historischen Mitte:



    Konzepte entscheidend für die Grundstücksvergabe in der Mitte
    Interessenbekundungsverfahren für Bebauung im Block III in der Potsdamer Mitte startet


    Das Interessenbekundungsverfahren für die Neubebauung des Areals Am Alten Markt/Schloßstraße in der Potsdamer Mitte wird am Samstag gestartet. Bis zum 18. Mai können potenzielle Bauherren ihr Interesse zum Erwerb von Baugrundstücken des sogenannten Blockes III bekunden. Insgesamt werden neun Baugrundstücke mit einer Grundstücksfläche von gut 6300 Quadratmetern zu einem Festpreis angeboten. Das entsprechende Ausschreibungsverfahren haben Andreas Goetzmann, Fachbereichsleiter Stadtplanung und Stadterneuerung, und Bert Nicke, Geschäftsführer Sanierungsträger Potsdam, am Donnerstag vorgestellt. [...]


    Vollständige Pressemitteilung der ProPotsdam: https://www.propotsdam.de/unte…e7ac1b41f6b97572ad1d8836a

  • Richtfest für Ventehalle gefeiert

    Nach dem vor kurzem eröffneten Museum Barberini gewinnt Potsdam eine weitere Sehenswürdigkeit zurück: Am Freitag wurde an der Schwanenallee das Richtfest für die rekonstruierte Ventehalle der ehem. Kaiserlichen Matrosenstation Kongsnæs gefeiert. Stadtkonservator Andreas Kalesse bezeichnete ihren Wiederaufbau als "einen Meilenstein in der Rückgewinnung der ursprünglichen Bedeutung der Wasserlandschaft im Welterbegebiet Berlin-Potsdam".


    http://www.maz-online.de/Lokal…neue-Touristen-Attraktion

  • Ich hatte ja mal an anderer Stelle gefragt was mit dem Brachgrundstück Am Kanal 14-15 Ecke Franz. Straße passiert. Heute berichtet die PNN, dass die Berggruen Holding Gespräche mit der Stadt über eine mögliche Bebauung führe. Konkret sei aber noch nichts, denn man befinde sich noch in der Planungsphase. Anfang 2016 könne man mehr dazu sagen.


    Zu diesem Sachverhalt gibt es Neuigkeiten. Die Münchner Grund hat laut PM die denkmalgeschützte Potsdamer Hauptpost und eine nebenliegende Freifläche für einen Neubau von der Berggruen Holding gekauft:

    Hauptmieter der gewerblichen Immobilie in bester Potsdamer Innenstadtlage sind derzeit die Deutsche Post und die Deutsche Postbank. Zu dem Gebäude gehören zudem rund 100 Stellplätze auf einer Parkpalette. Einige Mietverträge wurden jüngst langfristig prolongiert.


    Auf dem angrenzenden Neubaufeld soll ein Gebäude mit fünf Voll-, sowie einem Staffel- und einem Untergeschoss mit einer Brutto-Geschossfläche von knapp 14.600 Quadratmeter entstehen. Der Neubau könnte gemischt genutzt werden - als Hotel, für Wohnungen, Mikroappartements oder Einzelhandel. Für das Untergeschoss sind Tiefgaragenstellplätze vorgesehen. Die Planungen und Abstimmungen mit Ämtern und Behörden zum späteren Nutzungskonzept laufen derzeit.

  • König und Kutsche

    ... unter diesem Titel steht in der aktuellen Ausgabe (diese Woche wegen Kohl schon am Donnerstag) des SPIEGELS ein zweiseitiger Artikel (leider kostenpflichtig) zur Gestaltung der Potsdamer Mitte. Die Tendenz hat mich doch etwas überrascht, weil der "Kulissenbarock" kritisiert und die DDR-Moderne wie das verfallene Restaurant Minsk oder der nach der Wende wieder abgerissene Rohbau des Theaters am Alten Markt positiv hervorgehoben werden. Als Befürworterin der DDR-Moderne kommt die Berliner Architektin und Beisitzerin im Potsdamer Beirat für Kunst im öffentlichen Raum, Isolde Nagel, zu Wort: "Eine Stadt ist kein Museum", als Gegner wird Günther Jauch abschätzig zitiert mit "sozialistischer Notdurft-Architektur"...

  • Na wenn "eine Stadt (...) kein Museum" ist, dann kann man ja den Denkmalschutz usw. auch abschaffen und offen für neues sein, anstelle der Ruine "Minsk" oder der runtergekommenen FHS. Gerade eine Stadt wie Potsdam profitiert doch von der freiluftmusealen Wirkung, von der vermutlich auch weniger "echt" ist, als man glaubt. Außerdem gibts ja bei den 4 zum Bau vorgesehenen Blocks nur eine Handvoll Kulissenbarock ggü. allerlei neuem. Sollen sich nicht so haben.


    Ick sach euch, wenn es um eine Reko der DDR-Moderne ginge, diese Leute wären die ersten Unterstützer.

  • Nachdem der SPIEGEL vor einer Woche die DDR-Moderne in Potsdam hochleben ließ, kommt heute die grüne Kunsthistorikerin und Lokalpolitikerin Saskia Hüneke zu in SPON unter der Überschrift "Das wird keine Preußen-Kulisse" zu Wort. Sie verteidigt die Rückkehr zum historischen Grundriss und plädiert für ein lebendiges, sozialverträgliches Zentrum.

  • Block III - Entwürfe für das Grundstück der FH

    Die Architekturentwürfe für den sogenannten Block III, der nach Abriss der Fachhochschule errichtet werden soll, können hier besichtigt werden: Link


    Es gibt meist mehrere Entwürfe pro Los.