Talkin' 'bout Europaviertel (Basisdebatte)

  • Talkin' 'bout Europaviertel (Basisdebatte)

    Beim Baufeld Süd 1 nicht neues, entweder man hat Probleme mit der Planung oder mit dem Bauunternehmen


    Züblin hingegen kommt gut voran


    Die Europaallee wird langsam... auch wenn die Wohngebäude auf der rechten Seite wirklich nicht besonders schön sind


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    Beim vorletzten Bild brauch ich nicht viel Fantasie, um mir dort eine Militärparade inkl. sowjetischer oder DRR-Hymne vorstellen zu können. Das ist ja trostlos. Nur die Hochhäuser im Hintergrund passen nicht so recht ins Bild.
    Plattenbau 2.0 :nono:

  • ^ Und dann stell' Dir dazu noch vor, wie eine riesige Rampe über die gesamte Länge zwischen dem BNP-Paribas-Gebäude und der Emser Brücke eine türkisgrüne Rumpelbahn in ein schwarzes Loch unter die Erde führt. Entweder liegt der Schlitz in der Mitte der Europaallee - tschüss Grünstreifen - oder er führt aus der Perspektive des Fotografen auf der linken Seite direkt an den Bürohäusern vorbei. Mit Straßenbahngleisen über die Kreuzung und Hochbahnsteigen statt Bäumen neben den Fahrspuren. Zum Heulen, was für eine riesige Chance im Europaviertel gründlich in den Sand gesetzt wird!

  • Zum einen wird eine Chance aus stadtplanerischer Sicht vertan, zum anderen können einem die Käufer von Wohnungen im Viertel leid tun. Alle Entwicklungen deuten meiner Ansicht nach auf einen nicht all zu lange dauernden Verfall der Preise hin, wenn erstmal die Farbe der Häuser etwas an Glanz verliert und die Ausstattung der Wohnungen nicht mehr state-of-the-art darstellt.


    @Mod: ich hoffe das passt hier noch rein. ansonsten gerne ins Stadtgespräch(?) verschieben..

  • Zum Europaviertel Ost im Allgemeinen: Ich verstehe so langsam die Kritik an der Architektur hier im Forum nicht mehr. Natürlich ist das alles nicht sonderlich spektakulär aber doch durchaus wertig. Meiner Meinung nach ist im Endeffekt viel entscheidender für das Erscheinungsbil der Europaallee, wie schnell der Baumbestand eben jene 'Allee' auch tatsächlich erkennbar macht und, noch viel mehr, in wieweit durch Geschäfte, Gastronomie usw. für eine lebendige Atmosphäre gesorgt werden kann. Davon hängt letztlich das gesamte Wohl und Wehe ab. Wenn diese (großstädtische) Atmosphäre nicht zustande kommte, dann kann die Architektur so spektakulär sein wie sie will, es wird verlassen und furchtbar aussehen. Wenn es aber zu einer wirklichen Belebung der Straße kommt (und da bin ich mir noch nicht so sicher), dann ist die konkrete Bebauung eher nebensächlich. Ich habe die Hoffnung jedenfalls noch nicht aufgegeben.

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    Naja, es geht hier aber nunmal vornehmlich um Architektur. Wie sich das Leben drumherum später entwickeln wird ist erstmal Spekulation. Eine ansprechende Architektur wäre dabei aber sicher nicht von Nachteil.
    Kritik an den städtebaulichen Maßnahmen ist demnach gerade in diesem Forum wohl mehr als gerechtfertigt.

  • Gerade die Architektur verdient meines Erachtens nicht die Kritik die ihr hier zukommt. Ohnehin stützt sich diese meist auf Photos, die von der Emser Brücke aufgenommen wurden. Es wird - durchaus nachvollziehbar - die Monotonie aus dieser Perspektive kritisiert (womit es auch eher Kritik am Städtebau ist). Schaut man sich die Wohngebäude aber aus der Nähe an, ist die Architektur in meinen Augen durchaus gelungen und die Ausführung wertig, verglichen etwa mit den Gebäuden auf dem nicht weit entfernten Rebstock-Areal. Auch lassen die vielen vorgesehenen Gewerbeflächen in den Erdgeschossen und die großzügigen Flächen vor den Häusern schon eine spätere Belebung erwarten. Allerdings ist es in diesem Zusammenhang sicher nicht hilfreich, wenn der Raum zwischen den Fahrspuren später nur aus Gleisen, Oberleitungsmasten und vor allem aus Rampen besteht.

  • Die hellen Fassaden sind zumindest wertiger als was im Rebstockviertel oder größtenteils in City-West und Riedberg entstanden ist, allerdings sind die Baukörper zu würfelformig und zu ähnlich in Farbgebung, Dachgestaltung und Struktur. Bei einem geschlossenen Blockrand mit weniger breiten Einheiten wäre schon deutlich mehr optische Abwechslung möglich gewesen. Das Campo in Bornheim samt kleinteiliger Klinkerfassade und interessanten Geschäften im Sockel ist ein positives Beispiel wie man es viel besser machen kann.


    Es ist möglich, dass der inhabergeführte Einzelhandel und Gastronomie entlang der Allee vor der mächtigen Konkurrenz des Skyline Plazas zurückschreckt. Die sicher nicht geringen Preisvorstellungen der Vermieter mögen aufgrund der Nähe zur Messe gerechtfertigt sein, aber stellen ebenso eine gewisse Hürde dar.


    Trotzdem wäre es möglich gewesen auch hier entgegen zu wirken. Hätte man eine Lücke für einen Marktplatz gelassen, gäbe es die Möglichkeit einen kleinen Wochenmarkt und Nachbarschaftstreffpunkt zu etablieren. Auch eine Trinkhalle/Kiosk mit etwas Lokalkolorit wäre an einer solchen Stelle möglich gewesen. Stattdessen wird am ganz anderen Ende ein Rewe gebaut, der ohne Auto nur schwer erreichbar sein wird. Das Quartiersmanagement demonstriert hier geballte Einfallslosigkeit und hat sich dem "amerikanischen Modell" der autozentrischen Versorgung verschrieben.


    Das Campo in Bornheim habe ich schon erwähnt, aber auch ein eine städtische Version des nachhaltigen Freiburger Modellstadtteils Vauban hätte deutlich mehr Kreativität bewiesen. Ökologie ist und bleibt das bestimmende Thema der modernen Stadtentwicklung, daher hätte man es auch offensiver angehen sollen. Weitere ökologisch angehauchte Neubau-Wohngebiete sind auch in England vermehrt zu sehen, so z.B. London-Beddington oder dasneue Olympischen Dorf in London, die mehr Lebensfreude und Urbanität ausstrahlen als das wenig inspirierende Europaviertel-Einerlei.

    14 Mal editiert, zuletzt von Golden Age () aus folgendem Grund: Faktische Ergänzung

  • Ich glaube, zwei Staffelgeschosse auf die Neubauten hätten schon viel verbessert. Oder ein richtiges Dach.


    Ansonsten wird die "U"-Bahn wohl das größte Problem werden. Da geht sicher der Mittelstreifen flöten. Ich kann zwar verstehen, dass man jetzt aufgrund der Baukosten davon Abstand nimmt. Was ich nicht verzeihe ist, dass man nicht gleich zu Beginn der Entwicklung mit dem U-Bahn-Bau begonnen hat, zumal dann in offener Bauweise und ohne oder nur wenige störende Leitungen gebuddelt hätte werden können.

  • Das verzeihe ich auch nicht. So dumm muss man erstmal sein, so eine Chance verstreichen zu lassen.


    Ich würde heute eine andere Schlussfolgerung aus diesem Desaster ziehen. Ich würde aufgrund der aktuellen Haushaltslage eben erstmal überhaupt nichts bauen. Die nächsten 10 Jahre nur eine Buslinie, die so gut wie nichts kostet, mit der Aussicht auf eine bessere Zukunft, sprich, eine richtige U-Bahn, sobald irgendwann aufgrund einer großen, längst überfälligen Gemeindefinanzreform wieder Geld da ist, wäre mir allemal lieber als jetzt die schlechteste aller Lösungen, die man nie wieder loswird.


    Oder glaubt jemand ernsthaft, dass die Rampe, wenn sie erst einmal steht, jemals wieder zurückgebaut wird? Ich verweise da nur auf das grotesk abschreckende Beispiel in den "heiligen" Wallanlagen, bei denen jetzt um jeden Baum geheult wird, anstatt dass sich jemand mal über die riesige Rampe aufregen würde.

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    Warum solange warten? Warum legt man nicht die Kosten auf die Grundstückeigentümer im Europaviertel um? Das wäre doch das Einfachste gewesen, Aurelis und Vivico hätten das von Anfang in ihre Kalkulationen eingepreist. In mancher Hinsicht kann ich das Gejammer um verpasste Chancen nur bedingt nachvollziehen.

  • Europaviertel

    Liebe kritische Vorredner (tscheibörd, Megaxel, Miguel, tunnelklick):


    tscheibörd : Danke für dein Mitleid mit den Käufern im Europaviertel, jedoch erscheint mir dieses doch etwas affig und auch unangebracht gönnerhaft. Ich bin selbst einer dieser neuen Eigentümer – jedenfalls im Europaviertel-West – und auch gut mit vielen anderen Eigentümern in Viertel vernetzt.


    Erstmal grundsätzlich: Du kannst uns ruhig zutrauen, dass wir uns bewusst für das Europaviertel entschieden haben. Wer auf Altbauten und etablierte Quartiere steht, für den ist das Europaviertel bestimmt nichts und dem wird man es hier sowieso nicht Recht machen können und das sollte auch nicht Ziel sein. Praktische Grundrisse, gute Ausstattung, Nähe zur Innenstadt/Bankenviertel/Skyline-Plaza und Europagarten/Rebstockpark sind jedoch in meinen Augen viel Wert. Im Übrigen empfinde ich die großteils mit Naturstein-Fassade verkleideten Gebäude entlang der Europaallee als urban und sehr ansehnlich. Auch wenn ab ca. 200m nach dem Güterplatz die Stadtbahn bis zum östlichen Beginn des Europagartens oberirdisch verlaufen sollte (so wird es die Stadtverordnetenversammlung am 1.3. wohl beantragen), finde ich das zwar nicht optimal für den Boulevard, aber immer noch erträglich und ich bin auch der Meinung, dass dies der Aufenthaltsqualität am Boulevard nur geringfügig schadet. An den breiten Flanierwegen ändert dies ja nichts und Belebung wird sich durch die vielen Menschen in den geplanten Bürogebäuden (Baufeld 44, 42c, 42b, 26, 27, 1N, 2N, 3N und den möglichen Bürohochhäusern an der Emser Brücke) der DB sowie der Messe bestimmt einstellen. Natürlich ist das noch nicht gesetzt, aber die Voraussetzungen sind geschaffen und rechtfertigen doch etwas Zurückhaltung bei vorschneller Schwarzmalerei.


    Des weiteren: Zwar kann ich auch nicht in die Zukunft sehen, aber die von dir prophezeite negative Entwicklung des Gebiets erscheint mir doch etwas vorschnell und auch platt. Die aktuelle Bevölkerungsstruktur im Europaviertel-Ost und -West kann man getrost als bürgerlich bezeichnen und ich kann hier keine Verschlechterung erkennen: Im Gegenteil, mit jedem fertigen Gebäude und jeder verschwundenen Baustelle (auch wenn das noch einige Zeit dauern wird), wird das Gebiet an Attraktivität gewinnen. Meine Prognose wird übrigens vom ungebrochenen Run auf Wohnungen im EV-Ost (viele Mietwohnungen) und besonders EV-West (viele Eigentumswohnungen) bestätigt – verglichen mit den Preisen der Wohnungen der ersten Stunde werden jetzt bereits 20% höhere Preise verlangt und gezahlt. Eine potente Eigentümer-/Mieterstruktur ist auch eine gute Voraussetzung, dass die (bei jedem Gebäude) notwendigen Instandhaltungsarbeiten auch durchgeführt werden und sei es um attraktive Mieter zu halten.


    @Megaxel/Miguel: Offene Bauweise der U-Bahn ab dem Güterplatz war geplant und die Vorkehrungen wurden hierfür auch getroffen. Daher ist auch die nördliche Spur der Europaallee bisher nicht errichtet worden. Bis ca. 200m nach dem Güterplatz ist es ausschließlich möglich bergmännisch zu bauen, da die Abzweigung von der bestehenden Trasse der U4/5 ca. 50m (wenn ich mich richtig erinnere) unter der Erde liegt und erst nach oben geführt werden muss (detailiert nachzulesen im Thread „Ausbau des Frankfurter Nahverkehrs“). In Hinblick darauf, dass es wohl nun politischer Wille (wenn auch haushaltspolitisch durch den Bund erzwungen) ist, die Trasse nach dem Güterplatz an die Oberfläche zu führen, wird die Planung ohnehin geändert werden müssen. Ich hoffe, dass die Pläne bald nach dem 1.3. zugänglich gemacht werden.


    tunnelklick : Kosten für den unterirdischen Stadtbahnbau auf die Eigentümer im Europaviertel umlegen? Was für eine Idee. Völlig Hanebüchen! Eine Stadtbahn ist eine Infrastrukturmaßnahme und ein öffentliches Gut deren Errichtung im Interesse der Allgemeinheit steht. Bei Umsetzung (ob unter- oder teilweise oberirdisch) müssen die Kosten natürlich durch die öffentliche Hand getragen werden.

  • Bei Umsetzung (ob unter- oder teilweise oberirdisch) müssen die Kosten natürlich durch die öffentliche Hand getragen werden.


    Keineswegs! Richtig ist, dass es keine Rechtsgrundlage für eine zwangsweise Umlegung gibt, aber Stadt und Investoren hätten - wären sie weitsichtig genug gewesen - dies in städtebaulichen Verträgen freiwillig regeln können. Umgelegt auf den m² Geschossfläche/Nutzfläche hätte sich das auf den Preis der Wohnung nicht anders ausgewirkt als eine etwas edlere Ausstattung - ist ja so was wie eine edlere Ausstattung des Umfeldes. Es ginge ja auch nicht um die gesamten Investitionskosten, sondern um den Aufpreis für den Volltunnel.
    Das Instrument der städtebaulichen Verträge führt ja beispielsweise auf dem Riedberg dazu, dass gegenüber dem einzelnen Haus- oder Wohnungseigentümer keine Erschließungs- und Anliegerbeiträge mehr einzeln abgerechnet werden - alles schon eingepreist.


    Nachtrag: Wollte zu teleny noch anmerken, dass ein Stadtbahntunnel als Infrastrukturgut etwa so öffentlich ist wie Kanalisation, Straßen, Gehwege, Straßenbeleuchtung, Spielplätze und Lärmschutzwände, deren Kosten kraft Gesetzes zu 90% von den Anliegern getragen werden.

    2 Mal editiert, zuletzt von tunnelklick () aus folgendem Grund: Rechtschreibung und Satzbau + nochmal Rechtschr.

  • Das verzeihe ich auch nicht. So dumm muss man erstmal sein, so eine Chance verstreichen zu lassen.


    Gegen wen richtet sich die Kritik eigentlich?


    Welcher Zuschussgeber zahlt denn auf Verdacht einen U-Bahn-Tunnel, wenn noch gar nicht klar ist, wann das Gebiet überhaupt in welchem Umfang und in welchem Zeitrahmen bebaut werden würde? Vor 10 Jahren waren noch nicht einmal die rechtlichen Voraussetzungen für irgendwas vorhanden, z.B. die Freistellung von den Bahnbetriebszwecken, geschweige denn für eine Förderung nach dem GVFG. Wie hätte denn die Stadt einen Förderantrag begründen sollen? Der Nachweis des verkehrlichen Nutzens wäre kaum zu führen gewesen. Ohne Zuschüsse hätte die Stadt vor 10 Jahren (=2002), sozusagen auf die laue Zusage der Investoren hin, das Gebiet entwickeln zu wollen, knapp 180 Mio € vorfinanzieren müssen. Abgesehen davon, ob das haushalts- und kommunalrechtlich zulässig gewesen wäre, wer hätte das politisch durchsetzen können?
    Die Stadt hätte das elegant über den Grundstückpreis aufwandsneutral nur bewerkstelligen können, wenn sie selbst Eigentümerin aller Grundstücke gewesen wäre; war sie aber nicht.


    Deshalb die Frage: w e r war denn dumm?


    ... sobald irgendwann aufgrund einer großen, längst überfälligen Gemeindefinanzreform wieder Geld da ist....


    Na, toll: irgendwann! Woraus speist sich sich deine Hoffnung, es könnte eine Gemeindefinanzreform geben? Und dass dann wieder Geld da ist? Und dass es dann ausgerechnet für den Tunnel im Europaviertel ausgegeben wird? Wann soll das sein? Diskutiert wird über eine Gemeindefinanzreform ungefähr seit dem Ende des 1. Weltkrieges und seit 90 Jahren sind keine wesentlichen neuen Argumente hinzugekommen.

  • Gegen wen richtet sich die Kritik eigentlich?


    Gegen die Stadt. Man hätte vorfinanzieren können. Rechtlich sehe ich da überhaupt keine Probleme. Es kommt häufiger vor, dass die Kommune ein Gebiet erst infrastrukturell erschließt, bevor es bebaut wird (etwa bei neuen Gewerbegebiete, wobei manche Kommune hier auch viel Geld in den Sand gesetzt hat). Mit der Vorfinanzierung wäre selbstverständlich eine höhere finanzielle Belastung der Stadt verbunden gewesen, was mE aber verkraftbar gewesen wäre. Dass dieses Viertel nicht leer stehen würde, war sicher vorhersehbar. Dafür ist die Lage einfach zu gut. Man hätte zudem versuchen können, die Investoren zu beteiligen. Auf der anderen Seite hätte man eine stärkere Nutzung zugestehen können. Ich hätte mir am Boulevard sehr gut auch 10 bis 12 Stockwerke vorstellen können. Negative Auswirkungen dadurch sehe ich nicht. Im Gegenteil: Es hätte das städtische Wohn- und Lebensgefühl vielleicht noch verstärkt.

  • Natürlich diejenigen, die für die Planung des Europaviertels verantwortlich sind, also die städtischen Ämter für Stadtplanung und Verkehr kritisiere ich hier, ebenso die gewählten Volksvertreter, die die Stadt führen. Wenn ich vor der Erschließung eines neuen, zentral gelegenen Viertels schon mal die Infrastruktur baue, ist das zum einen nichts Ungewöhnliches (siehe Megaxels Beitrag), zum anderen erhöhe ich dadurch massiv die Attraktivität, sodass die anschließende Bebauung zum Erfolg verdammt ist. Man spart so nicht nur Geld durch die offene Bauweise, sondern kann den neuen Bewohnern und Nutzern auch ein "fertiges" Viertel präsentieren, das eben nicht jahrelang aus Baustellen besteht. Kluge, vorausschauende Planung sollte doch von den Behörden erwartet werden können. Dass dabei rechtliche Fragen gelöst werden müssen, bezweifle ich nicht. Aber Du willst mir doch nicht erzählen, tunnelklick, dass es aufgrund von rechtlichen Problemen nicht möglich war, die U-Bahn schon früher zu bauen?


    Und was die Gemeindefinanzreform angeht: das geht wohl etwas über das Themenspektrum dieses Forums hinaus. Das ändert aber nichts daran, dass eine solche Reform überfällig ist. Ich vertraue darauf, dass dieses Land in der Lage ist, sich weiterzuentwickeln und die Finanzprobleme der Kommunen zu lösen. Und selbst wenn es nicht zu einer großen Reform kommen sollte, dann würde ich eben warten, bis wieder genug Geld in der Stadtkasse ist, bis die für die nächsten hundert Jahre bessere Lösung finanzierbar wird. Ich verlange von der Stadtplanung Weitsicht, die über Legislaturperioden hinausgeht, das ist hoffentlich nicht zuviel verlangt.

  • ^Natürlich hätte man alles mögliche machen können, aber mal ehrlich: eine Stadt wie Frankfurt kann nicht mal eben 180 Mio € vorfinanzieren, zusätzlich zu allem anderen. Ein mit 3% verzinslicher Kommunalkredit wäre mit 5,4 Mio €/a zu verzinsen, das wären in den letzten 10 Jahren nur an Zinsen 54 Mio € gewesen, für einen Tunnel, der jahrelang ohne jeglichen verkehrlichen Nutzen gewesen wäre. Das kann nicht euer Ernst sein. Wofür denn bitte schön? Und das hätten die Bauherren mitgemacht? Wenn ich mal an das Geschrei der Investoren wegen der abgeschafften Stellplatzablöse erinnern darf, die im Vergleich dazu Pfennigkram war (stadtweit ca. 10 Mio €/a), ist so was wie Vorfinanzierung solcher Beträge vollkommen abwegig.

  • Das ganze zeigt die grundsätzliche Problematik der Unterfinanzierung der Kommunen auf. Den Städten bleibt ein zu geringer Anteil am Steueraufkommen, um die kommunalen Aufgaben zu erfüllen und um eigene Gestaltungsideen durchzusetzen.


    Mir wäre es lieber, Land und Bund würden die Förderung von derartigen Projekten reduzieren und den Kommunen stattdessen mehr vom Steueraufkommen lassen. Das ist aber wahrscheinlich reines Wunschdenken, da Geld nunmal Gestaltungsmacht bedeutet und die sicher weder die Landes- noch die Bundesparlamentarier reduzieren möchten. Aber das gehört jetzt auch nicht mehr in diesen Thread.

  • Wenn ich mich nicht irre, so ist als Gegenbeispiel der Riedberg direkt von einer städtischen Entwicklungsgesellschaft entwickelt worden, also ist hier vieles in Sachen Quartiersentwicklung und Verkehrsplanung Hand in Hand gelaufen. Trotzdem ist die U-Bahn zum Riedberg erst Ende 2010 fertiggestellt worden. Hier mussten die Bewohner viele Jahre ohne U-Bahn auskommen und das war auch gut so, so muß sich eine Strecke auch rentieren.


    Meine Zustimmung zu tunnelklicks Beiträgen. Eine U-Bahn in Vorleistung zu bauen wäre für die Stadt einfach ein viel zu hohes Risiko gewesen, so war doch gar nicht klar wann und in welchem Umfang hier gebaut wird. Ich erinnere mich doch noch an das Gewürge mit dem Güterbahnhofgelände, zuerst wollte die die Deutsche Bank hier bauen und den "ganz großen Wurf" landen, dann später die Deutsche Bahn an sich, die jedoch ihre Immobilientöchter veräußerte, naja und letzendlich sind es jetzt Vivico und Aurelis. Das ist schon ein Unterschied zu der Planung aus der Hand einer städtischen Stadtentwicklungsgesellschaft.


    Man hat heute auch die Möglichkeit die Anlieger am U-Bahnbau zu beteiligen und macht es nicht, das hätte man bestimmt auch nicht vor 5 Jahren oder dergleichen gemacht. Es ist einfach ein politisches NoGo die Investoren zusätzlich zu belasten. Für mich persönlich wäre es gerechtfertigt gewesen, denn der Vorteil für die Investoren ist nicht von der Hand zu weisen, jedoch dachte die Stadt höchstwahrscheinlich, dass die Entwicklung dann gar nicht in die Puschen kommt. Erschließungskosten für eine U-Bahn zu erheben wäre rechtlich sicherlich möglich, jedoch bin ich mir nicht sicher wie es sich durch die Gemeindesatzung auf andere Projekte auswirken würde, wie der Straßenbahn nach Preungesheim etc., denn die Investoren im Europaviertel hätten sich in den Arsch gebissen, wenn nur sie für ÖPNV Projekt zahlen sollten.


    Original von Megaxel
    Das ganze zeigt die grundsätzliche Problematik der Unterfinanzierung der Kommunen auf. Den Städten bleibt ein zu geringer Anteil am Steueraufkommen, um die kommunalen Aufgaben zu erfüllen und um eigene Gestaltungsideen durchzusetzen.


    Du hast es absolut erfasst, aber einen wichtigen Punkt will ich hier noch erwähnen und das ist der Konkurrenzkampf der Rhein-Main-Gemeinden um die Gewerbesteuer. Es wird besonders im Rhein-Main-Gebiet ein Gewerbesteuerdumping betrieben, was viele Unternehmen aus den Städten in die kleinen Speckgemeinden treibt. Leidtragende sind Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und Offenbach, die Profitierenden sind die üblichen Verdächtigen ala Eschborn und ihre Kreise.


    Durch dieses Steuerdumping gehen der Stadt sehr sehr viele Millionen durch die Lappen, die wiederum fehlen um die Infrastruktur einer Großstadt aufrechtzuerhalten. Gemessen an der Finanzkraft ist der MTK von seiner Infrastruktur vernachlässigenswert. Dieses Ungleichgewicht belastet Frankfurt sehr, siehe letztes herausragendes Beispiel mit der Deutschen Börse.


    Die hessische Landespolitik ist nicht gewillt das Problem der ungleichen Gewerbesteuererhebung zu beseitigen, sondern heizt das Problem noch weiter an, um einer gewissen Klientel zu entsprechen, die auf Teufel komm raus jeden Cent an Steuern sparen wollen.


    Original von Schmittchen
    Gerade die Architektur verdient meines Erachtens nicht die Kritik die ihr hier zukommt. Ohnehin stützt sich diese meist auf Photos, die von der Emser Brücke aufgenommen wurden. Es wird - durchaus nachvollziehbar - die Monotonie aus dieser Perspektive kritisiert (womit es auch eher Kritik am Städtebau ist). Schaut man sich die Wohngebäude aber aus der Nähe an, ist die Architektur in meinen Augen durchaus gelungen und die Ausführung wertig, verglichen etwa mit den Gebäuden auf dem nicht weit entfernten Rebstock-Areal. Auch lassen die vielen vorgesehenen Gewerbeflächen in den Erdgeschossen und die großzügigen Flächen vor den Häusern schon eine spätere Belebung erwarten. Allerdings ist es in diesem Zusammenhang sicher nicht hilfreich, wenn der Raum zwischen den Fahrspuren später nur aus Gleisen, Oberleitungsmasten und vor allem aus Rampen besteht.


    Meine Zustimmung! Das Europviertel ist gar nicht mal so hässlich, als das es hier viele sehen. Es ist ein modernes zeitgemässes Stadtquartier mit wenig Schnickschnack. Die Aufnahmen von der Emser Brücke aus irritieren ein wenig, wenn man selber an den Häusern vorbeiläuft so fällt einem die monotone Flachdachlandschaft gar nicht auf.


    Ich persönlich finde das Europaviertel sogar richtig gelungen, da es Frankfurt in diesem Bereich einen anderen, einen großstädtischen Flair gibt. Die Wohnhäuser haben durchweg sieben Obergeschosse. Von der Emser Brücke aus gesehen wandert das Auge schnell an den Fassaden entlang hin zum Skylinepanorama. Man kann auch schreiben, die Häuser nehmen sich zurück und sich nicht aufdringlich, um den Blick auf etwas anderes richten zu lassen. Besonders ansehnlich ist das Europviertel bei Sonnenschein, in dem die hellen Fassaden in Verbindung mit dem Boulevard richtig zu Geltung kommen. Im Gegensatz zur Mainzer Ldstr. macht das Spazieren hier richtig Spaß. Klar wäre architektonisch vieles besser zu machen gewesen, aber das Endprodukt ist doch ganz passabel.
    Die Tunnelrampe würde hier aber definitiv störend wirken. :hammerlol


  • Man hat heute auch die Möglichkeit die Anlieger am U-Bahnbau zu beteiligen und macht es nicht....
    Erschließungskosten für eine U-Bahn zu erheben wäre rechtlich sicherlich möglich


    Leider nicht. Erschließungsanlagen sind gesetzlich abschließend definiert in § 127 BauGB; Einrichtungen des ÖPNV zählen nicht dazu. Das BauGB liegt in der Gesetzgebungskompetenz des Bundes (kann also dauern).


    Kostenbeteiligung geht bisher nur auf freiwilliger (vertraglicher) Basis. Etwas anderes wäre vielleicht ein PPP-Projekt, ist aber m.W. noch nie versucht worden.


    Übrigens, gar nicht weit enfernt liegt schon eine "Investorenleiche": der Abgang vom Platz der Einheit zur U-Station Messe. Den Rohbau hat die Stadt im Zuge des Stadtbahnbaus als Vorleistung hergestellt, den Ausbau sollten die Bauherren der umliegenden Hochhäuser tragen. Darüber gibts auch einen Vertrag, an den sich aber anscheinend niemand gebunden fühlt. Und so bleibt der Zugang auch weiterhin, was er seit 10 Jahren ist: zugemauert.