Barlachstadt Güstrow: Bauprojekte und Stadtplanung

  • Fachhochschule Güstrow

    Einhundert Beiträge sind geschafft und ich möchte zu Beginn der nächsten einhundert Beiträge die in Güstrow ansässige Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege des Landes Mecklenburg-Vorpommern vorstellen. Diese liegt südlich der historischen Innenstadt an der Goldberger Straße und ist als das größte, geschlossene Backsteinbau-Ensemble in MV in die Denkmalliste des Landes eingetragen.
    Der Bau des Gesamtkomplexes startete im Jahr 1937 und wurde fünf Jahre später eingeweiht. Zunächst als Lehrerbildungsanstalt errichtet, wurde es auch zur Zeit der DDR in diesem Sinne weitergenutzt und großflächig erweitert. In den 70er Jahren wurde das Institut zur Pädagogischen Hochschule "Liselotte Herrmann" umgewandelt. Zu Ehren von Liselotte Herrmann, einer kommunistischen Wiederstandskämpferin während der NS-Zeit, wurde 1972 auf der Freifläche vor dem Hauptgebäude ein Denkmal aufgestellt. Seit 1991 ist die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung hier ansässig.


    Ich möchte die Fachhochschule deshalb vorstellen, weil sie zum einen städtebauliche und architektonische Qualitäten aufweist und weil man zum anderen seit Jahren sukzessive in die Sanierung der Bestandsgebäude und in moderne und für die Ausbildung der Studenten notwendige Neubauten investiert.
    Die Erklärung des Komplexes kann etwas kompliziert werden. Die Fachhochschule verfügt neben dem Hauptgebäude über drei Lehrgebäude, ein weiteres viertes Lehrgebäude mit Festsaal, 11 Wohngebäude mit etwa 450 Wohnheimplätzen, eine Sporthalle und einen Sportplatz im Zentrum des Campus. Aktuell wird zudem eine Raumschießanlage errichtet, die gleich noch Thema sein wird.


    Das Herzstück des Areals bildet das Hauptgebäude von 1942, an welches sich symmetrisch zu beiden Seiten L-förmige Lehrgebäude anlagern.



    Im hohen Giebelbereich der klassizistisch anmutenden Hauptfront muss sich zur Entstehungszeit eine Art Wappen oder ähnliches befunden haben, das bereits zur DDR-Zeit nicht mehr vorhanden war bzw. überdeckt worden ist. Das Lehrgebäude linkerhand:



    Das baugleiche Pendant auf der Nordseite:



    Es folgen noch zwei Fotos aus dem letzten Frühjahr, die den Gesamtzusammenhang noch deutlicher machen. Auf dem ersten ist zudem das oben angesprochene Denkmal für Liselotte Herrmann zu sehen.




    Auf der Rückseite wirkt das Hauptgebäude durch den Gelängeversprung wesentlich größer. Im Erdgeschoss fällt der Kollonadengang in Natursteinausführung auf, wobei im darüberliegenden Mauerwerksverband flache Bögen angedeutet werden. Die seitlichen Lehrgebäude und das Hauptgebäude bilden hier einen zu drei Seiten abgeschlossenen Hof, von dem man wiederum auf den angrenzenden Sportplatz sehen kann.



    Ein Blick über den Sportplatz zum Hauptgebäude samt angrenzender Lehrgebäude:



    Links im Hintergrund ist ein großes Gebäude mit Satteldach zu sehen. Dabei handelt es sich um ein weiteres Lehrgebäude, dessen Besonderheit aber in dem großen Festsaal liegt, der den Großteil der Kubatur ausfüllt. Von der Straßenseite präsentiert sich dieses Gebäude folgendermaßen:



    Letztes Jahr sah es hier noch so aus:




    Die aktuellen Sanierungsmaßnahmen konzentrieren sich auf dieses Lehrgebäude (Haus IV), das in den 50er-Jahren errichtet worden ist. Zunächst wurde das gesamte Objekt trockengelegt und abgedichtet. Im letzten Jahr wurde die große Vortreppe von Grund auf erneuert. Die historischen Kandelaber und Leuchten wurden aufgearbeitet und der Vorplatz mit einer neuen Backsteinmauer umfasst. Im Inneren stand vor allem die Umsetzung notwendiger Brandschutzmaßnahmen im Vordergrund (Vorhänge, Türen etc.). Die Details der Innenräume wie etwa der rote Marmorfußboden wurden aufgearbeitet.



    Bis 2015 finden weitere Arbeiten im hinteren Gebäudeteil statt. Danach soll es mit der Sanierung des Daches und der restlichen Fassaden weitergehen. (Das würde ich mir auch für das Hauptgebäude wünschen.)


    Weitere Aufnahmen dieses Objektes:






    An der jeweils ersten Achse der Seitenfassaden hat man steinerne Reliefs angebracht, die 1956/57 durch den Bildhauer Jo Jastram gefertigt worden sind und Bildung und Kultur thematisieren.



    Die Südseite, bei welcher man an den großen, vertikalen Fenstern die Ausmaße des Festsaales erahnen kann:



    Am angelagerten Seitenflügel steht zur Zeit ein Gerüst. Die alten Fenster werden durch neue ersetzt.



    Die Gerüste stehen aus dem gleichen Grund auch auf der rückwertigen Seite.



    Bisher wurden 1,2 Millionen Euro in die Sanierung des Gebäudes investiert.


    Kommen wir zum Lehrgebäude II, das sich südlich an den Hauptkomplex anschließt und die große Freifläche an der Goldberger Straße nach Süden abschließt.



    Dieses Gebäude stammt ebenfalls aus den 50er-Jahren, fühlt sich dem sozialistischen Klassizismus jedoch nicht mehr so stark verpflichtet wie das zuvor gezeigte Lehrgebäude.



    Ein Blick in das Foyer im Übergang zur Caféteria:



    Im rückwertigen Bereich lagert sich ein Hörsaal an, welcher ebenfalls an der Gestaltung der Seitenfassade ablesbar ist.




    Der Verbindungsbau zwischen dem Hauptgebäude und dem Lehrgebäude II erinnert durch seine runde Ausformung stark an die Entwürfe von Erich Mendelsohn.



    Auch die Wohnheime sind größtenteils in dieser Zeit entstanden. Dementsprechend präsentieren sie sich auch in der bekannten Backsteinoptik.


    Das Wohnhaus 4:



    Das Wohnhaus 7:



    Der Blick auf die Häuser 1 und 2:



    Bei zwei Wohnheimen handelt es sich um sanierte Wohnblöcke:



    Das Pförtnerhäuschen am Schwarzen Weg:



    Zwei Gebäude fehlen noch. Westlich der großen Sport- und Laufanlage liegt die Sporthalle, die 2006 bis 2008 gebaut worden ist.



    Daneben entsteht aktuell die bereits erwähnte Raumschießanlage nach den Entwürfen des Architekturbüros Bastmann und Zavracky. Die Kosten belaufen sich auf 5, 4 Millionen Euro. Das Gebäude weist eine Nutzfläche von 1340 m² auf, die sich insbesondere durch die zwei Hauptfunktionen (25m-Bahn für Schießübungen, 20m*20m großer Simulationsraum) ergeben. Die erforderliche Technik und Lüftungsanlage wird neben dem Gebäude statt auf dem Dach errichtet. Das Gebäude soll sich trotz seiner modernen Gestalt durch die Wahl von Backstein in den Gesamtkomplex der Fachhochschule einfügen. Entgegen der ursprünglichen Planungen (Visualisierung), die roten bis dunkelroten Backstein vorsahen, ist die realisierte Fassade in meinen Augen jedoch etwas zu stark ins Schwarz-Braun abgewichen.




    Die Fertigstellung ist für das kommende Jahr vorgesehen.

  • Kinder- und Säuglingsheim

    Bevor ich mich wieder den innerstädtischen Projekten zuwende, möchte ich den Beitrag über die Fachhochschule noch um zwei weitere, wichtige Gebäude ergänzen.
    Es handelt sich dabei um das ehemalige Kinderheim sowie das ehemalige Säuglingsheim der Stadt. Beide grenzen in nördlicher Richtung an die Fachhochschule, parallel zur Goldberger Straße.
    Auf dem folgenden Foto (Feb. 2008, vom Wasserturm aufgenommen) sieht man links das große Lehrgebäude IV der Fachhochschule, welches ich im obigen Beitrag schon vorgestellt hatte. Jetzt geht es um das Nachbargebäude rechts davon mit dem dunklen Dach (Säuglingsheim), sowie um das daran anschließende Gebäude mit dem roten Dach, das teilweise durch Bäume verdeckt wird (Kinderheim).



    Beide Gebäude sind aktuell von Leerstand betroffen und besonders das Säuglingsheim stark sanierungsbedürftig. Ende der 20er Jahre wurde zunächst das Kinderheim gebaut. Das Gebäude wurde dabei mit einem großen Abstand zur Goldberger Straße errichtet. An dieser Baulinie orientierten sich in den Folgejahren auch das Säuglingsheim (30er Jahre) sowie das Hauptgebäude der Fachhochschule (Ende der 30er Jahre). Erst zur DDR-Zeit wurden durch den Bau der Lehrgebäude II und IV, die näher an der Goldberger Straße positioniert worden sind, die Heime städtebaulich abgetrennt.


    Ich starte mit dem Säuglingsheim, das vor einiger Zeit in den Besitz der Fachhochschule übergegangen ist. Es laufen seit Jahren Planungen, das Säuglingsheim sinnvoll zu integrieren. Ein genaues Nutzungskonzept liegt bisher noch nicht vor. Erst dann kann eine Sanierung ins Auge gefasst werden.


    Von der Goldberger Straße aus kann das Objekt aufgrund üppiger Vegetation kaum noch eingesehen werden.




    Das Gebäude präsentiert sich zur Hauptstraße mit einer symmetrisch gestalteten Fassade, die durch einen kleinen Giebel betont wird. Der L-förmige Grundriss ergibt sich durch den Seitenflügel, der vermutlich etwas später im rückwertigen Bereich angebaut worden ist. Die Rückseite des Hauptgebäudes wirkt durch den Geländeversprung wiederum etwas größer.




    Eindrücke vom Seitenflügel:




    Die obigen beiden Bilder zeigen die Hofansicht, während das folgende Bild den Eindruck vom Schwarzen Weg wiedergibt.



    Es folgt nun das benachbarte ehemalige Landeskinderheim. Entworfen wurde es damals von dem Architekten Martin Eggert. Auch zur Zeit der DDR behielt es seine Funktion und wurde erst nach der Wende zu einem Bildungszentrum des Internationalen Bundes e.V. umfunktioniert. Vor wenigen Jahren hat der IB das Gebäude jedoch aufgegeben. Seitdem steht es leer und wartet auf eine neue Nutzung.




    Das Kinderheim wirkt durch seine symmetrische und streng neoklassizistische Backsteinfassade eher wie eines der vielen Gutshäuser in der Umgebung. Im Verhältnis zum angrenzenden Säuglingsheim macht es auch einen viel repräsentativeren Eindruck. Schade, dass es so versteckt liegt.




    Die Rückseite präsentiert sich in ähnlicher Form. Die an der Vorderseite nur angedeuteten Seitenrisalite werden hier zu massiven Seitenflügeln ausgeformt.





    Der giebelbekrönte Mittelrisalit präsentiert sich mit farbiger Bleiverglasung.



    Der freie Blick in die Natur ist in den letzten Jahren leider durch eine meiner Meinung nach völlig missratenen Ein- und Mehrfamilienhaussiedlung an der Wallensteinstraße verstellt worden. Die Stadt hat hoffentlich daraus gelernt und lässt sich bei zukünftigen Neubauplanungen (z.B. Stahlhof-Areal) das Ruder nicht so einfach aus der Hand reißen.



    So, in den nächsten Beiträgen soll es dann wieder um die Projekte im direkten Zentrum gehen.

  • Sanierung Domschule

    Dann will ich mal den Startschuss geben für die Projekte in der Innenstadt von Güstrow. Den Anfang macht die Domschule in der Schulstraße (zuletzt in #79), wo die letzten Arbeiten in Kürze abgeschlossen werden. Das betrifft noch Restarbeiten im Gebäudeinneren sowie auf den Freiflächen vor dem Gebäude. Die Gymnasiasten können also kommen. Damit wäre das auch der letzte Beitrag zu diesem 4,4 Millionen Euro teuren Vorhaben, das ich im Oktober 2012 in #19 zu Beginn der Bauarbeiten das erste Mal erwähnt hatte.


    Damals präsentierte sich die seit etlichen Jahren leerstehende Schule in diesem Zustand:



    Beide Gebäudeteile (Hauptgebäude von 1579 und Nebengebäude von 1868) wurden von Grund auf saniert. Ein modernes Eingangs- und Treppengebäude dient in Zukunft der Erschließung aller Ebenen. Die umgestalteten Außenräume geben seit Neuestem ein sehr ansprechendes Bild ab.






    Ein etwas verschwommener Blick durch die Eingangstür des modernen Anbaus. Das Rostrot der Treppe musste schließlich doch einem hellen Grau weichen. Dennoch macht das Endergebnis einen sehr angenehmen Eindruck.



    Zum Schluss nochmal ein Blick aus der Kerstingstraße auf die repräsentative Giebelfassade des Altbaus:


  • Domplatz 11/12

    Weiter geht es mit der in Post #80 erwähnten recht unscheinbaren Sanierungsmaßnahme am Domplatz 11/12. Dort wurde die Fensteraufteilung im Erdgeschoss im Sinne einer Anpassung an die obere Etage geändert. Mittlerweile ist auch das Mauerwerk wieder verputzt worden. Es wäre schön gewesen, wenn diese gleich noch einen Anstrich verpasst bekommen hätte.



  • Gleviner Straße 23-25

    Die umfangreichen Bauarbeiten an den drei historischen Bauten in der Gleviner Straße 23-25 gehen unvermindert weiter (zuletzt in #81). Die Straßenfassaden sind inzwischen eingerüstet worden, da man allmählich mit der Sanierung der Vorderseiten der Gebäude startet. Bei meinem letzten Besuch im Juli waren diese noch gerüstfrei. Die Nummern 24 und 25, die zu einem Großteil neu aufgebaut werden mussten, sind bereits im Rohbau fertiggestellt. Aktuell werden die Dachzonen neu ausgebildet.


    Zunächst kommen Aufnahmen aus der Gleviner Straße:



    Die Stützkonstruktion, die die Stadt vor dem Verkauf an den jetzigen Investor als Notsicherungsmaßnahme veranlasst hatte, nachdem Teile des Erkers der Nr. 24 herabgefallen waren, ist nun im Zuge der Sanierung wieder abgenommen worden. Die Nummer 24 erhält wieder zwei Gauben, die im Moment im Entstehen sind.




    Auf der Rückseite scheinen demnächst die ersten Fenster eingesetzt zu werden. Es fehlt noch immer der Anbau für den Fahrstuhl an der Nummer 23. Potenzielle Mieter in den Nummern 24 und 25 werden auf großzügige Balkone hoffen dürfen.



  • Sanierung Georg-Friedrich-Kerstingschule

    Auch am anderen Schulgebäude in der Güstrower Innenstadt am Heiliggeisthof sind die Sanierungsarbeiten nahezu abgeschlossen (zuletzt in Post #82). Die Hauptfront der Georg-Friedrich-Kersting-Grundschule ist abgerüstet und zeigt sich nun komplett mit ihrer neuen, eierschalengelben Farbgebung.


    Das Bild vor der Sanierung (August 2012) und danach:





    Das Haupthaus im Vergleich:




    Weitere Eindrücke vom Heiliggeisthof, der nun ein frischeres Gesicht erhalten hat.



    Auf der Nordseite grenzt noch die 2006 hervorragend sanierte Heiliggeistkappelle an den Hof. Im Süden muss letztlich nur noch der östliche Teil des symmetrisch gestalteten Wohnhauses saniert werden.



    Der Blick von der Gleviner Straße in den Hof:



    Auf der Rückseite muss der Verbindergang zwischen dem Hauptgebäude und der Turnhalle noch fertiggestellt werden. Ansonsten ist hier in den letzten zwei Monaten der gesamte Schulhof neu gestaltet worden. Dieser befand sich vor der Sanierung auf dem Heiliggeisthof an der Straße. Aus Sicherheitsgründen hat man diesen nun verlegt.


    Auch hier eine vergleichende Perspektive:





    Da dieses Vorhaben im Großen und Ganzen abgeschlossen ist, wird das der letzte Artikel dazu gewesen sein. Den Verbindergang kann ich nach der Fertigstellung nochmal gesondert zeigen, sofern er unerwartet besondere architektonische Qualitäten offenbaren sollte. Das Projekt startete im Sommer des letzten Jahres (erster Beitrag war #40) und kostete 2,6 Millionen Euro.

  • Schlossstraße 8

    Die kleine Modernisierung in der Schlossstraße 8 (zuletzt in #83) ist ebenfalls beendet worden. Das Dach hat eine neue Eindeckung und die Fassade einen neuen Anstrich erhalten, was eine erhebliche Aufwertung bedeutet. Ich hätte gerne noch eine Veränderung im Bereich der Fenster gesehen, aber das kann man sich ja für später aufheben. ;)



    Von diesem Objekt kann ich gerade kein älteres Bild mit dem Vorzustand finden, aber in diesem Fall ist es vielleicht auch nicht so wichtig.

  • Sanierung Domstraße 6

    Am 30. September wurde auf der Baustelle in der Domstraße 6 Richtfest gefeiert (zuletzt in #84). Die alten Dachstühle, die aufgrund einer unvertretbaren Kontamination mit Holzschutzmitteln komplett abgenommen werden mussten, sind nun wiedererrichtet worden. Die Arbeiten im gesamten Komplex sind in vollem Gange und sollen Ende des kommenden Jahres (witterungsabhängig) abgeschlossen werden.


    Viele Details sind durch die teils behangenen Gerüste nicht zu erkennen. Der Außenputz wurde großflächig abgeschlagen. In den nächsten Tagen/Wochen werden die Satteldächer, die aktuell noch nackt sind, wieder eingedeckt werden.


    Der Blick von Süden aus der Domstraße:





    Und der entgegengesetzte Blick aus der nördlichen Domstraße:



    Im letzten Beitrag hatte ich die Gerüste am Nachbarbau Domstraße 7 erwähnt. Die Fachwerkfassade ist weiß verputzt worden und hat im Erdgeschoss zwei Fenster erhalten. Das graue Gebäude links im Bild ist eine Immobilie des Ernst-Barlach-Theaters und könnte auch eine Sanierung vertragen.


  • Ich bin tatsächlich immer wieder über das Maß an Bau- und Sanierungstätigkeiten erstaunt. Güstrow ist ja doch nicht so groß. Aber wenn ich das, was du hier zeigst, mit ähnlich großen Städten aus meiner Region vergleiche, fast unglaublich. In Werdau sucht man beispielsweise seit einer Ewigkeit einen Investor für das letzte verbliebene spätbarocke Haus der Wiederaufbauzeit nach dem Stadtbrand 1756. Das wird auch recht aktiv von Seiten der Stadt beworben, aber nada. Ähnlich stets um den letzten Laubengang. Von zahlreichen Historismusperlen der industriellen Blüte ganz zu schweigen.
    Ich freue mich natürlich dennoch über die Entwicklung in Güstrow. Es passt nur nicht ganz in das stets vermittelte Bild von der strukturschwachen Region Mecklenburg. In Westsachsen mag dank einiger großer Firmen wie VW mehr Wirtschaftskraft sitzen, aber im Stadtbild schlägt sich das aus meiner Sicht gerade in den mittelgroßen Städten leider noch nicht wieder.

  • Danke für die tollen Berichte!


    Mir ist das irgendwo auch unbegreiflich, wie die Güstrower das hinbekommen. Dem gängigen Bild nach gibt es ja dort nur ein paar Rentner. Mag ja sein, dass Fördergelder im Spiel sind - trotzdem braucht es für das Gezeigte viele, engagierte Investoren!

  • @ Saxonia,


    Güstrow ist nach Schwerin, Rostock, Stralsund und Neubrandenburg wichtigste Stadt in Mecklenburg. In Sachsen rangiert Görlitz an 5. Stelle, nur mal so als Vergleich. Darüberhinaus ist Güstrow Dom- und Residenzstadt und ist somit touristisch ganz anders aufgestellt als Werdau. Mit der vor Ort ansässigen FH dürfte zudem genügend Leben in die Kleinstadt kommen. Es gibt in Deutschland zudem einige Beispiele dafür, dass eine stärkere Wirtschaftskraft nicht zwangsläufig eine größere Nachfrage nach Immobilien nach sich zieht oder gar eine bessere Stadtbildpflege bedeutet. Meines Erachtens werden Immobilien in touristischen Regionen viel stärker nachgefragt und gepflegt. Und Meck-Pomm profitiert seit Jahren von gestiegener Nachfrage nach Immobilien. Die Ostsee-Region ist schon abgegrast, jetzt kommt eben das Hinterland, so auch Güstrow, dran. Beispiele wie Güstrow finden sich allerdings auch in Sachsen. Nach meiner Beobachtung wird in Freiberg gegenwärtig sehr viel investiert wie in kaum einem anderen Mittelzentrum im Freistaat. Es ist schon sehr beeindruckend, was in der sächsischen Bergstadt im Moment gebaut wird. Ist halt nur keiner vor Ort, der das hier dokumentiert.


    Aber hier geht es um Güstrow. Sehr schöne Dokumentation. Für mich besonders interessant ist der FH-Komplex gerade in Hinblick auf die Vor- und Nachkriegszeit.




    HelgeK ,


    unsere Beiträge haben sich überschnitten. Wie schon gesagt, in Meck-Pomm gibt es seit Jahren einen Run auf Immobilien. Da ist nix mehr mit Fördergeldern im privaten Sektor und so...

  • Joa, ich sehe aber Plauen rein wirtschaftlich schon noch vor Görlitz. Ich sprach ja auch konkret von Westsachsen (Pleißenland, Vogtland). Dazu zähle ich Freiberg nicht mehr. Ostthüringen mit Greiz und Altenburg sehe ich ähnlich. Die Lage für Baudenkmäler ist äußerst kritisch. Man muss hier auch die heutige Bevölkerung im Bezug zur Vorkriegsbevölkerung sehen. Die ist teilweise wesentlich geringer und das wurde auch nicht vom gesteigerten Platzbedarf aufgefangen. Auf die Industriezentren ist das besonders durchgeschlagen. Ein solches Überangebot an Wohnbauten oder Wanderungsbewegungen der Bevölkerung wie hier hat es in Mecklenburg nie gegeben. Dort wohnen heute mehr Menschen als vor dem Krieg.

  • Cowboy : In deiner Liste fehlt noch Wismar, was wirtschaftlich und nach Einwohnerzahlen vor Güstrow liegt.
    Es hat durchaus verschiedene Faktoren, warum aktuell eine starke Bautätigkeit in Güstrow vorherrscht. Die Innenstadt hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Wohngebiet gemausert. Private Investoren nutzen die vorhandenen Förderungsoptionen durch die öffentliche Hand. Der Schwerpunkt seitens der Stadt liegt ebenfalls seit Jahren im Bereich Altstadtsanierung. Seit einiger Zeit investieren auch die örtlichen Wohnungsgesellschaften verstärkt in ihre Altstadtobjekte (Sonnenhof, Mühlentorviertel), weil sie ein Stück vom Kuchen abhaben wollen.
    Die Domstraße 6 (obiger Beitrag) ist zum Beispiel ein Projekt eines Investors, der in der Güstrower Innenstadt bereits weitere sieben Häuser in unterschiedlichen Straßen saniert hat.
    Ich bin froh, dass soviel in der Stadt voran geht. Wer weiß, wie die Entwicklungen in den kommenden Jahren ausfallen werden.

  • Sanierung Domstraße 21

    Die Sanierungsarbeiten am Gebäude Domstraße 21 sind nun endlich gestartet worden. Die Baumaßnahme wird wohl Ende des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Das Geschäft im Erdgeschoss soll auch weiterhin bestehen bleiben. In den oberen Etagen sind acht Wohnungen angedacht.




    Durch den Abriss des Brandhauses ist aktuell ein besserer Blick auf das Sanierungsvorhaben möglich.



    Noch ein Blick von Westen aus dem Grünen Winkel:


  • Zukunft Markt 30

    Direkt nebenan wurden mittlerweile die Abrissarbeiten komplett beendet, sodass zumindest der Grüne Winkel wieder befahrbar ist. Die Durchfahrt vom Markt ist jedoch weiterhin gesperrt, da das benachbarte Haus Markt 30 noch immer einsturzgefährdet ist.
    Die Stadt hat das denkmalgeschützte Objekt nun gekauft und möchte so viel vom Bestand erhalten wie möglich. Dazu sollen demnächst Gutachter in das Gebäude gelassen werden, deren Ergebnisse darüber entscheiden, wie viel erhalten werden kann oder ob eine Sanierung überhaupt eine Option darstellt. Das Gebäude mit der klassizistischen Fassade ist das Geburtshaus des Sprachforschers Friedrich Lorentz, der hier am 28. Dezember 1870 geboren wurde und sich Zeit seines Lebens der Erforschung der kaschubischen Sprache widmete.




    Auf dem folgenden Bild kann man die Hermenköpfe erkennen, die im Bereich der Pilaster ionische Kapitelle tragen.



    Es sollten möglichst schnell Sicherungsmaßnahmen am Dach durchgeführt werden, damit durch Witterungseinflüsse nicht noch mehr Substanz zerstört wird. Die südliche Traufseite:



    Die westlichen Anbauten, die im Falle einer Sanierung höchstwahrscheinlich abgebrochen werden, um so eine Wohnnutzung mit Garten zu ermöglichen.



    Das Ganze nochmal im Zusammenhang:



    Bezüglich des Marktes 29 (zuletzt #96 und #97) wurde Kritik laut, dass hier zu schnell die noch vorhandene Substanz abgerissen worden ist. Es wird befürchtet, dass dabei historische Befunde beseitigt worden sind. Das 400 Jahre alte Gebäude war einer der letzten Renaissanceständerbauten in Mecklenburg, dessen straßenseitige Ständerwand nach dem Brand noch teilweise vorhanden war. Eine Integrierung in einen jetzt notwendigen Neubau hätte geprüft werden können. Erhalten geblieben sind eine Knagge, drei Bleiglasfenster, mehrere Innentüren und die barocke Haustür, die im Zuge der Sanierung in einer Werkstatt aufgearbeitet wurden.
    Die Abrissgenehmigung wurde ohne Auflagen erteilt. Um die Verkehrssituation wieder zu entspannen (durch die Öffnung des Grünen Winkels), wurde der Abriss schnell vollzogen, heißt es von Seiten des Eigentümers und der Stadt.

  • Neubauvorhaben Mühlenstraße

    Es geht weiter in die östlich vom Markt gelegene Mühlenstraße. Auch hier ist das Bestandsgebäude mittlerweile komplett abgerissen worden. Im letzten Beitrag in #88 hatte ich bereits erwähnt, dass an dieser Stelle ein Neubau entstehen soll, dessen Fassade die gleiche sein wird wie die des Vorgängerbaus. Die historischen Kellerräume bleiben erhalten und werden integriert. Der Eingang zum Keller ist auf dem zweiten Foto ansatzweise zu sehen.




    Ein Blick in die Mühlenstraße. Die Baulücke befindet sich links. Mal schauen, wann hier die Errichtung des Neubaus starten wird.



    In #88 hatte ich zudem die eingerüsteten Gebäude Mühlenstraße 12 und 13 gezeigt. Hier wurden Arbeiten im Bereich des Giebelabschlusses durchgeführt, die in der Zwischenzeit auch beendet worden sind.


  • Sanierung Lange Straße 49

    Ich freue mich auch, mitteilen zu können, dass am Gebäude Lange Straße 49 endlich die Sanierungsarbeiten gestartet sind. Und diese scheinen recht umfangreich zu werden. Die Straßenfassade zeigt sich nur noch als Ziegelrohbau; die Fenster wurden entfernt und der Putz abgeschlagen. Aktuell wird der Dachstuhl neu aufgebaut.



    So sah das Gebäude in unsaniertem Zustand aus:





    Die Rückseite zum Hof:



    Wohl im kommenden Jahr werden auch die Sanierungstätigkeiten an den Gebäuden Lange Straße 45 und 46 starten, für welche sich ebenfalls die Schelfbauhütte Schwerin verantwortlich zeichnet. Vor einigen Jahren hätte ich im Leben nicht damit gerechnet, dass diese Objekte gerettet werden können. Das Auffälligste sind hierbei sicherlich die beiden Eingangstüren.




    Randnotiz: Weiter südlich wird im Moment das Dach eines DDR-Plattenbaus neu eingedeckt.


  • Umbaumaßnahmen Pferdemarkt 34

    Drei kleinere Maßnahmen möchte ich noch zeigen. Zuerst habe ich auf dem Pferdemarkt entdeckt, dass die Nummer 34 leergeräumt wird. Es scheint, als wäre das gesamte Gebäude nicht mehr in Nutzung, obwohl ich mich auch irren kann. Nichtsdestotrotz gibt es jetzt zwei Bestandsaufnahmen des Objektes:



  • Fassadenauffrischung Bleicherstraße 13

    In der Bleicherstraße, dessen Bebauung im Zuge der ersten Stadterweiterung im 19. Jahrhundert entstanden ist und von der ich bisher noch keine Aufnahmen im Strang gezeigt habe, finden momentan Arbeiten an der Fassade der Nummer 13 statt. Auch bei dieser Maßnahme kann ich wieder nicht genau sagen, was alles angetastet wird. Der vorbildlich sanierte und rot gestrichene Nachbar zeigt, wie es geht. Man sollte die Kunststofffenster gegen passendere Modelle ersetzen.





    Noch ein Blick auf den östlichen Teil der doch recht ansehnlichen Bleicherstraße: