Wohnungsmangel und -bau in Hamburg - Diskussionsthread

  • Wohnungsmangel und -bau in Hamburg - Diskussionsthread

    Da die Frage in einem anderen Thread aufgekommen ist, dort aber nicht hin passt, möchte dieser Diskussion ein Raum geben.


    Welche Kleingärten-Kolonien wären potenziell ein geeignetes Gebiet für neu Wohngebiete?
    Was spricht dafür, gerade dort neuen Wohnraum zu schaffen, was dagegen?


    Ich hoffe auf eine rege Diskussion zu diesem Thema.

  • Welche Kleingärten-Kolonien wären potenziell ein geeignetes Gebiet für neu Wohngebiete?.


    Ich finde im Prinzip alle :D


    Aber im Erst: Alles was in weniger als 10 Km Radius von der Innenstadt liegt und in 500m Radius von einer S- oder U-Bahn Station liegt und nicht durch extremen Laerm / Industrie gestoert wird gehoert auf den Pruefstand und sollte bevorzugt dem (Geschoss-)Wohungsbau ueberlassen werden.

  • Danke für die klare Definition.


    Nach den Kriterien fallen aber die Kolonien zwischen Ausschläger Weg, Bergedorfer Straße und Horner Rampe nicht zu den betroffenen Flächen. Genauso die meisten Kolonienen in Farmsen oder Wandsbek-Gartenstadt.


    Allzu viel bleibt dann nicht mehr übrig, etwa in der Nähe von Hagenbecks Tierpark.

  • Kleingärtenflächen sind nunmal Reserveflächen. Auch wenn sie die Lebensqualität für die Inhaber und für einige Spaziergänger erhöhen mögen, so sollte doch der eigentliche Nutzen von innerstädtischen Flächen im Vordergrund stehen, sobald ein sinnvolles Investitionskonzept für vor allem aber nicht nur Wohnungsbau besteht.

  • Die riesige Kleingartenkolonie in Wandsbek-Gartenstadt ist im Grunde sehr ruhig. Man könnte das ganze Gelände in etwa der Dichte des benachbarten Dulsberg bauen und entlang der Hochbahnstrecken kommen halt Büro- und Geschäftsriegel hin.


    Ein Teil des Kleingartengeländes westlich der S-Bahn Rübenkamp könnte man zu einem Wohngebiet machen. Der Rest wäre wohl zu stark dem Güterbahnverkehr ausgesetzt, als dass man dort Wohnungen bauen könnte,


    Die Kleingärten südlich vom Stadtpark zwischen U3 und der Straße Südring könnte man für Wohnbebauung nutzen, ebenso die angrenzende Kleingartenzeile entlang des Wiesendamms. Auch gleich in der Nähe: Die Kleingärten gegenüber vom Atisha an der Barmbeker Straße und im Süden durch den Osterbekkanal abgegrenzt.


    Ausländische Freunde hielten die Kleingärten generell erstmal für Slums, bis ich ihnen erzählte, dass dies keine Wohnungen im eigentlichen Sinne sind, sondern Erholhungsgebiete für die Eigentümer.


    [Sarkasmus] Und die Kleingartenanlage am Diebsteich kann man mit einer Seniorenwohnanlage bebauen. Die Friedhöfe sind dann gleich in der Nachbarschaft [/Sarkasmus]

  • Ein Teil des Kleingartengeländes westlich der S-Bahn Rübenkamp könnte man zu einem Wohngebiet machen. Der Rest wäre wohl zu stark dem Güterbahnverkehr ausgesetzt, als dass man dort Wohnungen bauen könnte,


    Wieso 'koennte'? Das Hebebrandquartier ist doch beschlossene Sache. (Plan pdf)


    Ausländische Freunde hielten die Kleingärten generell erstmal für Slums


    Geht den Franzosen hier in Paris genauso - hier gibt es keine Schrebergaerten und allein die Tatsache, dass man in Deutschland grosse zentrale Areale einer Stadt einer kleinen Minderheit der Buerger ueberleasst, nur damit diese dann dort Kartoffeln und Erbsen anbauen kann stoesst hier (zurecht) auf allgemeines Unverstaednis.

  • Kleingärten sind eine Idee aus der Jahrhundertwende. Dahinter steckt der Gedanke, dass einfache Arbeiter auch ein kleines privates Erholungsgebiet haben können. Das war damals ein höchst sozialer und fortschrittlicher Gedanke. Damals gab es noch keine großen öffentlichen Parks. Der Jenisch Park gehörte der Familie Jenisch, der Fischerspark der Familie Fischer und so weiter. Zudem gab es noch viele Freiflächen (meist alte Acker, die zu klein zum bewirtschaften geworden waren).


    Aber mit der Öffnung der Parks, der neuen Urbanisierung und dem daraus resultierenden Mangel an innerstädtischen Flächen werden die Privat-Parzellen zu etwas höchst unsozialen. Sie widersprechen der Idee des modernen gemeinschaftlichen Wohnen.

  • @ Urberliner: Stimmt - so habe ich es noch gar nicht gesehen, aber da ist was dran. Die ehedem soziale Grundidee wird unter heutigen Rahmenbedingungen in der Tat Gegenteil verkehrt.


    @ Digger: Sorry, dass sollte nicht 'altkug' rueberkommen falls es sich so angehoert hat. (PS: Ich lese die HHer Presse ja auch nur noch online aus der Ferne, aber ich habe ein paar sehr nuetzliche Google-Alterts laufen)

  • Ich freue mich über die viele Beiträge.


    Auch ich sehe die Kleingärten als eine Art "Flächenreserve" an. Sowohl was den Wohnungsbau angeht, als auch für die Erweiterungen von Gewerbeflächen (etwa wenn LH Technik sich vergrößern möchte).


    Aber Kleingärten haben auch eine wichtige soziale Funktion. Für viele, gerade ältere Bürger sind sie ein wichtiger Teil ihres Lebens. Die Pflege ihrer Scholle ist zu so etwas wie ein Lebensaufgabe geworden. Diese als unsozial zu bezeichnen kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen.


    Trotzdem wäre es sicher sinnvoll die eine oder andere Fläche für den Wohnungsbau zu erschließen. Midas Kriterien sind da sehr vernünftig.
    Ein guter Anschluß an U- oder S-Bahn sind eine zentrale Voraussetzung.
    Die meisten Kleingartenkolonien liegen aber abseits dieser Linien. Diese großflächig für Wohnbebauung zu nutzen birgt die Gefahr, das Buslinien völlig überlastet werden.
    Sollte einmal eine Stadtbahn von Steilshoop nach Rahlstedt fahren, würde sich genau das für viele Kleingärten in dem Bereich ändern.
    Aber dann bitte erst die Erschließung durch den ÖPNV und dann Wohnungsbau.

  • Urberliner, auf der von Digger verlinkten Seite findet sich auch ein Link zu FAQ, u.a. zur 200-jährigen Historie. Dort stehen noch mehr Entstehungsgründe, die heute nicht mehr gelten. So dienten die Kleingärten vor allem der Lebensmittelversorgung und als Spielplätze für Kinder, weil es sonst keine gab. Heute gibt es Spielplätze überall, in den Kg sieht man dagegen kaum Kinder. Die Lebensmittelversorgung ist heute kein Problem, und die Mobilität der Bevölkerung hat immens zugenommen. Wer einen Garten haben will, könnte den heute auch außerhalb der Stadt erreichen.

  • Bevor man jetzt anfängt alle Kleingärten platt zu machen, sollte man vielleicht erstmal schauen, wo es sich noch mehr anbietet zusätzlichen Wohnraum, aber auch Büros und Gewerbe zu schaffen. So wären Lückenschlüsse und Aufstockungen in vielen Bereichen sicherlich erstmal die näher liegenderen Lösungen, wenn diese auch schwerer umzusetzen sind. Auch der Abriss schlechter Bausubstanz und Ersatz durch neuere modernere Häuser wäre teilweise sicherlich sinnvoll, allerdings scheitert dies ja leider sehr oft aus nicht nachvollziehbaren Partialinteressen kleiner Personenkreise. Dennoch sollten die Kleingärten immer als das gesehen werden, was sie sind, nämlich Reserveflächen für andere Nutzungen.

  • Also hier möchte ich auch mal Position beziehen...


    Ich finde diese "Vereinfachung", dass Kleingärten per se Restflächen seien und einer städtischen Entwicklung entgegenstehen würden, sehr kritisch.


    Erst einmal sollte man doch froh sein, dass wir auch grüne Zonen in der Stadt haben, die nicht zugebaut sind. Gerade Hamburg hat mit seinen vielen innerstädtisch gelegenen Kleingartenkolonien ein großes Plus an Lebensqualität für viele Menschen – gerade auch für Kinder (in Zeiten, wo Kinder sonst kaum mehr Kontakt mit Natur haben).


    Nichtsdestotrotz kann der aktuelle Status nicht auf Ewigkeit betoniert werden. Viele Flächen z.B. in Barmbek, fände auch ich ideal als Standort für Wohnbebauung, die HH zudem sehr dringend nötig hat. Dann gibt es aber Flächen z.B. in Wilhelmsburg, Harburg oder Wandsbek, die schon fast periphere Stadtlagen sind, kaum erschlossen geschweige denn mit ÖPNV angebunden, die auch ruhig Kleingartenkolonien bleiben dürfen.
    Das Hebebrandquartier ist dafür eine ideale Fläche, auf der Kleingärten tatsächlich eine Sünde sind.


    Ich sehe aber auch ein großes Problem in der Haltung von Politik und Verwaltung gegenüber den Kleingärtnern. Ihnen wird stets entgegengebracht, dass sie nur eine Restfläche seien, die städtisch unbedeutsam und für Entwicklungen bereitstehen würde.
    Im Tausch gegen Gemeinschaftsgärten gebe ich gern die ein oder andere Kleingartenkolonie auf.


  • Im Tausch gegen Gemeinschaftsgärten gebe ich gern die ein oder andere Kleingartenkolonie auf.

    Sehr richtig! Hier in Berlin gibt es zahlreiche derartige Projekte. Sie werden alle sehr gut angenommen und tragen enorm zu der Aufwertung der angrenzenden Quartiere bei. Hier eine kleine Übersicht: http://www.tip-berlin.de/kultu…emeinschaftsgarten-berlin


    Hinzu kommt die Fläche auf dem Tempelhofer Flugfeld.

  • @ elbjunge
    kleingärten weden in der regel leider nicht von kindern bevölkert .... sodern von spießigen Rentnern die dort wegen ihrer Ruhe sind. Deshalb muss man dort in ein bestimmtes Klischee erfüllen was die heilige Ruhe nicht anrührt.Außerdem sind Fremde unerwünschte. So wollte ein Kleingartenverein in Norderstedt neulich eine Ausländerquote (!)für ihr kleines Terrain ,auf dem es keinen einzigen Ausländer gibt! Das alles führt zu Abschottung und das tut finde ich keiner Gesellschaft gut. Für mich hat also hat eine Kleingartensiedlung ebenso wenig mit lebensqualität zu tun wie eine Plattenbausiedlung.
    Auch städtebaulich ist der Vergleich zu einem Slum gar nicht so abwegig ,denn es gibt wirklich viele Garten die so langsam vor sich hingammeln. (siehe Diebsteich)

  • Berlin ist ja auch viel größer und wurde dereinst für lockere 1 Mio. Einwohner mehr gebaut. Und hat unzählige Brachen, keinerlei Flächenmangel. Das ist in Hamburg schon anders. Grundsätzlich sind Kleingärten aber zumeist dort wo eh keiner wohnen will, zB an Bahnstrecken. Weiterhin haben sie gesamtplanerisch gesehen oft wichtigste Funktionen für die Ökologie, beispielsweise Frischluftschneisen, Pufferflächen oder Grünbrücken. Ein "steinernes Hamburg" ist glaube ich die schlechtere Alternative gegenüber einem Hamburg was flächenmäßig weiter in sein Umland wächst.

  • Wir sollten mal festhalten, dass Hamburg für eine Großstadt extrem dünn besiedelt ist. Eine höhere Verdichtung kann sicherlich nicht schaden, auch aus ökologischen Gründen.


    Wo Flächen, die von Kleingärten besetzt werden, für andere Projekte (z.B. Wohnungsbau, Gewerbe) gebraucht werden, sollte es keine Diskussionen geben und die Kleingärten müssen eben weichen. Aber es ist ja kein Problem dann neue Flächen für Kleingärten auszuweisen. So bleiben alles in allem die sicherlich vorhandenen positiven Effekte der Kleingärten erhalten.


    Ganz klar distanzieren möchte ich mich von dem vorurteilsbehafteten und undifferenzierten Beitrag von "John Wayne". Man fragt sich schon, wie es kommen kann, dass man in so jungen Jahren schon so eingestellt ist. Man sollte nicht von einem Kleingartenverein auf alle anderen schließen.


    @ Elbjunge: Niemand hält Dich davon ab, eine Fläche zu erwerben oder einen Verein zu Gründen um dies zu tun, auf der Du und Deine Mitstreiter dann einen Gemeinschaftsgarten anlegen könnt. Meines Wissens gibt es ein derartiges Projekt übrigens irgendwo auf einem Parkdeck auf St. Pauli. Ich wollte mir das immer mal ansehen gehen.

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  • ^^ Es ist ja eigentlich voellig egal, ob die Gaerten einladend wirken oder nicht. Die Nutzer werden sie ja wohl offenbar einladend finden und das zaehlt erstmal. Was andere darueber denken hat demnach doch keine wirkliche Relevanz.


    Viel entscheidender ist (siehe Urberliner in Beitrag 8), dass sich im Laufe der Jahrhunderte seit es solche Gaerten gibt die Lebens- und Arbeitsumstaende der Menschen massiv geandert haben. Was frueher einmal eine gute Sache gewesen sein mag, das kann unter den heutigen Umstaenden eher schaedlich fuer die Stadt sein weil es einige wenige zu Lasten vieler anderer privilegiert. Es ist nicht einzusehen, warum Wohnungen in schlechterschlossenen Randlagen gebaut werden sollen, solange es noch zahlreiche mit Kleingaerten belegte und somit untergenutzte zentral gelegene Flachen gibt.


    Hamburg braucht dringend Flaechen fuer den Wohnungsbau und die Stadt hat kein Geld mehr um endlos neue U- oder S-Bahnen zu bauen. Solange es in Hamburg noch zahlreiche Kleingartenalagen gibt, die relativ stadtnah und gut erschlossen liegen, sollten diese Flaechen dringend in Gebiete fuer Stadtentwicklung, insbesondere fuer mittelpreisigen Geschosswohungsbau umgewandelt werden.


    Es ist nicht einzusehen, warum es einem alleinverdienenden Familienvater (bzw -mutter) zumutbar sein soll 250 Tage im Jahr jeweils 2 Stunden am Tag zu zwischen einer bezahlbaren Wohung und seinem/ihrem Arbeitsplatz in der Innenstadt zu pendeln, waehrend es dem Kleingaertner nicht zumutbar sein soll 100 Tage im Jahr (z.B. rund ums Jahr je 2 Tage die Woche oder je 4 Tage die Woche im Sommerhalbjahr) die gleiche Strecke zu seinem Garten zu pendeln.


    Voellig 'defizitaer' wird das ganze unter Beruecksichtigung der Lohnsteuer: Hamburg subventioniert derzeit stadtnahe Flaechen fuer Laubenpieper, damit der/die Berufstaetige pendeln muss und somit seine/ihre Steuern ggf. in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein entrichtet statt in Hamburg! Damit muss Schluss sein! Flaechen fuer Wohungen in Hamburg frei machen heisst auch, Steueraufkommen zu halten bzw nach Hamburg zu bringen.


    Also nichts gegen Kleingaerten an sich: Aber in halbwegs zentralen Lagen haben sie nichts verloren und gehoeren konsequent aufgeloest und bebaut.