Historie des Schauspielhauses

  • Historie des Schauspielhauses

    Mod: In diesem Thread geht es um die bauliche Vergangenheit des Opern- und Schauspielhauses. Für Aktuelles gibt es diesen Strang.
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    Ich habe absolut nichts gegen Nachkriegsbauten. Manche sind durchaus erhaltenswert. Aber das Schausspielhaus ist einfach nur hässlich. Und das mitten in der Stadt, einen Kieselsteinwurf vom Bankenzentrum entfernt. Mal ehrlich, hätte es nicht Helmut Kohl gegeben, kein Zentralbanker dieser Welt hätte freiwillig ein Büro mit Ausblick auf dieses Gebäude gewählt.


    So weit ich weiß steht noch ein Teil des Alten Schausspielhauses, mnämlich im Bereich der Oper. Er wurde einfach nur umbaut. Dieser Teil müsste schon mal nicht rekonstruiert werden. Natürlich müsste die Stadt GEld in die Hand nehmen, aber 40 Mio. € kostet das jetzige Monster ja schon. Mit Spenden ließe sich vielleicht ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag realisieren (In Hamburg wurde bspw. für die neue Elbphilharmonie 30 Mio. allein von einem privaten Spender gegeben). Vielleicht gibt die Polytechnische Gesellschaft ja was dazu oder finanziert einen länger laufenden Kredit.


    Zudem sollte man bedenken, dass Innen ja nicht alles rekonstruiert werden muss, z. B. die Werkstätten.


    Ich denke schon das das geht. Wenn nicht heute dann vielleicht in 3-5 Jahren. Die warten schon seit 16 Jahren auf neue Werkstätte, dann müssen sie halt noch einbischen warten. Es ist wie mit der Altstadt: Lieber noch etwas warten und dann den großen Wurf wagen als ihn wieder für etliche Jahrzehnte zu verspielen.

  • Der Umbau geht ja absolut gar nicht, Städtebau der übelsten Sorte und architektonisch auch nichtmal durchschnittlich.


    Zum Alten Schauspielhaus: würde mich mal interessieren, was davon alles noch steht, der Bühnenturm musste ja leider in den 90ern nach Einsturz ersetzt werden.



    Btw: Wenn das Geld nicht wäre könnte man ja erst ein Konzerthaus neubauen, dann die Oper von innen rekonstruieren und wenn das beendet ist das Schauspielhaus rekonstruieren. Dann ist zwar nicht mehr beides am selben Ort aber beides in absoluten Top Gebäuden, die man auch für Empfänge, Veranstaltungen etc. nutzen könnte. Da sich aber niemand traut so ein sündhaft teures Projekt zu finanzieren wird das Geld lieber in 20 kleinere Bauprojekte mit weniger Wirkung investiert... und die, die eine schöne Atmosphäre in der Oper oder im Theater wollen fahren halt nach Wiesbaden.

  • Hier nun wie versprochen einige Bilder:


    Hier sieht man wie das Schauspielhaus vor dem Krieg aussah:


    http://www.deutsches-architekt…e/Galerie/data/504/37.jpg">


    Hier sieht man es danach, ziemlich gut erhalten wie ich finde:


    http://www.deutsches-architekt…e/Galerie/data/504/25.jpg">


    http://www.deutsches-architekt…e/Galerie/data/504/45.jpg">


    Wie Booni erwähnte war der Bühnenturm leicht lädiert, diesen hätte man jedoch ohne grosse Mühe rekonstruieren können.


    Doch dann entschied man sich die kleinen Türmchen abzutragen, die Fassadenelemente auf grausame Weise einfach so abzuschlagen:


    http://www.deutsches-architekt…/Galerie/data/504/142.jpg">


    Um schliesslich diese hässliche absolute Fehlkonstruktion um den erhaltenen Hauptteil des Bühnenhauses zu bauen.
    Letztendlich sah das ganze dann so aus und heute leider immer noch:


    http://www.deutsches-architekt…Galerie/data/504/1421.jpg">


    Welch schrechlicher Niedergang eines einstmals so wundervollen Gebäudes:


    http://www.deutsches-architekt…a/504/Schauspielhaus2.jpg">


    http://www.deutsches-architekt…04/Das_Schauspielhaus.jpg">


    Hier einmal eine Sicht aus Sachsenhausen:



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    http://www.deutsches-architekt…ta/504/Schauspielhaus.jpg">


    Zum Abschluss ein eingefärbtes Bild:


    http://www.deutsches-architekt…/504/Schauspielhaus05.jpg">


    Ihr seht, die damalige Administration Frankfurt hat hier wissentlich zugelassen dass ein wirklich herrliches Gebäude einfach so zerstört werden konnte.
    Und anscheinend ist das Schauspielhaus bereits in die vollständige Vergessenheit geraten.


    Traurig.



    Hier für Jai-c die gewünschte Sicht:



    Dieses Bild steht unter der GNU Lizenz, http://de.wikipedia.org/wiki/B…assade_Oper_Frankfurt.jpg

  • Das ist ja wirklich unglaublich - man hätte das alte Gebäude ohne Probleme retten können. :nono:
    Der Rückbau wäre zu begrüßen, auch wenn die Fläche des alten Gebäudes den Anforderungen wohl bei weitem nicht mehr gerecht werden würde...


    @3rdWave: vielen Dank für die aufschlussreichen Bilder.

  • Klar ist, das bei einer Reko für einige Zeit die Bühnen ausgelagert werden müssten und das es für ca. 2 Jahre nur eine Behelflösung gebe. Aber die Oper könnte doch auch in die Alte Oper oder nach Wiesbaden und Darmstadt ausweichen. Und für das Schauspielhaus gibt es in der REgion auch genug Ausweichquatiere. Oder in FFM das Depot oder die Festhalle. Wenn man eine Lösung will findet man sie auch.


    Der Platz ist natürlich ein Problem. Früher war das Gebäude nur ein Schauspielhaus, keine Oper. Ich weiß nicht, ob man das nicht auch beides kombinieren könnte, das müsste theoretisch möglich sein.


    Auch hier gilt wie gesagt: Eine Reko von außen ist das primäre Ziel. Innen kann man ja eine geänderte Raumaufteilung wählen und eine abgespeckte Version wählen. Besser als heute wird es allemal. Später, sollte die Stadt je wieder zu Geld kommen kann man weitersehen.


    Zur Finanzierung: Ich bin mir sicher, dass die Unternehmen am Platz ordentlich etwas dazu geben würden. Die Banken oder Altana sind für ihre Kulturförderung bekannt. Und Familien wie Quandt gäben sicher auch etwas dazu. Kostenpunkt für die Stadt: Eine Ehrung in der Alten Oper und eine schöne Plakette im neuen "alten" Schauspiel.

  • Was für eine traurige Geschichte dieses Schauspielhaus doch erzählt. Hatte ja absolut keine Ahnung, dass noch soviel nach dem Krieg erhalten war. Eine absolute Schande!


    Und was jetzt vorgeschalgen wurde vergrössert diese Schande nur noch! :Nieder:

  • Das heutige Theater verfügt über die größte Sprechtheaterbühne Europas und nur sehr wenige Schauspielhäuser haben derart umfassende Werkstätten. So häßlich das Gebäude auch ist, eine Reko ist aus praktischen Grüden nicht möglich und ein Reko mit dauerhafter Umverlegung eines Betriebs (Theater oder Oper) würde ich aus städtebaulicher Sicht ablehnen, da Frankfurt hier zusammen mit dem englischen Theater im Gallileo sowas wie ein ausbaufähiges Kultureck geschaffen hat.
    Ich denke die richtige (und weit entfernte) Zukunft liegt in einem ansprechenden Neubau. Es gibt ja mittlerweile viele Beispiele der jüngeren Architektur von Sydney über Singapur bis nach Hamburg, die zeigen, dass das Neue dem alten in nichts nachstehen muss.

  • Miks Vorschlag gefällt mir sehr gut. Eine Reko würde aus praktischen Gründen scheitern.


    Ein Moderner Theaterneubau wäre die beste Lösung. aber es muss schon ein wenig spektakulär sein.


    Vielleicht kann man ja einen Teil aus Spenden finazieren wie jetzt in Hamburg beim Phillamonieprojekt geschehen.

  • @ 3rdwave: Danke für die Fotos und Infos. Allerdings meine ich mit dem Bühnenturm nicht den neuen Wiederaufbau nach dem 2ten Weltkrieg sondern den Einsturz nach Brandstiftung in den frühen 90er Jahren des 20. Jh's.



    Ich denke, eine Rekonstruktion ist durchaus möglich wenn man wollte, man kann den Rest ja drumherum bauen oder die Oper wieder in die Alte Oper verlegen und das Schauspielhaus als solches nutzen. Aber gerade mit der Tatsache, dass die tragenden Mauern noch erhalten sind bietet sich eine Rekonstruktion hier an. Wäre eine weitere Sehenswürdigkeit für Frankfurt. Und das die Qualität der aufgeführten Stücke dadurch abnehmen würde glaube ich nicht, die Qualität ist nämlich nicht vom Gebäude sondern vom Team abhängig.

  • Wieso heißt eine Reko denn ,das man eine kleinere Bühne bauen muss? Es gibt durchaus die Möglichkeit innen gnaz neu zu planen. Das Optimum wäre ein Wiederaufbau des Schauspiels, Umzug der Oper in die Alte Oper und Neubau eines Konzerthauses. Denn die Akustik in Alten Oper ist meines Wissens nach nicht ganz "optimal". Aber das ist nun wirklich Wunschdenken.

  • Interessant ist noch, dass das Schauspielhaus gleich nach dem Krieg zur Oper umgebaut umgebaut wurde. Das Schauspiel war in der Zeit in der Börse eher schlecht als recht untergebracht. Ein neues Schauspielhaus und eine kleinere Bühne musste also her!


    Die aus heutiger Sicht fatale Entscheidung fiel Ende der Fünfziger: Durch wesentliche Erweiterung des Schauspielhauses nach Osten sollte eine Doppelanlage entstehen. Daraufhin wurden die Fassaden des Schauspielhauses abgeschlagen und die Reste in die wesentlich größere Doppelanlage integriert. Deswegen wäre eine Rekonstruktion des Schauspielhauses heute auch so schwierig.


    Eine Grafik, die die immer noch aktuelle Aufteilung der Doppelanlage zeigt:



    Rechts die Oper, links das Schauspielhaus. Unten der Willy-Brandt-Platz, oben die Hofstraße. Das gmp-Monster würde in die Ecke oben links gesetzt. Eine historische Ansicht des Schauspielhauses:



    Bild oben: Stadt Frankfurt am Main, Bild unten: gemeinfrei (urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen)

  • Das verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Gerade weil innen noch das alte Schaupielhaus erhalten ist, müsste ein Wiederaufbau doch relativ leicht sein.


    GBei diesen Dikussionen wird auch immer davon ausgegangen, dass man alles nach alter Tradition aufbaut. Man kann das Gebäude aber ruhig aus Beton wiederaufbauen und die Fassade nur ankleben. Da gibt es optisch keinen Unterschied.

  • O.K.
    Wäre das alte Schauspiel noch da wäre es klasse.
    Aber lassen wir doch mal das träumen sein. Das Konzerthaus alte Oper in eine Oper zurückbauen nur um die vorhandene Oper in ein Schauspiel umzubauen und das Schauspiel abzureißen. Und noch einen Konzertsaal bauen.
    Naja...
    Ein Rückbau wird niemals passieren. Das hätte zuviele Folgen als das es sich lohnen würde. Für das Geld bau ich dann doch lieber 60 Kindergärten und hätte noch was übrig.


    Und außerdem, wie schon gesagt, ich finde die Front echt nicht schlecht. Es geht doch nur darum eine Lösung für die Workshops zu finden, die nicht so uninspiriert ist wie die von GMP.

  • Die Frauenkirche gilt als Symbol der deutschen Wiedervereinigung und hat Bundesweite Spendenaktionen hervorgebracht. Und die Stadtbibliothek ist wohl in einer etwas kleineren Kategorie.


    Aber natürlich darf jeder Träumen, und wer weiß...



    PS: Wenn schon wiederaufbauen, dann hätte ich gerne das Schumann-Theater zurück. Vom Jugendstil hat das biedere Frankfurt eh zu wenig abbekommen.

  • Ach ja wenn wir schon beim träumen sind, das Schumann-Theater, davon erzählt mir meine Großmutter immer, wenn ich auf Frankfurt zu sprechen komme...
    Mit dem Gebäude müsste aber auch die Nutzung wiederkommen. So ein klassisches Variete könnte touristisch sogar funktionieren. Das würde diese Ecke dann erheblich aufwerten und eine Brücke vom Bahnhof zum (erträumten) UEC erstellen, wenn ich mit der Position am Nordwesten des Bahnohsviertels richtig liege?

  • Wo das Schumann-Theater war, ist heute dieses Bürogebäude mit der Leuchtreklame für Varig. Zwischen Karlstraße und Taunusstraße, mit Front zur Straße "Am Hauptbahnhof". Dahinter, vom Hbf. aus gesehen, ist zur Zeit die Baustelle für den neuen DB-Bürokomplex.

  • Das Schausspielhaus war auch Jugendstil.


    Einen Mieter für das Schuhmann-Theater gäbe es, den Tigerpalast. Aber das ist dank des DB NEubaus eh aus der Welt.


    Eine Reko ist schon deshalb ein Muss, weil Du an die Stelle keinen umwerfenden Neubau setzen kannst. Dann müsstest Du den alten Teil der Oper, der wohl echt schön sein soll, abreißen. DA würde aber der Denkmalschutz nicht mitmachen. Ergo gäbe es immer nur ein Rumgeswurschtel das niemanden wirklich glücklich machen würde.


    Ich bin durchaus Realist und deshalb sage ich auch, dass die Planung über die nächsten Jahre geschehen sollte. Die können doch nun wirklich noch ein bischen auf die Werkstatt warten. Ausserdem hat die STadt doch genug überflüssige Flächen in der ganzen Stadt für einen horrenden preis angemietet.


    Flächen für einen Neubau in unmittelbarer gäbe es ja. Die Stadt kann in ihrem Bebauungsplan für das Degussaareal ja vorschreiben was sie will. Wie wäre ein Deal Hochhaus gegen Oper? Ich glaube das Geld ist wirklcih die kleinste Sorge. Es gibt genug alte Menschen die Unsummen für Kunst hergeben (s. Giersch).

  • Die Schwäne sollten wieder da hin wo sie hin gehören: an den originalen Platz an der Fassade.
    Auf das architektonische Verbrechen von 1962 gibts nur eine Antwort: Rekonstruktion der Fassade so weit wie möglich (vor allem Türmchen und Bühnenturm). Und der Anbau drumrum sollte möglichst transparent werden, damit auch von außen wieder die alte Pracht erkennbar wird. Dann muss man nur noch den Neubau und die Rückseite ansprechend umbauen so dass der ganze Komplex stimmig aussieht.

  • Davon träume ich schon lange. Eine vollständige Rekonstruktion des alten Schauspielhauses, bzw. dem Rückbau der scheusslichen Anbauten.
    Es wird aber vermutlich leider eine Utopie bleiben.